diagnose funk

"Endlich mal zuhören! Richtig hinschauen, nachlesen, verstehen – das wären meine Wünsche an die Politik."

5G-Anbieter.info im Interview mit Jörn Gutbier von diagnose:funk zur Strahlenbelastung von LTE/5G
Leipzig, 07.06.2021. Ende 2018 sprachen wir erstmals mit Jörn Gutbier vom der Umwelt- und Verbraucherschutzorganisation „diagnose:funk e.V.“ über mögliche gesundheitliche Gefahren und Risiken beim/zum 5G-Ausbau.Damals hatte dieser noch nicht einmal begonnen. Nun, nach über zwei Jahren, ist der 5G-Netzausbau sogar weit, weit schneller vorangeschritten, als wir es uns damals hätten vorstellen können. Zumindest die Deutsche Telekom hat ein enormes Tempo vorgelegt und erreichte Ende 2020 schon mindesten 40 Mio. Verbraucher bzw. zirka 50 Prozent der Bevölkerung. Mindestens 12.000 5G-Funkantennen hat allein dieser Anbieter bis dato in Betrieb. Hinzu kommen noch die Anlagen von Vodafone und seit Ende des Jahres auch von O2. Grund genug also, noch einmal nachzuhaken! Welche Befürchtungen haben sich erfüllt, welche waren ggf. unbegründet? Und welche wissenschaftlich-, gesellschaftlich- sowie politischen Entwicklungen gab es zum Themenkomplex rund um mögliche Gesundheitsrisiken durch 5G bisher?
Jörn Gutbier. Bild: diagnose:funk

5G-Anbieter.info: Hallo Herr Gutbier. Erst einmal vielen Dank für das neue Gespräch und ich hoffe, Sie sowie alle Mitarbeiter/Mitstreiter sind soweit von Corona bisher verschont geblieben!

Jörn Gutbier: Danke der Nachfrage. Auch bei uns hatten sich zwei KollegInnen angesteckt, aber zum Glück gar keine oder nur grippeartige Symptome wie Kopf- und Gliederschmerzen entwickelt. Aktuell ist alles Bestens und wir hoffen, bald wieder an die großen öffentlichen Veranstaltungen vom Winter und Frühjahr 2020 anknüpfen zu können. Derweil haben wir eine Webinar-Reihe gestartet, die jetzt im Zweiwochentakt mit aktuell 150 bis 300 Teilnehmern auf großes Interesse stößt.

5G-Anbieter.info: Seit unserem letzten Interview sind ja, wie schon erwähnt, nun mehr als zwei Jahre vergangen. Viel Zeit also, in der es sicher einige neue Entwicklungen gab. Vorerst wäre sicher interessant, ob es seither aus wissenschaftlicher Sicht neue Erkenntnisse hinsichtlich möglicher Gesundheitseffekte es durch 5G gibt? Und: Liegt 2020 schon eine Art Technikfolgenabschätzung seitens der Politik/Wissenschaft zu 5G bereits vor?

Jörn Gutbier: Leider nein. Die Auskunft des Büros für Technikfolgenabschätzung des Bundestages (TAB) auf unsere Anfrage, wann denn eine Folgenabschätzung zu 5G vorliegen wird, war am 13.08.2020 folgende: „…ein TA-Bericht zu den Auswirkungen von 5G ist zurzeit nicht vom Bundestag geplant.“ Das ist schon vielsagend! Aber viel spannender ist, dass das TAB ja bereits 2017 den Auftrag erhielt, eine auf die Mobilfunktechnologie im Allgemeinen gerichtete Technikfolgenabschätzung zu erstellen, die zwar abgeschlossen, aber immer noch nicht veröffentlicht wurde.

Wie wir jetzt durch Zufall erfahren haben, hat das TAB offensichtlich den Bock zum Gärtner gemacht. Die Beauftragung des wahrscheinlich wichtigsten Teils des Gutachtens, die Beurteilung „zum Stand des Wissens über mögliche gesundheitlichen Wirkungen von Mobilfunkexpositionen“, wurde quasi direkt bei der Mobilfunk- und Elektroindustrie in der Schweiz in Auftrag gegeben! ...

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PRESSEMITTEILUNG DES 5G-ANBIETER.infos ZUM INTERVIEW MIT JÖRN GUTBIER

 

Zur Bewertung von Gesundheitsrisiken durch Mobilfunk und 5G hat die Politik offensichtlich einen Lobbyverband beauftragt, wie eine Verbraucherschutzorganisation nun kritisiert.

 

PresseBox, Leipzig, 16.06.21. Mit jeder neuen Mobilfunkgeneration steht erneut die Frage nach möglichen gesundheitlichen Risiken im Raum. So auch seit 2019 im Zuge des 5G-Ausbaus in Deutschland. Auch das Büro für Technologiefolgeabschätzung des Deutschen Bundestags (TAB) hatte eine Studie zur Bewertung möglicher Gesundheitsfragen von Mobilfunkstrahlung beauftragt. Diese trägt den Titel „Mobilfunk – ein Risiko? – Zum Stand des Wissens über mögliche gesundheitliche Wirkungen von Mobilfunkexpositionen“[1].

