Smart Meter: LoRa - Strahlung völlig unbedenklich?

Schreiben an Messstellenbetreiber: Studien widerlegen die Verharmlosungs-Argumente
Der Einbau von digitalen Zählern zur Ablesung von Strom, Wasser und Wärme ist Pflicht. Digitale Zähler sind nicht das Problem, sondern dass ausschließlich funkende Geräte eingebaut werden. Dagegen wehren sich Mieter und Hausbesitzer und fordern die Installation von Alternativen. Die Betreiber reagieren mit der Auskunft, die Strahlenbelastung sei extrem gering und deshalb unbedenklich. Auf die Bitte eines unserer Mitglieder schrieben wir dazu an einen der größten Messstellenbetreiber.
Bild:diagnose:funk

Diagnose-Funk e.V. 

An

Herrn A.B. (Minol Messtechnik)                                              Stuttgart, den 15.01.2026

Ihre Mail vom 12. Jan. 2026 an Frau N.M. / LoRa / Smart Meter

Sehr geehrter A.B.,

Sie haben gegenüber unserem Mitglied N.M. ausführlich begründet, warum die Strahlung von LoRa-Geräten und damit der Einbau von LoRa – Geräten zur Ablese von Verbrauchsdaten unbedenklich sei, mit folgendem Fazit:

  • „Handy: Fokussiert auf hohe Geschwindigkeit, dafür höhere Leistung und höhere Frequenz, die eher an der Haut absorbiert wird.
  • LoRa: Fokussiert auf Energieeffizienz und Reichweite, mit extrem geringer Leistung und damit geringer lokaler Belastung, ideal für das "Internet der Dinge".“[1]

In Zitierung Ihrer Aufforderung an N.M. „Ich kann Sie verstehen, bitte Sie aber sich etwas mehr mit dem Thema zu beschäftigen“ möchten wir Sie wiederum bitten, sich mit den Studien zu biologisch-medizinischen Auswirkungen nicht-ionisierender Strahlung zu beschäftigen. 

Richtig in Ihrer Aussage ist nur, dass LoRa mit wesentlich geringeren Leistungsflussdichten als normale Handys arbeiten.[2] Daraus kann aber keine Schlussfolgerung über biologische Auswirkungen gezogen werden. Denn (i) gibt es nach unserer Kenntnis keine Studie über die Auswirkungen der LoRa-Strahlung, so dass Sie wissenschaftsbasiert keine Entwarnung auf Grund von LoRa-Studien geben können. Solche Studien fehlen, das bedeutet, Sie geben Nicht-Wissen als Wissen aus. Ohne eine Technikfolgenabschätzung, die solche Studien voraussetzt, dürfte diese Technologie nicht eingesetzt werden. Also beruht unsere Forderung, keine Smart Meter einzusetzen, auf der Tatsache, dass sie ohne Prüfung v.a. von Langzeitauswirkungen der Befeldung mit LoRa eingebaut werden.

Doch (ii) entscheidend ist: Das Argument geringe Leistungsflussdichte = Unschädlichkeit ist falsch. Es gibt derzeit keine untere Einwirkungsschwelle, die eine Unschädlichkeit nachweist (Lutz/Adlkofer2007):

  • „Es ist richtig, die Quantenenergie beispielsweise der UMTS-Strahlung liegt bei 9 x 10-6 eV und damit viele Zehnerpotenzen unter der Ionisierungsenergie von Molekülen. Aber diese Betrachtung gilt für unbelebte Materie. Sie kann angewandt werden, wenn ein Stück Holz, ein Stück Plastik oder dergleichen bestrahlt wird. In lebenden Organismen finden biologische Prozesse wie Zellteilung, Zelldifferenzierung usw.. statt, die die Moleküle, speziell die DNA und die RNA sehr verletzbar machen. Chemische Verbindungen werden aufgebrochen und neue gebildet. DNA-Ketten werden geöffnet, vervielfältigt und neue Zellen werden gebildet. Eine viel tiefere Energieschwelle kann für eine Störung der zellulären Prozesse genügen. Es wird überhaupt sehr schwer sein, eine untere Energieschwelle zu definieren, um eine Störung in Lebensprozessen, für die die molekulare Instabilität eine Vorbedingung ist, auszuschließen.“
Grafiken: Weller et al. 2025

Grafiken Weller et al. (2025, S.13): Anteil der Studien, die (A) DNA-Schädigungswirkungen im Verhältnis zur Expositionsintensität zeigen, überlagert mit der Anzahl der Studien (B) Expositionsdauer im Verhältnis zur Expositionsintensität. Die Grafiken zeigen nur Daten, bei denen es 5 oder mehr Studien in dieser Kategoriekombination gab.

