diagnose funk

EMF erhöhen Schmerzen bei Amputierten

Forschung zur Elektrohypersensibilität
Seit Jahren hat der pensionierte Major David Underwood bemerkt, dass er jedes Mal, wenn er unter Hochspannungsleitungen hindurchfuhr oder in der Umgebung anderer elektromagnetischer Felder unterwegs war, im Stummel seines Arms ein Kribbeln spürte. Wenn er mit dem Auto in den offenen Landschaften von Texas unterwegs war, wurde das Kribbeln oft stärker.
Bild: UT Dallas

„Wenn bei Autofahrten die Netzsuche des Handys einsetzte, fühlte sich der Schmerz beinahe so an, als würde sein Arm erneut weggerissen“, sagte Underwood, ein Veteran des Irakkriegs (Bild unten). Er wurde durch einen improvisierten Sprengsatz verletzt. Seine Verletzungen hatten 35 Operationen sowie die Amputation seines linken Armes zur Folge. Ein Schrapnell des Sprengsatzes riss auch einen Teil seines Beines ab und verursachte über 100 kleinere Wunden. „Ich bemerkte die Stromleitungen, Handys bei der Netzsuche oder andere elektromagnetische Felder nicht, bevor ich sie in meinem Arm spürte.“

Bevor eine jüngste Studie unter Leitung von Wissenschaftlern an der University of Texas in Dallas im letzten Monat in PLOS ONE online veröffentlicht wurde, gab es keine wissenschaftlichen Hinweise, welche die Einzelberichte von Personen wie Underwood unterstützten. Diese Personen berichteten von anomalen Empfindungen und neuropathischen Schmerzen in der Umgebung von Mobilfunkmasten und anderen technischen Installationen oder Geräten, die hochfrequente elektromagnetische Felder (EMF) erzeugen

„Unsere Studie liefert zum ersten Mal Hinweise, dass Probanden, die Mobilfunkmasten bei niedrigen, regelmäßig vorhandenen Intensitäten ausgesetzt sind, tatsächlich Schmerzen wahrnehmen“, sagte Dr. Mario Romero-Ortega (Bild oben), leitender Autor der Studie und außerordentlicher Professor für Biotechnologie an der Erik Jonsson School of Engineering and Computer Science der Universität. „Unsere Studie weist auch auf eine bestimmte Nervenbahn hin, die möglicherweise zu unserem wichtigsten Forschungsergebnis beiträgt.

„Die meisten Studien zu möglichen Auswirkungen von Mobilfunkmasten auf Menschen wurden mit Probanden ohne diagnostizierte Vorerkrankungen durchgeführt. Dies ist eine der ersten Studien, die sich mit den Wirkungen elektromagnetischer Felder bei einem Modell mit Nervenverletzungen befasst,“ sagte Romero-Ortega. Er forscht im Bereich der Nervenregeneration und konstruiert neurale Schnittstellen. Bei dieser Technologie werden bionische oder roboterhafte Geräte mit peripheren Nerven verbunden. In den Vereinigten Staaten gibt es beinahe 2 Millionen Patienten mit amputierten Gliedmaßen, so die Statistik der Centers for Disease Control and Prevention (Zentren zur Kontrolle und Verhütung von Erkrankungen). Viele von ihnen leiden unter chronischen Schmerzen.

Nach Gesprächen mit Underwood entschloss sich Romero-Ortega, das von diesem beschriebene Phänomen zu erforschen.

Bild: UT Dallas

Das Team stellte die Hypothese auf, dass durch die Bildung von Neuromen – entzündete, periphere Nervenfaszikel, die sich oft aufgrund von Verletzungen bilden – ein Umfeld geschaffen wird, das zu einer Empfindlichkeit gegenüber der Einwirkung elektromagnetischer Felder auf Körpergewebe führt. Um das zu prüfen, teilte das Team 20 Ratten beliebig zwei Gruppen zu. Der einen wurde eine Nervenverletzung beigebracht, um eine Amputation zu simulieren. Die zweite Gruppe wurde nur zum Schein behandelt. Die Forscher exponierten die Probanden dann für acht Wochen einmal pro Woche zehn Minuten lang einer Antenne, die elektromagnetische Mobilfunkstrahlung ausstrahlte. Die Antenne erzeugte eine Leistungsflussdichte, wie sie 39 Meter von gewöhnlichen, ortsüblichen Mobilfunkmasten gemessen wird. Eine Leistungsflussdichte also, der eine Person außerhalb seines Arbeitsumfelds ausgesetzt sein kann

Forscher fanden heraus, dass sich in der vierten Woche bei 88 Prozent der Probanden der Gruppe mit Nervenverletzungen eine Schmerzreaktion in ihrem Verhalten zeigte. Nur ein Proband der Scheingruppe zeigte zu einem einzigen Zeitpunkt Schmerzen. Das ereignete sich während der ersten Woche. Nach dem Wachstum der Neurome und deren Resektion – die typische Behandlung von Menschen mit Neuromen, die unter Schmerzen leiden – bestanden die Schmerzreaktionen fort.

