ElektrosmogReport 2-2026: Smartphones schädigen Spermien durch die Pulsung

Bioaktivität der Pulsung und Untauglichkeit der Grenzwerte
Niederfrequenz in drahtloser Kommunikation | HF schädigt Testosteronbildner | HF-bedingter oxidativer Stress in Testosteronbildnern | Schlüsselmechanismus identifiziert: EMF als Genschalter | EMF stört Angstzentrum|EMF, Mikrotubuli und Krebstherapie | EMF, Mikrotubuli und Gehirn | Aktuelle Grenzwerte zu hoch | Schlafstörungen auf dem Vormarsch | Hochspannung und Gesundheit | 900 MHz und Verhalten von Honigbienen | EMF und Pflanzen
ElektrosmogReport 2/2026

 

Das führende Fachmagazin seit 32 Jahren

Seit nunmehr 32 Jahren dokumentiert der ElektrosmogReport Studien, die biologische Auswirkungen elektromagnetischer Felder, speziell der nicht-ionisierenden Strahlung, nachgewiesen haben. Seit 7 Jahren gibt diagnose:funk diesen Fachinformationsdienst heraus. Unsere Datenbank www.emfdata.org enthält aktuell 762 HF-Studien, die biologische Effekte nachweisen, davon sind 566 detailliert von der ElektrosmogReport-Redaktion ausgewertet.

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Wir haben nun die Möglichkeit, den ElektrosmogReport günstig drucken zu lassen, die Ausgabe 2 / 2026 kostet 2,40 Euro zzgl. Versandkosten.

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Wir dokumentieren die Studienlage

Die Forschungsergebnisse, die in der aktuellen Ausgabe dokumentiert sind, zeigen erneut, wie faktenfrei die Behauptung der Industrie, formuliert von Telefonica Chef Markus Haas, ist:

  • „Uns beunruhigt diese Diskussion sehr, weil sie faktenfrei ist. Es gibt keinerlei wissenschaftlich fundierte Studien, die auch nur irgendeine Gesundheitsgefährdung sehen."

Ebenso fern der Tatsachen ist die Behauptung des Bundesamtes für Strahlenschutz, dass unterhalb der Grenzwerte keine Gesundheitsschäden nachgewiesen seien. Auch in diesem ElektrosmogReport sind die (schädlichen) Auswirkungen, die in den Forschungen aufgezeigt werden, in der Regel im nicht-thermischen Bereich.

Alle Ausgaben des ElektrosmogReport von 1995-2026 finden Sie online auf www.EMFdata.org. Das Register der von 2019-2026 besprochenen Studien steht aktualisiert auf EMFData.

Einen Gesamtüberblick über die Studienlage gibt unsere Zusammenstellung von 159 Reviews. Die Studienlage, z. B. zu Krebs, Embryotoxizität und WLAN, dokumentiert unsere Reihe ÜBERBLICK für den Durchblick. Zur Orientierung haben wir einen Kompass-Studienlage und eine Mobilfunk-Chronologie mit den wichtigsten Ereignissen aus Forschung und Politik seit dem Jahr 1996 verfasst.

Diese aufwendige Studiendokumentation ist ein Alleinstellungsmerkmal von diagnose:funk und wird international beachtet, insbesondere seit der ElektrosmogReport auch in Englisch erscheint. Wir schaffen Transparenz! diagnose:funk stellt den ElektrosmogReport und viele Studienaufarbeitungen kostenlos zum Download zur Verfügung. Ermöglichen Sie mit Ihrer Spende, dass wir diese Arbeit fortsetzen können. Danke! >>> Hier gehts zum Spenden!

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ElektrosmogReport 2/2026

ElektrosmogReport 2/2026: Smartphones schädigen Spermien durch die Pulsung

 

Seit nunmehr 32 Jahren wertet die Redaktion des ElektrosmogReports die Studienlage zu biologischen Wirkungen elektromagnetischer Felder aus, seit 2019 wird er von diagnose:funk herausgegeben. Die Ausgabe 2/2026 enthält 12 Studien, 9 zu biologisch-medizinischen Wirkungen, zwei epidemiologische Studien und eine untersucht die Schutzfunktion der offiziellen ICNIRP-Grenzwerte.

