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Med.-Univ. Wien: Gesundheitseffekte durch 5G

Stellungnahme der Abteilung für Umweltmedizin und Umwelthygiene der Medizinischen Uni Wien
Die Abteilung für Umweltmedizin und Umwelthygiene der Medizinischen Universität Wien kritisiert, dass 5G ohne ausreichende Forschung über die Risiken eingeführt wird und weist auf bereits bekannte potentielle schädliche Auswirkungen hin.

Gesundheitseffekte durch 5G - Handlungsbedarf

Eine (gekürzte) Stellungnahme der Abteilung für Umweltmedizin und Umwelthygiene der Medizinischen Universität Wien

Auf Grund mehrfacher Anfragen aus verschiedenen Bereichen wie aus dem Öffentlichen Gesundheitswesen, dem Obersten Sanitätsrat (OSR) sowie aus der Bevölkerung zu etwaigen Gesundheitsrisiken und möglichem Handlungsbedarf möchten wir aus umwelthygienischer und umweltmedizinischer Sicht einige wesentliche Aspekte rund um die Einführung der 5. Mobilfunkgeneration (5G) darstellen.

Während von der Industrie die wunderbare Welt des 5G in den höchsten Tönen beschworen wird und schon enorme Gewinnmöglichkeiten in Aussicht gestellt werden, ist der tatsächliche Mehrwert höchst unklar. Man vermutet, dass es aufgrund des erweiterten Datendurchsatzes riesige Möglichkeiten bietet, wie zum Beispiel für das oft genannte »Internet der Dinge«, doch die Anzahl der konkreten Anwendungen, die angeführt werden, ist eher dürftig. Was man derzeit darüber weiß, bezieht sich auf die Kommunikation zwischen Geräten (device-to-device communication) eingesetzten Frequenzen (30 bis 100 ev.sogar 300 GHz).

Wissenschaftliche Datenlage

Bei den zu erwartenden Frequenzen handelt es sich um Millimeterwellen (Wellenlänge im Bereich von 1 bis 10 mm). Solche Wellen dringen nicht tief in den Körper ein, aber sie können in der Dermis und Epidermis zu gesundheitsrelevanten biologischen Wirkungen führen. Die Schweißdrüsen mit ihrer räumlichen Struktur und ihren dielektrischen Eigenschaften können wie Antennen wirken. Besondere Beachtung müsste die Exposition der Augen finden, denn es ist seit langem bekannt, dass Millimeterwellen, aber auch niedrigere Frequenzen im Mikrowellenbereich zu Katarakten und zu Läsionen der retinalen Nervenschicht führen können. Wegen ihrer schon lichtähnlichen Eigenschaften können Millimeterwellen nicht für großräumige Anwendungen eingesetzt werden. Ihre Reichweite beträgt in einem Gelände, das nicht vollkommen eben und frei von Hindernissen ist, nicht mehr als einige 100 m. Daher müssen die Antennen in Abständen von ca. 250m vorgesehen werden, damit eine ununterbrochene Versorgung möglich ist. Die Antennen müssen vermutlich aus Sicherheitsgründen mit Batterien versehen werden, was neben der Problematik der Exposition gegenüber der Mikrowellenstrahlung und Entsorgung dieser Batterien vorhersehen lässt.

Die Faktenlage ist immer noch nicht ausreichend, um die Sicherheit von 1G, 2G, 3G und 4G für die Gesundheit zu belegen, im Gegenteil: Hochfrequente elektromagnetische Felder wurden von der internationalen Krebsagentur der WHO (IARC) als möglicherweise krebserregend eingestuft und es mehren sich die Befunde, dass mit diesen Technologien ernste Gesundheitsprobleme einhergehen. Und dennoch wird ohne jede Prüfung der biologischen und gesundheitlichen Auswirkungen erneut eine Technologie flächendeckend installiert.

Schlussfolgerungen

Bis relevante Forschungsergebnisse vorliegen, ist auch hinsichtlich dieser 5. Mobilfunkgeneration ein umsichtiger und vorsorglicher Umgang angebracht. Dies entspricht auch den bisherigen Empfehlungen des OSR in Österreich als wichtigstem Gremium der Öffentlichen Gesundheit (siehe dazu die OSR-Stellungnahmen seit 2004).

Die Forschung hinkt der technologischen Entwicklung hinterher. Das ist nicht der Forschung anzulasten, sondern der Wirtschaft und der Politik, die die Gesellschaft vor vollendete Tatsachen stellt. Eine umsichtige (= frühzeitige und fundierte) Auseinandersetzung findet auch jetzt wieder nicht statt.

Die neue Kommunikationstechnologie mag ungeahnte wirtschaftliche und gesellschaftliche Möglichkeiten bieten, das enthebt uns aber nicht der Verantwortung, deren ökologische, gesundheitliche, aber auch sicherheitsrelevante Implikationen zu untersuchen, zu prüfen und zu diskutieren. Derzeit haben wir kaum eine rationale Basis für einen derartigen Diskurs.

Quelle: Zeitschrift medi.um, Mensch-Umwelt-Medizin, 1/2019

Artikel veröffentlicht:
29.03.2019
Autor:
Abteilung Umweltmedizin und Umwelthygiene Medizinische Universität Wien
Quelle:
Zeitschrift medi.um 01/2019

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