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Film-
Dokumentation

Was wir nicht sehen

Ein Dokumentarfilm von Anna Katharina Wohlgenannt
Am Anfang stand die Vision – vom kabellosen, freien Informationsaustausch, der die gesamte Menschheit miteinander verbinden sollte. Heute ist diese Idee wahr geworden: Weltweit sieben Milliarden verkaufter Handys und kabellose Technologie lassen unsere modernen Metropolen im wahrsten Sinne des Wortes pulsieren. Für viele ein Traum, doch nicht für alle. Was Wir Nicht Sehen ist die Geschichte von Menschen, für die es in unserer Welt bald keinen Platz mehr gibt …

Die Filmemacherin Anna Katharina Wohlgenannt lässt in ihrem Dokumentarfilm Betroffene, die unter Auswirkungen der kabellosen Technologie leiden, zu Wort kommen und hört ihnen zu.

A 2014, HD, 78 Min.
Ab 12.2.2016  im Kino
Metro Kino, Johannesgasse 4, 1010 Wien

Weitere Vorstellungen (Metro Kino)
Di 16.2.2016 21:00
Mi 17.2.2016 21:00
Do 18.2.2016 20:30

Votiv Kino, Währinger Str. 12, 1090 Wien
So 21.2. 12.15 (mit anschließender Diskussion)               
Do 25.2. 20.00  (mit anschließender Diskussion)

Filmzentrum im Rechbauerkino, Rechbauerstraße 6, 8010 Graz
Mi 24.2. 18:00 (mit anschließender Diskussion)

ZUM INHALT

Der schwedische Maler Andreas, die deutsche Ergotherapeutin Clarissa, der Schweizer Ingenieur Sosthène, die Architektin Jennifer und die Naturwissenschaftlerin Diane aus den USA sind elektrohypersensitiv. Das bedeutet, sie empfinden elektromagnetische Wellen und Felder (EMF) durch Mobiltelefone, WLAN und vieles mehr als Belastung und entwickeln verschiedenste Symptome: Angefangen von Schlafstörungen über Kopfschmerzen, hin zu Schwindel, hoher Blutdruck, etc.

Andreas hat deswegen der Großstadt Stockholm den Rücken gekehrt, ist aufs Land gezogen und hat die Scheune eines alten Bauernhofs zu seinem Atelier umgebaut. Da er momentan nicht einmal mehr Auto fahren kann, ist sein Radius extrem eingeschränkt. Seine Kinder kann er etwa nur mit dem Fahrrad zum Kindergarten bringen. Die Isolation hat ihm jedoch auch neue (künstlerische) Perspektiven eröffnet: Er schöpft aus dem, was ihn unmittelbar umgibt und orientiert sich in seinem Werk nun sehr stark an der Materialität und der Farbgebung der ihn umgebenden Landschaft. In der Abgeschiedenheit hat er zudem über das gegenwärtige Verhältnis von Technologie und Mensch zu reflektieren begonnen. Er erzählt: „Mostly I think of how we are totally caught in the economic interests of this technology. That we risk our lives for this somehow….”

Clarissa hat für derartige Überlegungen weder die Zeit noch die Energie: Sie zieht gerade um, weil sie die Strahlen in ihrer Stadtwohnung nicht mehr aushält. Um Einkäufe erledigen zu können, näht sie sich aus einem Abschirmstoff ein Überkleid. Doch auch das hilft ihr nicht wirklich: Täglich muss sie viele Stunden unter einem Baldachin ruhen. Seit einigen Jahren kann sie keiner geregelten Arbeit mehr nachgehen und bringt sich mit einer kleinen Rente irgendwie durch. Bewusst hat sie sich für ein Leben ohne Familie entschieden, weil sie keinem Partner, keinem Kind einen solchen Alltag zumuten will. Sie gibt aber die Hoffnung nicht auf: Sie will warten „bis das rum ist, die Zeit. Die Technologie muss einfach kommen, die andere.“

Sosthène hingegen war schon verheiratet und hatte zwei Kinder, als er unter diesen, ihm erst unerklärlichen Symptomen zu leiden begann. Erst seitdem er sich immer total abschirmt, wenn er das Haus verlässt, geht es ihm wieder ein wenig besser. Er und seine Frau Catherine verfolgen aufmerksam die neuesten technologischen Entwicklungen und blicken voller Sorge in die Zukunft: „Wir können doch nicht auf den Mars auswandern, oder? Wir wollen doch auf diesem Planeten leben!“  Ihre Furcht geht so weit, dass ihre Töchter Lynne und Mary-Lou metallene Abschirmhemden und –hüte tragen müssen, wenn sie in die Schule gehen.

Jennifer und Diane indessen brauchen keine Abschirmung mehr, denn sie wohnen beide in der 34.000 km2 großen „National Radio Quiet Zone“ in West Virginia. Handys und WLAN sind hier verboten, damit die überaus empfindlichen Radioteleskope in Green Bank und Sugar Grove ungestört arbeiten können- für Jennifer und Diane ideal. Der einzige Wehrmutstropfen: Sie mussten ihre Familien verlassen, denn weder Jennifers noch Dianes Angehörigen waren bereit ihnen in diese verlassene Region im US-amerikanischen Mittelwesten zu folgen. Jennifer dazu: „The good part of it: I learned I don’t wait for any other person outside of myself to ever take care of me and I am not waiting for some kind of fairy tale solution from the outside.“

Die deutsche Klangkünstlerin Christina Kubisch schließlich ist nicht elektrohypersensitiv. Sie flieht also nicht vor EMF, sondern ganz im Gegenteil: Sie „jagt“ sie, „sammelt“ sie. Sie ist nämlich eine Pionierin auf dem Gebiet der Sonifizierung von elektromagnetischen Feldern und hat spezielle Kopfhörer gebaut, die die Wellen hörbar machen. Ihre Erkenntnis: „Die elektromagnetische Welt soll gar nicht erst bewusst werden. Da wird eine Desinformation betrieben. Man sagt: Es ist natürlich, dass alles kabellos ist, das alles aus der Wolke kommt. Aber das ist doch absurd! Was da dahintersteckt – das will ich hörbar machen.“

Artikel veröffentlicht:
15.02.2016
Autor:
Anna Katharina Wohlgenannt (Regie)
Quelle:
www.plancfilm.com

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