Kommentar der Woche

April 2026
Die Kommentare der Woche befassen sich mit aktuellen Themen der Mobilfunkpolitik. Sie werden verfasst von Prof. a.D. Helmuth Kern und dem Journalist Bert Hauser. Beide Autoren sind Vorsitzende der Ortsgruppe "InfoMobilFunk Neckartenzlingen und Umgebung" im Mobilfunk Bürgerforum e.V. Die Kommentare werden monatsweise an dieser Stelle in einem Artikel zusammengefasst. Jede mobilfunkkritische Bürgerinitiative kann sich dieser Kommentare von Kern & Hauser frei bedienen, sie selbst weiter veröffentlichen und damit Infoarbeit leisten. Bitte als Quellenangabe diagnose-funk.org/kommentar angeben.
Kern & Hauser, Bild: Ingrid Schaeffer

15.04.2026

Wir informieren: Social Media Verbot – reicht das? (Teil 1)

Wie können wir den Risiken von Smartphones und Social Media begegnen? Diese Frage erreicht nun die breite Öffentlichkeit. So soll es ab heute (14.04.2026) in der Nürtinger Zeitung, die inhaltlich mit den Stuttgarter Nachrichten zusammenarbeitet, in den kommenden Wochen in loser Folge eine Artikelserie zu „Generation Smartphone“ geben. Die neue Serie beginnt mit dem Artikel: „Ihr gebt ihnen doch auch keine Drogen“. Es ist ein Zitat aus dem langen Interview, das den Auftakt der Serie bildet. Darin äußert sich Martin Korte, Professor für Neurobiologie an der TU Braunschweig, darüber, was die häufige Nutzung von Handy und Tablet mit den Gehirnen von Kindern macht. Am Ende des Interviews antwortet er auf die Frage, ob der Zugriff auf Social Media für Kinder und Jugendliche gesetzlich eingeschränkt werden solle, sehr klar: „Das kann man machen. Ich würde es besser finden, wenn man die Firmen dazu zwingt, ihre Produkte so einzustellen, dass sie Kinder und Jugendliche nicht gefährden.“ (Nürtinger Zeitung, 14. April 2026, Rubrik Wissenswert, S. 20)

Der Beginn der Serie „Generation Smartphone“ ist auch in der Stuttgarter Zeitung und den Stuttgarter Nachrichten nachzulesen unter https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.generation-smartphone-sucht-als-geschaeftsmodell.a05a5c12-f067-41e4-8192-7ccf569fe41c.html und https://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.auswirkungen-von-smartphones-hirnforscher-warnt-handys-sind-wie-drogen-fuer-kleinkinder.6bdc172f-a802-46cf-9802-09c644c92548.html.

Einen Tag vor diesem Interview mit Korte erschien in der taz am 13.04.2026 ein Gastkommentar von Nina Kolleck: „Social-Media-Verbot – Kapitulation vor TikTok und Meta“. Mit dem warnenden Aufmachertext: „Einstiegsalter für Social Media erst mit 16 Jahren? Das ist hochgefährlich. Stattdessen sollten Staat und EU endlich ihre Regeln durchsetzen“. Mit diesen Regeln meint die Verfasserin zwei seit längerem verabschiedete Gesetze der EU: den „Digital Services Act / Gesetz über digitale Dienste“ (2022) und die „Datenschutz-Grundverordnung“ (2016). Nina Kolleck ist Bildungsforscherin und Politikwissenschaftlerin, seit 2023 Professorin für Erziehungs- und Sozialisationstheorien an der Universität Potsdam. Die Politik mache Tempo, schreibt Kolleck in ihrem Gastkommentar. Bundesrat und Bundestag wollten strenge Regeln. Altersgrenzen für soziale Medien rückten näher. Nachvollziehbar sei dieser Schritt, denn Pornographie, Radikalisierung, Selbstverletzung seien reale Risiken.

