Funkreduktion ist möglich: Ein vorbildlicher Arbeitgeber

Verkabelt arbeiten ohne WLAN
Gunnar Clemenz ist Geschäftsführer der Firma „dieBauingenieure“ mit Standorten in Karlsruhe und Berlin. Über 80 Architekten, Ingenieure und Immobilienprofis kümmern sich im Betrieb um Bauplanung, Wärme-, Feuchte- und Schallschutz, Zertifizierung und Energiemanagement bei der Umsetzung von Neubauten oder Modernisierung. Für unser Magazin KOMPAKT konnten wir ein Interview mit ihm führen.
Gunnar Clemenz, Studio Arenester

KOMPAKT: Sie haben in Ihrer Firma ein besonderes Augenmerk auf hochfrequente elektromagnetische Felder (EMF). Wie regeln Sie die Nutzung von Hochfrequenz in Ihrer Firma?

GUNNAR CLEMENZ: Jeder Arbeitsplatz hat einen LAN-Anschluss. Ebenso gibt es ausreichend LAN-Dosen und -Kabel in den verschiedenen Besprechungsräumen – WLAN wird so nicht benötigt. Wer sein Handy in der Pause für Anwendungen im Internet nutzen möchte, muss dazu seine mobilen Daten einsetzen.

KOMPAKT: Wie kam es, dass Sie sich für diesen Weg entschieden?

GUNNAR CLEMENZ: Ich wurde über das Thema durch meine Frau aufmerksam, während sie beim IBN die Ausbildung zur Baubiologin gemacht hatte. Teil der Ausbildung waren Seminare zur gesundheitlichen Beeinträchtigung durch hochfrequente Strahlung, was uns tatsächlich vorher nicht bekannt war und uns sehr alarmiert hat. Ergänzend hat sich meine Frau im Buch „Stress durch Strom und Strahlung“ von W. Maes informiert.

KOMPAK: Auf welche Weise nutzen Sie das Internet?

GUNNAR CLEMENZ: Wir nutzen das Internet ausschließlich über LAN – ausgenommen davon natürlich mobile Anwendungen über Mobiltelefone. Hier nutze ich die mobilen Daten (da wir auch zu Hause kein WLAN dauerhaft aktiv haben). Unsere Kinder haben in ihren Zimmern LAN-Kabel und passende Adapter für ihr Handy/Tablet. Wenn notwendig (meist für Gäste) schalten wir unsere WLAN ein und danach wieder aus.

Bald kommen Daten aus der DeckenlampeBild:Trulifi, Signify

Wir hoffen, dass sich LiFi durchsetzt

 

KOMPAKT: War der Einsatz von LiFi (Datenübertragung über Licht) ein Thema?

GUNNAR CLEMENZ: Ja, das hat uns sehr interessiert. Zu dem Zeitpunkt, als wir uns damit beschäftigt haben, gab es meiner Kenntnis nach dazu gerade Pilotprojekte vom Frauenhofer Institut. Wir hofften, dass sich das durchsetzt, aber haben dann leider nichts mehr zu dem Thema gehört.*

 

 

KOMPAKT: Bekamen Sie bei Neuanschaffungen Schwierigkeiten, Geräte, z.B. Drucker, ohne WLAN zu finden?

GUNNAR CLEMENZ: Nein, unsere IT-Administratoren konnten bislang immer alle Endgeräte inkl. Drucker, Scanner, etc. über LAN ins Netzwerk einbinden. 

Bild: linkedin-sales-solutions-Jk3u514GJes-unsplash

KOMPAKT: Konzentrationsprobleme, Erschöpfung und Kopfschmerzen gehören zu den Hauptsymptomen bei Menschen, die hochfrequenter Strahlung ausgesetzt sind. Wie ist das gesundheitliche Ergehen von Ihnen und Ihren Mitarbeitenden? Können Sie abschätzen, ob in Ihrer Firma effizienter gearbeitet wird und weniger Krankheitstage anfallen als in anderen Firmen?

GUNNAR CLEMENZ: Neben der hochfrequenten Strahlung gibt es leider so viele weitere Einflussfaktoren, welche die die von Ihnen oben genannten Symptomen sowie Krankheitsausfälle hervorrufen. Daher weiß ich nicht, ob wir hier besser abschneiden als andere Firmen. Zudem haben wir einen hohen Anteil an Mitarbeitenden, die regelmäßig remote von zuhause oder von unterschiedlichen Orten arbeiten. Dort entzieht sich die Belastung durch hochfrequente Strahlung natürlich unserer Kontrolle.

 

Hohe Akzeptanz für unsere Entscheidung

 

KOMPAKT: Wie sind die Reaktionen, wenn Sie anderen, z.B. in Bewerbungsgesprächen, darüber berichten, dass Sie auf Funkarmut achten?

GUNNAR CLEMENZ: Die meisten finden das interessant, können sich aber nicht vorstellen, auch privat darauf zu verzichten. Insgesamt haben wir nach meiner Wahrnehmung eine hohe Akzeptanz für unsere Entscheidung.

KOMPAKT: Welche Erwartung haben Sie gegenüber der Gesetzgebung zum Umgang mit hochfrequenten EMF?

GUNNAR CLEMENZ: Wir gehen davon aus, dass es hier keine Verschärfungen aufgrund der gesundheitlichen Beeinträchtigung geben wird. Die Lobby und die „Gier“ der meisten Menschen nach solchen Technologien ist einfach zu groß. Wenige interessieren sich für die „Schattenseiten“ oder wissen überhaupt davon.

KOMPAKT: Vielen Dank, lieber Herr Clemenz, für das Gespräch und Ihr Engagement für gesundheitsbewusstes Arbeiten.

Das Interview führte Renate Haidlauf

* Anmerkung diagnose:funk: Die Lichttechnologie LiFi ist inzwischen zur Serienreife entwickelt, Pilotprojekte sind in Betrieb. Wenn sich der Massenmarkt entwickelt, werden die gegenwärtig noch hohen Preise fallen. Lesen Sie dazu: Wenn Licht zum Internet wird – Warum LiFi das neue WLAN ist. Li-Fi in Asien vor dem Durchbruch - verschläft Europa eine Entwicklung?

 

Artikel veröffentlicht:
06.06.2026
Autor:
diagnose:funk
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