Kommentar der Woche

Juli 2026
Die Kommentare der Woche befassen sich mit aktuellen Themen der Mobilfunkpolitik. Sie werden verfasst von Prof. a.D. Helmuth Kern und dem Journalist Bert Hauser. Beide Autoren sind Vorsitzende der Ortsgruppe "InfoMobilFunk Neckartenzlingen und Umgebung" im Mobilfunk Bürgerforum e.V. Die Kommentare werden monatsweise an dieser Stelle in einem Artikel zusammengefasst. Jede mobilfunkkritische Bürgerinitiative kann sich dieser Kommentare von Kern & Hauser frei bedienen, sie selbst weiter veröffentlichen und damit Infoarbeit leisten. Bitte als Quellenangabe diagnose-funk.org/kommentar angeben.
Kern & Hauser, Bild: Ingrid Schaeffer

15.07.2026

Wir informieren: 42. Dorffest Neckartenzlingen – „Mit den Fingern sehen“ am Infostand von InfoMobilFunk Neckartenzlingen und Umgebung

Für Erwachsene: Informationen zum Stand der Forschung

Einen Überblick über den Stand der Forschung zu den gesundheitlichen Auswirkungen der nicht-ionisierenden Strahlung des Mobilfunks konnten die Erwachsenen in der diagnose:funk-Publikationsreihe "ÜBERBLICK für den Durchblick" gewinnen. Die Nummern 1-9 lagen aus. „Gesund aufwachsen in der digitalen Medienwelt“ versteht sich als „Eine Orientierungshilfe für Eltern und alle, die Kinder und Jugendliche begleiten“. Weiterhin konnte man blättern in Nina Kolleck: „Der Kampf in den Köpfen – Wie Tiktok, Instagram und Co. unsere Kinder manipulieren.“ Das Thema Elektrohypersensibilität wurde in der Publikation von Renate Haidlauf: „Die unerlaubte Krankheit – Wenn Funk das Leben beeinträchtigt“ sehr deutlich.

Manche interessanten Gespräche zum Thema WLAN, Social Media, Smartphone entwickelten sich am Stand.

Ein sinnliches Erlebnis für Kinder: Tastkästen als Attraktion

Für die Kinder waren die zwölf Tastkästen die große Attraktion: „Was ist denn das? Mit den Fingern sehen?“ stand auf dem Fragebogen. Die Größeren trugen den erfühlten, ertasteten Gegenstand selbst in den Fragebogen ein. Bei den Jüngeren machten das Mutter oder Vater oder die Standbetreuung. Für die Kinder war das eine sehr spannende Aufgabe. Durch einen verhängten Zugang konnten sie eine Hand ins Innere eines Kartons stecken. Wie fühlten sich die Gegenstände dort an? Was erzählten sie über sich, wenn Finger und Hand sie vorsichtig berührten und sie von allen Seiten erkundeten. Manche Kinder schlossen dann auch ganz konzentriert die Augen, denn ihre Finger konnten ja wirklichen „sehen“.

Waren alle Stationen erkundet, dann wurden die Ergebnisse von der Standbetreuung überprüft: Kamm, Wäscheklammern, Kaffeelöffel, Zahnbürste, Teelicht (daraus war in der Hitze schnell eine weiche, knetbare Masse wie Knete geworden), Brille, Federball/Squashball, Lego, Muschel, Handschuh, Bürste. Je nach Alter gab es ab 6, 8 oder 10 richtig ertasteten Gegenstände einen Preis: Entweder ein hölzernes JoJo oder eine Vogelpfeife. Die Kinder konnten wählen.

Aktives Ertasten statt passivem Wischen

Vielleicht fragt sich der eine oder andere Erwachsene, was dieses Tastspiel mit dem Thema Mobilfunk und Smartphone zu tun hat. Statt sinnentleertes Wischen auf dem Smartphone, um in eine digitale Scheinwirklichkeit zu gelangen, wird hier Tasten und Ertasten der realen Wirklichkeit zu einer sinnstiftenden Tätigkeit. Es wird erlebt und erfahren, was Finger alles entdecken können, wenn sie diese Aufgabe zugewiesen bekommen. Und: dass sie tatsächlich „sehen“ können: Größe, Oberfläche, Material und Materialbeschaffenheit, ja sogar Gewicht. Interessant dabei ist, dass die ertasteten und erfühlten Eigenschaften im Gehirn mit Bekanntem abgeglichen werden, einen Sinn bekommen und dann als Gegenstand bezeichnet werden können. Solche reale „Spurensicherung“ führt zur Differenzierung von Gegenstandsmerkmalen und fördert die Entwicklung bestimmter Hirnareale.


