diagnose funk

Landkreis Ebersberg (Bayern): Informationsabend zum neuen Mobilfunkstandard 5G und zur Digitalisierung

Landrat Robert Niedergesäß lud zur Diskussion mit Ministeriumsvertretern, BUND und diagnose:funk ein.
Die Digitalisierung aller Lebensbereiche erfordert eine gesellschaftliche Debatte. Vorbildlich, dass der Landrat des Landkreises Ebersberg (Bayern) dazu für Entscheidungsträger eine Veranstaltung durchführte, mit Ministeriumsvertretern, dem BUND und diagnose:funk. Das ist es auch, was der WBGU (Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen) in seinem Gutachten fordert: Über die Chancen und Risiken muss nachgedacht werden, um Fehlentwicklungen zu verhindern. Über die Veranstaltung bekamen wir zwei Berichte. Danke den Korrespondenten. Ein ausführlicher Bericht steht unter Downloads.
Sparkassensaal Ebersberg: Diskussionsveranstaltung zu Chancen und Risiken der funkbasierten Digitalisierung und zum neuen Mobilfunkstandard 5G. v.li.n.re. Jörn Gutbier (diagnose:funk), Bernhard Brenner (Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit), Moderator Ludwig Karg (B.A.U.M. Consult), Klaus-Peter Potthast (bayerisches Wirtschaftsministerium), Jürgen Merks (BUND). Bild: Stefan Rossmann

Landkreis Ebersberg (Bayern): Informationsabend zum neuen Mobilfunkstandard 5G und zur Digitalisierung

Zum Informationsabend „Chancen und Risiken der digitalen Transformation“ hatte Landrat Robert Niedergesäß am 05.10.2020 eingeladen. Zwei Regierungsvertreter standen für Entwarnung und Wachstumsförderung, zwei „ehrenamtliche Aufklärer“ präsentierten medizinwissenschaftliche und ökologische Argumente gegen immer mehr Datenaustausch per Funk.

Über 50 Teilnehmer, darunter Schulleiterinnen, Bürgermeister, Gemeinderätinnen und Behördenvertreter, sind der Einladung gefolgt. Corona-bedingt mit viel Abstand im großen Ebersberger Sparkassensaal. Der Moderator des Abends, Diplominformatiker Ludwig Karg, sorgte zunächst für ein gemeinsames Grundverständnis elektromagnetischer Wellen, die als Mobilfunkstrahlung immer mehr Menschen Sorgen bereiten - trotz der Entwarnung der Ministerien und Gesundheitsbehörden.

Deren Vertreter, zum einen Dr. Bernhard Brenner vom Landesamt für Gesundheit und Lebensmitteltechnik (LGL), erwartet trotz des zusätzlichen 5G-Netzes durch flächendeckend bessere Netzabdeckung insgesamt eine Entlastung. Die „Versorgung mit modernen Mobilfunkstationen ermöglicht Reduktion von Feldstärken an den Endgeräten“. Brenner sieht Sinn und Verantwortung für eine Strahlungsminimierung beim Konsumenten funkbasierter Services gut aufgehoben. Nur hier könne man massiv auf die physikalisch messbare Dosis Einfluss nehmen. Basisstationen fielen dagegen kaum ins Gewicht, auch nicht aufgerüstete alte oder neue 5G-Sender.

Zum anderen Dr. Klaus Potthast vom bayerischen Wirtschaftsministerium, der sich sicher war, die Grenzwerte seien verlässlich. Da können wir „ein gutes Gewissen haben“, schließlich wären diese nicht nur wissenschaftlich fundiert, sondern auch nachvollziehbar kontrolliert vereinbart worden. Ein totaler Ausschluss jeglicher Risiken wäre niemals mehrheitsfähig. Auch die 0,5-Promille-Grenze für Alkohol am Steuer: eine Kompromisslösung, Ergebnis eines gesellschaftlichen Diskurses. Um überhaupt noch wettbewerbsfähig zu sein und „morgen noch Arbeitsplätze“ zu haben, könnten wir uns dem Fortschritt der Digitalisierung - auch mobil mit 5G – gar nicht entziehen, „weil alle anderen Länder es auch machen.“

Dabei sei 5G gar nicht, wie häufig behauptet, der entscheidende Schritt für „autonom fahrende Autos“ und allein damit bereits unabdingbar für den Standort Deutschland, erläuterte der Vorsitzende von diagnose:funk, Dipl.-Ing. Jörn Gutbier.  Mit dem Fokus auf Glasfaserausbau und klaren Vorgaben wie „Ein Netz für alle“ und „Trennung von Innen- und Außenversorgung“ möchte Gutbier mit einem kleinen Bruchteil der Sendeleistung Mobilfunk wieder zu dem machen, wofür er mal erfunden wurde: Für mobiles Kommunizieren draußen, nicht als höchst ineffizienter Festnetzersatz. 98 Prozent des Datenvolumens laufe in Innenräumen - sogar bei Smartphones 80 Prozent. Mit einer „Umarmungsstrategie“ würden hier in Bayern Bürgermeister „desinformiert“, dass kommunale Mitsprache weder sinnvoll noch zulässig sei. Höchstrichterliche Rechtsprechung habe dagegen die Planungshoheit der Kommune bestätigt.

