Handy? So etwas besitzen sie erst gar nicht. Oder sie habe es, wie es Josef Neuschitzer schon 2003 tat, weggeworfen, „weil ich mich nicht quälen lasse“. Er habe einen Elektroschock am ganzen Körper gespürt, als er irgendwann im Jahr 2002 im Auto das Handy einschaltete. Handys, Sendemasten, WLAN.
Dieses Triumvirat macht, neben Hochspannungsleitungen, Menschen wie Josef Neuschitzer das Leben oftmals zur Hölle, weil man diesen Störquellen im Alltag kaum jemals entkommt. Neuschitzer steht der Selbsthilfegruppe Elektrosmog/Elektrosensibilität vor, wo Betroffene einmal im Monat in einem Klagenfurter Gasthaus im Kreis von Leidensgenossen offen ihre Probleme ausbreiten können. Dann hört man von Schlaf- und Konzentrationsstörungen, Tinnitus oder falscher Kälte- und Wärmewahrnehmung. Oder vom „Mobilfunkkater“, den elektrosensible Menschen durchleiden, wenn sie in ein starkes Kraftfeld gekommen sind. Neuschitzer: „Das dauert dann circa zwei Stunden, da muss man sich hinlegen.“
Anders als im Ausland (siehe unten - Hintergrund) ist Elektrosensibilität in Österreich Stiefkind von Medizin und Forschung, was fraglos zur Stigmatisierung der Betroffenen beiträgt. Nur wenige wagen es, so offen ihre Probleme anzusprechen wie Josef Neuschitzer, der auch keine Scheu hat, sich mit Strahlenschutzkappe zu präsentieren. „Sie hat ein eingearbeitetes Metallgewebe, das wie ein faradayscher Käfig wirkt und die Strahlung abhält“, sagt er.
Leidenswege
Maria F.* war geradezu auf der Flucht vor Strahlung, wechselte zwei Mal die Wohnung und konnte letztendlich auch im dritten Quartier ihre Probleme nur lindern. Sie leidet unter WLAN-Sensibilität, die bei ihr „künstliche Kälte“ auslöst. „Ich fühle mich dann, als würde ich in einem Kühlschrank sitzen.“ Diese Diagnose hat Frau F. gleich zweifach schwarz auf weiß: einmal vom Arzt, einmal vom Baubiologen. In ihrem nunmehrigen Heim ließ sie einen Schutzanstrich anbringen, beim Schlafen helfen Tücher mit Spezialfaden. Andrea W.* interessierte sich nicht sonderlich dafür, als auf einem Hochspannungsmast in der Nähe ihres Hauses ein Handysender installiert wurde. Sie wurde krank, ihr Herz begann zu „stolpern“. Eineinhalb Jahre war sie wegen Herzrhythmusstörungen in Behandlung, als sie ein Arzt zufällig auf die richtige Spur brachte: „Haben sie vielleicht irgendeinen Sender in der Nähe ihres Hauses?“
Mag sein, dass Frau W. besonders sensibel reagiert, weil es nach einem Unfall Metallteile in ihrem Körper gibt. Das ändert nichts an ihrem Martyrium, das man nach zahlreichen Messungen mit einem Schutzanstrich des Hauses und einem Spezialgitter lindern konnte. „Wenn der Sender eingeschaltet wurde“, haben sich bei mir richtig die Haare aufgestellt“, berichtet sie. „Grund zum Einschreiten sah das Ministerium aber trotz sehr hoher Werte nicht.“
Für Ilse M.* wird jede Busfahrt zur Qual, 20 Minuten, gerade so viel, wie sie für wichtige Erledigungen braucht, sind das Maximum. „Ich spüre sogar noch dieSpannung, wenn vorher viele Schüler mit ihren Handys drinnen waren.“ Die unerwünschten Nebenwirkungen einer Busfahrt sind für Ilse M. „krampfartige Zustände und Verspannungen im Nacken und Schulterbereich sowie Nadelstiche im Kopf“. Das alles sei äußerst unangenehm und nicht selten, „es plagen mich dann Schweißausbrüche“.