Smart City 2026 (Teil I). Auf dem Weg zur Post-Voting Society!

Eine Technikfolgenabschätzung über die politischen und ökologischen Folgen der Smart City gibt es nicht!
Smart City – der Umbau vieler Kommunen zur digitalen Steuerung nahezu aller Vorgänge in der Verwaltung, Dienstleistung und Kommunikation ist im vollen Gange. Trotz oft prekärer kommunaler Haushaltslagen werden dafür in jeder Stadt Millionen Euros ausgegeben. 2026 wird von diesem Umbau geprägt sein. So hat z.B. die Stadt Stuttgart für das neue Amt für Digitalisierung mit 350 Beschäftigten im Haushalt 2026/27 über 50 Millionen Euros eingestellt.
Bilder: Milan Malkone/Unsplash; monicado.AdobeStock; diagnose:funk

 

Smart City 2026: Auf dem Weg zur Post-Voting Society! 

Bundesweit setzen Kommunen die „Smart City Charta“ (2017) der Bundesregierung und die „Digital-Only“ – Gesellschaft um, festgelegt im Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung (s. Anm.1). Der Bund fördert seit 2019 73 Modellprojekte zunächst mit 820 Millionen Euros. Dieser Umbau wird von niemandem problematisiert, obwohl er massive Auswirkungen hat. Die Kommunen werden zu überwachten Zonen, der explodierende Datenverkehr konterkariert alle Klimaziele (Greenpeace 2025). Darüber informierte diagnose:funk Gemeinderäte, die Abgeordneten der Länder und des Bundes kontinuierlich, auch über die Folgen der wachsenden Strahlenbelastung, die der lückenlose 5G-Ausbau als eine Hauptschlagader der Digitalisierung hat. Die Risiken der Digitalisierung für die Demokratie, die Datensicherheit und Privatsphäre bis zu ihren Folgen für die Umwelt müssten eigentlich gut informierten Politikern bekannt sein. Der Sozialpsychologe Harald Welzer veröffentlichte vor 10 Jahren das Buch „Die smarte Diktatur“, das vor Risiken der Digitalisierung warnte und zum Bestseller wurde. Prominente Autoren folgten. Die Fakten liegen also schon lange auf dem Tisch. Hier die Chronologie einiger populärer Publikationen der Smart-City- und Digitalisierungsdiskussion:

2015: Kai Schlieter: Die Herrschaftsformel: Wie Künstliche Intelligenz uns berechnet, steuert und unser Leben verändert  2016: Harald Welzer: Die smarte Diktatur  2017: Ranga Yogeshwar: Nächste Ausfahrt Zukunft: Geschichten aus einer Welt im Wandel  2018: Armin Grunwald: Der unterlegene Mensch: Die Zukunft der Menschheit im Angesicht von Algorithmen, künstlicher Intelligenz und Robotern

Titelbilder: Verlage

2018: Shoshanna Zuboff: Das Zeitalter des Überwachungskapitalismus  2018: Lange, S / Santorius,T: Smarte grüne Welt? Digitalisierung zwischen Überwachung, Konsum und Nachhaltigkeit 2019: WBGU: Unsere gemeinsame digitale Zukunft 2025: Rainer Mühlhoff: Künstliche Intelligenz und der neue Faschismus

Die meisten dieser Bücher waren Bestseller. Jeder konnte sich also informieren und lesen, was der Wissenschaftsmoderator Rangar Yogeshwar in seinem Buch prognostizierte:

  • „Bald werden unsere Städte und Häuser mit intelligenten Augen ausgestattet sein, und überall werden Sensoren unseren Alltag prägen und in unsere privatesten Bereiche vordringen. Wir sollten uns darüber klar sein, dass sich dann ein wesentliches Prinzip umkehrt: Nicht mehr wir machen die Bilder, sondern wir werden von Bildern erfasst und gedeutet. Wenn dieser Strom aus visuellen Datenanalysen seinen Fokus auf uns richtet, werden es diese Bilder sein, die über uns bestimmen oder uns richten.“ 

Die wissenschaftlichen Mitarbeiter der Parteienstiftungen und die Sachbearbeiter der Abgeordneten hätten die Politiker ihrer Fraktionen über diese Analysen informieren müssen. Dies geschah offensichtlich nicht und man trifft Politiker aller (!!)  Couleur an, die fast ausschließlich dasselbe von sich geben: Digitalisierung und Smart City seien der alternativlose Fortschritt! Sie brächten Transparenz, Nachhaltigkeit und Wirtschaftswachstum.

Bilder: Bundesregierung, Titel Verlag Beck

Smart City Charta der Bundesregierung enthält Comics zu Worst Case Szenarien. Der Journalist Adrian Lobe analysiert die Worst-Case-Folgen der Digitalisierung in seinem Buch "Speichern und Strafen".

 

Bundesweite Smart City Projekte -  auf dem Weg zur überwachten Kommune

Deutschlandweit werden mit Hochdruck die Infrastrukturen für Smart Citys mit Glasfaser und 5 G aufgebaut, vernetzte Städte, in denen der Datenfluss die Grundlage der Organisationsstruktur und politischen Steuerung ist. Die Planungen dafür begannen bereits vor über 20 Jahren, publik gemacht mit der Smart City Charta der deutschen Bundesregierung im Jahr 2017. Sie folgt der Social Physics Theorie von Prof. Alexander Pentland, die besagt: Gesellschaftliche Ordnung soll nicht mehr primär durch Wahlen, Gesetze und Ideologien gesteuert werden, sondern durch die kontinuierliche, datenbasierte Messung, Vorhersage und gezielte Beeinflussung realen menschlichen Verhaltens (Nudging) mithilfe digitaler Technologien. Alex Pentland schreibt:

  • „Wenn man eine bessere Gesellschaft entwickeln will, benötigt man ein vollständiges Bild der sozialen Interaktionen. Mit den Möglichkeiten des Big Data-Managements wissen wir präzise, wer mit wem, wann, wo interagiert  ... Aus diesen Erkenntnissen ergeben sich Möglichkeiten für das Design von Smart Cities" (zit. in JAEKEL 2018:129).

