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ElektrosmogReport 4/2019: Neue Studien zu Mobilfunk-Strahlung belegen Gesundheitsgefahren

Pressemitteilung von diagnose:funk, 12.12.2019
UMTS- und LTE-Mobilfunkstrahlung schädigen Erbgut und Fruchtbarkeit, WLAN-Strahlung führt zu hohem Blutzuckerspiegel

Stuttgart, 12.12.2019: Die Umwelt- und Verbraucherorganisation diagnose:funk veröffentlicht heute die Dezember-Ausgabe des ElektrosmogReports (4/2019). Die darin besprochenen wissenschaftlichen Studien zu Mobilfunkstrahlung (UMTS und LTE) weisen DNA-Schäden und verminderte männliche Fruchtbarkeit nach – und dies im Fall der UMTS-Studie schon nach 15 Minuten Bestrahlung durch ein Mobiltelefon. Eine dritte besprochene Studie weist einen erhöhten Blutzuckerspiegel aufgrund verminderter Insulinproduktion durch WLAN-Strahlung nach.

Peter Hensinger, zweiter Vorsitzender von diagnose:funk und für den Bereich Wissenschaft zuständig: „Die Studien, die im neuen ElektrosmogReport besprochen werden, widerlegen erneut und eindrücklich die verharmlosende Rhetorik des Bundesamts für Strahlenschutz zu Gesundheitsgefahren durch Mobilfunk-Strahlung. Das Bundesamt und die Bundesregierung müssen aus diesen neuen Studien Konsequenzen ziehen: Schluss mit dem Mythos der ungefährlichen Mobilfunk-Strahlung! Wir brauchen ehrliche Verbraucheraufklärung und wirksame Maßnahmen zur Reduzierung des hochfrequenten Strahlungspegels. Denn nur solche Maßnahmen tragen den wissenschaftlichen Erkenntnissen Rechnung und leiten den Weg ein zu einer gesundheitsverträglichen mobilen Kommunikation.“

Die Studien im ElektrosmogReport 4/2019 im einzelnen:

  1. Die Studie von Panagopoulos weist für eine UMTS-Frequenz nach, dass schon nach 15 Minuten Bestrahlung Chromosomenveränderungen um 100 bis 275% ansteigen und dies wahrscheinlich auf DNA-Schädigungen zurückzuführen ist. Dies sei ein nicht-thermischer Effekt, die Bestrahlung erfolgte durch ein Mobiltelefon in 1 cm Abstand. Frühere Studien über Mobilfunkstrahlung an Lymphozyten erzielten keine einheitlichen Resultate. Der Autor schreibt dies unter anderem der Verwendung von simulierten Feldern bei früheren Studien anstatt realen Geräten als Strahlungsquelle zu. Die hohe Variabilität neuerer Mobilfunkstrahlung mache sie sehr bioaktiv.
     
  2. Eine chinesische Forschungsgruppe (Yu et al.) bestrahlte Hoden mit LTE-Mobilfunkstrahlung (4G). Zu LTE gibt es bisher fast keine Forschung. Als nicht-thermische Effekte traten nach 150 Tagen Bestrahlung u.a. auf:
    - erhöhte Störung der Spermienbildung
    - signifikanter Keimzellverlust
    - verminderte Höhe des Epithelgewebes (Deckgewebe)

    Langfristige Bestrahlung führte demnach zu direkten morphologischen Schäden der Hoden bei den Versuchstieren, außerdem erhöhter oxidativer Zellstress (führt zu entzündlichen Erkrankungen) in den Hoden und erhöhter Zelltod (Apoptose).

    Wirkmechanismus: Ein Protein wurde durch die Strahlung hochreguliert.
    Die beobachteten Effekte können zur Einschränkung der männlichen Fruchtbarkeit führen. Die Arbeitsgruppe empfiehlt Männern, ihr Smartphone nicht in der Nähe ihrer Hoden zu tragen.
     