Die Umwelt- und Verbraucherschutzorganisation „diagnose:funk“ weist nun auf einen Umstand hin, der die Unabhängigkeit dieser Arbeit in Frage stellt und damit indirekt auch den Willen nach Aufklärung seitens der Bundesregierung. Denn die Arbeit wurde von der Forschungsstiftung Strom und Mobilfunkkommunikation (FSM) im Auftrag des Büros für Technologiefolgenabschätzung vom Deutschen Bundestag durchgeführt. Zum FSM gehören aber vor allem Mobilfunk-Unternehmen. Namentlich erwähnt die Stiftungsseite Swisscom, Salt, Sunrise, Ericsson und Huawei. Die Bundesregierung hat also eigentlich eine mobilfunknahe Organisation beauftragt, welche dann die Risiken der eigenen Industrie bewerten soll. „Das ist ein echter Lobby-Skandal, was sich das Büro für Technikfolgenabschätzung des Bundestags da leistet!“, sagt Jörn Gutbier, Vorsitzender von diagnose:funk. Vielmehr hätten natürlich unabhängige Wissenschaftler und deren Studien herangezogen werden müssen, um mögliche Gesundheitsrisiken für Verbraucher zu bewerten.

In einem neuen Interview mit dem Verbraucher-Informationsportal 5G-Anbieter.info gibt Gutbier ausführlich Auskunft zum aktuellen Stand rund um die Risikobewertung von 5G und Mobilfunk allgemein. Darin übt er scharfe Kritik an der Vorgehensweise und vergleicht das Vorgehen des TAB mit einem handfesten Lobbyismus-Skandal. Genauer gesagt mit dem Vorgehen der Tabak-Lobby ab den 1950er Jahren, als führende Zigarettenhersteller einen Lobbyverband namens ‚Tobacco Institute, Inc.‘ gründeten um die Gefahren des Rauchens zu untersuchen.

Link zum vollständigen Interview: https://www.5g-anbieter.info/interviews/21/gutbier.html

Gutbier verweist auch auf fast 100 Reviewstudien zum Thema[2], bei denen Mobilfunk durchaus Auswirkungen auf Fruchtbarkeit oder Krebs zugeschrieben wird. Das Bundesamt für Strahlenschutz sieht zumindest bei 5G keine veränderte Risikolage. In einem Interview mit 5G-Anbieter.info aus dem Jahr 2019 hieß es, die wissenschaftlichen Forschung liefert bei der „Auswertung der heute insgesamt vorliegenden Daten aus Sicht des BfS keine wissenschaftlich nachvollziehbaren Belege für nachteilige Gesundheitswirkungen bei Expositionen unterhalb der von der EU empfohlenen Grenzwerte“. [3]

Allerdings sah man noch Forschungsbedarf bei den geplanten mmWave-Frequenzen. Hier gäbe es „noch eine Reihe offener Fragen. So soll 5G in einigen Jahren neben den bisher verwendeten auch in höheren Frequenzbereichen (26 GHz, 40 GHz und bis zu 86 GHz) genutzt werden. Zur Wirkung dieser Frequenzbereiche liegen im Vergleich zu den heute gebräuchlichen Frequenzen weniger Untersuchungsergebnisse vor.“ [3]

[1] https://www.sunrise.ch/...

[2]  https://www.diagnose-funk.org/...

[3] https://www.5g-anbieter.info/...

5G-Anbieter.info

5G-Anbieter.info ist ein unabhängiges Verbraucherportal rund um den 4G Mobilfunknachfolger. Die Seite bietet für interessierte Nutzer alle nötigen Hintergrundinformationen zu Anbietern, Tarifen, dem Ausbau und der nötigen Hardware. Zudem liefert die Redaktion neben Testberichten auch Interviews mit wichtigen Akteuren der 5G-Branche.

https://www.pressebox.de/pressemitteilung/5g-anbieterinfo/Mobilfunk-Risikostudie-fuer-die-Bundesregierung-Zweifel-an-der-Unabhaengigkeit/boxid/1063734

Publikation zum Thema

Format: A5 Seitenanzahl: 92, Preis 6,00 Euro Veröffentlicht am: 19.10.2020 Bestellnr.: 788ISBN-10: 978-3-88515-321-4Sprache: DeutschHerausgeber: pad-Verlag 59192 Bergkamen, Am Schlehdorn 6

Fortschritt 5G? Mythen für den Profit.

Smart City, Smart Country, Breitband und 5G – die Folgen für Demokratie, Mensch und Umwelt
Autor:
Jörn Gutbier / Peter Hensinger
Inhalt:
Artikel: Fortschritt 5G? Über 5 Mythen! / Mit Akzeptanz-Managern gegen 5G-Proteste / Zellen im Strahlenstress. Zum Stand der Forschung über Sendemasten, Smartphones, Tablets & Co. Diese Broschüre analysiert im Hauptartikel anhand neuestem Material die Ziele des 5G-Ausbaus und seine Folgen, v.a. auch für die Umwelt. Ein zweiter Artikel beschreibt die Taktiken der Bundesregierung, den Widerstand, der sich trotz der Corona-Krise landesweit entwickelt, in den Griff zu bekommen. Und schließlich stellen die Autoren den aktuellen Stand der Forschung zu den gesundheitlichen Risiken der Mobilfunkstrahlung und 5G dar. Mit 175 Fußnoten sind alle Darstellungen ausführlich dokumentiert. Für alle, die die gegenwärtige gesellschaftliche Entwicklung hinterfragen und v.a. für die Aktivisten der Bürgerinitiativen ist diese neue Broschüre eine Hilfe, sich zu orientieren und ein Nachschlagewerk für neue Argumente in Diskussionen.