So heißt es dann auch in einem Beitrag in der Smart City Charta:

  • „Post-voting society. Da wir genau wissen, was Leute tun und möchten, gibt es weniger Bedarf an Wahlen, Mehrheitsfindungen oder Abstimmungen. Verhaltensbezogene Daten können Demokratie als das gesellschaftliche Feedbacksystem ersetzen.“ (S.43)

In der Smart City Charta wird allerdings noch ausführlich vor Worst-Case-Szenarien wie z.B. Überwachung, fehlendem Datenschutz und negativen Umweltauswirkungen gewarnt (s.o. Comic). Diese Aspekte werden heute nicht mehr einbezogen. Der Stuttgarter Smart City Masterplan, der repräsentativ für die Planung in Städten ist, enthält nur noch - ohne Problembewusstsein - positive Versprechungen:

  • „Smart City ist mehr als der Einsatz neuer Technologien – es geht um die nachhaltige und lebenswerte Weiterentwicklung unserer Stadt und eine gezielte sowie gesteuerte Digitalisierung des gesamten öffentlichen Raums. Digitale Innovationen sollen dazu beitragen, Ressourcen effizient zu nutzen, den Umweltschutz zu verbessern, die Verwaltung zu modernisieren und die Lebensqualität der Bürgerinnen und Bürger zu steigern. Gleichzeitig steht für uns im Mittelpunkt, dass technologische Lösungen den Menschen dienen und gemeinsam mit ihnen gestaltet werden.“

 

Grafik: Stadt Stuttgart, mit Klick vergrößern

Bundesregierung: Ziel ist die Digital-Only-Gesellschaft  

Im Koalitionsvertrag der schwarz-roten Bundesregierung von 2025 ist das erklärte Ziel die Digital-Only-Gesellschaft.[1] Die technischen Möglichkeiten zur Verarbeitung des immensen Datenaufkommens und der algorithmischen Steuerung sind jetzt vorhanden, v.a. auch durch die künstliche Intelligenz, so dass die Umsetzungsphase begonnen hat. Die Kosten sind immens. So hat die Stadt Stuttgart für ihren Masterplan Smart City bisher Mittel von mehr als 240 Millionen Euros bewilligt. Daneben wurden noch 39 Mio. Euros für die Digitalisierung von Schulen und Kitas bewilligt (> s. dazu die Kritik von Stuttgart Ökologisch Sozial (SÖS)). Die nebenstehende Grafik aus dem Stuttgarter Masterplan entwirft das Bild der vernetzten Stadt. In Wikipedia (2018) wird die Smart City definiert:

  • "Die hochentwickelte Smart City kann ein Internet of Things and Services sein: Die gesamte städtische Umgebung ist dabei mit Sensoren versehen, die sämtliche erfassten Daten in der Cloud verfügbar machen. So entsteht eine permanente Interaktion zwischen Stadtbewohnern und der sie umgebenden Technologie. Die Stadtbewohner werden so Teil der technischen Infrastruktur einer Stadt. Über die Bewertung solcher Szenarien herrscht Uneinigkeit."
Heribert Prantl, Bild: Wikpedia

Heribert Prantl: Recht auf analoges Leben

Diese Uneinigkeit hat mehrere Gründe: Ist die Digitalisierung, auf der die Smart City beruht, einfach nur ein nützliches Hilfsmittel? Nein, sagen die Kritiker. Sie ist Machtausübung durch Überwachung, denn sie setzt den gläsernen Bürger voraus und verwandelt dafür Städte in überwachte Zonen.

„Digitalpolitik ist Machtpolitik“ (S.66) steht im Koalitionsvertrag,  und die Macht soll durch eine „rein digitale (digital only)“ (S. 56) – Gesellschaft ausgeübt werden, basierend auf den Daten des gläsernen Bürgers. „Jeder Bürger und jede Bürgerin erhält verpflichtend ein Bürgerkonto und eine digitale Identität“ (S.56), so der Koalitionsvertrag. Sich überwachen zu lassen, wird zur Pflicht! Die Daten, die man so zwangsweise liefert, sind eine Grundlage der geplanten Bürger-ID, dem digitalen Zwilling. Deshalb soll auch schon jeder Schüler, so der Koalitionsvertrag, ein eigenes Tablet besitzen, als Grundlage für die geplante Schüler-ID. Das ist Überwachung pur (mehr in der Fußnote [2] )!

Die Teilhabe am öffentlichen Leben wird damit für alle beendet, die analog und unüberwacht leben wollen. Heribert Prantl (Süddeutsche Zeitung) kritisiert in seinem Newsletter (13.04.2025) das „drohende Ende der informationellen Selbstbestimmung“ :

  • „Jetzt gibt es eine neue deutsche Spaltung, eine neue deutsche Teilung … Sie beginnt mit dem 9. April 2025, … es ist das Datum des Koalitionsvertrages … Es gibt künftig die digitalen Deutschen, und es gibt die analogen Deutschen.
  • Die digitalen Deutschen sind die privilegierten Deutschen; sie haben Zugang zum gesamten öffentlichen und gesellschaftlichen Leben. Sie haben, wie es so schön heißt, die volle „Teilhabe“. Die analogen Deutschen haben diesen Zugang und diese Teilhabe nicht … Diese neue deutsche Teilung soll von einem Ministerium für „Digitalisierung und Staatsmodernisierung“ dirigiert werden. 
  • Es wird da so getan, als gäbe es den Bürger nur als homo digitalis. Das Leitbild ist „eine nutzerorientierte Verwaltung … rein digital“ … Zu diesem Zweck erhält jeder Bürger verpflichtend auch eine „digitale Identität“ – ob er sie will oder nicht … Die Zwangsdigitalisierung ist undemokratisch.“[3]

Prantl plädiert für das Recht auf ein analoges Leben.

 

Titel:Reclam-Verlag

Big Brother Award 2018 für die Smart City

Die Smart City-Planungen von Industrie und Bundesregierung bekamen 2018 von Digitalcourage e.V. den Big Brother-Award. Die „Laudatio“  analysiert das totalitäre Projekt.[4] Frank Schirrmacher prognostizierte 2014, der "Staat der Zukunft" werde "ein gigantisches kommerzielles, real existierendes Internet ... Vorherzusagen, was einer tun, kaufen, denken wird, um daraus einen Preis zu machen, diese Absicht verbindet Militär, Polizei, Finanzmärkte und alle Bereiche digitaler Kommunikation".[5]  Sie alle brauchen dafür die Daten, die die Einwohner der Smart City über das Smartphone, Internet der Dinge und das Internet liefern.