 

Besondere Bioaktivität der niederfrequenten Pulsung

Im Mittelpunkt der Kontroverse über die Schädlichkeit steht die Frage, ob es einen Wirkmechanismus gibt. Gleich vier neue Studien schaffen hier Klarheit. Panagopoulos et al.(2026) weisen nach: Die Schädigung wird durch die niederfrequente Taktung / Pulsung verursacht. Sie schreiben, dass die

  • nicht-thermische EMF-Bioeffekte durch die ELF/ULF-Pulsation, -Modulation und -Variabilität induziert werden und nicht durch die eigenständigen (unmodulierten) HF-EMF-Trägerwellen, die bei ausreichend hohen Intensitäten, wie sie in der Umwelt selten vorkommen, lediglich eine Erwärmung erzeugen können.“

Dieses Ergebnis wird nun maßgeblich die Diskussion bestimmen. Demnach ist es z.B. die 10 Hz-Taktung von WLAN, die schädigt. Dies erklärt auch, warum in Studien, die Effektstärken verschiedener Frequenzen vergleichen, oft WLAN die stärksten Effekte zeigt. Der Faktor Taktung/Pulsung wird in den Grenzwerten nicht berücksichtigt

Dies bestätigen zwei Studien der Arbeitsgruppe Jangid et al. (2026a, 2026b) zu Auswirkungen auf Spermien nach. Die Exposition von Smartphones im Normalbetrieb führte zu oxidativem Zellstress, Verringerung der Zellteilung und Testosteronproduktion. Drei Ergebnisse sind bemerkenswert: (i) Die stärksten negativen Effekte zeigten sich bei der WLAN-Frequenz.(ii), oxidativer Zellstress wurde als Wirkmechanismus identifiziert, (iii) das Mobiltelefon hat trotz geringerer Feldstärke beinahe durchgehend schädlichere Wirkungen erzeugt als der Signalgenerator bei 1800 MHz.

  • Dies weist darauf hin, dass reale modulierte Mobilfunksignale eine stärkere biologische Wirksamkeit aufweisen als kontinuierliche, ungepulste Wellen.

Das betrifft natürlich nicht nur die Auswirkungen auf die Fertilität, sondern auf alle Organe, insbesondere auf das Gehirn. Auch die Studie von Kim et al.(2026) weist nach, dass die niederfrequente Pulsmodulation der hochfrequenten Trägerwelle maßgeblich an der Bioaktivität realer Mobilfunksignale beteiligt ist. Damit sei ein Schlüsselmechanismus identifiziert, der das thermische Dogma als obsolet entlarvt.

Die praktische Relevanz: WLAN an Schulen ist ein No-Go, denn es hat massive negative Auswirkungen auf Stoffwechselprozesse, die das Denken und Gedächtnis steuern, wie wir in unseren Studien-Überblicken zu Mobilfunk und Gehirn und zu WLAN dokumentieren.

Bilder & Grafik: diagnose:funk / Teuchert-Noodt

Immer neue Studien bestätigen nicht-thermische Wirkungen und den Einfluss von EMF auf den Gehirnrhythmen und den Gehirnstoffwechsel

 

EMF beeinflussen den Gehirnstoffwechsel - Grenzwerte obsolet

Die Studien von Cui et al. (2026) und Cantiello et al. (2025) weisen Auswirkungen auf den Gehirnstoffwechsel nach, Cui et al. auf das Furchtgedächtnis. Cantiello et al. untersuchen die Rolle der Mikrotuboli bei intrazellulären Schwingungen und der Vermittlung elektrischer Signale, insbesondere auch wie Alpha-, Beta-, Delta-, Theta- und Gammawellen, die für die Homöostase im Gehirn zuständig sind, beeinflusst werden können. 