Quelle: InfoMobilFunk Neckartenzlingen

08.07.2026

Wir informieren: KI hat negativen Einfluss auf schriftliche Leistungen in der Schule

Am 6. Juli 2026 titelte die Wochenzeitschrift „FOCUS Online“ „Schriftliche Leistungen leiden - Notenabsturz durch KI? Warum Dänemark an Schulen nun die Notbremse zieht!“

Und wieder sind es andere Länder, die auf die negativen Seiten der Digitalisierung der Schulen hinweisen und darauf reagieren. Diesmal sind es die negativen Folgen von KI (künstliche Intelligenz), die von Schülerinnen und Schülern im Unterricht und beim Lernen zu Hause verwendet wird. Seit die Schüler im Unterricht mit KI arbeiten, haben sich in Dänemark die Leistungen für das Fach Dänisch, die über zehn Jahre stabil waren, verschlechtert.

KI ist für das selbständige Denken nicht förderlich. Darauf hat in Deutschland der anerkannte Experte für Schulpädagogik und Lehrstuhlinhaber an der Universität Augsburg Prof. Klaus Zierer immer wieder hingewiesen.

Warnsignal aus Dänemark 

Im Artikel des FOCUS-Online schreibt der Autor Luca Wolkenstein: „Der Oberstufenlehrer Anders Frikke erklärt gegenüber DR (die öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt in Dänemark): „KI verbessert zwar die Lösung der Aufgabe im Hier und Jetzt, untergräbt aber langfristig die Fähigkeit oder Kompetenz der Schüler, Aufgaben zu lösen und zu schreiben“.
Auch Schulleiterin Maja Bødtcher-Hansen berichtet von der Sorge, dass viele Jugendliche nicht mehr das gleiche Niveau beim Schreiben erreichen wie frühere Jahrgänge. „Die dänische Regierung arbeite deshalb an einem „Sofortpaket“, mit dem die negativen Effekte gebremst werden sollen. So sei geplant, Prüfungen in Zukunft stärker auf Stift und Papier auszurichten. Doch es gäbe auch andere Stimmen: KI komplett zu verbieten sei unrealistisch, denn in einer zunehmend KI-geprägten Welt müssten Kinder einen verantwortungsvollen Umgang mit KI lernen.“

Situation in Deutschland

Dann beschreibt Wolkenstein die Situation in Deutschland.
Auch dort sei KI im Schulalltag weit verbreitet. „Laut einer Analyse der Vodafone Stiftung verwenden rund drei Viertel der 14- bis 20-Jährigen regelmäßig KI-Tools für Hausaufgaben oder zur Vorbereitung auf Prüfungen. Deutschland liegt damit über dem europäischen Durchschnitt. Besonders hoch ist hierzulande der unmittelbare Zugang zu KI-Technologie. 44 Prozent der befragten Jugendlichen können jederzeit entsprechende Anwendungen nutzen, etwa auf dem privaten Smartphone oder Schulrechnern.“ 

Bildungsforscher warnten in diesem Zusammenhang vor „abgegebenem Lernen“, dies sei dann der Fall, wenn KI unkontrolliert benutzt würde. Auch das Deutsche Schulportal warne davor, dass der Lerneffekt dann einbräche, sobald KI den Jugendlichen die eigentliche geistige Arbeit vollständig abnähme. Damit seien vor allem generative Sprachmodelle, die Texte formulieren und strukturieren gemeint. Die Begründung ist einleuchtend, denn: „Wer sich beim Formulieren, Sortieren von Argumenten und Schreiben nur noch auf KI verlässt, trainiert laut Deutschem Schulportal sein Gehirn deutlich weniger. Das kann die Fähigkeit schwächen, komplexe Inhalte zu verstehen und eigene Gedanken klar auszudrücken.“ (Das Deutsche Schulportal ist eine Initiative der Robert Bosch Stiftung in Kooperation mit der ZEIT Verlagsgruppe.)

Mit neuen Prüfungsformen wolle man in Deutschland das eigene Denken stärken, heißt es am Schluss des Artikels. Die Kultusministerkonferenz fordere Prüfungsformate so weiterzuentwickeln, dass sie eigenständige Leistungen erkennbar machen. “Dazu gehören stärker kontrollierte Prüfungen, Aufgaben ohne digitale Hilfsmittel und Aufgabenstellungen, die individuelles Denken statt Standardlösungen prüfen.“ (Quelle: https://www.focus.de/familie/schule/notenabsturz-durch-ki-warum-daenemark-an-schulen-nun-die-notbremse-zieht_1989db99-39fb-4d84-9cda-9bcf1da2d2c8.html)

Eigenständiges Denken und Handeln – ein Grundprinzip der Pädagogik

Ein Blick auf die Geschichte der Schulpädagogik in Deutschland zeigt, dass eigenständiges Denken und vernunftgeleitetes Handeln seit der Aufklärung erklärtes Ziel von Unterricht war. Das Prinzip des handlungsorientierten Unterrichts, in dessen Zentrum das Kind und seine Entwicklungsmöglichkeiten stehen, wurde bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts z.B. in der Montessoripädagogik und Waldorfpädagogik entwickelt. Selbständiges Denken und Handeln ist bis heute tragendes pädagogisches Prinzip: Fächerübergreifendes Lernen, offener Unterricht, projektorientierter Unterricht sind Wege dazu. 