Das wird durch neueste Studien bestätigt. Es ist inzwischen gesichert, dass selbst geringste Leistungsflussdichten zelltoxisch sein können, sogar teilweise mehr als bei hoher Bestrahlung. Dieses scheinbare Paradox wird in der Forschung erläutert. So heißt es in einem neuesten Review von Weller et al. (2025) (eigene Übersetzung) :

  • “Studien, die extrem niedrige Expositionswerte (<0,001 W/kg) untersuchten, berichteten über den höchsten Anteil an genotoxischen Effekten (81 % von 21 Studien). Darüber hinaus nahm der Anteil statistisch signifikanter DNA-Schädigungen mit steigender Intensität ab. Bei extrem hohen Intensitäten (>10 W/kg), die die ICNIRP-Grenzwerte überschreiten, stieg der Anteil statistisch signifikanter DNA-Schädigungen jedoch wieder an (58 % von 59 Studien) (siehe Zusatztabelle 13). Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass DNA-Schädigungen keinem linearen Dosis-Wirkungs-Muster folgen und dass nicht-thermische Mechanismen wahrscheinlich eine bedeutende Rolle bei RF-induzierten DNA-Schädigungen spielen. Anschließend wurde die Expositionsintensität weiter untersucht, indem die Exposition relativ zu den ICNIRP-Grenzwerten für den Arbeitsplatz kategorisiert wurde. Überraschenderweise zeigten Studien bei oder unterhalb der ICNIRP-Grenzwerte einen etwas höheren Anteil an statistisch signifikanten genotoxischen Effekten (58 % von 439 Studien) als Studien oberhalb des Grenzwerts (54 % von 92 Studien) (siehe Zusatztabelle 13). (S.14) …
  • Diese komplexe Wechselwirkung bestätigt frühere Hinweise von Lai und Levitt 2022 (43) auf nichtlineare Reaktionsmuster sowohl für die Intensität als auch für die Dauer. Sie zeigt, dass die Intensität allein nicht der einzige wichtige Faktor für die Ergebnisse ist, sondern dass auch die Dauer der Exposition ein entscheidender, moderierender Faktor ist. Darüber hinaus sind lineare Modelle für die Beschreibung der Ergebnisse in diesem Bereich nicht geeignet. (S.14) …
  • Diese Ergebnisse stellen die stark vereinfachten Schlussfolgerungen einiger früherer Übersichtsarbeiten in Frage, die möglicherweise die komplexen Wechselwirkungen zwischen Expositionsintensität und -dauer nicht berücksichtigt haben. Sie geben auch eine Richtung für die zukünftige Forschung vor, um diese nichtlinearen Zusammenhänge weiter zu untersuchen. (S.14)
  • Der Prozess der Evidenzkartierung ergab jedoch statistisch signifikante DNA-Schäden bei extrem niedrigen Intensitäten, wobei die niedrigsten aufgezeichneten Effekte bei einer SAR von 0,000000319 W/kg in einer epidemiologischen Studie (117) und bei 0,000003 W/kg in mehreren In-vivo-Experimenten (118, 119) auftraten. Diese Werte liegen deutlich (>600.000-mal) unter den Grenzwerten der ICNIRP für die Exposition der Bevölkerung (15). Dieses Muster deutet auf nicht-thermische genotoxische Effekte hin, da Temperaturänderungen bei diesen Intensitäten vernachlässigbar und nicht messbar wären.” (S. 25)

Fazit: Selbst weit unter den Grenzwerten können also zelltoxische Effekte auftreten, dies wurde u.a. bei Studien zur Embryonalentwicklung festgestellt, die bei Weller et al. zitiert werden (118, 119). Das bedeutet: Wenn ein LoRa-Gerät in der Wohnung einer Schwangeren sendet, könnte das eine erhebliche Gefährdung sein.

