"Das Digitale ist fossil. Es verbrennt Zukunft. Radikal" (Welzer, 2016)
Prof. Harald Welzer fragt seinem Buch "Die smarte Diktatur": Haben die digitalen Medien mit ihren Möglichkeiten der grenzenlosen Information und Vernetzung zu einer besseren Welt geführt? Und antwortet:
„Nehmen wir Umweltzerstörung, Klimawandel, Landraub und all die anderen Folgen eines in seiner Steigerungslogik ungebremsten Hyperkonsums dazu, wird im Gegenteil etwas ganz anderes deutlich: Die Digitalisierung ist in ihrer unmittelbaren Verschwisterung mit dem Konsum von Gütern und Dienstleistungen nichts anderes als die radikalisierte Fortschreibung des wachstumswirtschaftlichen Programms, das weder an der vernünftigen Einrichtung von Gesellschaften noch an einem zukunftstauglichen Naturverhältnis interessiert ist. Hier zählt nur die reine Gegenwart und wie ihre Gegebenheiten auszuschöpfen sind. Auch in dieser Hinsicht ist das Digitale fossil. Es verbrennt Zukunft. Radikal"(S.287).
Angesichts dieser Folgen fordert Greenpeace einen grundlegenden Kurswechsel. KI-Infrastruktur müsse vollständig mit zusätzlich erzeugtem erneuerbarem Strom betrieben werden. Unternehmen sollen verpflichtet werden, Energie-, Wasser- und Ressourcendaten offenzulegen – bis hin zur Sichtbarkeit des Stromverbrauchs einzelner Anwendungen. Zudem verlangt die Organisation klare gesetzliche Regeln: Effizienzstandards, Transparenzpflichten, Abwärmenutzung und eine Erweiterung des EU-KI-Rechts um ökologische Kriterien. Vor allem aber plädiert Greenpeace für einen neuen Grundsatz:
- KI soll nur dort eingesetzt werden, wo ihr gesellschaftlicher Nutzen ihre Umweltkosten tatsächlich überwiegt.
Die zentrale Botschaft der Studie ist unmissverständlich: Künstliche Intelligenz ist keine immaterielle, saubere Technologie. Ohne politische Steuerung, Transparenz und bewusste Begrenzung wird sie zu einem massiven ökologischen und demokratischen Risikofaktor.
Mehr als 33 Tausend Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler forderten im März 2023 in einem Offenen Brief ein Moratorium und einen interdisziplinären Diskurs über die Folgen solcher Anwendungen (Open Letter 2023). Mehr als 1.300 IT- und KI-Experten warnten im Mai 2023 vor dem unreflektierten Einsatz solcher KI-Systeme und den Folgen dieser Technik und setzten die möglichen Gefahren durch KI mit denen der Atombombe oder einer Pandemie gleich (Center for AI Safety, 2023).
Die Dystopie, vor der diese IT-Experten und auch der Wissenschaftlichen Beirat für globale Umweltveränderungen (WBGU) warnen, wird sonst immer wahrscheinlicher zur Realität, weil es um den "schieren Fortbestand des Anthropos auf der Erde" gehe:
- "Nur wenn es gelingt, die digitalen Umbrüche in Richtung Nachhaltigkeit auszurichten, kann die Nachhaltigkeitstransformation gelingen. Digitalisierung droht ansonsten als Brandbeschleuniger von Wachstumsmustern zu wirken, die die planetarischen Leitplanken durchbrechen." (Zusammenfassung, S. 1)
Die Umweltverbände und die wissenschaftlichen Mitarbeiter der Politiker müssen sich von dem Narrativ, Digitalisierung, Künstliche Intelligenz und Mobilfunk seien der Fortschritt, verabschieden, die Entscheidungsträger informieren und auffordern, ihrer Verantwortung nachzukommen.
Quelle aller Daten: >>> Homepage Greenpeace
Smart City 2026 (Teil I). Auf dem Weg zur Post-Voting Society!
Eine Techikfolgenabschätzung über die politischen und ökologischen Folgen der Smart City gibt es nicht! Im Jahr 2017 erschien die Smart-City-Charta der Bundesregierung. Hunderte Millionen werden nun für ihre Umsetzung ausgegeben.
Smart City 2026 (Teil II). Vor 10 Jahren: Harald Welzer: Die smarte Diktatur. Der Angriff auf unsere Freiheit.
H. Welzer warnte in seinem Buch vor den Auswirkungen der Digitalisierung und der Smart City Warum die Digitalisierung die Demokratie und die ökologischen Lebensgrundlagen gefährdet.
>>> Artikelserie Smart City 2026 Teil I-III als PDF zum Ausdrucken