An Chefredaktion & Intendanz des ZDF 19.01.2026
Programmbeschwerde zur Sendung „MAITHINK X – Die Show: 5G, WLAN & Co “ vom 05.10.2025
Sehr geehrter Herr Dr. Himmler, sehr geehrte Damen und Herren,
hiermit erhebe ich im Namen von Diagnose-Funk e.V. Programmbeschwerde zur Sendung „MAITHINK X – Die Show: 5G, WLAN & Co“ vom 05.10.2025. Nach Analyse der Sendung, des Quellenverzeichnisses der für die Sendung ausgewerteten Studien und der in der Sendung präsentierten Interpretation durch die Moderatorin Frau Dr. Nguyen‑Kim muss festgestellt werden, dass die Sendung in zentralen Punkten gegen journalistische Grundsätze wie Ausgewogenheit, Transparenz, Sorgfalt und Trennung von Meinung und Fakten verstößt.
Wir haben nach Ausstrahlung der Sendung mit Datum vom 28.10.2025 an die ZDFneo-Redaktion >> einen Brief geschrieben, in dem wir die falsche Darstellung der Studienlage zu den gesundheitlichen Risiken der Mobilfunkstrahlung in der Sendung kritisieren und konkrete Fragen stellen – in der Erwartung einer wissenschaftsbasierten Korrespondenz. Die Redaktion wies unsere Kritik in der Antwort vom 18.11.2025 zurück mit der Aussage, die Sendung basiere auf einer gründlichen Auswertung der Studienlage. Der Quellennachweis der Redaktion dokumentiert dagegen eine bruchstückhafte Recherche. Die bedeutendsten Studienergebnisse zu nicht-thermischen Wirkungen, Krebs, Gehirn, Fertilität und auch WLAN werden nicht genannt. Die pauschale Antwort der Redaktion lässt uns vermuten, dass die Redaktion nicht in der Lage oder nicht willens war, auf unsere vier konkreten Fragen explizit einzugehen.[1] Warum hat die Redaktion die Gesamtstudienlage nicht ausgewertet, sondern einseitig und bruchstückhaft nur die Studien zitiert, die kein Risiko nachweisen? Mehrere der Studien, auf die sich die Redaktion beruft (Feychting/COSMOS, Karipidis, Meyer, Pophof), sind in Letters to the Editor von führenden Wissenschaftlern scharf kritisiert worden[2] – bis hin zur Forderung, sie aufgrund wissenschaftlicher Mängel zurückzuziehen. Das verschweigt die Redaktion, und das hatten wir in unserem Schreiben an die Redaktion detailliert bemängelt. Im Antwortschreiben geht die Redaktion darauf mit keinem Wort ein.
Die Studie von Mevissen et al. (2025), im Auftrag der WHO erstellt, wird in ihrer klaren Aussage und entsprechenden wissenschaftlichen Bedeutung in der Sendung jedoch völlig unterbewertet und nur mit einem Satz (und zudem einem falsch eingeblendeten Verweis) erwähnt.[3] Doch gerade die Auswertung von Tierstudien hat eine besonders große Relevanz bei der Abschätzung des Krebsrisikos. Dazu die frühere Direktorin des renommierten Krebsforschungsinstituts Ramazzini in Bologna, Dr. Fiorella Belpoggi:
- „1. Alle Substanzen, die sich in epidemiologischen Studien als karzinogen für den Menschen erwiesen haben, zeigten sich auch im Tierversuch karzinogen. Bei einem Drittel der Substanzen, die von der Internationalen Krebsforschungsagentur IARC als krebserregend eingestuft werden, wurde die Karzinogenität zuerst in Nagetierstudien und erst danach in Studien mit Menschen nachgewiesen.
- 2. Keine Substanz, die sich bei Tieren als krebserregend erwies, hat sich bei Menschen im Rahmen von adäquaten epidemiologischen Studien als nicht karzinogen erwiesen.
