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Schweiz: METAS-Messmethode zu (5G-) Beamformingantennen ist untauglich

Worst-Case Messungen in Frankreich zeigen viel höhere Belastungen
Adaptive massiv MIMO Antennen, die sogenannten neuen Beamforming Antennen arbeiten in urbanen, bebauten Gebieten viel komplexer als die verharmlosenden Erklär- und Werbevideos der Industrie vorgeben. Der eine "zielgerichte Beam" wird dabei zu einer Erzählung. Die vom Eidgenössischen Institut für Meterologie (METAS) vorgeschlagene Anwendung des herkömmlichen Antennendiagramms zum Nachweis, wie die schärferen Anlagengrenzwerte der Schweiz eingehalten werden können, wird in einem Bericht von Ing. ETH Thomas Fluri als "vollkommen untauglich" entlarvt. Anfang März 2021 soll über das neue Verfahren entschieden werden.

Kritik an der im Bericht "Messmethode für 5G-NR-Basisstationen im Frequenzbereich bis zu 6 GHz" vom Eidgenössisches Institut für Metrologie (METAS) vorgeschlagenen Messmethode.

Adaptive massiv MIMO Antennen nutzen, wie die Graphik zeigt, Mehrwegverbindungen vermittels Reflexionen an den räumlichen Gegebenheiten. Direkte Sichtverbindungen zu den Endgeräten, ohne Nutzung von zusätzlichen Verbindungen über Reflexionswege, sind unerwünscht. In urbanen Gebieten mit dichter Bebauung, treten sehr häufig Reflexionen auf. Das heutige Schutzniveau darf dabei nicht aufgeweicht werden.

Entsprechend ist die weit verbreitete Vorstellung und von einem "zielgerichteten Beam" zwischen Basisstation und Smartphone falsch und irreführend! In einem urbanen, bebauten Gebiet mit zahlreichen reflektierenden Oberflächen entsteht aus den "Beams" ein Strahlungsnebel, der absolut nicht voraussagbar und stetig variabel ist!

Im Bericht von Ing. ETH Thomas Fluri wird nachgewiesen, dass für die Prognose der Strahlungsausbreitung, die Anwendung von herkömmlichen Antennendiagrammen für adaptive Antennen nicht anwendbar sind. Die Mehrwegausbreitung der Strahlung erzeugt einen räumlich variablen Messraum. Dieser kann sich durch lokale Reflexionen stark verändern. Das Antennendiagramm hingegen geht von einer gradlinigen Ausbreitung aus. Es kann deshalb für die Beurteilung und Konformitätsbewertung der adaptiven Antennen nicht verwendet werden, da sich die Strahlung anders als im Antennendiagramm dargestellt ausbreitet.

Die Sendeleistungen der Antennen über diese Reflexionswege sind natürlich viel höher, als diejenige über die Sichtverbindung. Dazu komme die mehrfache Bestahlung von Personen durch viele reflektierte Beams, die zu einer höheren Exposition führen können.

Es ist zu befürchten, dass das BAFU versuchen wird, die Planungs- und Messmethode von konventionellen Antennen auf adaptive massiv MIMO Antennen zu übertragen, was eine grobe Vereinfachung komplexer Gegebenheiten bedeutete, wodurch fast ausnahmslos nur ein Bruchteil der realen Strahlenbelastung erfasst würde.

METAS Messmethode - ein politisches Instrument zur Vortäuschung unveränderter Imissions- und Anlagegrenzwerte - ´Grenzwerteerhöhung durch die Hintertür`

Es ist offensichtlich, dass die METAS «Messmethoden» versuchen, die Anforderungen aus der Politik, im Speziellen des BAFU, zu erfüllen, indem sie adaptive massiv MIMO Antennen wie passive Antennen messen und beurteilen, was einer „Quadratur des Kreises“ gleichkommt!

