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Ministerin Wanka entfesselt „Trojaner aus Berlin“

Bundesverband BVMM schließt sich Petition an
Die Gesellschaft für Erziehung und Wissen e.V. hat am 1. November unter dem Namen "Trojaner aus Berlin: Digitalpakt#D" eine Petition veröffentlicht, die sich in deutlichen Worten gegen den Digitalpakt Deutschland von Bundesministerin Johanna Wanka ausspricht. Die Petition, die von Professor Ralf Lankau (Offenburg) und Dr. Matthias Burchardt (Köln) ins Leben gerufen und von insgesamt 37 Wissenschaftlern und Pädagogen formuliert wurde, haben bereits mehr als 800 Personen vieler Berufsgruppen unterzeichnet, darunter Hochschullehrer, Lehrer, Ärzte und Eltern. Im Hinblick auf den bevorstehenden IT-Gipfel in Saarbrücken schließt sich nun auch der Bundesverband Medien und Marketing (BVMM) dieser Petition offiziell an.

„Die Petition ist deshalb von hoher gesellschaftlicher Bedeutung, weil sie erstmalig die andere Seite der digitalen Lern-Medaille aufdeckt. Eine ausschließliche (Digital-)Euphorie hat in der historischen Betrachtung der Sache am Ende meist mehr geschadet als genutzt“, so Professor Dr. Gerald Lembke, der Präsident des BVMM.

Der "Digitalpakt#D" verspricht den mehr als 40.000 Schulen in Deutschland in den nächsten fünf Jahren fünf Milliarden Euro für Investitionen in Hardware – Aufträge für weitere Dutzend Milliarden Euro folgen. Der BVMM sieht darin eine „staatliche Subventionspolitik ohne pädagogischen Nutzen“. Die Weichen im Erziehungs­wesen, so der BVMM, würden damit in eine Richtung gestellt, die vornehmlich industriellen Interessen nützten.

Nach jahrzehntelanger Erfahrung mit Computern im Unterricht gibt es keine wissenschaftlich validen Belege für deren Nutzen. „Vielmehr kommt es auf die Lehrperson an“, so exemplarisch die Telekom-Studie „Schule digital. Der Länderindikator 2015“ (S. 8). Das ist Konsens, selbst bei Befürwortern von Digitaltechnik.

Mit seinem Digitalpakt greift das Bundesbildungsministerium (BMBF) sowohl in die Hoheit der Länder in Bildungsfragen ein als auch in die Lehrerbildung und die Curricula der Universitäten und Pädagogischen Hochschulen. Vor allem aber ist er ein direkter und massiver Eingriff in die Lehr- und Methodenfreiheit jeder einzelnen Lehrerin oder jedes einzelnen Lehrers. Denn die Gestaltung des Unterrichts und der Einsatz von (analogen wie digitalen) Medien entscheiden Lehrkräfte. Dass der Pakt ein Vielfaches an Folgekosten für Updates, Techniker und Softwarelizenzen nach sich zieht, zeigt das Doppelgesichtige des Digitalpaktes mehr als deutlich. (s. Meldung des BVMM vom 14.10. 2016)

„Ohne Zweifel, Wankas Grundidee in die Bildung zu investieren, ist nicht falsch. Doch machen WLAN und ein durchdigitalisierter Unterricht in Schulen unsere Kinder und Schüler nicht schlauer. Lernen wird durch die zu erwartenden ansteigenden digitalen Ablenkungen nur ineffizienter – und Lehrer werden weiter hilflos vor dem ´Mythos Digitales Lernen` stehen“, so Lembke.

Auszug aus der Petitionserklärung:

"Der `Digitalpakt#D` ist Teil einer Neudefinition von Schule und Unterricht auf dem Weg zu einer zunehmend vollautomatisierten, digital gesteuerten` Lernfabrik 4.0`. Lehrkräfte werden zu Sozialcoaches und Lernbegleitern degradiert. Statt Unterricht ist die automatisierte Belehrung durch Computerprogramme und Sprachsysteme das Ziel. Diese Konzepte kommen nicht aus der Pädagogik, sondern aus der Kybernetik und dem Behaviorismus. EU-Präsident Martin Schulz schrieb schon 2014: ‘Internetkonzerne und Geheimdienste wollen den determinierten Menschen. Wenn wir weiter frei sein wollen, müssen wir uns wehren und unsere Politik ändern.‘ Das gilt insbesondere für die Bildungspolitik, die sich von der Fixierung auf Digitaltechnik lösen und sich wieder den Menschen und ihren Lern- und Bildungsprozessen zuwenden muss, damit auch die kommenden Generationen eine humane und demokratische Zukunft haben."