Kim et al. (2026) sind einem weiteren Schlüsselmechanismus auf der Spur. Sie konnten die Funktion von EMF als Genschalter identifizieren. Damit ist ein weiterer Schlüsselmechanismus identifiziert, der auch das thermische Dogma als obsolet entlarvt. Diese Erkenntnis vertiefen Melnick / Moskowitz (2026) in ihrer Untersuchung „Die Grenzwerte für hochfrequente elektromagnetische Felder berücksichtigen weder Krebsrisiko noch Fortpflanzungstoxizität, die von Daten aus Tierversuchen hervorgehen“.

Tuszynski et al. (2022) befassen sich mit Anwendungsmöglichkeiten von EMF bei der Krebstherapie, also positiven biologischen Auswirkungen. Der ElektrosmogReport dokumentiert zwei epidemiologische Ergebnisse. Nilsson/Hardell (2026) stellen eine Korrelation zwischen den zunehmenden Schlafproblemen der schwedischen Bevölkerung und der Belastung durch EMF hin. Sandoval-Diez et al. (2026) untersuchen die Auswirkungen von Hochspannungsleitungen auf Alzheimer und Mortalität. Zwei Studien befassen sich mit den Effekten von EMF auf Flora und Fauna. Sharma et al. (2026) weisen negative Auswirkungen von EMF auf die Lebensfähigkeit von Pollen nach, Migdal et al. (2025) auf das Flugverhalten von Bienen.

ElektrosmogReport 2/2026

 

Studien A-Z ElektrosmogReport 2/2026

 

EMF, Mikrotubuli und Gehirn

Unterschiede in der elektrischen Aktivität der Mikrotubuli im Hippocampus und im Neokortex erwachsener Ratten

Cantiello HF, Porcari CY, Albarracín VH, Murphy D, Mecawi AS, Godino A, Cantero MD. Differences in Brain Microtubule Electrical Activity of the Hippocampus and Neocortex from the Adult Rat. bioRxiv, Nov 18:2025-11. https://doi.org/10.1101/2025.11.18.688943

Es wird angenommen, dass Gehirnwellen synchronisierte elektrische Schwingungen widerspiegeln, die durch die Aktivität großer Gruppen aktiver Neuronen erzeugt werden. Gehirnwellen kommen in verschiedenen Tierstämmen vor (z. B. Insekten und Wirbeltiere), was auf eine grundlegende Rolle bei den Rechenprozessen des Gehirns hindeutet. Verschiedene Arten von Gehirnwellen, die sich durch Frequenz und Amplitude auszeichnen, wie Alpha-, Beta-, Delta-, Theta- und Gammawellen, weisen unterschiedliche Muster oszillatorischer Aktivität auf. Aktuelle Studien unterstreichen die Bedeutung der Wellenkohärenz für verschiedene kognitive Funktionen, insbesondere für Aufmerksamkeit und Gedächtnis. Eine erhöhte Kohärenz zwischen bestimmten Hirnregionen steht im Zusammenhang mit einer verbesserten Aufmerksamkeitsleistung, während eine verminderte Kohärenz mit Aufmerksamkeitsdefiziten assoziiert ist. Die Aufrechterhaltung des Kurzzeitgedächtnisses beinhaltet eine koordinierte Aktivität zwischen dem präfrontalen Kortex und dem Hippocampus.

Die Ergebnisse dieser Studie deuten darauf hin, dass Mikrotubuli eine grundlegende Rolle bei den im Rattengehirn beobachteten intrazellulären Schwingungen spielen. Diese Daten deuten darauf hin, dass das Zytoskelett intrazelluläre elektrische Signale vermittelt, was ein zentrales Phänomen des Hirngewebes sein könnte. Durch ihre Geometrie, ihren dielektrischen Kontrast und ihre Symmetrie ähneln Mikrotubuli künstlichen optischen Wellenleitern, ähnlich den Glasfaserkabeln. Mikrotubuli sind die ersten Makromoleküle, deren elektromagnetisches Verhalten vollständig modelliert werden kann. Da sie nachweislich mit spannungsgesteuerten Ionenkanälen in der Zellmembran verbunden sind, sind sie wahrscheinlich direkt oder indirekt an den biologischen Wirkungen (externer) elektromagnetischer Felder beteiligt. Diese Studie trägt wesentlich zum Verständnis der Rolle von Mikrotubuli bei neuronalen elektrischen Oszillationen bei.