Das entspräche einer faktischen Grenzwerterhöhung durch die Hintertür, so wie ihn Bundesrätin Simonetta Myriam Sommaruga, seit Januar 2019 Vorsteherin des Eidgenössischen Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK), bereits angekündigt hat: Sie hat nur "versprochen", dass die geltenden Grenzwerte formal beibehalten werden - nachdem alle Versuche der Mobilfunklobby die Schweizer Grenzwerte aufzuweichen, im Berner Parlament knapp gescheitert waren >>>.

Mit dem Hinweis auf die physikalischen Gegebenheiten wird im Bericht von Ing. ETH Th. Fluri gezeigt, weshalb die vorgeschlagene METAS «Messmethode» für die 5G Signale und deren Hochrechnung, unter Anwendung von festgelegten Antennendiagrammen, für adaptive Antennen ein messtheoretisch vollkommen untauglicher Ansatz ist!

Wie komplex die Signalausbreitung in urbanen Räumen ist und wie adaptive Antennen damit umgehen, veranschaulicht folgendes Video der Universität Lund aus Schweden. (2 min.)

Bild: Vodafone (Screenshot). Simplifizierende (Werbe-) Darstellung des Beamforming

Worst-Case Messungen zeigen massive Unterbewertung der Hochrechnungen

Das Messprotokoll von Thomas Kopacz (RWTH Aachen University) belegt, dass die unter tatsächlichen worst case Bedingungen gemessenen Feldstärken massiv von den mit Hochrechnungen ermittelten Beurteilungswerten abweichen.

Entsprechend sind die akkreditierten Messfirmen mit den METAS-Vorgaben nicht in der Lage, die geforderten Abnahmemessungen durchzuführen, welche auch nur annähernd die Anforderungen an den Schutz von Leib und Leben der Anwohner und die Reproduzierbarkeit der Ergebnisse sicherstellen können!

Ferner weist der Bericht von Ing. ETH Th. Fluri nach, dass das in der BAFU Information an die Kantone vom 17. April 2019 erwähnte «worst case Szenario» den beabsichtigten Zweck nicht erfüllen kann.

Der Hinweis «Bis diese Vollzugshilfe ausgearbeitet ist, können adaptive Antennen in einem worst case Szenario behandelt werden. Die Strahlung wird wie bei konventionellen Antennen nach der maximalen Leistung beurteilt. Damit wird ihre tatsächliche Strahlung überschätzt und die Beurteilung ist auf der sicheren Seite» ist schlichtweg falsch! Bei den adaptiven Antennen ist die Anzahl abgestrahlter Beams variabel, die Verbindungswege sind unbekannt und daher ist kein Antennendiagramm auswertbar.

Franzosen zeigen es geht auch anders

Messungen, welche tatsächlich «worst case Bedingungen» erfüllen (bspw. mit dem messmethodischen Ansatz der französischen Aufsichtsbehörde ANFR), weisen sehr viel höhere Feldstärken nach. Und auch die Beurteilung von massiv MIMO Antennen durch Ericsson auf der Basis isotroper Abstrahlung zeigt, dass die vom BAFU/METAS vorgeschlagenen Messmethoden nicht in der Lage sind, die tatsächlichen HF-EMF Befeldung zu beurteilen!

Referenz [9] „Assessment of the exposure of the general public to 5G electromagnetic waves,
Part 2: first measurement results on 5G pilots in the 3,400-3,800 MHz band“, ANFR, April 2020

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Messmethode hat konkrete Auswirkungen

Welche Bedeutung die Messmethode für die rechtliche Auseinandersetzung in der Schweiz hat, wird in einen aktuellen Urteil zur Zulässigkeit adaptiver Antennen deutlich.

Lesen Sie dazu den Bericht auf "Stopp 5G Winterthur" >>>

Oder den Zeitungsbericht dazu in "Der Landbote" vom 18. Februar >>>

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Klein aber oh hoh

Teaserbild: Wärmeentwicklung bei Beamforming-Antennen erläutert auf Gigaherz.ch >>>

Artikel veröffentlicht:
19.02.2021
Artikel aktualisiert:
19.02.2021
Autor:
diagnose:funk Schweiz