Die Bedenken von N.M. und ihr Wunsch nach einer nicht-strahlenden Ablesung sind also berechtigt. Wir sind uns bewusst, dass Sie als Sachbearbeiter aus arbeitsrechtlichen Gründen keine negativen Aussagen über Produkte Ihres Arbeitgebers machen dürfen, aber Sie können sich jederzeit für Alternativen einsetzen und Kunden entgegenkommen.

Über die Studienlage können Sie sich auf unserer Datenbank www.EMFData.org, unserer Reihe Überblick für den Durchblick https://www.diagnose-funk.org/aktuelles/artikel-archiv/detail&newsid=2090 und dem Online Kompass Studienlage https://www.diagnose-funk.org/aktuelles/artikel-archiv/detail&newsid=1895 gerne informieren.  

Mit freundlichen Grüßen

gez. Peter Hensinger, Vorstand diagnose:funk

Anlagen: Lutz/Adlkofer 2007; Weller 2025

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Weitere Informationen: 

Funkende Zähler und Smart Metering - was gilt? Was ist verpflichtend und was kann ich tun?

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Quellen: 

[1] AB (Minol Messtechnik) 12. Jan. 2026

Sehr geehrte FRau N.M.,
 
vielen Dank für Ihre Anfrage. Ich kann Sie verstehen, Bitte Sie aber sich etwas mehr mit dem Thema zu beschäftigen.
 
LoRa-Strahlung (für das Internet der Dinge) und Handystrahlung (Mobilfunk) sind beides nicht-ionisierende Strahlung, aber unterscheiden sich stark: Handys nutzen höhere Frequenzen und Sendeleistungen (mit Beamforming bei 5G), um hohe Datenraten zu erzielen, dringen weniger tief ein (Hautabsorption), während LoRa-Geräte extrem geringe Datenraten mit sehr niedriger Leistung über große Entfernungen senden und damit Energie sparen, was zu weniger lokaler Belastung führt, aber breitere Netzabdeckung erfordert. Moderne Handys (LTE/5G) sind beim Verbindungsaufbau oft strahlungsärmer als ältere GSM-Geräte. 
Handystrahlung (Mobilfunk) 

  • Frequenz & Datenrate: Nutzt höhere Frequenzen (bis ca. 27,5 GHz bei 5G), um hohe Datenraten zu erreichen.
  • Sendeleistung & Reichweite: Benötigt höhere Leistung, um große Distanzen zu überbrücken, aber durch Beamforming (bündeln der Strahlung) wird die Strahlung gezielter zum Empfänger geleitet, was die Gesamtexposition beeinflusst.
  • Körperinteraktion: Höhere Frequenzen werden hauptsächlich von der Haut absorbiert, bei sehr hohen Werten muss der Grenzwert angepasst werden.
  • Modernisierung: LTE und 5G sind beim Verbindungsaufbau effizienter und strahlungsärmer als der alte GSM-Standard, da sie mit geringerer Leistung starten und hochregeln. 

LoRa-Strahlung (IoT)

  • Frequenz & Datenrate: Nutzt niedrigere Datenraten, aber dafür sehr niedrige Energie über große Entfernungen (Low-Power Wide-Area Network, LPWAN).
  • Sendeleistung & Reichweite: Extrem geringer Stromverbrauch, ideal für batteriebetriebene Sensoren.
  • Anwendung: Perfekt für IoT-Anwendungen wie Smart Cities (Zählerablesung, Straßenbeleuchtung), wo viel Datenmenge unwichtig ist, aber lange Batterielaufzeit zählt. 

Fazit im Vergleich

  • Handy: Fokussiert auf hohe Geschwindigkeit, dafür höhere Leistung und höhere Frequenz, die eher an der Haut absorbiert wird.
  • LoRa: Fokussiert auf Energieeffizienz und Reichweite, mit extrem geringer Leistung und damit geringer lokaler Belastung, ideal für das "Internet der Dinge". 

Gern können Sie mich noch einmal anrufen, um das Thema zu erörtern.

 gez. Minol Messtechnik 
 

[2] Die von Ihnen i.d.R. benutzten LoRa-WAN Frequenzen (Hauptfrequenz 863-870 MHz) liegen zwischen denen im kommerziellen Mobilfunk benutzten Frequenzen (700er, 800er, 900er Band und auch weit darüber). Darüber hinaus werden auch Frequenzen bei 380-410 MHz (TETRA) und seit einigen Jahren LTE450 (MHz) für kritische Infrastruktur eingesetzt.

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