Mit der Smart City sollen Kommunen als Geschäfts- und Konsumfeld optimiert werden. Die Stadtplaner Bauriedl / Strüver schreiben in ihrem Buch „Smart City. Urban Studies“: "Entsprechend kann die vermeintliche Bürgerorientierung der Smart City lediglich als Tarnung von „Kauf-Mehr“ Strategien entlarvt werden“ und sie fragen: „Wenn Menschen digitale Prothesen benötigen, um BürgerInnen der Smart City zu werden, was passiert mit solchen, die diese nicht haben?“

Der Ethiker Prof. Rainer Mühlhoff warnt, mit Blick auf die USA, in seinem Buch „Künstliche Intelligenz und der neue Faschismus" (2025, Reclam), dass mit der Digitalisierung eine Struktur aufgebaut wird, „um uns permanent zu beobachten, zu klassifizieren, zu sortieren und zu beeinflussen … KI ist wesentlich eine Technologie zur Ansammlung, Sicherung und Ausübung von Macht und Kontrolle. Ohne staatliche Regulierung eignet sich diese Machttechnologie ideal für autoritäre oder faschistische Zwecke (S.35).“[6] 

In einem Positionspapier der Rosa-Luxemburg-Stiftung wird zur Smart City prognostiziert:

  • "Damit drohten Städte, eigentlich Orte der Demokratie und Begegnung, in hoch technisierte Sicherheitszonen verwandelt zu werden, wo die Artikulation von Protest und Dissens womöglich keinen Platz mehr hat. Solche «Cyborg-Städte» verwischen zunehmend die Grenzen zwischen Gesellschaft und Technik beziehungsweise Körper und Stadt, womit unter anderem auch die Voraussetzungen für kybernetische Kontrollapparate geschaffen werden." (Disselhorst/Gennburg 2016)

Das sind keine abstrakten Warnungen. Heise-Online (4.1.2026) berichtet im Artikel "Missing Link: Unsichtbare Revolution - wie der Bund die Verwaltung mit KI flutet", dass KI in allen "Kapillaren der deutschen Bürokratie" genutzt wird und selbst Abgeordneten darüber keine Auskunft gegeben wird, auch eine "eingestufte, geheime Antwort sei nicht möglich". Es fehle "die parlamentarische Kontrolle über den KI-Einsatz". 

Der Kommentar des Chaos Computer Clubs bringt die aktuelle Brisanz des Maßnahmenbündels zur Digitalisierung im Koalitionsvertrag der Bundesregierung auf den Nenner:

  • „In der Folge liefert das Papier ein Diktaturbesteck, schlüsselfertig und maßgeschneidert. Die Folgeregierung leckt sich schon die repressionsfreudigen Klauen.“

 

Titel: Verlage, pexels Mirko Fabian

Wissenschaftliche Gutachten von WBGU und WFC weisen das Zerstörungspotential der Digitalisierung nach:  "Warum übersehen wir so oft einen Bereich der Wirtschaft, der die Erderhitzung heftig befeuert, nämlich die Digitalwirtschaft?" (Tilman Santarius)

WBGU (2019): Digitalisierung ist ein Brandbeschleuniger der Umweltkrisen

Spätestens 2019 hätten auch die großen Umweltverbände DUH, BUND und NABU eine öffentliche Debatte initiieren müssen, nachdem ein Gutachten des Wissenschaftlichen Beirats Globale Umweltver­ände­rungen der Bundesregierung (WBGU) warnte, die Digitali­sierung sei ein Brandbeschleuniger der Umweltkrisen, weil sie den Energie- und Ressourcenverbrauch explodieren lasse und zum Hyperkonsum (Welzer) führe:

  • "Der WBGU dehnt den Analyseraum über seinen Kernkompetenzbereich hinaus aus, weil das künftige Schicksal der planetarischen Umwelt massiv vom Fortgang der digitalen Revolution abhängen wird. Er mischt sich in einen gesellschaftlichen Diskurs ein, der immer hektischer geführt wird, weil es um die globale Innovationsführerschaft im 21. Jahrhundert geht. Und er versucht, Antworten auf Kernfragen zu finden – Fragen nach der mittelfristigen Zukunft, ja sogar nach dem schieren Fortbestand des Anthropos auf der Erde. Nur wenn es gelingt, die digitalen Umbrüche in Richtung Nachhaltigkeit auszurichten, kann die Nachhaltigkeitstransformation gelingen. Digitalisierung droht ansonsten als Brandbeschleuniger von Wachstumsmustern zu wirken, die die planetarischen Leitplanken durchbrechen (Zusammenfassung, S. 1)."[7]

In Studien von 2021 des ökologischen Think Tanks World Future Council wird ebenso gewarnt: Die Digitalisierung sei ein Klimakiller![8] Es geht also sowohl um die Gefahren einer smarten Diktatur als auch um die Beschleunigung der Umwelt- und Klimakrise. Es ist auffällig: Trotz dieser Warnungen und Hinweise auf Alternativen von WBGU und WFC werden die Gefahren ausgeblendet. Der Wirtschaftswissenschaftler Tilman Santarius fragt im ZEIT-Interview mit dem Titel "Die Digitalwirtschaft befeuert die Erderhitzung":

  • "Warum übersehen wir so oft einen Bereich der Wirtschaft, der die Erderhitzung heftig befeuert, nämlich die Digitalwirtschaft?" (12.11.2022)

Eine Frage, die man zur Beantwortung an smartphoneverliebte Politiker und Funktionäre der Umweltverbände weitergeben muss. Santarius beantwortet sie so: Es herrscht eine naive Vorstellung von digitaler Nachhaltigkeit und:"Seine Liebsten stellt man nicht so gern in Frage." Liebe macht blind.

Eine Technikfolgenabschätzung (TAB) zu den ökologischen Folgen des explodierenden Datenvolumens, wenn alle Städte zu Smart Cities umgebaut sind, gibt es nach unserer Kenntnis nicht. Eine TAB wird offensichtlich durch die Wachstums- und Profiterwartungen verdrängt. Die Moral: Wozu eine TAB, wenn Profite winken?

Vom Hype geblendet

Dass alle (!!) Bundestagsparteien die Digitalisierung begrüßen, zeigt:

  • Ihre Vermarktung unter dem Mantel des alternativlosen Fortschritts ist gelungen. Das hat dazu geführt, dass Politiker sich nicht mit den Risiken beschäftigen und schon gar nicht Analysen dazu zu lesen.
  • Weil das Politikerdenken von der Wachstumslogik beherrscht wird und die Digitalisierung in allen Sparten ein Haupttreiber neuer Innovationen für Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit ist, werden Risiken ausgeblendet.
  • Die kognitive Dissonanz verhindert Reflexion. Da die gesamte politische Kommunikation, auch die der Politiker selbst, über Smartphones und Tablets läuft, werden die Risiken zum Tabu, vor allem auch, weil die Parteien – und Wahlwerbung auf digitalen Medien beruht. Bei der Bundestagswahl 2025 war die Werbung über soziale Medien ein Schwerpunkt aller Parteien, insbesondere um Jugendliche zu gewinnen.

