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Offener Brief der Pforzheimer Initiative gegen 5G-Ausbau

Pforzheim will Vorreiter beim Ausbau des 5G-Netzes werden, so will es der Oberbürgermeister. Dazu hat sich die Pforzheimer Initiative für umweltverträgliche Kommunikationstechnik in einem Offenen Brief an den Oberbürgermeister gewandt. Der BUND und 37 Erstunterzeichner unterstützen die Initiative. Die Pforzheimer Zeitungen haben bereits ausführlich darüber berichtet.

Offener Brief an Herrn Oberbürgermeister Peter Boch
z.K. Fraktionen im Gemeinderat Pforzheim, Bürgerinnen und Bürger, Presse                

Fragen zum geplanten 5G-Mobilfunk in Pforzheim

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Boch,

Pforzheim soll mit Hilfe des von Ihnen eingesetzten „Digitalisierungsbeirats“ als eine der ersten Städte im Lande mit dem 5G-Mobilfunknetz ausgestattet werden. Neben hunderten neuer Makrosender sollen tausende neue Kleinzellen in Abständen von circa 100 Metern aufgebaut werden. Sie tragen eine Verantwortung für die Gesundheit Ihrer Bür-gerinnen und Bürger und müssten von daher das Vorsorgeprinzip, das 2005 von der EU übernommen wurde, bereits bei Hinweisen auf Gefahren anwenden.

Angelehnt an den Offenen Brief an Oberbürgermeister Kuhn in Stuttgart weisen wir Sie auf Folgendes hin:

A. Gesundheitlicher Aspekt: Laut Forschungslage ist 5G „Russisch Roulette“ – davor warnen zwei US-Radiologen in einem Brandbrief im International Journal of Radiation Oncology.[1] Es gibt fünf aktuelle Untersuchungen[2] zu 5G – alle mit besorgniserregenden Ergebnissen: Die 5G-Strahlung im Millimeterbereich koppelt sich – zumindest bei Frequenzen über 20 Gigahertz – primär über die Haut in den Organismus ein, und zwar mit unkalkulierbaren Risiken. Mehrere Forschergruppen fordern einen Ausbau-stopp, bis die gesundheitlichen Risiken geklärt sind.[3] Der weltweit renommierte Schweizer Wissenschaftler Prof. Niels Kuster warnt in einer neuen Arbeit davor, dass bereits nach kurzer Einwirkzeit von 5G dauerhafte Gewebeschäden entstehen könnten. Deshalb sei eine erneute Prüfung der (umstrittenen) Expositionsrichtlinien der Inter-nationalen Kommission zum Schutz vor nicht-ionisierender Strahlung (ICNIRP) dringend angeraten.[4] Eine in den USA registrierte Organisation, die „Bioinitiative“, bestehend aus 29 Professoren und medizinischen Forschern aus elf Ländern, veröffentlichte bereits einen Gegenbericht zur ICNIRP-Position [5], auf die Sie sich in einem Schreiben an die Freien Wähler beziehen.

ICNIRP ist ein großteils aus Vertretern der Industrie zusammengesetzter Verein, dessen Sekretariat mietfrei im Bundesamt für Strahlenschutz logiert. Mit den Messwerten  dieser beiden Stellen rechtfertigen Sie Ihr Vorpreschen bei der Einführung von 5G. Die Empfehlungen für diese Grenzwerte orientieren sich im Wesentlichen jedoch nur an thermischen Befunden – mittlerweile überholt! Sie orientieren sich leider nicht an der Gesundheit von Menschen, Tieren und Pflanzen, sondern vielmehr am benötigten Spielraum, die Mobilfunktechnik flächendeckend einzuführen.

Mehr als 400 Wissenschaftler und Ärzte aus über 40 Ländern empfahlen schon im 5G-Appell von 2017 ein Moratorium beim Ausbau des 5G-Standards, ebenso der Ärztearbeitskreis digitale Medien aus Stuttgart und die Vereinigung Schweizer Umweltärzte.[6] Der Internationale 5G-Appell von 2018 warnt bei Einführung von 5G vor ernsten, irreversiblen Konsequenzen für den Menschen und dauerhaften Schäden in allen Ökosystemen der Erde. Er wurde bisher unterzeichnet von über 53.000 Personen – darunter renommierte Wissenschaftler wie z.B. Ernst Ulrich von Weizsäcker (Naturwissenschaftler und bis 2018 Co-Präsident des Club of Rome)[7], Ärzte und Umweltschutzorganisationen. Gerichtet an die UNO, die Weltgesundheitsorganisation, die EU und die Regierungen aller Nationen werden hier mögliche gesundheitliche Konsequenzen aufgeführt – etwa Auswirkungen auf Herz und Kreislauf, Stress, Schwächung des Immunsystems und andere mehr.[8]

Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC, die Krebsagentur der WHO) hat bereits 2011 Mobilfunkstrahlung in dieselbe Kategorie „möglicherweise krebserregend“ eingestuft wie auch Autoabgase. Die Ergebnisse neuester Studien sind so eindeutig, dass namhafte Wissenschaftler wie Prof. Dr. Lin (ehemals ICNIRP!) und andere eine Höherstufung fordern mit der Botschaft: Mobilfunkstrahlung erzeugt Krebs.[9]

Der Technikfolgenausschuss des Bundestages hat den Auftrag, ein Gutachten zu 5G zu erarbeiten.[10] Auf eine Anfrage des BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland) erklärt der Projektleiter, man beginne erst mit der Recherche, ein parlamentarisches Ergebnis liege frühestens 2020 vor. Doch bis dahin wollen Sie 5G bereits ohne Technikfolgenabschätzung installiert haben! Sie würden damit vollendete Tatsachen schaffen und somit die lückenlose gesundheitliche Belastung der Bürgerinnen und Bür-ger, vor allem unserer Kinder sowie der Umwelt, mit elektromagnetischen Feldern enorm ansteigen lassen.

Indem Sie 5G ohne Technikfolgenabschätzung vorantreiben, fördern Sie einen gewaltigen Feldversuch mit den Menschen unserer Region. Alle damit verbundenen Risiken wollen Sie der Bevölkerung und besonders den Kindern zumuten? Die 5G-Mobilfunk-technologie mit ihren besonders hohen Frequenzen trifft alle Menschen rund um die Uhr. Die Elektrosensiblen sind bereits jetzt, von der heute schon bestehenden Strahlenbelastung, betroffen.[11] Als Oberbürgermeister aller Bürgerinnen und Bürger dieser Stadt muss die Gesundheit der Menschen das ausschlaggebende Kriterium sein

In Pforzheim ist 5G zunächst vorgesehen für ein digitales Parksystem, das Sie, Herr Boch, „Park and Joy“ nennen. Hier stehen der Nutzen zum Auffinden einer Parklücke und die gesundheitlichen Belastungen für die Menschen, die hier leben, arbeiten oder einkaufen, in einem völligen Missverhältnis.

Wir ersuchen Sie, das in EU-Verträgen verankerte Vorsorgeprinzip zu beachten und der Resolution 1815 des Europarates zu folgen, die alle zumutbaren Maßnahmen fordert, um eine Exposition gegenüber elektromagnetischen Feldern zu verringern – aus Rücksicht auf die Gesundheit der Bevölkerung.

Unsere Fragen an Sie, Herr Oberbürgermeister Boch: >>> weiterlesen im PDF.

Artikel veröffentlicht:
28.03.2019

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