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ElektrosmogReport 1/2020 erschienen

Neue Studien zu 5G, Oxidativem Zellstress und Verhaltensänderungen durch Strahlung, neue WLAN Studien.
ElektrosmogReport 1-2020: 5G-Review, Oxidativer Zellstress und Verhaltensänderungen durch Strahlung, neue WLAN Studien

Ausgabe 1/2020 (März 2020), 26. Jahrgang

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Inhalt und Einzelstudien-Besprechungen online auf EMFdata.org:

S. 1 > LTE-Strahlung verändert Aktivität und Verhalten von Mäusen
Broom KA, Findlay R, Addison DS, Goiceanu C, Sienkiewicz Z (2019): Early-Life Exposure to Pulsed LTE Radiofrequency Fields Causes Persistent Changes in Activity and Behavior in C57BL/6 J Mice. Bioelectromagnetics 40, 498–511

S. 3 > Mögliche Grundlagen von Verhaltensänderungen, hervorgerufen durch hochfrequente elektromagnetische Strahlung
Narayanan SN, Jetti R, Kesari KK, Kumar RS, Nayak SB, Bhat PG (2019): Radiofrequency electromagnetic radiation-induced behavioral changes and their possible basis. Environ Sci Pollut Res. 2019;26(30):30693-30710. doi: 10.1007/s11356-019-06278-5

S. 4 > Dynamische Veränderungen in Zellskelettproteinen von olfaktorischen Hüllzellen, die durch hochfrequente elektromagnetische Felder ausgelöst werden                                  Grasso R, Pellitteri R, Caravella SA, Musumeci F, Raciti G, Scordino A, Sposito G, Triglia A, Campisi A (2020): Dynamic changes in cytoskeleton proteins of olfactory ensheathing cells induced by radiofrequency electromagnetic fields. J Exp Biol. January 2020: jeb.217190. doi:10.1242/jeb.217190

S. 6 > Schutzwirkung von Zink vor oxidativem Stress und Apoptose, welcher durch 2,45 GHz Strahlung in HEK293-Zellen hervorgerufen wurde
Özsobacı NP, Ergün DD, Tunçdemir M, Özçelik D (2019): Protective Effects of Zinc on 2.45 GHz Electromagnetic Radiation-Induced Oxidative Stress and Apoptosis in HEK293 Cells. Biol Trace Elem Res. doi: 10.1007/s12011-019-01811-6

S. 7 > Komplikationen durch nicht-ionisierende Strahlung beim Multitasking-Test
Bamdad K, Adel Z, Esmaeili M (2019): Complications of nonionizing radiofrequency on divided Attention. Journal of Cellular Biochemistry 120 (6), DOI: 10.1002/jcb.28343

S. 8 > Erhöhte ROS-Bildung durch Mikrowellen von GSM900 und UMTS, keine DNA-Schädigung und Apoptose in Stammzellen
Durdik M, Kosik P, Markova E, Somsedikova A, Gajdosechova B, Nikitina E, Horvathova E, Kozics K, Devra Davis D, Belyaev I (2019): Microwaves from mobile phone induce reactive oxygen species but not DNA damage, preleukemic fusion genes and apoptosis in hematopoietic stem/progenitor cells. Scientific Reports 9, Art-Nr. 16182, https://doi.org/10.1038/s41598-019-52389-x

S. 9 > Schädliche Wirkungen der 5G-Netzwerk-Technologie unter realen Bedingungen Kostoff RN, Heroux P, Aschner M, Tsatsakis A (2020): Adverse Health Effects of 5G Mobile Networking Technology under Real Life Conditions. Toxicology Letters, doi: https://doi.org/10.1016/j.toxlet.2020.01.020

Zusammenfassung ElektrosmogReport 1-2020

In den letzten 26 Jahren besprach der ElektrosmogReport hunderte Studien zur nicht-ionisierenden Strahlung, die mögliche gesundheitliche Auswirkungen nachweisen. Die Ausgabe 2020-1 fügt 7 neue Studien hinzu. Jetzt stehen auf unserer Datenbank www.EMFData.org 503 Studien, davon 248 im Detail ausgewertet. Die Studienlage wird immer klarer. Das sieht die Industrie anders. Der Berliner Tagesspiegel fragt den Telefonica-Chef Deutschland Markus Haas:

  • "In Hamburg hat jüngst der BUND gegen den 5G-Ausbau protestiert. In der Schweiz gibt es viele Bürgerbegehren gegen den Netzausbau – aus Angst vor gesundheitlichen Risiken durch Mobilfunkstrahlung. Wie schätzen Sie diese Bewegung ein?
    Markus Haas: Uns beunruhigt diese Diskussion sehr, weil sie faktenfrei ist. Es gibt keinerlei wissenschaftlich fundierte Studien, die auch nur irgendeine Gesundheitsgefährdung sehen. Ich muss mich sehr wundern, wenn seriöse Organisationen auf eine populistische Diskussion aufspringen. Das ist nicht gut für Deutschland oder Europa."[1]

Review zu 5G

Der 5G-Review  Kostoff et al. (2020) "Gesundheits­schädliche Auswir­kungen der 5G-Netzwerktechnologie  unter realen Bedingungen", besprochen im ElektrosmogReport, ist eine Antwort auf dieses verkaufsorientierte, faktenfreie Wunschdenken. Der Review weist darauf hin, dass durch die neue 5G-Technik nicht nur Haut und Augen beeinträchtigt werden, sondern auch systemische Wirkungen auftreten. Wenn man die Strahlung in Kombination mit anderen schädigenden Umwelteinwirkungen betrachte, was bisher gar nicht gemacht wird, würden die negativen Auswirkungen der Strahlung erheblich verstärkt. Viele Experimente berücksichtigten nicht Pulsung oder Modulation des Trägersignals.  Zu den bisherigen Frequenzen heißt es in den Schluss­folgerungen:

  • "Leider gibt es eine große Datenlage aus Labor- und epidemiologischen Studien, die zeigt, dass frühere und gegenwärtige Generationen drahtloser Netzwerktechnologien erhebliche negative Auswirkungen auf die Gesundheit haben." Und der Review warnt:
  • "Die Überlagerung einer bereits vorhandenen toxischen drahtlosen Strahlungsumgebung mit 5G-Strahlung wird die bereits nachgewie­se­­nen nachteiligen Auswirkungen auf die Gesundheit noch verstärken. Weit mehr Forschung und Tests von potenziellen 5G-Gesundheitseffekten unter realen Bedingungen sind erforderlich, bevor eine weitere Einführung gerechtfertigt ist."

LTE Strahlung führt zu Verhaltensänderungen

LTE wurde ohne Überprüfung der  Wirkung  auf den Organismus eingeführt. Jetzt erst werden erste Ergebnisse publiziert. Broom et al. (2019) untersuchten die Wirkungen der LTE-Frequenz 1846 MHz auf das Verhalten, wenn Mäuse schon im Mutterleib und nach der Geburt bestrahlt wurden. Das Ergebnis: Die wiederholte Bestrahlung mit niedri­ger Feldstärke im Mut­terleib und kurz nach der Geburt  hatte bei männlichen Mäusen eine lang anhaltende Nachwir­kung bei den erwachsenen Tieren. Das veränderte Verhalten, so vermuten die Forscher, ist auf Veränderungen im Stoffwechsel und im Hippocampus zurückzuführen. Der Review von Narayanan et al. (2019) wertet die Studienlage im Hinblick auf die Verhaltensänderungen "Angststörung", "Fortbewegung" und "Gedächtnis-Lernverhalten" aus. Zu allen Endpunkten wurden Effekte nachgewiesen. Vermutet werden u.a. Veränderungen im Hippocampus, der Großhirnrinde, dem Kleinhirn, der Amygdala und Schädigung von Gliazellen durch die Einwirkung der Strahlung. Als mög­liche grundlegende Mechanismen für die Beeinflussung des Gehirns und damit des Verhaltens durch hochfrequente elek­tromagnetische Felder geben die Wissenschaftler die Produktion von reaktiven Sauerstoffspezies (ROS, Reactive Oxygen Species), Aktivierung apoptoti­scher Signalwege, DNA-Schädigungen sowie eine gestörte Kal­zium-Homöostase an.

