Prof. R. Lankau: „Angst muss man nicht vor Maschinen haben, sondern vor den Menschen, die sie entwickeln und missbrauchen.“

Prof. Ralf Lankau im Interview zur Enzyklika von Papst Leo XIV.
Der Papst warnt in seiner ersten Enzyklika vor existenziellen Risiken der Künstlichen Intelligenz für Individuen und Völker. In den Händen von Monopolen drohten „Entmenschlichung“ und „Kolonialismus“. Ralf Lankau hofft auf neue Impulse in der Diskussion. Im Interview mit den NachDenkSeiten zeichnet der Pädagoge, Medienwissenschaftler und Buchautor ein düsteres Bild der Zukunft für den Fall, dass man Elon Musk, Peter Thiel und andere Techmogule weiter gewähren lässt. Zugleich ist er sicher: Widerstand ist möglich! Mit ihm sprach Ralf Wurzbacher.
Prof. Ralf Lankau, Bild Privat

Ralf Wurzbacher: Herr Lankau, das Oberhaupt der katholischen Kirche, Papst Leo XIV., warnt in seiner ersten Enzyklika eindringlich vor den Gefahren der Künstlichen Intelligenz für Mensch, Gesellschaft und Natur. Er bezieht Stellung gegen „Entmenschlichung“, einen „neuen Kolonialismus“ und dringt darauf, die KI zu „entwaffnen“. Hatten Sie mit dieser Schärfe und Tiefe an Kritik gerechnet?

Ralf Lankau: Nein. Es gab zwar schon sehr kritische Äußerungen von Papst Franziskus, und Papst Leo XIV. bezeichnete bereits am zweiten Tag seines Pontifikats KI als eine der „größten Herausforderungen für den Schutz der Menschenwürde und der Gerechtigkeit der Arbeit“ (Papst Leo XIV, 2025). Aber ich bin von dieser Enzyklika positiv überrascht, weil sie so klar formuliert, dass diese Technik in der Hand kleiner Eliten maximalen Schaden für den einzelnen Menschen wie die sozialen Gemeinschaften anrichten kann.

Weiterlesen (extern: NachDenkSeiten): „Angst muss man nicht vor Maschinen haben, sondern vor den Menschen, die sie entwickeln und missbrauchen.

 

Künstliche Intelligenz oder natürliche Resilienz?

Smartphones, Avatare und Lernroboter im Unterricht: Eine gute Idee?

Video-Vortrag Prof. R. Lankau im Gesprächskreis Bildungspolitik der Rosa-Luxemburg-Stiftung NRW:

KI an Schulen und Hochschulen, welche Folgen wird das haben? Die Debatte um IT und KI in Schule ist für Ralf Lankau keine technische, sondern eine zutiefst politische Frage. Im Zentrum steht für ihn nicht die Effizienz von Unterricht, sondern die Zukunft demokratischer Gesellschaften. Denn digitale Infrastrukturen seien längst Teil eines Machtgefüges, das auf „die Programmierung menschlichen Verhaltens“ zielt. Dazu hielt Lankau am 20.04.2026 einen Vortrag bei der Rosa-Luxemburg-Stiftung.

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Beiträge der Artikelserie: "Künstliche Intelligenz, der Papst, die Enzyklika und das Elend der deutschen Bildungspolitik"

 

Teil I: Prof. Klaus Zierer: "Menschlichkeit in den Mittelpunkt: Durch Bildung KI entwaffnen!"

"Die KI-Besoffenheit von Bildungspolitik, Schulaufsicht und einem großen Teil der Erziehungswissenschaften wirkt derzeit wie ein Brandbeschleuniger nach Jahren des Zündelns mit dem Feuer der Digitalität, das bereits großen Schaden angerichtet hat. Das Haus der Schule muss neu gebaut werden."

Teil II: Prof. Ralf Lankau: „Angst muss man nicht vor Maschinen haben, sondern vor den Menschen, die sie entwickeln und missbrauchen.“

Der Papst warnt in seiner ersten Enzyklika vor existenziellen Risiken der Künstlichen Intelligenz für Individuen und Völker. Ralf Lankau hofft auf neue Impulse in der Diskussion. Zugleich ist er sicher: Widerstand ist möglich! Mit ihm sprach Ralf Wurzbacher.

Teil III: Bündnis für humane Bildung kritisiert Expertenkommission „Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt“.

Das Gutachten ist ein trojanisches Pferd: Richtige Diagnose, industriefreundliche Folgerungen

Teil IV: Prof. Gertraud Teuchert-Noodt, Brief an Ministerin Prien und die Expertenkommission: Kritische Stellungnahme zur aktuellen Bestandsaufnahme der Expertenkommission zum Kindes- und Jugendschutz in der digitalen Welt vom 20.04.2026:

„Die Forderung aus diesen Erkenntnissen der Neurowissenschaften kann vor dem Hintergrund wachsender gesellschaftlicher Probleme nur lauten, digitale Medien nicht als Hirnkiller bzw. Lernersatz für die biologisch-grandiosen haptischen Werkzeuge jedes Menschen einzusetzen. Sie haben in der gesamten Kindes- und Jugendentwicklung nichts zu suchen.“

Teil V: Nina Kolleck, Joachim Bauer: Zwei Bücher für alle, die die digitale Sozialisation unserer Kinder verstehen wollen.

Prof. Joachim Bauer: Menschlichkeit in digitalen Zeiten. Warum wir ohne lebendige Wirklichkeit nicht leben können, Heyne, 2026

Nina Kolleck: Der Kampf in den Köpfen. Wie TikTok, Instagram & Co unsere Kinder manipulieren, Rowohlt, 2026

Artikel veröffentlicht:
29.05.2026
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