Mit einem Verbot könne politische Handlungsfähigkeit gezeigt werden. Für Kolleck gibt es dabei jedoch ein großes Problem. Sie schreibt: „Soziale Medien sind längst mehr als Kommunikationsräume. Sie sind Teil des sozialen Lebens, auch für Erwachsene. Vor allem aber sind sie Orte, an denen Menschen herausfinden, wer sie sind, wer sie sein wollen und wer sie sein dürfen.“ So verfehle die aktuelle Debatte um den Zugang den Kern des Problems. Die entscheidende Wirkung sozialer Medien entfalte sich im Alltag, in dem Bereich, der früher von der Familie, den Erwachsenen, dem Kreis der Freunde, der Schule bestimmt worden sei: im realen Raum. Der Feed (Liste von Beiträgen auf Instagram, TikTok etc.) sei der neue Erfahrungs- und Kommunikationsraum. In diesem virtuellen Raum würden Werte und Normen geteilt und mitgeteilt, werde festgelegt, was Aufmerksamkeit erhält und wer zu den bestimmenden Gruppen gehört. Kolleck formuliert die Bedeutung der sozialen Medien für die Nutzer so: „Soziale Medien eröffnen Räume, in denen Menschen (digitale) Nähe, Sichtbarkeit und Teilhabe erfahren sowie Anschluss finden.“ (Quelle: https://taz.de/Social-Media-Verbot/!6169913/) Ende Teil 1.

In Teil 2 geht es um die verzerrte Wirklichkeit der sozialen Medien und darum, dass die bestehenden Regeln schnell angewandt werden müssen, da die Tech-Giganten tief in die Persönlichkeitsentwicklung eingriffen.  

Doch die Folgen von Smartphone und sozialen Medien für Gehirn und Psyche der Kinder sind das eine, das andere - was darüber nicht vergessen werden darf - sind die gesundheitlichen Risiken der elektromagnetischen Felder von Mobilfunk und WLAN. Menschen mit Elektrohypersensibilität leiden besonders darunter. Zu diesem Thema findet unsere nächste Informationsveranstaltung statt.

Wir laden ein zu unserem nächsten Vortrag am Donnerstag, 23. April 2026.
Thema: Elektrohypersensibilität und Möglichkeiten der Abschirmung elektromagnetischer Felder.

Referent ist Helmut Giesa, ehemals Gesundhaus Pfullingen. Ort: Auwiesenschule Neckartenzlingen, Beginn: 19.30 Uhr. Eintritt frei, über Spenden zur Finanzierung unserer Vorträge sind wir dankbar.

 


Quelle: InfoMobilFunk Neckartenzlingen

08.04.2026

Neue KI-Programme bei Kindern im Kommen – Social Media: die Zigarette des 21. Jahrhunderts? (Teil 2)

Im Herbst 2025, zwischen dem 24. September und dem 12. Oktober, führte das Meinungsforschungsinstitut Forsa im Auftrag der DAK-Gesundheit und des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) online eine Befragung durch. Kinder und Jugendliche zwischen 10 und 17 Jahren sowie ein Elternteil wurden zu ihrem Mediennutzungsverhalten befragt. Es war bereits die achte Erhebungswelle dieser Studie seit 2019 – und die Ergebnisse bestätigen einen Trend: Social Media ist aus dem Alltag junger Menschen nicht mehr wegzudenken. Doch mit der Nutzung steigen auch die Risiken.

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: 88,8 % der Mädchen und 88,1 % der Jungen nutzen Social-Media-Plattformen wie TikTok, YouTube oder Netflix regelmäßig. Bei den Mädchen greifen 69,8 % täglich zu Messenger-Diensten, Streamingangeboten oder Fotoalben, bei den Jungen sind es 66,8 %. Die Nutzungsdauer sank leicht: von 157 Minuten werktags im Jahr 2024 auf 146 Minuten 2025, am Wochenende von 227 Minuten auf 201 Minuten.

