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Kalifornien: Appellationsgericht hat "Wi-Fi-Krankheit" als Behinderung anerkannt

Lehrerin gewinnt Prozess. Krankheitsursache: WLAN an der Schule
Ist die Wi-Fi-Krankheit eine Behinderung? Das kalifornische Berufungsgericht hat dies am 18. Februar 2021 in dem Fall Brown gegen Los Angeles Unified School District, Fall Nr. B294240, bejaht. Das Berufungsgericht hiess die Klage einer Lehrerin gut, die eine Behinderung infolge "elektromagnetischer Hypersensitivität" geltend machte.
Bild: Wikipedia

Laurie Brown, Lehrerin, arbeitet seit 1989 im Schulbezirk von Los Angeles. Im Schulhaus, in das sie 2015 wechselte, wurde kurz darauf die alte WLAN-Anlage durch eine moderne Anlage ersetzt. Nach deren Inbetriebnahme verspürte Brown chronische Schmerzen, Kopfschmerzen, Übelkeit, Juckreiz, Hautbrennen, Ohrenprobleme, Atembeschwerden, Entzündungen, Herzrhythmusstörungen, Atemwegskomplikationen, Benommenheit und Müdigkeit. Sie meldete die Symptome ihren Vorgesetzten. Hierauf wurde sie für mehrere Tage von der Arbeit freigestellt. In der folgenden Woche kehrte sie auf den Campus zurück, und die Symptome kamen innerhalb von 2 bis 3 Stunden wieder. Ihr Arzt diagnostizierte daraufhin eine elektromagnetische Hypersensitivität (EHS).

Brown stellte beim Schulbezirk einen formellen Antrag auf Ergreifen geeigneter Schutzmassnahmen. Hierauf wurden in ihrem eigenen und in einem benachbarten Schulzimmer die WLAN Access Points abgeschaltet. Es trat jedoch keine Besserung ein, da alle anderen Access Points rundherum weiter strahlten. Die Leitung erklärte sich nicht bereit, zusätzliche Massnahmen zu prüfen. Nun reichte Brown Klage ein. Sie machte geltend, der Schulbezirk habe sie aufgrund ihrer EHS diskriminiert. Er habe es versäumt, sich auf ihren Zustand einzustellen und habe Vergeltungsmassnahmen gegen sie ergriffen. Das sei ein Verstoss gegen das kalifornische Gesetz für angemessene Beschäftigung und Wohnraum (Fair Employment and Housing Act, FEHA).

Gegen die Klage erhob der Schulbezirk Rechtseinwand. Dieser wurde vom Gericht gutgeheissen. Hierauf gelangte die Lehrerin an das Appellationsgericht. Mit dem Urteil vom 18. Februar 2021 anerkannte dieses, dass die "Wi-Fi-Krankheit" gemäss dem FEHA als Behinderung gelte.

Quelle: Kalifornisches Appellationsgericht / Originalurteil
https://law.justia.com/cases/california/court-of-appeal/2021/b294240.html

WLAN, die jüngste der Funkstrahlungsplagen – historisch gesehen

2008 wurden WLAN-bedingte Beschwerdesymptome von Mitarbeitern in Pariser Bibliotheken bekannt. Die Gewerkschaften schalteten sich ein, und die neuen WLAN-Anlagen der Bibliotheken wurden ausser Betrieb genommen. – Am 4. Januar 2009 berichtete die Sunday Times, dass eine junge Familie aus dem Stadtkern von Glastonbury wegzog, nachdem dort eines der ersten britischen WLAN-Stadtnetze eingerichtet worden war. "Wi-Fi is making us all sick", war ihre Warnung.

Von nun an kamen Meldungen über Beschwerden wegen WLAN in immer dichterer Folge. Ein Beispiel: Kanadische TV-Sendungen mit Interviews von Lernenden, die unter der Strahlung Kopfschmerzen hatten, nicht mehr klar denken und den Bleistift kaum mehr halten konnten, führten am 28. Oktober 2010 zu einem Hearing vor der Schulbehörde von Peterborough (Ontario). Aufgebrachte Eltern forderten das Abschalten der WLAN-Anlagen in den Schulen (siehe Bürgerwelle-Zeitung 3/2011).

Parallel zur steigenden Verbreitung der WLAN-Internetboxen auch in den Haushalten sank die Schlafqualität zahlloser Bewohner. Einen weiteren Schub an WLAN-Beschwerden brachte die Umstellung auf Internettelefonie. Abhilfe war oft einfach: "WLAN weg – Symptome weg!" wurde zur alltäglichen Erfahrung baubiologischer Messfachleute. Doch zwei neuere Schweizer Gerichtsklagen waren leider erfolglos: 1. Der Antrag eines zum Schutz vor nachbarlicher WLAN-Strahlung unter der Kellertreppe nächtigenden Mannes auf Reduktion der Sendeleistung wurde abgelehnt; die WLAN-Box des Nachbars verletze keine gesetzlichen Vorschriften. 2. Abgelehnt wurde ferner ein Verbot von WLAN durch eine Wohnbaugenossenschaft, welche im Mietvertrag die Parteien "zu gegenseitiger Rücksichtnahme" verpflichtet; Funkstrahlung unterhalb des Grenzwertes sei ungefährlich.