  3. Die Arbeitsgruppe Vornoli et al. (2019) des Ramazzini-Instituts legt einen neuen Review (Studienüberblick) zur Karzinogenität und Fruchtbarkeitsstörungen vor. Es wurden nur Studien aufgenommen, die die Leitlinien der OECD und des NTP (National Toxicology Program, USA) erfüllen:
    (1) mindestens 50 Tiere jeden Geschlechts pro Dosisgruppe und pro Kontrollgruppe
    (2) mindestens drei Dosierungen
    (3) Dosierungsperiode und Dauer der Studie mindestens 24 Monate

    Die Ergebnisse nach Bestrahlung durch Mobilfunk, nach Versuchstieren unterteilt:
    - erhöhte Tumorraten bei 50% der Arbeiten an Ratten und Mäuse
    - männliche Fruchtbarkeit signifikant beeinträchtigt bei 70% der Studien an Ratten, bei 100% der Studien an Mäuse und Kaninchen
    - weibliche Fruchtbarkeit verschlechtert bei 40% der Studien an Mäusen und bei 45% der Studien an Ratten

    Bemerkenswerte Schlussfolgerung der Autoren: Die Versuche des NTP- und Ramazzini-Instituts (jeweils 2018) nutzten simulierte Signale durch Generatoren anstatt die Signale realer Mobiltelefone oder Basisantennen. Die realen Signale seien wesentlich unvorhersehbarer, variabler und damit bioaktiver. Die NTP-Studien und die Ramazzini-Studie könnten die möglicherweise schädigende Wirkung von Hochfrequenzstrahlung folglich unterschätzen.
     
  4. Evaluationsstudie der NTP-Arbeitsgruppe Smith-Roe et al. (2019), in der die Relevanz der NTP-Studie zur Karzinogenität bestätigt wird.
     
  5. Mosoumi et al. (2018) untersuchten die Wirkung der WLAN-Strahlung auf die Bauchspeicheldrüse. Die Insulin-Konzentration war dadurch signifikant vermindert. Als mögliche Mechanismen für den hohen Blutzuckerspiegel durch die WLAN-Strahlung kämen Konformationsänderungen des Insulins, der Insulinrezeptoren und der Glucose-Transportproteine in Frage.
     
  6. Die Studie von Imani et al.(2019) experimentierte an einer weiblichen Stadttaube mit Frequenzen von 5 bis 50 Hz. Die Folge waren morphologische Veränderungen, die möglicherweise auf Mechanismen in den Calcium-Kanälen der Zellmembran beruhen.

Ausführlichere Zusammenfassung der Studien inkl. Fachbegriffserklärungen: https://www.diagnose-funk.org/publikationen/artikel/detail&newsid=1496

Die systematische wissenschaftliche Auswertung der biologisch-medizinischen Studienlage zu Mobilfunk-Strahlung wird in Deutschland nur vom ElektrosmogReport in Zusammenarbeit mit www.EMFdata.org durchgeführt. Das EMF-Portal der Bundesregierung (von der RWTH Aachen geführt), das diese Aufgabe jahrelang wahrgenommen hatte, hat 2017 aufgrund von Mittelkürzungen die Studien-Auswertung eingestellt. diagnose:funk fordert die Bundesregierung auf, diese Studien-Auswertung wieder zu finanzieren.

Den 8-seitigen ElektrosmogReport 4/2019 mit Links auf die sechs Original-Studien finden Sie auf EMFdata als PDF-Download. Der ElektrosmogReport erscheint seit 25 Jahren, seit 2019 ist diagnose:funk der Herausgeber. Die unabhängige Redaktion wertet regelmäßig die Studienlage zu den Wirkungen hochfrequenter elektromagnetischer Felder aus. Alle Ausgaben des ElektrosmogReports: https://www.emfdata.org/de/elektrosmogreport

Artikel veröffentlicht:
12.12.2019
Autor:
Matthias von Herrmann