ARTE-Doku: TikTok-die mächtigste App der Welt

TikTok, politische Propaganda und die Jugend: Die gefährliche Symbiose von Medien und Macht

TikTok ist Teil des Kampfes um die Weltmacht

Jugendliche sitzen auf der Parkbank und starren auf TikTok. Einfach nur Unterhaltung? TikTok hat eine ganz andere Dimension, das dokumentiert ARTE in den Sendungen „TikTok-die mächtigste App der Welt“ (15.04.2025):

„Der durchschlagende Erfolg von TikTok ist nicht nur der eines Unternehmens. Die Videoplattform ist auch von großer politischer Bedeutung für ihr Entstehungsland, denn China macht damit den USA ihre bisherige Vormachtstellung im digitalen Bereich streitig. 

  • In diesem neuen Wettstreit der beiden Großmächte geht es um die Sammlung und Nutzung persönlicher Daten ... 

Neben dem unternehmerischen Erfolg zeichnet sich auch eine politische Entwicklung ab: Staatspräsident Xi Jinping will sein Land anstelle der USA zur Supermacht des 21. Jahrhunderts machen. 2015 übernimmt die Kommunistische Partei Chinas die Kontrolle über die chinesischen Technologieunternehmen. Seitdem sind die Firmen verpflichtet, mit der Regierung zu kooperieren und gesammelte Daten dem Nachrichtendienst zu überlassen …

Der durchschlagende Erfolg von TikTok hat auch eine politische Bedeutung: Die weltweit am häufigsten heruntergeladene App macht amerikanischen Tech-Unternehmen Konkurrenz und verschärft damit den Konflikt zwischen den beiden weltweiten Vorreitern der digitalen Entwicklung: den USA und China … 

  • Diese beiden Systeme führen derzeit eine neue Form des Krieges, der sich zunehmend in der Öffentlichkeit abspielt, aber von der breiten Öffentlichkeit noch kaum wahrgenommen wird: den unerbittlichen Krieg um Daten.“ (ARTE Programmankündigung)
Gefangen im Netz von TikTokBild: Pexels,ron lach

Die TakTik von TikTok

Alle politischen Parteien nutzen TikTok, führend die AfD (730 000 Follower). Auch die LINKE verdankt ihren Erfolg bei den Bundestagswahlen ihrer TikTok Präsenz. Beide Parteien gelten als die „Sieger“ der Bundestagswahl. Doch sind dies nicht Pyrrhussiege? Wir konnten von keiner Partei eine fundiert kritische Stellungnahme zu TikTok finden. Man unterwirft sich den Gesetzen des Mediums, das die Jugendlichen in einer Informationsverarbeitung und in Denkschematas sozialisiert, die auf Verdummung ausgerichtet sind.

 

TikTok kannibalisiert die Freizeit und das Denken von 24,2 Millionen monatlich aktiven Nutzern in Deutschland, weltweit von 1,58 Milliarden Menschen. Laut einer Umfrage verbringen 78 % der Jugendlichen in Deutschland zwischen 16 und 24 Jahren täglich 1 bis 3 Stunden auf TikTok, während es 22 % sogar mehr als 3 Stunden täglich nutzen. Die Plattform ist besonders bei der Generation Z, die Geburtsjahrgänge von 1995 bis 2010, den digital Natives, beliebt. In Deutschland gehören 53 % der Nutzer dieser Altersgruppe an. Der TikTok Algorithmus ist auf Beeinflussung und Sucht programmiert, er steuert und manipuliert das Denken und fesselt die Nutzer. TikTok ist ein Zeitfresser, der von anderen Tätigkeiten abhält.

Marshall McLuhan, Bild Wikipedia

Wer TikTok nutzt, beteiligt sich objektiv an der TakTik der Verdummung!

Die berühmte Aussage des Kommunikationstheoretikers Marshall McLuhan „The medium is the message“ („Das Medium ist die Botschaft.“) bedeutet: Nicht nur der Inhalt eines Mediums (z. B. eines Films, eines Buchs oder des Fernsehens) ist wichtig, sondern das Medium selbst hat einen entscheidenden Einfluss auf die Gesellschaft. McLuhan zeigte, in welcher Weise elektronische Medien die kognitive Organisation, also unser Denken, und in Folge die soziale Organisation beeinflussen:

  • „Wenn eine neue Technologie einen oder mehrere unserer Sinne in die soziale Welt ausdehnt, werden sich neue Verhältnisse zwischen allen unseren Sinnen ergeben."