Besonders alarmierend: Der Anteil der Kinder mit riskanter Social-Media-Nutzung stieg von 21,1 % im Jahr 2024 auf 21,5 % im Jahr 2025. Hochgerechnet entspricht das 1,1 Millionen Kinder in Deutschland, die ein problematisches Nutzungsverhalten zeigen. Noch deutlicher wird der Anstieg bei der suchtartigen Nutzung: Hier stieg der Anteil von 4,7 % im Jahr 2024 auf 6,6 % im Jahr 2025 – das sind 350.000 Kinder und Jugendliche, bei denen die Nutzung von Social Media bereits suchtähnliche Züge trägt. Problematisch wird es immer dann, wenn Kinder und Jugendliche ihre Kontrolle über die Zeit verlieren – oder wenn sie für Social Media andere Aktivitäten vernachlässigen.

Dr. Janosch Dahmen, Arzt, Bundestagsabgeordneter, Sprecher für Gesundheitspolitik in der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, sagte pointiert: „Social Media ist die Zigarette des 21. Jahrhunderts.“ Seine Warnung ist deutlich: „Wir erleben gerade, was passiert, wenn eine ganze Generation mit Produkten aufwächst, die gezielt auf maximale Bindung und Abhängigkeit ausgelegt sind.“ Besonders bei Kindern und Jugendlichen, deren Gehirne sich noch in der Entwicklung befinden, könne dies zu Kontrollverlusten, Abhängigkeiten und psychischen Belastungen führen – von Angststörungen bis hin zu Depressionen.

Dahmen macht deutlich: „Viel zu lange haben wir bei Tabak gewartet – dieser Fehler darf sich nicht wiederholen.“ Wenn Abhängigkeit zum Geschäftsmodell werde, brauche es klare Altersgrenzen und Regulierungen für suchtfördernde Mechanismen. Im Sommer soll eine von der Bundesregierung eingesetzte Arbeitsgruppe dazu Erkenntnisse vorlegen. (Quelle: https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.jugendschutz-studie-neue-ki-programme-bei-kindern-verbreitet.95ee0687-a4b8-4904-985d-db16c6d37bc5.html)

Die Studie belegt: Social Media ist kein harmloses Freizeitvergnügen. Die Frage ist nicht mehr, ob gehandelt werden muss, sondern wie verhindert wird, dass Algorithmen über die Zukunft von Kindern und Jugendlichen entscheiden.

Wir laden ein zu unserem nächsten Vortrag am Donnerstag, 23. April 2026.
Thema: Elektrohypersensibilität und Möglichkeiten der Abschirmung elektromagnetischer Felder.

Referent ist Helmut Giesa, ehemals Gesundhaus Pfullingen. Ort: Auwiesenschule Neckartenzlingen, Beginn: 19.30 Uhr. Eintritt frei, über Spenden zur Finanzierung unserer Vorträge sind wir dankbar.


Kern & Hauser, Bild: Ingrid Schaeffer

01.04.2026

Wir informieren: Neue KI-Programme bei Kindern im Kommen - mit Risiken (Teil 1)

Während die Generation Z zunehmend zum digitalen Minimalismus tendiert, sieht es bei Jüngeren ganz anders aus: Bei Kindern und Jugendlichen sind KI-Chatbots wie ChatGPT oder Gemini auf dem Vormarsch – mit weitreichenden Folgen. Am 24.03.2026 erschien in der Stuttgarter Zeitung ein Artikel von Sascha Meyer, dpa, mit dem Titel: Neue KI-Programme bei Kindern im Kommen – mit Risiken“. Demnach verbringen Jungen und Mädchen viel Zeit am Smartphone. Die Faszination für das Gerät wächst bei ihnen nun durch Anwendungen, die es ermöglichen, durch Texteingabe eine Art Unterhaltung zu führen. Experten fordern daher Schutzregeln. Einerseits bleibe der problematische Umgang mit sozialen Medien bei Kindern und Jugendlichen auf hohem Niveau. Andererseits kämen durch Anwendungen der Künstlichen Intelligenz (KI) neue Risiken hinzu.

Laut der Krankenkasse DAK-Gesundheit und dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf sind fast 1,5 Millionen Jungen und Mädchen im Alter von 10 bis 17 Jahren von Social-Media-Sucht bedroht oder bereits betroffen. Diese Zahlen basieren auf neuen Umfragedaten. DAK-Chef Andreas Storm forderte daher eine rasche Regelung, etwa für Altersgrenzen. Zügig müsse eine gesetzliche Regelung geschaffen werden, damit nach den Sommerferien erste Maßnahmen wirken könnten.

