(1) Laut Richtwerten des deutschen Instituts für Baubiologie strahlen Geräte mit Werten von 0,6 Volt pro Meter (V/m) und mehr «extrem auffällig». Der Gesundheitstipp beurteilte den Elektrosmog bei Babyphones mit Werten von weniger als 0,6 V/m als mittel, jenen von Geräten über diesem Wert als stark. Die Geräte nutzen WLAN, DECT und FHSS (Frequency Hopping Spread Spectrum).
Gerät «Babymoov» strahlte am stärksten
Die höchsten Werte mass der Experte beim Gerät «Babymoove». Es strahlte mit einer Feldstärke von fast 1,4 Volt pro Meter. Dahinter folgt das Gerät von Reer mit einer Strahlung von 1,1 Volt pro Meter.
Die Stichprobe zeigt: Geräte ohne Bildschirm strahlen ungefähr gleich stark wie solche mit Display. Urs Raschle sagt: «Babyphones mit Bildschirm übertragen zwar mehr Daten, doch das führt nicht automatisch zu höheren Messwerten.» Massgeblich für die Spitzenwerte ist die Stärke des einzelnen Funkimpulses: Dieser unterscheidet sich laut Raschle je nach Modell.
Viele Geräte sind mit dem Betriebsmodus Eco, Vox oder ZRF ausgerüstet. Dieser reduziert die Funkaktivität, indem er entweder die Sendeleistung drosselt oder längere Pausen macht. Laut den Herstellern verrringert sich damit die Strahlung. Das «Babymoove PremiumCare» etwa soll dann massiv weniger elektromagnetische Wellen ausstrahlen als andere Geräte. Auch Hersteller von Babyphones ohne Bildschirm wie Reer oder Beurer behaupten, ihr Eco-Modus sorge für eine geringere Strahlung.
«Eltern sollten ihre Kinder besser von einem Babysitter hüten lassen als von einem Babyphone.» Elektrosmogexperte Peter Schlegel
Urs Raschle winkt jedoch ab: «Die Hersteller versprechen zu viel. Die Geräte reduzieren die Funkaktivität nur, wenn es völlig still ist.» Sobald das Kind sich bewege oder Geräusche mache, «senden fast alle Geräte mit voller Leistung, unabhängig vom Betriebsmodus».
Die Hersteller schreiben dem Gesundheitstipp, sie hielten bei ihren Geräten die gesetzlichen Grenzwerte punkto Sendeleistung ein. Doch Experten kritisieren seit langem, dass diese Grenzwerte viel zu hoch seien.
Umstritten ist, wie sich elektromagnetische Strahlen auf die Gesundheit der Babys auswirken. Rebekka Meier sagt, aus «ethischen Gründen» gebe es keine Studien an Kleinkindern und Babys. Unbestritten ist: Elektrosmog kann den Schlaf stören. Darauf weisen mehrere Studien hin. Auch eine neue Untersuchung der Uni Zürich und der ETH zeigt: Hochfrequente Strahlen, wie sie von Babyphones oder Mobilfunkantennen ausgehen, wirken sich auf die Hirnströme aus – mit Folgen unter anderem für die Schlafqualität. An der Studie nahmen über 30 Frauen teil, die vor dem Schlafen 30 Minuten lang Elektrosmog ausgesetzt waren, wie er von 5G-Antennen stammt.
Je grösser die Distanz vom Gerät zum Baby, desto besser
«Säuglinge und Kinder sind besonders empfindlich auf elektromagnetische Strahlen», sagt der Experte Urs Raschle. «Deshalb benötigen sie den bestmöglichen Schutz.» Das Bundesamt für Gesundheit rät, zwischen Baby und Sendegerät einen Mindestabstand von einem Meter einzuhalten. Eine grössere Distanz ist allerdings besser, wie Urs Raschles Daten zeigen: Bei einem Abstand von zwei Metern halbierten sich die Spitzenwerte bei allen Geräten.
Der Elektrosmogexperte Peter Schlegel aus Esslingen ZH sagt: «Eltern sollten ihre Kinder besser von einem Babysitter hüten lassen als von einem Babyphone.»
Erna Jonsdottir