Wir erleben einen "Selbstentmündigungsfatalismus" (Welzer) bei nahezu allen oppositionellen Bewegungen, mit dem um der suchtähnlichen Bequemlichkeit willen die eigene Überwachung - und auch die umweltzerstörerischen Folgen - akzeptiert  und ihrer Problematisierung ausgewichen wird ("Seine Liebsten stellt man nicht so gern in Frage" (Santarius)). So schlittern wir in eine smarte Diktatur. Es werden in Deutschland dieselben Strukturen aufgebaut, die es Trump ermöglichten, mit Hilfe digitaler Profile innerhalb weniger Wochen den Staatsapparat zu säubern, an Universitäten und kulturellen Einrichtungen unbequeme Personen zu entfernen bzw. Inhalte zu verbieten und den Umweltschutz in die Tonne zu treten. Mit den USA und China haben wir die Folgen der Smart City Infrastruktur vor Augen, und es wäre politisch naiv, ihre totalitäre Anwendung bei uns auszuschließen.

 

Bild: Fridays for Future Deutschland

Wir zerstören die Zukunft der Jugend, ihre Lebensgrundlagen. Ihr Protest ist berechtigt. Doch die Rolle der Digitalisierung bei der Zerstörung der Umwelt begreifen die meisten Jugendlichen nicht, die eigene Smartphone-Abhängigkeit verhindert ein kritisches Bewußtsein. 

Die digitale Vierfach-SchädigungBeschleunigung der Umwelt-, Gesundheits- und Demokratiekrise

Die Digitalisierung und Smart-City als Geschäftsmodell der Industrie und Instrument der Machtausübung haben aus vier Gründen negative Auswirkungen:

Der erste Grund: Die Digitalisierung ist Wachstumstreiber Nummer 1. Das wachsende Datenvolumen lässt den Energieverbrauch explodieren, neue fossile Kraftwerke werden dafür gebaut. Für die Rohstoffe von Milliarden neuer Geräte für das Internet der Dinge, für autonome Autos, Videostreaming, energiefressende Serverparks und für die digital gesteuerte Massenproduktion von Lebensmitteln werden Wälder, Regenwälder und andere Naturräume noch intensiver als bisher in Minen und Abraumhalden verwandelt. Das ist eine Ursache des Artensterbens und beschleunigt die Klima- und Umweltkrisen.

Der zweite Grund: Die digitale Transformation beruht auf Big Data. Von jedem Menschen immer zu wissen, wo er sich befindet, was er denkt und was er tut, ist die DNA digitaler politischer Steuerung, mit dem erklärten Ziel, Herrschaft zu stabilisieren und Gesellschaftsveränderungen zu verhindern. Auch die Erziehungsinstitutionen sollen dafür durch eine digitale, von Algorithmen gesteuerte Bildung umge­baut werden. Es entsteht eine smarte Diktatur, die durch digitale Profile über neue Mechanismen der Kontrolle und Meinungsmanipulation verfügt, die den Menschen beim Denken beobachten kann.

Der dritte Grund: Die Umwelt wird zu einer noch stärker krankmachenden Noxe, nicht nur durch die Naturzerstörung infolge der Ressourcenausbeutung, sondern durch den Ausbau der digitalen Infra­struktur mit der LTE- und 5G-Technologie, d. h. Hunderttausende neue Sendeanlagen, die eine gesund­heitsschädliche Strahlung emittieren. Die Nachweise dafür liegen insbesondere für Langzeitwirkungen zu Krebs (>>Forschungsstand Krebs) und genetische Veränderungen, für die Fertilität (>>Männer, >> Frauen) und Auswirkungen auf das Gehirn vor. Auch massive Schädigungen für Flora und Fauna sind die Folge, nachgewiesen v.a. für Bäume und Insekten

Der vierte Grund: 5G soll die Kriegsführung perfektionieren. Der Krieg in der Ukraine ist dafür das Testfeld. Die Bundeswehr wird digitalisiert nach der Devise „Wer nicht digitalisiert, verliert!“. Die Nato-Staaten forcieren aktuell die digitale Vernetzung der Kampftruppen mit 5G. [9]

Die Versprechen, die mit Smart City und der Digitalisierung einhergehen, bekommen so beim genauen Hinsehen ihre tatsächliche Bedeutung:

  • Mit Transparenz ist der transparente, gläserne Bürger gemeint
  • Der Bürgerdialog des Gehörtwerdens mutiert zum Abgehörtwerden
  • Mit Nachhaltigkeit sind profitträchtige Märke für den Absatz digitaler Produkte wie z.B. Tablets für Schulen und gesicherte Nutzerdaten für personalisierte Werbung und permanente Konsumanreize gemeint
  • Das Wachstum und die Digitalisierung bedeuten ein Ansteigen des Energie – und Ressourcenverbrauches und eine Beschleunigung der Umweltzerstörung.

Fazit: Da die Digitalisierung mit großer Geschwindigkeit ausschließlich nach Macht- und Profitinteressen durchgesetzt wird, kommt das positive Potenzial, das in ihr steckt, nur bedingt zum Zuge. Unter nicht-kapitalistischen Bedingungen könnte die Digitalisierung eine neue Produktivkraft zur besseren Organisation der Gesellschaft sein, unter kapitalistischen wird sie zur Destruktivkraft.  

Fragen, die Umweltverbände stellen müssen

Über diese Folgen gilt es, auf kommunaler Ebene ein Problembewusstsein zu schaffen und eine Technikfolgenabschätzung einzufordern. Die Stuttgarter Umweltverbände formulierten deshalb in einem gemeinsamen Brief im November 2023 Fragen an die Stadtverwaltung, die auch an die Fraktionen gingen:[10]

  • Wie werden die sensiblen Daten der EinwohnerInnen und die Privatsphäre geschützt?
  • Wird das Recht auf ein analoges Leben ohne Smartphone und der analoge Bürgerservice für StuttgarterInnen weiter garantiert?
  • Wurde in der Planung der Energie-, Ressourcen- und CO2 – Verbrauch bereits quantifiziert?
  • Wird ein Bericht über den Energie- und Ressourcenverbrauch der geplanten Smart City an den Gemeinderat erstellt? Wird die Strahlungsproblematik bei der Planung berücksichtigt?
  • Werden Konzepte zu einer strahlungsminimierten Infrastruktur und Indoor-Alternativen wie optische Übertragungstechnologien bei der Planung berücksichtigt?

Die Stadtverwaltung hat bis heute diese Fragen nicht beantwortet. Das ist nicht akzeptabel. Nun genehmigte eine Stuttgarter Gemeinderatsmehrheit ohne Debatte am 19.12.2025 im heftig kritisierten Sparhaushaushalt den Betrag von 50.873.400 Euros für die Verwirklichung des „Smart City Masterplans für Stuttgart“.  Man hofft, die Digitalisierung geräuschlos umsetzen zu können. Stuttgart Ökologisch Sozial (SÖS) hat diesen Vorgang auf der Homepage in dem Artikel Zukunft verbaut: schwarz-grüner Haushalt“ kritisiert.

