KOMPAKT: Wie haben Sie von den Plänen für die Starlink‑Bodenstation erfahren und was hat Sie als Hausärzte in Leuk dazu bewogen, sich aktiv gegen das Projekt zu engagieren?
Hanna Schnyder-Etienne: Wir haben die Informationen durch einen Presseartikel im Juni 2025 erhalten, einen Tag bevor die Bürgerversammlung (Urversammlung) in der Gemeinde Leuk durchgeführt wurde. Kurz vorher im Frühjahr 2025 kam eine Übersichtsstudie der WHO heraus, dass die Mobilfunkstrahlen im Tierversuch nachweislich krebsfördernd sind, dies auch unterhalb der schweizerischen Grenzwerte. Die zuständige EU-Kommission forderte die Staaten auf, die hochfrequenten elektromagnetischen Strahlen tief zu halten zum Schutze der Bevölkerung. Dies hat uns sensibilisiert und bewogen, uns gegen das Projekt zu engagieren.
KOMPAKT: Die im Mai 2025 erschienene wichtige WHO‑Übersichtsstudie von Mevissen et al. zu hochfrequenter Strahlung, die Sie erwähnen, zeigt biologische Risiken auf. Warum bereiten Ihnen diese wissenschaftlichen Erkenntnisse gerade mit Blick auf die Gesundheit Ihrer Patienten in Leuk Sorgen?
Hanna Schnyder-Etienne: Bei Tieren wurde ein Zusammenhang zwischen hochfrequenter elektromagnetischer Strahlung und Krebserkrankungen festgestellt (insbesondere Hirntumoren und Tumoren im Herz) bei Exposition mit hochfrequenter Strahlung im Bereich 100 kHz bis 300 Gigaherz (GHz). Die geplanten 40 Starlink Satellitenantennen strahlen im Bereich von 25-30 GHz, also im Bereich des von der WHO untersuchten Strahlungsbereichs. Die Leistung einer Starlink Satellitenantenne wird mit 7'244'360 W EIRP angegeben und ist damit um ein Vielfaches höher als im Bereich des Mobilfunks 5G. Damit ist eine Gesundheitsschädigung für Menschen in der Umgebung der Station möglich, und nach unserer Ansicht muss aufgrund des im Umweltrecht verankerten Vorsorgeprinzips gehandelt werden. Die sorgfältige Risikoabwägung bei so viel Nichtwissen ist dringend.
... Ansonsten lassen wir uns hier auf ein Bevölkerungsexperiment ein!
KOMPAKT: Die Satellitenbetreiber betonen ja stets, dass alle gesetzlichen Grenzwerte eingehalten werden. Welche gesundheitlichen Risiken oder langfristigen Beschwerden befürchten Sie für die Bevölkerung, die von reinen Grenzwerten vielleicht nicht ausreichend abgedeckt werden?
Roman Kuonen: Die WHO-Studie hat negative Auswirkungen bei Tieren nachgewiesen. Die Menschen sind vergleichbar in den biologischen Wirkungen der Strahlung. Insbesondere ist zu erwähnen, dass die zitierte Studie Krebserkrankungen nachgewiesen hat unterhalb der geltenden Grenzwerte! Als korrekte Schlussfolgerung müssten also die Grenzwerte gesenkt werden, um den Bevölkerungsschutz zu gewährleisten, wie dies auch die zuständige EU-Kommission fordert, indem sie die Staaten auffordert, die hochfrequenten elektromagnetischen Strahlen zum Schutze der Bevölkerung möglichst tief zu halten. Ansonsten lassen wir uns hier auf ein Bevölkerungsexperiment ein! «Late lessons from early warnings » muss vermieden werden. Forschen vor Bauen ist notwendig.