Das Medium prägt, strukturiert und verändert unser Denken, unsere Wahrnehmung und unser Verhalten – auch unabhängig davon, was es überträgt. Wenn man „The medium is the message“ auf TikTok oder Social Media überträgt, dann bedeutet das:

Nicht nur was du postest, sondern wie du es postest verändert deine Wahrnehmung, Kommunikation und sogar das Denken. TikTok ist nicht einfach nur ein Ort, wo man Videos sieht – es ist ein Medium mit eigener Logik:

  • Kurzform-Videos (oft <1 Min.)
  • Algorithmus-gesteuerte Auswahl statt selbstgewähltem Content
  • Loop-Struktur – Videos wiederholen sich sofort, neue Videos bestätigen Meinungen
  • Reduzierte, visuelle Sprache
  • Zuspitzung, möglichst krass
  • Keine Begründung, nur Behauptung

Du gewöhnst dich daran: Egal, was du sagst – wenn es nicht ins TikTok-Format passt, wird’s nicht wahrgenommen. Weil TikTok schnelle, visuelle Inhalte bevorzugt, trainiert es unser Gehirn auf:

Das Medium (TikTok) formt, wie wir die Welt sehen – unabhängig davon, ob wir einen Modetipp, ein Kochrezept oder eine politische Meinung anschauen. Ein Gedanke, die Botschaft muss verkürzt, emotionalisiert oder zugespitzt sein, damit sie im Medium überhaupt wirkt. Doch was kann in einer Minute noch tiefgründig sein? TikTok verändert, wie wir Informationen erleben und was als bedeutend empfunden wird. Die TakTik von TikTok ist u.a. Verdummung für den Konsum, für falsche Ideale.

Grafiken: diagnose:funk

Ein TikTok Verbot bis 16 Jahren ist notwendig

TikTok ist Teil der telefonbasierten Sozialisation, die die Kinder „kaputt“ macht, wie es Jonathan Haidt in seinen Untersuchungen nachweist. Auf dieser Sozialisation basiert der „Überwachungskapitalismus“ (Zuboff in LeMonde diplomatique), dessen Macht auf den Daten der Nutzer beruht. Die Festlegung auf eine "Digital-Only" Gesellschaft im neuen Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SDP ist ein weiterer Schritt seiner Realisierung. Der Medienwissenschaftler Uwe Krüger analysierte in seinem Standardwerk „Meinungsmacht“ (2019) noch, wie klassische Medien, Zeitungen und Fernsehen, in Kooperation mit Regierung und Parteien Meinung machten. Das war gestern, heute machen das vor allem die sozialen Medien. Armin Käfer schreibt im ganzseitigen Artikel „Die Wucht des Wandels“:

  • „Wir trudeln durch einen Wirbel von Veränderungen, die nicht nur die Arbeitswelt, sondern auch unsere Kommunikation, den Umgang miteinander, die Selbstwahrnehmung revolutionieren – und bereits revolutioniert haben.“ (Stuttgarter Zeitung 22./23. März 2025)

Soziale Medien können personalisiert Denken steuern, das ist neu und eine Zeitenwende. Aus all dem ergibt sich: Bevor das kindliche Gehirn nicht ausgereift ist, über eine Impulskontrolle verfügt, kann es TikTok nicht standhalten, sondern wird von ihm geformt. 

Alle demokratischen Parteien und Erziehungseinrichtungen, die Verantwortung für eine gesunde und demokratische Sozialisation unserer Kinder haben, müssten sich verpflichten, TikTok nicht zu nutzen und für ein Verbot eintreten. Wenigstens jetzt, nachdem sie im Bundestag sind. Ein Verbot bis zum 16. Lebensjahr, so wie es >>> Australien bereits beschlossen hat, wäre das Mindeste.

 

Artikel veröffentlicht:
15.04.2025
Autor:
diagnose:funk
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