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Über den Bundesverband Medien und Marketing

Der Bundesverband Medien und Marketing e.V. (BVMM) verbindet als bundesweites Netzwerk Akteure aus der digitalen mit Akteuren aus der analogen Sphäre, in Medien, Marketing, Wirtschaft und Wissenschaft. Neben der Interessenvertretung auf Bundesebene und gegenüber Dritten setzt sich der BVMM auch für die Geschäftsentwicklung der Mitglieder ein – für die digitale Welt von morgen. Verbandspräsident ist Professor Dr. Gerald Lembke, der an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Mannheim lehrt und forscht.

Kontakt Professor Dr. Gerald Lembke
Tel.: +49-6201-4691824
E-Mail: gerald.lembke@bvmm.org

Presse-Kontakt BVMM e.V.
Christoph Ecken
+49-30 / 4 69 99 42 52
+49-160 / 91 087 557

Kontakt zum Urheber der Petition „Trojaner aus Berlin“
Prof. Dr. Ralf Lankau
Tel.: +49 (0)781 205 134
E-Mail: ralf.lankau@bildung-wissen.eu

Publikation zum Thema

9. März 2015Format: 15,1 x 21,6Seitenanzahl: 256 Veröffentlicht am: 09.03.2015 ISBN-10: 3868815686ISBN-13: 978-3868815689Sprache: Deutsch

Die Lüge der digitalen Bildung

Warum unsere Kinder das Lernen verlernen
Autor:
Gerald Lembke, Ingo Leipner
Inhalt:
Gerald Lembke und Ingo Leipner zeigen die dunkle Seite der Ökonomisierung und Digitalisierung von Bildung. Kinder und Jugendliche entwickeln ein bulimieartiges Lernverhalten: Dinge werden schnell und kontextfrei auswendig gelernt, in der Prüfung »ausgekotzt« – und sofort wieder vergessen. Die Autoren belegen diese und andere Gefahren für unser Bildungssystem. Eine eindringliche Warnung – und ein Plädoyer für eine durchdachte Nutzung digitaler Medien.
1. Auflage, 20. Oktober 2016Format: 13,9 x 1,5 x 21,1 cmSeitenanzahl: 180 Veröffentlicht am: 13.11.2016 ISBN-10: 3862163024ISBN-13: 978-3862163021Sprache: DeutschHerausgeber: medhochzwei Verlag

Im digitalen Hamsterrad

Ein Plädoyer für den gesunden Umgang mit Smartphone & Co.
Autor:
Prof. Gerald Lembke
Inhalt:
Ein Buch voller Augenzwinkern und versteckter Spiegel, die das persönliche Digitalnutzungsverhalten auf den Punkt bringen. Das perfekte Geschenk für alle, die das digitale Hamsterrad nervt und wieder freier und glücklicher werden möchten. Das Digitale hat längst das Soziale verdrängt. Wir glauben, mit unserer digitalen Mobilität freier und autonomer geworden zu sein. Stattdessen schlittern wir unaufhörlich in eine Gesellschaft mit andauernden digitalen Ablenkungen und mobilem Entertainment. Das Analoge ist dem Virtuellen längst untergeordnet. Unaufmerksamkeit entwickelt sich zum neuen Wert. Egoisten und Narzissten dominieren unsere Wahrnehmung, sobald wir im Internet sind. Alle sind betroffen. Denn diese Entwicklungen bergen erkennbare Gefahren - für Wohlbefinden und Gesundheit. Gesunde Selbsterhaltung braucht sofort und ab jetzt einen verantwortungsvollen Umgang mit Smartphone & Co. und die Entwicklung einer digitalen Resilienz (Widerstandsfähigkeit). Botschaft des Buches: Das Digitale darf niemals das Soziale verdrängen! In 15 Episoden werden die auffälligsten Unsinnigkeiten der ausgerufenen "digitalen Revolution" unterhaltsam aufs Korn genommen. Es wird Zeit für ein Digitales Manifest. Handlungsempfehlungen unterstützen Sie in einem verantwortungsvollen Umgang mit Digital & Co - für ein selbstbestimmtes und glückliches Leben - beruflich und privat.