 

EMF stört Angstzentrum

Beteiligung des primär auditorischen Kortex-basolateralen Amygdala-Schaltkreises am veränderten Furchtgedächtnis nach elektromagnetischer Befeldung bei Mäusen

Cui Z, Shi L, Yang M, Chang C, Jin S, Hao Y et al (2026). Involvement of the Primary Auditory Cortex-Basolateral Amygdala Circuit in Altered Conditioned Fear Memory Retrieval Following Electromagnetic Field Exposure in Mice. Journal of Integrative Neuroscience, Apr 17;25(4). https://doi.org/10.31083/JIN48640

Zahlreiche Studien zeigen, dass elektromagnetische Felder (EMF) kognitive Funktionen und emotionales Verhalten beeinträchtigen können. Besonders relevant ist in diesem Kontext das konditionierte Furchtgedächtnis, da dessen Dysregulation als zentrales Merkmal posttraumatischer Belastungsstörungen gilt. Die vorliegende Studie untersucht, wie eine kombinierte Befeldung mit statischem Magnetfeld und Hochfrequenz diesen Au1-BLA-Schaltkreis auf Verhaltens-, Struktur- und Signalübertragungsebene beeinflusst. Ausschließlich die kombiniert befeldete Gruppe (MF & HF) zeigte nach 7-tägiger Befeldung eine signifikante Veränderung des Erstarrungsverhaltens, ein klares Zeichen für die Beeinträchtigung des Furchtgedächtnisses. Strukturell zeigten sich in den befeldeten Gruppen pathologische Veränderungen gegenüber der Kontrollgruppe, darunter Mitochondrienschwellung, Chromatin-Kondensation und Degranulation des endoplasmatischen Retikulums.

 

HF schädigt Testosteronbildner

Durch Hochfrequenz induzierte Veränderungen der Leydig-Zellfunktion

Jangid P, Rai U, Sevak JK, Ranjan R, Singh S, Singh R (2026). Radiofrequency radiation-induced changes in Leydig cell function. Scientific Reports, Mar 25. https://doi.org/10.1038/s41598-026-39244-6 

Leydig-Zellen sind als primäre Testosteron-Synthetisanten für die männliche Fruchtbarkeit von großer Bedeutung. Eine Schädigung dieser Zellen kann die Spermatogenese kompromittieren und zu einer Dysfunktion der Hoden führen. Die Zellen wurden unter nicht-thermischen Bedingungen in vitro drei unterschiedlichen HF-Quellen ausgesetzt: einem kommerziellen 4G-Mobiltelefon (Xiaomi Note 7; 2318 MHz; 9,25 V/m), einem aus einem Signalgenerator stammenden unmodulierten 1800-MHz-Feld (kontinuierliche Welle; 14,69 V/m) und einem ebenfalls aus einem Signalgenerator stammenden unmodulierten 2450-MHz-Feld (kontinuierliche Welle; 13,44 V/m). Die Exposition führte zu oxidativem Zellstress, Verringerung der Zellteilung und Testosteronproduktion. Drei Ergebnisse sind bemerkenswert: (i) Die stärksten negativen Effekte zeigten sich bei der Frequenz von 2450 MHz, also der WLAN-Frequenz.(ii) Das Redox-System der Leydig-Zellen wurde untersucht, oxidativer Zellstress wurde als mechanistischer Hintergrund identifiziert (siehe die zweite Studie von Jangid et al.). (iii) Das kommerzielle Mobiltelefon hat trotz geringerer Feldstärke beinahe durchgehend schädlichere Wirkungen erzeugt als der Signalgenerator bei 1800 MHz. (iv) Bei der Zellproliferation verursacht das Mobiltelefon bei der kürzesten Befeldungsdauer statistisch signifikante Wirkungen. Dies weist darauf hin, dass reale modulierte Mobilfunksignale eine stärkere biologische Wirksamkeit aufweisen als generische kontinuierliche Wellen. 