Aus diesem Anlass findet am 27. April 2026 im Forum 3 in Stuttgart eine Veranstaltung zum Smart City Masterplan Stuttgart statt, Referent Peter Hensinger, angefragt Stadtrat Hannes Rockenbauch (SÖS).

Smart City 2026 (Teil II). Vor 10 Jahren: Harald Welzer: Die smarte Diktatur. Der Angriff auf unsere Freiheit.

H. Welzer warnte in seinem Buch vor den Auswirkungen der Digitalisierung und der Smart City. Warum die Digitalisierung die Demokratie und die ökologischen Lebensgrundlagen gefährdet.

Smart City 2026 (Teil III). Greenpeace-Studie „Umweltauswirkungen Künstlicher Intelligenz“

Künstliche Intelligenz, Digital-Only-Gesellschaft und Smart Cities werden zu Klimakillern Nr. 1 Die Ergebnisse der Greenpeace-Studie müssen in Umweltverbänden und Parlamenten beraten werden.

>>> Artikelserie Smart City 2026 Teil I-III als PDF zum Ausdrucken

 

Quellen / Erläuterungen

[1] Bundesregierung, Koalitionsvertrag 2025, S. 56: „Die Verwaltungsmodernisierung von Sozialleistungen werden wir generell zur Blaupause machen. Wir setzen auf konsequente Digitalisierung und „Digital-Only“: Verwaltungsleistungen sollen unkompliziert digital über eine zentrale Plattform („One-Stop-Shop“) ermöglicht werden, das heißt ohne Behördengang oder Schriftform. Jeder Bürger und jede Bürgerin erhält verpflichtend ein Bürgerkonto und eine digitale Identität. Wir werden die EUDI-Wallet für Bürgerinnen und Bürger und Unternehmen bereitstellen, mit der Identifikation, Authentifizierung und Zahlungen ermöglicht werden. Wer den digitalen Weg nicht gehen will oder kann, erhält Hilfe vor Ort.“

[2] Bürger - und Schüler-ID im Koalitionsvertrag 2025 der Bundesregierung: „Jeder Bürger und jede Bürgerin erhält verpflichtend ein Bürgerkonto und eine digitale Identität“ (S. 56). „Die Einführung einer zwischen den Ländern kompatiblen, datenschutzkonformen Schüler-ID unterstützen wir und ermöglichen die Verknüpfung mit der Bürger-ID." (S.72)

Die Versicherung, die Datenerfassung der Smart City sei anonym und würde nicht für digitale Zwillinge genutzt werden, ist eine Beruhigungspille, die der Logik digitaler Systeme widerspricht und durch Praxis aller IT-Konzerne widerlegt wird. Im für Bürgermeister geschriebenen Handbuch "Smart City wird Realität. Wegweiser für neue Urbanitäten in der Digitalmoderne" (Jaekel, 2015) werden die Ziele dargelegt. Über die generierten Daten können lückenlose Profile der Einwohner erzeugt werden:

  • "Mit dem Big Data-Management und dem „Reality Mining“ ist die Vision verbunden, dass die in der vernetzten Smart City anfallenden Daten uns dazu befähigen, Vorlieben und menschliches Verhalten in der Smart City voraussagen zu können – mithin die Smart City-Zukunft. Ein vertieftes Verständnis von der Anatomie des Big Data-Managements und den Auswirkungen des Data Mining bilden die Ausgangsbasis für die Emanzipierung des Bürgers in der Smart City" (JAEKEL: Smart City wird Realität. Wegweiser für neue Urbanitäten in der Digitalmoderne, Wiesbaden, 2018, S. 113/14).

Zum ordnungspolitischen Ziel zitiert Jaekel David Brooks Artikel in der News York Times:

  •  „Weiter sind Daten eine transparente und zuverlässige Linse, die uns erlaubt, emotionale oder ideologische Voreingenommenheit herauszufiltern" (JAEKEL 2018:114).

Die Verknüpfung der Daten zur Erstellung von Metadaten ergibt den digitalen Zwilling, den Avatar. Ein Datenschutz widerspräche dem Geschäftsmodell. Jaekel beschreibt den bereits stattfindenden Datenklau als Vorbild für die kommunalen Möglichkeiten:

  • "Die Daten (in strukturierter und unstrukturierter Form) entstehen in allen Handlungsfeldern einer Smart City. Die Daten werden über das Internet miteinander vernetzt und verteilt ... Verbindungs­daten, Zugriffsstatistiken auf Webseiten, Logistikdaten über RFID-Sensoren, Verbrauchsdaten (Energieversorger, Stadtwerke etc.), Überweisungsdaten (Banken), Verschreibungsdaten (Gesundheits­wirtschaft), Simulationsdaten (Unternehmen) sowie wissenschaftliche Daten. So erzeugt der Datenhändler Acxiom Daten über 500 Mio. Konsumentenprofile, darunter 44 Mio. aus Deutschland. Dazu kategorisiert Acxiom in Deutschland die Bevölkerung in 14 Hauptgruppen. Beispiele: Alleinerziehend & statusarm, Midlife-Single & gut situiert, Goldener Ruhestand & aktiv und so weiter. Die Kategorisierung wird weitergetrieben und es entstehen so bis zu 214 Untergruppierungen. Neben dem Namen und den aktuellen kompletten Adressen werden auch die vorherige Adresse, E-Mail-Adresse, Geburtstag, Geschlecht, Anzahl der Kinder, beruflicher Status, finanzielle Situation, Bonität, Haushaltseinkommen sowie weitere Merkmale von über 44 Mio. Konsumentenprofilen in Deutschland zusammengetragen und ausgewertet" (JAEKEL 2018: S. 121).