„Schule hat die Aufgabe, junge Menschen zu selbstverantwortlichem und demokratischem Handeln in der Gesellschaft zu befähigen“ heißt es zu den Bildungsplänen 2016 im Leitfaden Demokratiebildung.

(https://www.bildungsplaene-bw.de/,Lde/leitfaden-demokratiebildung)

 

Besuchen Sie uns am Sonntag 12.07.2026 auf dem Dorffest in Neckartenzlingen an unserem Informationsstand: 13-17 Uhr. Es gibt wieder ein Tastratespiel mit Preisen für Kinder. Und für die Erwachsenen viele Informationen rund um das Thema Mobilfunk. 


Kern & Hauser, Bild: Ingrid Schaeffer

01.07.2026

Wir informieren: Handlungsempfehlungen der Unabhängigen Expertenkommission „Kinder und Jugendschutz in der digitalen Welt“ - Gesundheitsrisiko durch WLAN und Mobilfunk vollkommen ausgeblendet - und: Lehrerin hält Vorschläge für völlig unzureichend

Am 24. Juni 2026 hat die Unabhängige Expertenkommission „Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt“ 56 Handlungsempfehlungen vorgelegt. Bildungsministerin Karin Prien stellte die Handlungsempfehlungen zusammen mit den Co-Vorsitzenden der Expertenkommission Nadine Schön (CDU) und Prof. Dr. Olaf Köller vor. “Die Empfehlungen der Kommission liefern wichtige Impulse für eine moderne Kinder- und Jugendpolitik im digitalen Zeitalter. Sie machen deutlich, dass wir die Potenziale der Digitalisierung besser nutzen und gleichzeitig den Schutz junger Menschen wirksam verstärken müssen“ sagte die Bildungsministerin. Die 18-köpfige Kommission war interdisziplinär besetzt und nahm ihre Arbeit 2025 auf. (Quelle: https://www.bmbfsfj.bund.de/bmbfsfj/expertenkommission-veroeffentlicht-handlungsempfehlungen-290226)

Das gesundheitliche Gefährdungspotential durch WLAN in Kindertagesstätten und Schulen, daheim und unterwegs (einschließlich Mobilfunk) wird an keiner Stelle der Handlungsempfehlungen angesprochen, gerade so als ob dieses Risiko nicht existiere.

„Nach der Vorstellung der Empfehlungen zur Regulierung sozialer Medien für Kinder und Jugendliche hat die Initiatorin der Online-Petition für ein Social-Media-Verbot ab 16 Jahren, Jeannette Deckers, der unabhängigen Expertenkommission der Bundesregierung Versagen beim Jugendschutz vorgeworfen.“

Die Vorschläge der Expertenkommission seien maximal komplex, 56 Handlungsempfehlungen - bei minimalem Schutz", habe Deckers im Gespräch mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (noz) gesagt.

Ein wesentlicher Kritikpunkt für die Gymnasiallehrerin ist die ins Spiel gebrachte Altersgrenze von 13 Jahren, sowie das geplante „KI-Seepferdchen“ in den Grundschulen als Nachweis für Medienkompetenz. Gegen hochgradig süchtig machende Algorithmen könne man Kinder nicht immunisieren. Das sei eine fatale und bequeme Fehlannahme der Politik. Sie fordert „eine klare, strikte Altersgrenze für soziale Medien, KI Campanions, Onlie-Games und Messenger frühestens ab 16 Jahren.“

Das in den Handlungsempfehlungen vorgesehene Handyverbot bis zur siebten Klasse sei für sie „nur ein Tropfen auf den heißen Stein.“ "Viele Kinder sitzen dann mit regelrechten Entzugserscheinungen im Unterricht und warten nur auf den Moment, wieder an das Gerät zu kommen. Wir müssen das Problem an der Wurzel packen, damit Kinder in der Schule überhaupt wieder gedanklich anwesend sein können", äußerst sie sich gegenüber der noz (Neue Osnabrücker Zeitung).
(Quelle: https://www.presseportal.de/nr/58964)

Zum 1. September wird bei Knaur von Jeanette Deckers das Buch „Schutzlos digital – Für eine sichere Kindheit in Zeiten von Social Media, KI Games und Digitalisierungsdruck“ erscheinen (https://www.droemer-knaur.de/buch/jeannette-deckers-schutzlos-digital-9783426569436). Darüber das nächste Mal mehr.

Besuchen Sie uns am Sonntag 12. 7.2026 auf dem Dorffest in Neckartenzlingen an unserem Informationsstand: 13-17 Uhr. Es gibt wieder ein Tastratespiel mit Preisen für Kinder. Und für die Erwachsenen viele Informationen rund um das Thema Mobilfunk.


Wir freuen uns über neue Mitglieder im InfoMobilFunk Neckartenzlingen und Umgebung, Ortsgruppe im Mobilfunk Bürgerforum e. V. www.mobilfunk-buergerforum.de

Die Vorsitzenden: Prof. a. D. Helmuth Kern, Bert Hauser (Telefon: 07127/35655 bzw. 07127/3594)


Alle Kommentare finden Sie hier: diagnose-funk.org/kommentar

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