diagnose funk

Machen Handys und WLAN krank?

SWR2 Wissen zu Elektrosmog/Elektrosensibilität
Unter der Strahlenbelastung leiden immer mehr Menschen, behaupten Umweltmediziner. Im Internet werden die Meinungskriege erbittert ausgetragen. Was sagen Grenzwerte aus? Eine Sendung von Christine Werner vom 3.7.2019.
SWR

Sendung nachhören: https://www.swr.de/swr2/programm/sendungen/wissen/elektrosmog/-/id=660374/did=24137276/nid=660374/rpk0vu/index.html

Download des Manuskriptes: https://www.swr.de/-/id=24137278/property=download/nid=660374/6arury/swr2-wissen-20190703.pdf

In der Sendung kommen zu Wort: Gunde Ziegelberger (Bundesamt für Strahlenschutz), Prof. Mario Babilon (Betroffener), Dr. Harald Banzhaf (Umweltmediziner), Peter Hensinger (diagnose:funk)

Aus dem Online-Begleittext zur Sendung:

Unter der Strahlenbelastung leiden immer mehr Menschen, behaupten Umweltmediziner. Im Internet werden die Meinungskriege erbittert ausgetragen. Was sagen Grenzwerte aus?

Vor allem in Städten in Städten und Ballungszentren kann man der Strahlung kaum entkommen. Irgendwo steht immer ein Mobilfunkmast, überall stehen Handys auf Empfang, und das WLAN des Nachbarn lässt sich auch nicht abschalten. Ob vom Elektrosmog wirklich Gefahren ausgehen, wird diskutiert, seit es Mobilfunk gibt. Fakt ist: Es gibt Menschen, denen es in einem "strahlenden" Umfeld deutlich schlechter geht - aus welchen Gründen auch immer.

Neuer Standard 5G – Mehr Strahlung?

Nun wollen die Mobilfunkbetreiber ab 2020 einen weiteren Standard für die Datenübertragung einführen. Zu WLAN, GSM, UMTS und LTE kommt der 5G-Standard. Die Bundesregierung will Deutschland zum Leitmarkt für 5G entwickeln. Vor diesem Hintergrund äußern 230 Wissenschaftler und Ärzte in einem Appell ihre Besorgnis. „Industrieunabhängige Forscher“ sollen den neuen Standard überprüfen, wie es auf den Internetseiten der Verbraucherschutzorganisation „diagnose Funk“ heißt.

Forscher fordern sicherere Grenzwerte

Mit „der immer umfangreicheren Nutzung kabelloser Techniken“ könne niemand Strahlungen aus dem Weg gehen. Die Forscher fordern eine Überprüfung der Technologie, die Festlegung von neuen und sicheren Grenzwerten, sowie den Ausbau der kabelgebundenen Telekommunikation. Das Bundesamt für Strahlenschutz wehrt sich gegen die Vorwürfe, die neue Technik würde krank machen und die Grenzwerte seien zu schwach. Man wolle bei neuen Techniken „proaktiv“ mögliche Risiken erforschen. Also bevor die neue Technik großflächig auf dem Markt ist. Aber das klappe nicht so ganz, gibt Gunde Ziegelberger vom Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) zu. Sie leitet dort die Arbeitsgruppe für WLAN- und Mobilfunkstrahlen.

Elektrohypersensibilität

Besonders für elektrohypersensible Menschen könnte der flächendeckende Ausbau von 5G eine weitere Verschlechterung ihres Gesundheitszustands bedeuten. Laut Bundesamt für Strahlenschutz bezeichnen sich zwei Prozent der Deutschen als „elektrosensibel“. Bei „Elektrohypersensibilität“, kurz EHS, handelt es sich um eine Gesundheitsstörung, die dann auftritt, wenn man mit elektrischen, magnetischen oder elektromagnetischen Feldern in Berührung kommt. Betroffene berichten von Kopfschmerzen, Schlaf- und Konzentrationsstörungen, Antriebslosigkeit oder Übelkeit. Als Krankheit wird EHS nicht eingestuft, obwohl dieses Krankheitsbild auf immer mehr Patienten zutreffe, so Umweltmediziner.

Betroffene fordern Anerkennung als Krankheit

In Deutschland fordern Betroffene eine Anerkennung der Elektrohypersensibilität als Krankheit, körperlich wie psychisch. Dafür müssten auch Allgemeinmediziner sensibilisiert werden. Umweltmediziner geben dabei allerdings zu bedenken, dass die Krankheit nicht isoliert betrachtet werden könne. Viele Patienten seien durch andere Umwelteinflüsse bereits vorbelastet.

Unbestritten: Thermische Effekte

Doch wie entsteht "Elektrosensibilität" und was weiß die Wissenschaft über die möglichen Gesundheitsgefahren? Unbestritten sind die thermischen Effekte hochfrequenter Felder, wie sie von WLAN-Routern und Handys ausgehen. Diese Felder können menschliches Gewebe erwärmen. Je näher sich die Geräte am Körper befinden, desto stärker.

Grenzwerte

Um die möglichen Gesundheitsschäden durch Handys oder WLAN-Router einzudämmen, hat das BfS Grenzwerte festgelegt. Um mehr als ein Grad sollte das Körpergewebe durch die Strahlen nicht erwärmt werden, so der Grenzwert. Bei Handys muss deshalb ein sogenannter SAR-Wert angegeben werden. Der beschreibt die Energieaufnahme im Körper. Um Gesundheitsrisiken auszuschließen, sollen zwei Watt pro Kilogramm Körpergewebe nicht überschritten werden.

Betroffene hingegen sehen die Erwärmung jedoch nur als einen von mehreren gesundheitsschädlichen Effekten von Strahlung. Sie sind überzeugt, dass andere negative Effekte für ihre Beschwerden mit verantwortlich sind.

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