Erstveröffentlichung: Peter Schlegel, Bürgerwelle e.V., 27.02.2021

Publikation zum Thema

Format: A 4Seitenanzahl: 20 Veröffentlicht am: 01.02.2012 Bestellnr.: 215Sprache: Deutsch

Elektrohypersensibilität - Tatsache oder Einbildung?

Ein Forschungsüberblick von Genuis/Lipp
Inhalt:
Ein Forschungsüberblick der kanadischen Umweltmediziner Genuis/Lipp über die Ursachen von Elektrohypersensibilität. Als Download finden Sie den Brennpunkt mit einem Vorwort zur Studie. Der komplette Brennpunkt mit der dt. Übersetzung des Forschungsüberblicks ist beim diagnose:funk - Versand bestellbar.
Format: A4Seitenanzahl: 120 Veröffentlicht am: 30.08.2018 Bestellnr.: 711ISBN-13: 978-3-9812598-9-6Sprache: DeutschHerausgeber: Kompetenzinitiative e.V.

Elektrohypersensibilität

Risiko für Individuum und Gesellschaft
Autor:
Franz Adlkofer, Christine Aschermann, Frank Berner, Bernd Irmfrid Budzinski, EUROPAEM Arbeitsgruppe EMF, Karl Hecht, Lebrecht von Klitzing, Wilfried Kühling, Peter Ludwig, Werner Thiede.
Inhalt:
Mit dieser Broschüre hofft die Kompetenzinitiative, die Öffentlichkeit aktuell aufzuklären und elektro(hyper)sensiblen Mitbürgerinnen und Mitbürgern eine nützliche Handreichung zu übergeben für ihre Argumentation gegenüber unaufgeklärten bzw. allzu einseitig „aufgeklärten“ Ärzten, Politikern, Verwaltungsbeamten, Technologen, Firmen, Nachbarn.
Auflage Januar 2017Format: A4Seitenanzahl: 84 Veröffentlicht am: 28.09.2016 Bestellnr.: 591Sprache: DeutschHerausgeber: Europäische Akademie für Umweltmedizin (EUROPAEM) – Arbeitsgruppe EMF

EUROPAEM EMF‐Leitlinie 2016 zur Prävention, Diagnostik und Therapie EMF‐bedingter Beschwerden und Krankheiten

Europäische Akademie für Umweltmedizin (EUROPAEM) – Arbeitsgruppe EMF
Autor:
Igor Belyaev, Amy Dean, Horst Eger, Gerhard Hubmann, Reinhold Jandrisovits, Markus Kern, Michael Kundi, Hanns Moshammer, Piero Lercher, Kurt Müller, Gerd Oberfeld*, Peter Ohnsorge, Peter Pelzmann, Claus Scheingraber und Roby Thill
Inhalt:
Ärzte werden immer häufiger mit Beschwerden unbekannter Ursache konfrontiert. Studien, empirische Beobachtungen und Berichte von Patienten weisen ganz eindeutig auf Wechselwirkungen zwischen Beschwerden und der Exposition gegenüber elektromagnetischen Feldern (EMF) hin. Die individuelle Empfindlichkeit gegenüber Umwelteinflüssen wird jedoch meist außer Acht gelassen.
4. überarbeitete und aktualisierte Auflage Format: A5Seitenanzahl: 100, farbig Veröffentlicht am: 15.09.2019 Bestellnr.: 103Sprache: DeutschHerausgeber: diagnose:funk, Titelfoto: Cora Müller - stock.adobe.com

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Autor:
diagnose:funk / Prof. Karl Hecht
Inhalt:
Welche biologische Wirkung hat die kontinuierliche 10 Hz-Pulsung der 2,45 GHz-WLAN-Technologie? Diese Frage wird im Review von Isabel Wilke „Biologische und pathologische Wirkungen der Strahlung von 2,45 GHz auf Zellen, Fruchtbarkeit, Gehirn und Verhalten" aufgeworfen, aber nicht abschließend behandelt.
Sonderbeilage in Ausgabe 1-2018 / ISSN 1437-2606 / 31. JahrgangFormat: A4Seitenanzahl: 32 Veröffentlicht am: 19.02.2018 Sprache: DeutschHerausgeber: umwelt • medizin • gesellschaft

Biologische und pathologische Wirkungen der Strahlung von 2,45 GHz auf Zellen, Fruchtbarkeit, Gehirn und Verhalten

Review veröffentlicht in umwelt • medizin • gesellschaft
Autor:
Isabel Wilke
Inhalt:
Dieser Artikel ist ein systematischer Review von Studien zu den Wirkungen nicht-ionisierender Strahlung in der Mikrowellen (MW)-Frequenz 2,45 GHz (2.450 MHz), die hauptsächlich für WLAN / WiFi-Anwendungen (Wireless Local Area Network) und den Mikrowellenherd genutzt wird.