Ein Kampf um den Milliardenmarkt Bildung
Vorwort von Peter Hensinger, Mitglied im Vorstand diagnose:funk
Smartphone‑, Tablet‑ und Social‑Media‑Verbote wurden zum Topthema in allen Leitmedien. Weltweit werden sie beschlossen. Doch die deutsche Industrie führt hinter den Kulissen einen harten Kampf, um Restriktionen in Deutschland zu verhindern. Das Geschäftsfeld Schule ist ein sicherer Milliarden‑Euro‑Markt. Die Bundesregierung hat im Koalitionsvertrag der Industrie noch zugesichert, dass der Unterricht weg vom Buch hin zu Bildschirmmedien umgestellt werden soll und dafür jedes Kind – Bedürftige kostenlos – ein Tablet erhalten soll. Doch die psychosozialen Schädigungen sind so groß, dass Bundesbildungsministerin Karin Prien die Expertenkommission „Kinder und Jugendschutz in der digitalen Welt“ einsetzte, die Vorschläge für Regelungen ausarbeiten sollte. Selbst der SPIEGEL schreibt inzwischen: „Digitales Heroin. Soziale Medien wirken in vielerlei Hinsicht wie Drogen auf das menschliche Gehirn. Es ist deshalb richtig, den Gebrauch für Kinder und Jugendliche radikal einzuschränken“ (Spiegel 4/2026). Doch was macht diese Kommission? Bar jeder praktischen und wissenschaftlichen Erkenntnisse und Vernunft schlägt sie den Einsatz digitaler Medien bereits ab der KiTa vor. Die absurde Begründung: Nur so könnten Kinder gegen Risiken immunisiert werden. Das ist in etwa so, als würde die Wein-, Bier- und Schnapsbranche vorschlagen, Kinderschutz vor der Droge Alkohol sei am besten dadurch zu erreichen, indem man den Organismus durch kleine Dosen Alkohol schon ab dem Kindergarten trinkfest macht.
Schon frühzeitig haben wir an Ministerin Prien geschrieben und die Zusammensetzung der Kommission kritisiert. Das nun publizierte Gutachten der Kommission wird von Medienpädagogen und Medizinern heftig kritisiert. Das Bündnis für humane Bildung, in dem wir mitarbeiten, hat seine Kritik „Erstaunliche Diskrepanz zwischen Erkenntnis und Folgerung“ an die Bildungsministerin und die Kommissionsmitglieder gesandt. Im Sommer will die Bundesregierung ihre Vorschläge beschließen. Für uns als Strahlenschützer hat dies eine große Bedeutung. Folgt die Bundesregierung den Empfehlungen der Kommission, so wäre das ein Freibrief, bereits ab der KiTa strahlende Geräte wie Tablets und WLAN einzusetzen. Angesichts der Forschungsergebnisse, v.a. über die Auswirkungen auf die Gehirnentwicklung, wäre dies unverantwortlich. Deshalb unsere Bitte: schicken auch Sie die Stellungnahme des Bündnisses für humane Bildung (Download auf diagnose-funk.org/2352) und unsere Faktenblätter über die Auswirkungen der Strahlung auf das Gehirn (Download auf diagnose-funk.org/2144) an Ihnen bekannte Mediziner und politische Entscheidungsträger.