Zwei neue Studien zu WLAN, Wirkmechanismus ROS

Die Studien von Öszobaci et al. (2019) und Bamdad et al. (2019) untersuchten die Auswirkung der WLAN Frequenz 2,45 GHz. Diese Resultate  von Öszobaci et al. weisen darauf hin, dass die Bestrah­lung mit 2,45 GHz oxidativen Stress in den Nierenzellen auslöste und dieser durch die Zugabe von Zink abgemildert werden konn­te. Weiters  zeigte sich eine sig­nifikant erhöhte Anzahl von apoptotischen Zellen nach Bestrah­lung ohne Zinkzugabe im Vergleich zur Kontrolle. Die Überprüfung der Apoptose nach Bestrahlung weise  daraufhin, dass das hochfrequente elek­tromagnetische Feld Zellsterben begünstigt und diese Wirkung durch die Zugabe von Zink vermindert werden kann. Bamdad et al. führten 3 psychologische Tests zur Wirkung von WLAN auf das  Kurzzeitgedächtnis, selektive Aufmerksamkeit (Fokussierung auf eine Sache) und geteilte Aufmerksamkeit („Multitasking“) durch. Beim Multitasking hatte die WLAN-Gruppe signifikant schlechtere Leistungen. Als eine Ursachen nehmen die Forscher die Bildung von freien Radikalen (ROS) an. Ebenfalls ROS als  nicht-thermischen schädigenden Wirkmechnismus identifiziert die Studie von Durdik et al. (2019). Die Studie konnte keine DNA-Schädigung und Apoptose in Stammzellen nachweisen, stellt aber fest, dass Nabelschnurblutzellen durch die gepulste Mikrowellenstrahlung einen vorübergehenden Anstieg an ROS durchmachten. Wenn man bedenkt, dass die Bestrahlung mit Mikrowellen lebenslang erfolgt, kann auch geringer Anstieg von ROS nach Kurzzeit-Bestrahlung biologisch von Bedeutung sein für die Krebsentwicklung, geben die Forscher zu bedenken.

Grasso et al. (2020) demonstrieren, dass die Belastung olfaktorischer Hüllzellen (Gliazellen) mit 900 MHz-Strahlung eine Verän­derung in der Organisation verschiedener Zellskelettproteine verursacht. Je nach Amplitudenmodulation wird die Bildung dieser Proteine erhöht oder vermindert. Das könnte sich als ein weiterer Wirkmechanismus herausstellen. Die Belastung mit modulierter Strahlung führe zu einer signifikanten Verminderung der zellulären Lebensfä­higkeit, welche auf die Aktivierung des apoptotischen Sig­nalweges zurückzuführen sei und von der verminderten Bil­dung der Zellskelettproteine bestätigt werde.

Ein Detail der Studie könnte Bedeutung für die 5G Diskussion bekommen. Bei der einen bestrahlten Gruppe erfolgte die Belas­tung mit einem kontinuierlichen elektromagnetischen Feld (KW-Gruppe), während bei der anderen Gruppe ein amplituden­moduliertes Feld (50 Hz) vorlag (MW-Gruppe). Die 5G-Technik scheint diese 50 Hz zu nutzen. Die Ergebnisse von Grasso et al. bestätigen die Ergebnisse anderer Wissen­schaftler, die zeigen, dass synthetische, kontinuierliche elektromagnetische Felder wesentlich weniger bioaktiv sind als reale z.B. durch Mobiltelefone ausgesendete Strahlung (siehe dazu auch die Studien von Panagopoulos, Vornoli und Smith-Roe im ElektrosmogReport 4-2019).

Quellen:

[1] https://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/telefnica-deutschland-chef-im-interview-uns-beunruhigt-die-faktenfreie-diskussion-ueber-5g/25578250.html, 24.02.2020

Die diagnose:funk Datenbank www.EMFData.org dokumentiert 503 Studien