- 3. Die Beziehung zwischen der Exposition gegenüber einer karzinogenen Substanz und der neoplastischen Reaktion sowie dem Prozess der Krebsentwicklung ist bei Menschen und Tieren vergleichbar.“[4]
Die Darstellung und Interpretation der Studienlage in der Sendung ist darüber hinaus problematisch angesichts des Interessenkonfliktes der Moderatorin Dr. Nguyen-Kim, der jedoch nicht genannt wird. Im Folgenden fassen wir die Kritiken, ergänzend zu unserem Schreiben vom 28.10.2025, zusammen:
1. Die Sendung ist unausgewogen – behördliche Sicht als einzige Quelle
Die Sendung bildet nahezu ausschließlich die Position des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) ab und macht sich zum Sprachrohr der Regierungspolitik. Andere wissenschaftliche Positionen, insbesondere solche, die vor möglichen Risiken durch elektromagnetische Felder (HF-EMF) warnen, wurden nicht berücksichtigt, wie die Redaktion mit ihrem Quellenverzeichnis selbst dokumentiert.
Die Behauptung der Redaktion, sie hätte die Gesamtstudienlage berücksichtigt, hätte zu einem anderen Quellenverzeichnis und zu einer anderen Darstellung der Fakten führen müssen.
Die Studienlage wird industrieunabhängig dokumentiert u.a. in den Datenbanken EMF-Portal (Bundesregierung, WHO-Referenz), ORSAA.org sowie der diagnose:funk-Datenbank EMF:data, in der Fachzeitschrift ElektrosmogReport, auf dem Portal Microwave News, von der BioInitiative Working Group, von der International Commission on the Biological Effects of Electromagnetic Fields (ICBE-EMF), im Bericht zur Technikfolgenabschätzung des Bundestags von 2023[5], im STOA-Bericht für das EU-Parlament (2021)[6], im Schweizer Portal BERENIS und in den diagnose:funk-Publikationen ÜBERBLICK für den Durchblick.
Die Auswertung dieser Publikationen, Portale und Datenbanken ergibt, dass die Studienlage über gesundheitsschädliche Auswirkungen der Mobilfunkstrahlung aussagekräftig ist. Stattdessen beschränkte sich die MAITHINK-X-Redaktion auf die Auskünfte des deutschen Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) über die Studienlage, was die unvollständige Studiendokumentation der Redaktion zeigt. In einer Publikation des internationalen Verbandes der Ingenieure IEEE wird das BfS als Teil eines „Industrie-Regulierungs-Komplexes“ genannt.[7] Die Sendung verharmlost Risiken pauschal mit der Aussage, es gebe „keinen Zusammenhang zwischen Handy- oder WLAN-Nutzung und gesundheitlichen Schäden“. Diese Aussage steht im Widerspruch zu hunderten peer-reviewed publizierten Studien, die biologische Effekte belegen, und blendet zudem wissenschaftliche Kontroversen vollständig aus.
2. Rosinenpickerei bei der Studienauswahl
Statt einer umfassenden Betrachtung der Studienlage wurden selektiv einzelne Studien herangezogen, die Entwarnung geben, während andere, qualitativ hochwertige Studien zu den Endpunkten Kanzerogenität, oxidativem Stress, neuronalen Effekten und Fertilitätsstörungen in der Risikobewertung nicht auftauchen.
Die Redaktion nimmt nicht zu der Frage Stellung, warum sie wichtige Studienergebnisse nicht berücksichtigt, wie sie u.a. im Bericht zur Technikfolgenabschätzung des Bundestages und in der STOA-Studie des EU-Parlaments angeführt sind: speziell zu Krebs die NTP- und Ramazzini-Studien[8], des Weiteren die gut dokumentierte Studienlage zur männlichen Fertilität[9], zu Auswirkungen auf das Gehirn[10] und zum Wirkmechanismus oxidativer Zellstress[11]. Ebenfalls keine Berücksichtigung fanden die mehr als 150 Reviews zu verschiedenen Endpunkten.[12]
Die Redaktion führt als Beweis der Unbedenklichkeit drei Reviews für die WHO an. Sie unterschlägt, dass in Letters to the Editor, die im EMF-Portal publiziert sind, genau diese Studien als unwissenschaftlich kritisiert und ihre Rücknahme gefordert wird.[13] Der weltweit führende Hochfrequenz-Experte Prof. James Lin hat sich im IEEE-Magazin dieser Kritik angeschlossen und bezeichnet diese Studien als Produkte eines Industrie-Regulierungs-Komplexes.[14] Der Hauptautor Ken Karipidis wird sowohl von der ICBE-EMF also auch von Mevissen/Straif (die ebenfalls für die WHO Reviews erstellten) als unqualifiziert kritisiert.[15] Sieben Reviews zu Krebs beschreiben das Krebsrisiko durch Mobilfunkstrahlung als real, nur Karipidis et al. tun das nicht.[16] Und genau diese eine Studie wird in der ZDFneo-Sendung genannt.