„Viele glauben, dass ein Neurom vorhanden sein muss, um Schmerzen hervorzurufen. Durch unser Modell wurde festgestellt, dass elektromagnetische Felder Schmerzen hervorriefen, die schon vor der Bildung von Neuromen wahrgenommen wurden. Die Betroffenen empfanden beinahe sofort Schmerzen“, sagte Romero-Ortega. „Meine Hoffnung besteht darin, dass die Studie die Notwendigkeit unterstreicht, klinische Möglichkeiten zur Verhinderung von Neuromen zu entwickeln. Das wäre eine Alternative zu den aktuellen, nur teilweise wirksamen, chirurgischen Möglichkeiten zur Resektion von Neuromen als Schmerzbehandlung.“

Forscher haben auch Experimente auf Zellebene durchgeführt, um Verhaltensreaktionen zu erklären. Infolge dessen untersuchten Forscher das Protein TRPV4. Es spielt bekannterweise eine Rolle bei Hitzeempfindlichkeit und der Entstehung von Allodynie (Berührungsempfindlichkeit).

„Mit hoher Wahrscheinlichkeit ist TRPV4 ein Mittler bei der Schmerzreaktion bei diesen Betroffenen“, sagte Romero-Ortega. „Unsere Experimente mit Kalzium-Bildgebung waren ein guter Indikator dafür, dass es sich lohnt, zu TRPV4 weiter zu forschen.“

___________

“Unsere Studie liefert erstmalig Hinweise, dass Betroffene, die der Strahlung von Mobilfunkmasten bei niedrigen, regelmäßigen Intensitäten ausgesetzt sind, tatsächlich Schmerzen wahrnehmen können. Unsere Studie weist auch auf eine spezielle Nervenbahn hin, die bei unseren Hauptergebnissen eine Rolle spielt.” 
Dr. Mario Romero-Ortega, außerordentlicher Professor für Biotechnologie

___________

Romero-Ortega sagte, dass es bei der Forschung zu Schmerzreaktionen kam, die denen in Einzelberichten sowie in einem speziellen menschlichen Fall ähnelten. Die Ergebnisse haben „mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit“ allgemeine Relevanz für Menschen.

„Es gibt im Handel erhältliche Produkte, um elektromagnetische Hochfrequenzstrahlung abzuschirmen. Es gibt Menschen, die in Höhlen wohnen, da sie nach eigenen Angaben überempfindlich auf elektromagnetische Hochfrequenzstrahlung reagieren. Die übrigen Menschen verwenden jedoch Handys und haben kein Problem. Aufgrund der Polarisierung können die Beschwerden einiger weniger Personen als psychosomatisch abgetan werden“, sagte er. „In unserer Studie waren die Probanden mit Nervenverletzungen zu einem komplexen psychosomatischen Verhalten nicht in der Lage. Ihre Schmerzen waren eine direkte Reaktion auf die von Menschen erzeugte elektromagnetische Hochfrequenzenergie.“

Zu einem Zeitpunkt in der Studie zeigten Mitglieder der Forschungsgruppe Underwood einen Video zu den Probanden im Experiment und deren Reaktion auf elektromagnetische Hochfrequenzfelder.

„Es war genau dieselbe Art von Bewegungen, zu denen es bei mir in der Nähe von Handys bei der Netzsuche, Hochspannungsleitungen und anderen elektromagnetischen Feldern kommt“, sagte Underwood, der an medizinischen Ausschüssen des Kongresses beteiligt war und der Kontakt mit einigen der besten Ärzte der Welt gehabt hat. „Es ist ziemlich erstaunlich, dass ein paar kurze Gespräche mit diesem Team zu einer Bestätigung dessen führte, was ich und viele andere erfahren.“

Forscher sagten, dass der nächste Schritt darin bestehen soll, Geräte zu entwickeln, die neuropathische Schmerzen durch hochfrequente elektromagnetische Energie hemmen.

Dr. Bryan Black, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Abteilung für Biotechnologie der Jonsson School; Dr. Rafael Granja-Vazquez, Postdoktorand an der University of Texas in Dallas; Dr. Benjamin Johnston von der Brown University; und Dr. Erick Jones Senior, Professor für Industrie-, Herstellungs- und Systemtechnik an der University of Texas in Arlington, trugen ebenfalls zur Arbeit bei. (Übersetzung:diagnose:funk)

Medienkontakt:
LaKisha Ladson, UT Dallas, (972) 883-4183, lakisha.ladson@utdallas.edu
or the Office of Media Relations, UT Dallas, (972) 883-2155, newscenter@utdallas.edu.