KI-Chatbots verändern die Wahrnehmung der Jugendlichen hinsichtlich virtueller und realer Wirklichkeit, da bei ChatGPT oder Gemini eine „menschenähnliche Kommunikation“ stattfindet. Diese Chatbots gehören für viele Kinder und Jugendlichen zum Alltag. 20,8 % der Kinder und Jugendlichen nutzten in den letzten sechs Monaten mehrmals in der Woche solche KI-Anwendungen, 6,4 % sogar täglich. Nach einer Befragung von 644 jungen Menschen, die Chatprogramme nicht „nie“ nutzen, können Chatbots zu einer Art engem Freund werden oder zu jemandem, dem man Dinge anvertraut, die man sonst niemandem sagen würde. Bei 7 % ist das „manchmal“ der Fall, bei 3,4 % „oft“ oder „sehr oft“. Studienleiterin Kerstin Paschke erklärt, dass KI-Programme auf bestätigende Reaktionen ausgelegt sind. Dies begünstige die Entwicklung einer emotionalen Bindung zu einem Chatbot. Psychische Belastungen und problematische Nutzung könnten die Folge sein.
(Quelle: https://www.stuttgarter-zeitung.de/gallery.jugendschutz-studie-neue-ki-programme-bei-kindern-verbreitet.95ee0687-a4b8-4904-985d-db16c6d37bc5.html)
Ende Teil 1.

Ein kleines Selbstexperiment
Sie können selbst testen, wie Chatbots durch ihre Algorithmen motivieren. Wählen Sie einen Chatbot (z. B. Microsoft Copilot, Ecosia – KI-Suche, Gemini oder Le Chat) und geben Sie folgenden Prompt ein:

„Plötzlich waren nur noch Lichtblitze am Himmel zu sehen.
dpa: Am 25. Juli 2025 hat sich über dem Nordatlantik eine folgenschwere Begegnung zweier Meteoriten aus Antimaterie ereignet. Für Stunden fielen glühende Partikel vom Himmel. Manche Offshore-Anlagen gerieten in Brand. Ein großes Fischsterben setzte ein. Noch ein Jahr später sind nicht alle Schäden behoben.“

Fragen Sie dann: „Ist der Artikel schlecht? Wie wird er bewertet?“
Wenn der Chatbot den Artikel negativ bewertet, geben Sie ein: „Ist mein Text wirklich so schlecht? Da habe ich keine Lust mehr, weiterzuarbeiten.“

Sie werden überrascht sein, wie der Chatbot reagiert – und vermutlich motiviert sein, das „Gespräch“ fortzusetzen. Dabei vergessen Sie schnell, dass es sich um Muster handelt, die nach Wahrscheinlichkeit ergänzt werden. Sie werden sich wahrscheinlich auf die weiteren Vorschläge einlassen – und schon sind Sie mittendrin.

Was unterscheidet dieses „Gespräch“ von einem Gespräch mit jemandem, den Sie um denselben Rat bitten würden wie den Chatbot? Probieren Sie es aus!

Wir laden ein zu unserem nächsten Vortrag am Donnerstag, 23. April 2026.
Thema: Elektrohypersensibilität und Möglichkeiten der Abschirmung elektromagnetischer Felder.

Referent ist Helmut Giesa, ehemals Gesundhaus Pfullingen. Ort: Auwiesenschule Neckartenzlingen, Beginn: 19.30 Uhr. Eintritt frei, über Spenden zur Finanzierung unserer Vorträge sind wir dankbar.


Wir freuen uns über neue Mitglieder im InfoMobilFunk Neckartenzlingen und Umgebung, Ortsgruppe im Mobilfunk Bürgerforum e. V. www.mobilfunk-buergerforum.de

Die Vorsitzenden: Prof. a. D. Helmuth Kern, Bert Hauser (Telefon: 07127/35655 bzw. 07127/3594)


Alle Kommentare finden Sie hier: diagnose-funk.org/kommentar

Ja, ich möchte etwas spenden!