 

HF-bedingter oxidativer Stress in Testosteronbildnern

Störung des zellulären Redoxgleichgewichts und Apoptose: Unterschiedliche Auswirkungen von HF-Frequenzen auf Leydig-Zellen

Jangid P, Rai U, Sevak JK, Singh S, Singh R (2026). Cellular redox disruption and apoptosis: Differential effects of RFR frequencies on Leydig cells. Toxicology Applied Pharmacology, Jun; 511:117807. https://doi.org/10.1016/j.taap.2026.117807

Als Testosteronproduzenten sind Leydig-Zellen für die Aufrechterhaltung der Spermatogenese unverzichtbar. Das Ziel der vorliegenden Arbeit war eine systematische, frequenzvergleichende Untersuchung der Auswirkungen von Hochfrequenz auf Redoxgleichgewicht und Apoptose in Leydig-Zellen. Die murinen TM3-Leydig-Zelllinie wurden drei unterschiedlichen Hochfrequenz-Quellen ausgesetzt: einem 4G-Mobiltelefon (Xiaomi Note 7; 2318 MHz), einem Signalgenerator bei 1800 MHz (kontinuierliche Welle) und einem Signalgenerator bei 2450 MHz (kontinuierliche Welle). Bei allen Befeldungsquellen bzw. Frequenzen wurde eine progressive, statistisch signifikante Zunahme der gesamt-apoptotischen Zellen beobachtet. Bei Mobiltelefon und 2450 MHz war hierbei der überwiegende Teil der Zellen frühapoptotisch, während die 1800-MHz-Befeldung hauptsächlich spätapoptotische Zellen erzeugte. Die Studie weist nach, dass hochfrequente elektromagnetische Felder verschiedener Quellen bzw. Frequenzen in TM3-Leydig-Zellen die Redoxbalance stören und Apoptose induzieren kann.

 

Schlüsselmechanismus identifiziert: EMF als Genschalter

Ein durch elektromagnetische Felder induzierbarer in-vivo-Genschalter zur räumlichen und zeitlichen Regulierung von Genexpression

Kim J, Hwang Y, Kim S, Kwon D, Park J, Cho B et al. (2026). Electromagnetic field-inducible in vivo gene switch for remote spatiotemporal control of gene expression. Cell, 1-16. https://doi.org/10.1016/j.cell.2026.03.029

Dass elektromagnetische Felder (EMF) die Expression bestimmter Gene modulieren können, ist seit Jahren Gegenstand experimenteller Forschung, bislang jedoch ohne befriedigende mechanistische Erklärung. Auf der Suche nach einem präzisen Steuerungsmechanismus für gentherapeutische Anwendungen identifizieren sie Autoren das Protein Cytochrom b5 Typ B (Cyb5b) als wahrscheinlichen Sensor und beschreiben damit erstmals den molekularen Mechanismus, wie niederfrequente EMF direkt auf die Genexpression und damit zelluläre Regulationsprozesse einwirken. Die Autoren vermuten, dass die niederfrequente Pulsmodulation der hochfrequenten Trägerwelle maßgeblich an der Bioaktivität realer Mobilfunksignale beteiligt ist. Die Ergebnisse zeigen, dass die Modelle, die aktuellen Grenzwerten zugrunde liegen, zu trivial sind, um verlässliche Vorhersagen zu treffen. Schon lange weisen wissenschaftliche Publikationen darauf hin, dass die biologische Wirksamkeit von EMF nicht ausschließlich durch thermische Effekte erklärt werden kann. Damit ist ein Schlüsselmechanismus identifiziert, der das thermische Dogma als obsolet entlarvt.

