"Eine Zulassung von 5G als Medikament wäre bereits in der vorklinischen Phase gescheitert."

Vorsitzender des Beirats der Italienischen Umweltärzte
Offener Brief des Vorsitzenden des Wissenschaftlichen Beirats der Italienischen Umweltärzte-Vereinigung ISDE an den Minister Di Maio bezüglich 5G-Technologie. Veröffentlicht am 9. April 2019.

Sehr geehrter Herr Minister Luigi Di Maio,

vielleicht sehen Sie momentan im Zusammenhang mit 5G allein jene Risiken, welche die EDV-Datensicherheit und den "möglichen Verlust an staatlicher Souveränität" betreffen (in diesem Sinne haben Sie sich zumindest gegenüber Presseorganen ausgedrückt). In diesem Falle wäre jedoch eine tiefergehende Information angebracht: Es würde sich lohnen, wenn Sie Ihre Bereitschaft zeigen, auch die Position der Ärzte zu berücksichtigen – also nicht nur jene der Physiker, der Ingenieure oder der Wirtschafts- bzw. Technikexperten.

Sie wissen es: bei der Markteinführung eines neuen Medikamentes sind mehrere vorklinische Untersuchungen vorzunehmen (Laborstudien und Feldversuche mit dem Ziel einer umfassenden Evaluation der Vor- und Nachteile im Hinblick auf mögliche toxikologische Effekte). Danach kommt die klinische Evaluation, die sich in mehrere zeitaufwändige Teilbereiche gliedert und einer Genehmigung durch ein Ethik-Gremium unterliegt. Schließlich wird auch von jeder freiwillig zur Testphase angemeldeten Person die "informierte Zustimmung" eingeholt.

Dieser komplexe Weg beachtet den noch gültigen medizinischen Grundsatz "primum non nocere" und umfasst eine Dauer von ca. 10 Jahren.

Klar, beim 5G handelt es sich nicht um ein Medikament – obwohl behauptet wird, dass es unsere Lebensqualität verbessert. Beim 5G handelt es sich nicht um ein Medikament, seine biologischen Effekte sind aber bereits zum großen Teil bekannt. Ihre Brisanz ist dermaßen ausgeprägt, dass eine mögliche Zulassung von 5G als Medikament bereits in der vorklinischen Phase gescheitert wäre.

Es sieht aber ganz anders in unserer Realität aus: dank der laufenden "Experimente" wird 5G bereits ohne jede klinische Voruntersuchung und ethische Abschätzung gerade an mindestens 4 Mio. Italiener erprobt. Nicht einmal eine Risikobewertung, Umweltbilanz oder eine seriöse medizinische Begleitung sind geplant.

Bald aber wird 5G mit nie erforschten Frequenzen und mit einer Infrastruktur von 1 Million Endgeräten pro Quadratkilometer an alle Italiener verabreicht, als Zusatz zu den bereits bestehenden Anlagen der 3G- und der 4G-Technologien. Niemand möchte einen technologischen Fortschritt bremsen, vorausgesetzt dass ein ausgewogenes Verhältnis zwischen dem erwarteten Gewinn und den vorauszuplanenden Risiken erreicht wird. Vorsorge muss hier die höchste Bedeutung haben.

Ein Mindestmass an konkreter Beteiligung der Behörden (wie Gesundheitsministerium, Umweltministerium, Oberstem Gesundheitsrat, Umweltagenturen im ISPRA/ARPA-Netzwerk) wäre vor der Erprobung einer solchen Technologie zu erwarten gewesen. Nicht vergessen dürfen wir außerdem die bisher festgestellten wissenschaftlichen Ergebnisse, sowie die bestehende Gesetzgebung. Diese sollte hier viel strenger ausgelegt werden, vor allem um den Schutz der Schwächeren zu garantieren.

Vielleicht wird mir vorgeworfen, zu alarmistisch zu sein. Aber was erachten Sie als schlechter? Die wissenschaftlichen Ergebnisse ernst zu nehmen und dadurch die Vorsorge zu etablieren oder aber die unbequemen Ergebnisse außer Acht zu lassen und einfach auf die Erhebung der künftigen Schäden zu warten?

Die Erfahrungen aus der Vergangenheit sind für uns ein unermeßlicher Schatz. Wenn aus den begangenen Fehlern nichts gelernt wird, stürzen wir in eine sehr gefährliche Zukunft.

Herzliche Grüsse

Dr. Agostino Di Ciaula

Vorsitzender vom Wissenschaftlichen Beirat der Italienischen Umweltärzte-Vereinigung ISDE Italia (International Society of Doctors for Environment)

Link zum Originaltext

Übersetzung: Dr. Francesco Imbesi, Verbraucherzentrale Südtirol

244 Wissenschaftler warnen vor Elektrosmog

Internationaler Appell an UN und WHO

Artikel veröffentlicht:
16.04.2019
Artikel aktualisiert:
16.04.2019

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