3. Verfälschte Darstellung mit Halbwahrheiten
In der Sendung wird mit Halbwahrheiten argumentiert – ein Vorgehen, das ethisch problematischer ist als eine vollständige Unwahrheit, da es manipulative Wirkung entfaltet.
Es wird richtig dargestellt, dass die Mobilfunkstrahlung nicht die Energie besitzt, Zellverbindungen aufzubrechen, aber die ganze Wahrheit, dass die Schädigungen über andere, nachgewiesene Mechanismen erfolgen, unterschlagen.[17] Im Review von Hu et al. (2021) heißt es: „Die Energie nichtionisierender Strahlung reicht nicht aus, um chemische Bindungen direkt aufzubrechen. Daher ist das Auftreten von DNA-Schäden bei Exposition gegenüber nichtionisierender EMR in erster Linie eine Folge der Bildung von ROS [= Sauerstoffradikale, Anm. diagnose:funk], gefolgt von oxidativem Stress. Zahlreiche Tierversuche haben eindeutig gezeigt, dass nichtthermische elektromagnetische Strahlung oxidativen Stress verursachen kann, insbesondere im Gehirn.“ (Übersetzung diagnose:funk).[18] Zu diesen nicht-thermischen Wirkungen[19] und zu oxidativem Zellstress[20] als Wirkmechanismus gibt es eine profunde Studienlage.
4. Lächerlichmachung anderer Standpunkte
Kritische wissenschaftliche Positionen werden nicht nur nicht dargestellt, sondern indirekt ridikülisiert – etwa durch die willkürliche Verknüpfung kritischer wissenschaftlicher Positionen mit Radiästhesie und Esoterik. Dieses manipulative Framing wurde von uns kritisiert. Eine solche Darstellung ist demagogisch und delegitimiert seriöse wissenschaftliche Arbeiten.
Die Sendung testet Wünschelrutengänger mit dem erklärten Ziel, sie lächerlich zu machen, um das dann auf Ergebnisse der Hochfrequenzforschung als Hilfskonstruktion zum Beweis für deren angebliche Esoterik implizit zu übertragen. Was haben Wünschelrutengänger mit Mobilfunk zu tun? Nichts! Aber selbst hier wird wieder mit Halbwahrheiten operiert: Wie bei jedem Gesundheitsproblem gibt es zu Umwelteinwirkungen unwissenschaftliche Theorien und Praktiken, Placebo- und Nocebo-Effekte, die aber kein Beweis dafür sind, dass das ganze Problem unwissenschaftlich ist. Das ist, wie wenn man Ärzte, die bei Krebs Quacksalber-Methoden anwenden, als Beleg dafür nehmen würde, die ganze Medizin sei Quacksalberei. Die biologischen und biophysikalischen Umweltforschungen zu Auswirkungen der Umgebungsstrahlung, den Auswirkungen der Veränderungen in der Atmosphäre, die Wetterfühligkeit von Menschen und Tieren und auch die Auswirkungen von Wasseradern untersuchen, basieren auf wissenschaftlicher Forschung und Erfahrungswissen. Diese Literatur scheint der Redaktion nicht bekannt zu sein.[21]
Ein zweites unzulässiges Framing ist die Unterstellung, Baubiologen und die Mobilfunkkritiker würden Handy-Chips empfehlen, die die Strahlung unschädlich machen. Das sei ein weiterer Beweis ihrer Unwissenschaftlichkeit. Doch Baubiologenverbände und mobilfunkkritische Organisationen distanzieren sich von solchen Produkten.[22] Frau Dr. Nguyen Kim macht aber dasselbe wie die Chip-Hersteller: sie propagiert die bedenkenlose Nutzung von WLAN und Smartphone, die einen mit, Frau Dr. Nguyen Kim ohne Chips.