Wie befragten Prof. Ralf Lankau (HS Offenburg), IT-Experte, zur Seriosität der Versicherungen, dass der Datenschutz eingehalten werde und zur Schüler-ID, mit der Bildungsbiographien optimiert werden sollen. Die Risiken einer Schüler ID, die in Baden-Württemberg und anderen Bundesländern derzeit eingeführt wird, kommentiert Lankau so (Mail, Dez. 2025):

  • "Die BW-Schüler-ID ist keine Initiative der KMK, sondern ursprünglich von SAP und dem Hasso-Plattner-Institut (HPI) unter dem Titel Schulcloud, heute dBildungscloud (https://dbildungscloud.de/), initiiert zum DigitalPakt Schule I, dort bereits mit Parametern wie Zentralisierung der Datenhaltung und inklusive Daten aus der Berufsausbildung, dem Studium und der Weiterbildung - als Information (auch) für Arbeitgeber. Das steht zwar nicht explizit im HPI-Papier, aber wer die Logik der IT (und Datenwirtschaft) kennt, weiß, dass bei Bewerbungen dieser Bildungsverlauf mit eingereicht werden muss, um nicht sofort und automatisiert aussortiert zu werden."
  • "IT-Systeme funktionieren nur optimal, wenn sie datenmaximiert, monopolisiert und zentralisiert sind. Das ist IT-Logik, keine Pädagogik. Richtig gruselig (und verantwortungslos) wird es, wenn man daran denkt, dass die derzeit agierenden Parteien digitale Systeme mit sehr persönlichen Daten und Bildungsbiografien aufbauen, die bei einer auch in Deutschland möglichen Beteiligung extremistischer Parteien in die Hände von autoritären Akteuren geraten können (Elon Musk hat z.B. als erste Aktion alle Personaldaten von allen Beschäftigten der US-Behörden kopiert). 
  • Dazu kommt: Anonymisierung bzw. Pseudonymisierung sind eine Farce, jeder Datensatz kann mit mehr oder weniger Aufwand re-personalisiert werden, wie Studien mit Gesundheitsdaten aus den USA zeigen. Aber offenbar ist das Ziel - datengestütze Schulentwicklung - wichtiger als eine nüchterne Analyse, wem die Datafizierung von (Lern)Biographien und die Steuerung von Bildungseinrichtungen durch IT-Monitoring wirklich nutzt und was das Ziel ist: Automatisierung durch KI. In den USA gibt es erste Schulen ohne Lehrkräfte, die Bots übernehmen (und selektieren)."

Ohne vernebelnde Textbausteine legte der HPI-Chef Christian Meinel die Ziele der von SAP und dem Hasso-Plattner-Institut (HPI) entwickelten Schulcloud, heute dBildungscloud (https://dbildungscloud.de/), in der die IDs abgelegt sind, dar. Es lohnt sich, seinen Artikel zu lesen: MEINEL, C (2017): Eine Vision für die Zukunft digitaler Bildung, Online: https://hochschulforumdigitalisierung.de/de/blog/christoph-meinel-hpi-visionzukunft-digitale-bildung

Das Handbuch von Jaekel, die HPI-Bildungscloud und die politisch-ideologischen Hintergründe werden ausführlich analysiert in: 

Peter Hensinger (2019): Der Smart City- und 5G-Hype. Kommunalpolitik zwischen Konzerninteressen, Technologiegläubigkeit und ökologischer Verantwortung, Bezug über den diagnose:funk online-Shop, s.u. 

Peter Hensinger (2018): Die Ideologie der Digitalisierung. Auf dem Weg ins Digi-tal: der Hype der digitalen Selbstentmündigung und einige Auswirkungen auf die Psyche.

[3] Heribert Prantl schreibt weiter: „Wer kein Smartphone hat oder es nicht einigermaßen behände bedienen kann … der gerät schon heute ziemlich schnell an den Rand der Gesellschaft, der tut sich schon heute recht schwer, auch nur ein Bahnticket zu kaufen und seine Bankgeschäfte zu erledigen. Die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben steht immer öfter unter Smartphone-Vorbehalt. Das alles wird nun noch staatlich forciert. Das klingt modern, ist aber undemokratisch. Es grenzt Millionen Menschen aus. Das irritiert nicht nur alte und sehr alte Menschen, die sich für ihre digitale Unerfahrenheit und ihre Unkenntnis genieren. Das empört auch ausgefuchste Technikkönner, die die Gefahren der Digitalität gut kennen und vor der damit verbundenen Überwacherei warnen.“

[4] Aus der Laudatio zum Smart City Big Brother Award: Das „Smart City“-Konzept propagiert die „Safe City“: die mit Sensoren gepflasterte, total überwachte, ferngesteuerte und kommerzialisierte Stadt. „Smart Cities“ reduzieren Bürger auf ihre Eigenschaft als Konsumenten, machen Konsumenten zu datenliefernden Objekten und unsere Demokratie zu einer privatisierten Dienstleistung. Eine „Smart City“ ist die perfekte Verbindung des totalitären Überwachungsstaates aus George Orwells „1984“ und den normierten, nur scheinbar freien Konsumenten in Aldous Huxleys „Schöne Neue Welt“. Der Begriff „Smart City“ ist eine schillernd-bunte Wundertüte – er verspricht allen das, was sie hören wollen: Innovation und modernes Stadtmarketing, effiziente Verwaltung und Bürgerbeteiligung, Nach­haltigkeit und Klimaschutz, Sicherheit und Bequemlichkeit, für Autos grüne Welle und immer einen freier Parkplatz. Angefangen hat das 2008 mit IBM und ihrem Werbeslogan vom „Smarter Planet“, mit dem sie sagen wollten, dass sie unseren Planeten „schlauer“ machen können. Im Business tummeln sich inzwischen eine Menge weiterer Firmen, die ihre Dienstleistungen an Städte verkaufen wollen, zum Beispiel Siemens, Microsoft, Cisco, Huawei, Hitachi und Osram.“

Big Brother Award 208 / Laudatorin: Rena Tangens, Quelle: https://bigbrotherawards.de/2018/pr-marketing-smart-city

[5] Frank Schirrmacher (2014): Ego, Seite 101 ff.

[6] Heise-Online (10.11.2025): Philosoph: KI ist kein Werkzeug, sondern ein Machtinstrument, https://www.heise.de/news/Philosoph-KI-ist-kein-Werkzeug-sondern-ein-Machtinstrument-11071893.html

In seinem Buch "Künstliche Intelligenz und der neue Faschismus" schreibt Mühlhoff zu den Fortschrittsnarrativen, mit denen die Ziele und Folgen von KI vernebelt werden:

  • "Sie ignorieren dabei die massiven Probleme, die KI-Anwendungen bereits heute verursachen, sei es strukturelle Diskriminierung, Verstärkung sozialer Ungleichheit, Ausbau globaler Überwachung, Aushöhlung der Privatsphäre, algorithmische Verzerrung demokratischer Öffentlichkeiten und manipulative Eingriffe in politische Prozesse und Meinungsbildung. Besonders gravierend sind KI-gestützte Systeme zur Verhaltensvorhersage und Kategorisierung von Menschen." (S.68)

[7] Insbesondere das Internet der Dinge (IoT) ist ein enormer Stromfresser. In einer aktuellen Pressemitteilung der Scientists for Future heißt es:

  • „Wenn das Internet ein Land wäre, stünde es beim Stromverbrauch und beim CO₂-Ausstoß weltweit an dritter Stelle – gleich hinter China und den USA“, sagte Beyer. Gemeint ist damit der kombinierte Energiebedarf von Serverfarmen, Rechenzentren, Kommunikationsnetzen, Endgeräten und der gesamten digitalen Lieferkette. Die Emissionen entstehen dabei sowohl direkt durch Stromverbrauch als auch indirekt durch Herstellung, Transport und Entsorgung digitaler Geräte. Laut Schätzungen verursachte die globale Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) im Jahr 2020 bereits rund 4 Prozent der weltweiten CO₂-Emissionen – Tendenz steigend. Durch immer leistungsfähigere Geräte, höhere Datenmengen, permanente Onlineverfügbarkeit und steigende Nutzerzahlen wächst der Energiehunger des Internets exponentiell … Besonders kritisch sei die rasante Entwicklung im Bereich Künstliche Intelligenz (KI). Schon das Training großer Sprachmodelle wie GPT oder Bildgeneratoren verschlingt immense Energiemengen – teilweise Millionen Kilowattstunden pro Modell. Und auch der laufende Betrieb dieser Systeme ist alles andere als klimaneutral: Jede einzelne Nutzung, ob Chatbots, automatisierte Übersetzungen oder intelligente Suchanfragen, verursacht Rechenlast und damit Stromverbrauch in Rechenzentren weltweit. Beyer warnte eindrücklich: „Künstliche Intelligenz wirkt wie ein Brandbeschleuniger für den digitalen CO₂-Ausstoß. Je breiter die Anwendungen in Alltag und Wirtschaft eingesetzt werden, desto größer der ökologische Fußabdruck – und das oft völlig unbemerkt von den Nutzern.” https://www.diagnose-funk.org/aktuelles/artikel-archiv/detail&newsid=2234

Siehe dazu auch Teil III dieser Smart City Artikelserie zur Greepeace-Studie "Umweltauswirkungen Künstlicher Intelligenz". 

[8] Beide Studien stehen zum Download auf https://diagnose-funk.org/aktuelles/artikel-archiv/detail&newsid=1752

[9] Informationsstelle Militarisierung: Das Militär als Triebkraft des 5G-Ausbaus: „Wer nicht digitalisiert, verliert." https://www.diagnose-funk.org/aktuelles/artikel-archiv/detail?newsid=1815

US-Militär: Einsatzzentrum EMS (Elektromagnetisches Spektrum) gegründet. Die Großmächte konkurrieren um die Kontrolle des EMS und der Frequenzen, https://www.diagnose-funk.org/aktuelles/artikel-archiv/detail?newsid=1996

Friedensdemos am 3. Oktober in Berlin und Stuttgart. Rüstungsfirmen entwickeln ein 5G-Kriegsnetz, https://www.diagnose-funk.org/aktuelles/artikel-archiv/detail?newsid=2261

[10] https://s-oe-s.de/2023/11/28/fragen-zur-smart-city-von-stuttgarter-umweltverbaenden/

Publikation zum Thema

Format: A5Seitenanzahl: 88 Veröffentlicht am: 03.05.2019 Sprache: DeutschHerausgeber: Pad Verlag

Smart City- und 5G-Hype

Kommunalpolitik zwischen Konzerninteressen, Technologiegläubigkeit und ökologischer Verantwortung
Autor:
Peter Hensinger / Jürgen Merks / Werner Meixner
Inhalt:
Mit "innovativen Technologien" sollen unsere Städte nachhaltiger, effizienter und liebenswerter gemacht werden und der 5G-Mobilfunkstandard soll auch "an jeder Milchkanne" verfügbar werden. Die Beiträge der vorliegenden Broschüre entlarven, wie Technik zum neuen Heilsbringer verklärt und gesundheitliche und entdemokratisierende Folgen dieser totalen Digitalisierung nur Konzerninteressen dienen und den Weg in eine digitale Leibeigenschaft ebnen. Die Folgen analysieren Peter Hensinger (diagnose:funk) und Werner Meixner (Informatikdozent). Jürgen Merks (BUND Stuttgart) weist nach, dass der Ressourcen- und Energieverbrauch für ihren Betrieb die Klimakatastrophe beschleunigen wird. Millionen neue 5G-Sendeanlagen werden jeden Winkel mit Elektrosmog belasten. INHALT: Der Smart City und 5 G-Hype. Kommunalpolitik zwischen Konzerninteressen, Technologiegläubigkeit und ökologischer Verantwortung (Peter Hensinger) / Digital first – Klima Second. Energieschleuder Smart City (Jürgen Merks) / Die Ideologie der Digitalisierung. Auf dem Weg ins Digital: der Hype der digitalen Selbstentmündigung und einige Auswirkungen auf die Psyche (Peter Hensinger) / Wollt Ihr die totale Digitalisierung? (Interview mit Werner Meixner)
Format: A5 Seitenanzahl: 92, Preis 6,00 Euro Veröffentlicht am: 19.10.2020 Bestellnr.: 788ISBN-10: 978-3-88515-321-4Sprache: DeutschHerausgeber: pad-Verlag 59192 Bergkamen, Am Schlehdorn 6

Fortschritt 5G? Mythen für den Profit.

Smart City, Smart Country, Breitband und 5G – die Folgen für Demokratie, Mensch und Umwelt
Autor:
Jörn Gutbier / Peter Hensinger
Inhalt:
Artikel: Fortschritt 5G? Über 5 Mythen! / Mit Akzeptanz-Managern gegen 5G-Proteste / Zellen im Strahlenstress. Zum Stand der Forschung über Sendemasten, Smartphones, Tablets & Co. Diese Broschüre analysiert im Hauptartikel anhand neuestem Material die Ziele des 5G-Ausbaus und seine Folgen, v.a. auch für die Umwelt. Ein zweiter Artikel beschreibt die Taktiken der Bundesregierung, den Widerstand, der sich trotz der Corona-Krise landesweit entwickelt, in den Griff zu bekommen. Und schließlich stellen die Autoren den aktuellen Stand der Forschung zu den gesundheitlichen Risiken der Mobilfunkstrahlung und 5G dar. Mit 175 Fußnoten sind alle Darstellungen ausführlich dokumentiert. Für alle, die die gegenwärtige gesellschaftliche Entwicklung hinterfragen und v.a. für die Aktivisten der Bürgerinitiativen ist diese neue Broschüre eine Hilfe, sich zu orientieren und ein Nachschlagewerk für neue Argumente in Diskussionen.
diagnose:funk
Stand: 08.10.2024Format: DIN A4Seitenanzahl: 26 Veröffentlicht am: 08.10.2024 Sprache: deutschHerausgeber: diagnose:funk

Überblick Nr. 8: Digitalisierung – Schlüssel zur Nachhaltigkeit?