Dipl.-Geograph Jürgen Merks, Umweltreferent des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), nahm den unermesslichen Rohstoffhunger und den exponentiell wachsenden Energieverbrauch des mobilen Internets in den Fokus. Damit aber würden jegliche Klimaschutzziele bei der geplant wachsenden Datenmenge obsolet; zum Teil über die alle Effizienzvorteile überkompensierenden Steigerungen der Gesamtleistung der Mobilfunksender und WLAN-Router, vor allem aber durch den immensen Stromverbrauch in den Rechenzentren und Datenspeichern. Er forderte von der Politik eine „Suffizienzstrategie“, weil der unersättliche „Datenhunger“ der Wirtschaft immer mehr Energie und Rohstoffe für die Hardware verschlinge.

Am Ende des nicht ganz unerwartet kontroversen Informations- und Diskussionsabends dankte Landrat Robert Niedergesäß allen Beteiligten sowie der Initiatorin des Themenabends Trudi Christof (diagnose:funk e.V. Bayern), die ihn von der Bedeutung einer fairen Erörterung des schwierigen Themas überzeugt hatte - gerade auch für Gemeinden und Schulen. Mobiles Internet und Digitalisierung werde die Kommunen nicht nur technisch herausfordern, sondern auch als Mitgestalter „eines gesellschaftlichen Prozesses“ - mit nicht unbedingt für alle positivem Ausgang.

 

Publikation zum Thema

Format: A5 Seitenanzahl: 92, Preis 6,00 Euro Veröffentlicht am: 19.10.2020 Bestellnr.: 788ISBN-10: 978-3-88515-321-4Sprache: DeutschHerausgeber: pad-Verlag 59192 Bergkamen, Am Schlehdorn 6

Fortschritt 5G? Mythen für den Profit.

Smart City, Smart Country, Breitband und 5G – die Folgen für Demokratie, Mensch und Umwelt
Autor:
Jörn Gutbier / Peter Hensinger
Inhalt:
Artikel: Fortschritt 5G? Über 5 Mythen! / Mit Akzeptanz-Managern gegen 5G-Proteste / Zellen im Strahlenstress. Zum Stand der Forschung über Sendemasten, Smartphones, Tablets & Co. Diese Broschüre analysiert im Hauptartikel anhand neuestem Material die Ziele des 5G-Ausbaus und seine Folgen, v.a. auch für die Umwelt. Ein zweiter Artikel beschreibt die Taktiken der Bundesregierung, den Widerstand, der sich trotz der Corona-Krise landesweit entwickelt, in den Griff zu bekommen. Und schließlich stellen die Autoren den aktuellen Stand der Forschung zu den gesundheitlichen Risiken der Mobilfunkstrahlung und 5G dar. Mit 175 Fußnoten sind alle Darstellungen ausführlich dokumentiert. Für alle, die die gegenwärtige gesellschaftliche Entwicklung hinterfragen und v.a. für die Aktivisten der Bürgerinitiativen ist diese neue Broschüre eine Hilfe, sich zu orientieren und ein Nachschlagewerk für neue Argumente in Diskussionen.
Format: DIN langSeitenanzahl: 8 Veröffentlicht am: 24.01.2019 Bestellnr.: 317Sprache: DeutschHerausgeber: diagnose:funk

5G-Mobilfunk + Smart City

Fortschritt für wen?
Inhalt:
Alle Autobahnen und Straßen, Städte und Kommunen sollen mit zig-tausend neuen Sendemasten und hunderttausenden 5G-Hotspots lückenlos vernetzt werden. Die Folgen: Zunehmende Strahlenbelastung und digitale Überwachung gefährden unsere Gesundheit, die Demokratie und das Klima. Dieser Flyer gibt einen ersten Überblick, was unter dem Schlagwort 5G-Mobilfunkausbau angedacht ist. Totale Elektrosmogverseuchung der Umwelt - alle Wohnungen und Lebensbereiche werden zwangsweise durchstrahlt - keine Orte mehr zur Erholung vom dauernden Elektrostress - Energieverschwendung, explodierender Ressourcenverbrauch und Elektronikmüll ohne Ende - sowie Stück für die Stück die vollständige Überwachung - der Aufbau chinesischer Zustände auch in Deutschland.
Artikel veröffentlicht:
22.10.2020
Autor:
diagnose:funk