Autor:
diagnose:funk
Inhalt:
Überblick Nr. 8 dokumentiert, warum die Digitalisierung als Geschäftsmodell der Industrie zur Destruktivkraft wird und ihr positives Potenzial nicht zum Zuge kommt. Anstelle von möglicher nachhaltiger Planung soll sie das Wachstum beschleunigen, lässt den Energie- und Ressourcenverbrauch explodieren, wird zum Brandbeschleuniger der Klimakatastrophe und kann die Gesundheitsgefährdung der Menschen auf die Spitze treiben. Unter nicht-kapitalistischen Bedingungen wäre die Digitalisierung eine neue Produktivkraft zur besseren Organisation der Gesellschaft. Statt Transparenz und Bürgerbeteiligung führt sie zum Überwachungskapitalismus und einer neuen Stufe der Meinungsmanipulation. Können irreversible Schäden für Umwelt, Klima, Mensch und Gesellschaft noch verhindert werden?
Bild:diagnose:funk
aktuelle Version: 02.10.2025Format: A4Seitenanzahl: 24 Veröffentlicht am: 02.10.2025 Bestellnr.: 609Sprache: DeutschHerausgeber: diagnose:funk

Überblick Nr. 9: Digitale Bildung - Ausweg aus der Bildungskatastrophe?


Autor:
Peter Hensinger M.A.
Inhalt:
Wie kam es zur „Digitalen Bildung“ und im Schlepptau zur WLANisierung der Schulen? Diese Reform hat eine über 50-jährige Geschichte. Sie kumulierte im Jahr 2017 im Beschluss der Bundesregierung zum Digitalpakt Schule. Mit der „Digitalen Bildung“ sollen die Ziele der neoliberalen Vorstellungen des Homo Oekonomicus, des konditionier- und verwertbaren Menschen, erstmals verwirklicht werden. Das Datensammeln durch die digitalen Medien ist dazu die Voraussetzung. Dieser Hintergrund spielt in der Diskussion fast keine Rolle, obwohl Soziologen und Pädagogen wir Prof. Jochen Krautz und Prof. Richard Münch ihn schon frühzeitig analysierten. Selbst Lehrerverbände verfielen dem inszenierten Hype der digitalen Medien, beschäftigten sich nicht mit dem pädagogischen und ökonomischen Hintergrund. Man kann die Bildungskatastrophe und die Digitale Bildung nur verstehen, wenn man ihre Historie, die pädagogischen Theorien und die ökonomischen Interessen, die sie hervorbrachten, kennt. Von Pädagogen, die diese Hintergründe kennen, gibt es heute eine heftige Kritik und die Forderung nach einer pädagogischen Wende. Dieser Überblick stellt die Geschichte und aktuelle Debatte dar.
Januar 2020Format: DIN A4Seitenanzahl: 100 Veröffentlicht am: 16.03.2020 Bestellnr.: 787, Preis: 4,00 Euro ISBN-10: ISBN 978-3-9820585-1-1Sprache: DeutschHerausgeber: diagnose:funk

Smart City, Digitale Bildung, Elektromagnetische Felder

Informationen zu den Folgen der digitalen Transformation unserer Gesellschaft
Autor:
Dr. Wolfgang Baur, Prof. Karl Hecht, Peter Hensinger M.A., Prof. Wilfried Kühling, Prof. Gertraud Teuchert-Noodt, Dipl. Biol. Isabel Wilke, Dr. Ulrich Warnke
Inhalt:
Sammelband der 100 Argumente - ein Handbuch für Eltern, Erzieher und Pädagogen und die Arbeit von Bürgerinitiativen. Die digitale Transformation der Gesellschaft prägt seit ca. 15 Jahren unsere Epoche.Wir sind Zeitzeugen dieses schnellen Wandels und können ihn noch beeinflussen. Die digitale Transformation hat Folgen für die Demokratie, die Umwelt und die Entwicklung des Individuums, seine Gesundheit und Psyche! Dieser Sammelband enthält 15 Artikel, die v.a. in der Zeitschrift umwelt-medizin-gesellschaft erschienen sind. Jeder Artikel informiert kompakt, kurzweilig und wissenschaftlich fundiert über ein Fachgebiet: • Smart City-die Auswirkungen des digitalen Umbaus der Städte • Forschungsergebnisse über digitale Medien und die Gehirnentwicklung bei Kindern • Interviews zur geplanten digitalen Bildung und ihren Risiken • WLAN an Schulen-was man über die Auswirkungen auf das Gedächtnis und Lernen weiß • Der Forschungsstand zu den Risiken der elektromagnetischen Felder des Mobilfunks und 5G • Die Bedeutung der elektromagnetischen Felder für die Evolution • Wissenschaftsdebatte: mit welchen Theorien wird heute versucht, Erkenntnisse über Risiken wegzudiskutieren • Die Ideologie der Digitalisierung. Umfangreiche Quellenangaben zu jedem Artikel geben dem Leser die Möglichkeit, selbst weiter zu recherchieren.
diagnose:funk
9,50 EuroFormat: A4Seitenanzahl: 72 Veröffentlicht am: 01.12.2024 Bestellnr.: 789ISBN-10: 938-3-9820585-3-5Sprache: DeutschHerausgeber: diagnose:funk

Smart City, Digitale Bildung, Elektromagnetische Felder

Gesammelte Publikationen Band II
Inhalt:
Der zweite Sammelband der 100 Argumente - ein Handbuch für Eltern, Erzieher und Pädagogen sowie die Arbeit von Bürgerinitiativen. Dieser Sammelband enthält weitere 8 Artikel, die v.a. in der Zeitschrift umwelt · medizin · gesellschaft erschienen sind. Jeder Artikel informiert kompakt, kurzweilig und wissenschaftlich fundiert über ein Fachgebiet: • Forschungsergebnisse über digitale Medien und die Gehirnentwicklung bei Kindern • Der Forschungsstand zu den Risiken der elektromagnetischen Felder des Mobilfunks und 5G • Die Auseinandersetzung über die Deutungshoheit zu Risiken der Mobilfunkstrahlung • Was ist Elektrohypersensibilität? • Wissenschaftsdebatte: mit welchen Theorien wird heute versucht, Erkenntnisse über Risiken wegzudiskutieren. Die Autoren: Gertraud Teuchert-Noodt, Bernd I. Budzinski, Peter Hensinger und Klaus Scheler.
Ja, ich möchte etwas spenden!