 

Aktuelle Grenzwerte zu hoch

Die Grenzwerte für hochfrequente elektromagnetische Felder berücksichtigen weder Krebsrisiko noch Fortpflanzungstoxizität, die von Daten aus Tierversuchen hervorgehen

Melnick RL, Moskowitz JM (2026). Exposure limits to radiofrequency EMF do not account for cancer risk or reproductive toxicity assessed from data in experimental animals. Environmental Health, Mar 14;25(1):42. https://doi.org/10.1186/s12940-026-01288-6

Die aktuellen Grenzwerte von FCC (Federal Communications Commission, USA) und ICNIRP (International Commission on Non-Ionizing Radiation Protection, EU) basieren auf Verhaltensstudien von Ratten (n = 8) und Affen (n = 6) aus den 1980er Jahren. Das einzige Bewertungskriterium dieser Studien war, bei welchen Frequenzen und Leistungsdichten nach 40 oder 60 Minuten Befeldung die Reaktionsraten zum Drücken eines Hebels zur Freigabe von Futterpellets im Vergleich zu den Kontrollen signifikant vermindert waren. Es wurden keine weiteren Endpunkte oder Befeldungsdauern bewertet. Detailliert weisen die Autoren nach, warum die bestehenden Mobilfunk-Grenzwerte von FCC und ICNIRP nicht in der Lage sind, die körperliche Unversehrtheit der Allgemeinbevölkerung zu gewährleisten.

 

900 MHz und Verhalten von Honigbienen

Der Einfluss eines elektromagnetischen Feldes mit einer Frequenz von 900 MHz auf das Verhalten der Honigbiene

Migdał P, Plotnik M, Bieńkowski P, Berbeć E, Latarowski K, Białecka N, Murawska A. The Influence of an Electromagnetic Field at a Radiofrequency of 900 MHz on the Behavior of a Honey Bee. Agriculture, Jun 11; 15(12):1266. https://doi.org/10.3390/agriculture15121266

Ziel der Studie war es, zu untersuchen, ob 900-MHz EMF ausgewählte Verhaltensweisen der Honigbiene beeinflusst. Alle exponierten Gruppen zeigten weniger Flugverhalten als die Kontrollgruppe, und der Effekt scheint bei höherer Feldstärke etwas stärker zu sein. Eine Woche später wurden ähnliche Trends festgestellt. Alle exponierten Gruppen zeigten im Vergleich zur Kontrollgruppe weiterhin ein verringertes Flugverhalten, und zwar in etwa gleichem Ausmaß (Reduktion um 25-68 %) wie 7 Tage früher. Dies liefert einen weiteren Hinweis darauf, dass hochfrequente 2G-Strahlung eine Schwächung der Bienenvölker durch Verringerung ihrer Nahrungsversorgung verursachen und möglicherweise zur Verschärfung des Phänomens des Bienensterbens beitragen könnte. Die in der Studie verwendeten Feldstärken waren allerdings unrealistisch hoch: die niedrigste verwendete Feldstärke von 12 V/m entspricht Werten, die nur sehr nahe (im Allgemeinen bei weniger als 10 m Abstand) einer Basisstation zu messen sind, was die Übertragbarkeit der Befunde etwas in Frage stellt.

 

Schlafstörungen auf dem Vormarsch

Zunehmende Schlafprobleme in der schwedischen Bevölkerung

Nilsson M, Hardell L (2026). Increasing Numbers of Persons with Sleeping Problems in Sweden. Diseases, Jan 8; 14(1):25. https://doi.org/10.3390/diseases14010025

Seit Beginn des Jahrtausends ist die Exposition der Bevölkerung gegenüber hochfrequenter Mobilfunkstrahlung durch die flächendeckende Verbreitung von Smartphones sowie den sukzessiven Ausbau der Mobilfunkinfrastruktur (3G, 4G, 5G) erheblich gestiegen. Parallel dazu nehmen Schlafstörungen in Schweden zu, insbesondere bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Dabei handelt es sich um Altersgruppen, die historisch kaum von Schlafstörungen betroffen waren. Die vorliegende Studie untersucht, ob die Häufigkeit klinisch diagnostizierter Schlafstörungen zwischen 2001 und 2024 zugenommen hat, und ob ein zeitlicher Zusammenhang (Korrelation) mit der gestiegenen HF-Belastung bzw. zunehmender Bildschirmzeit besteht. Die Autoren konstatieren eine bevölkerungsweite Zunahme klinisch diagnostizierter Schlafstörungen in Schweden, die zeitlich mit dem Ausbau der Mobilfunkinfrastruktur und steigender Endgerätenutzung zusammenfällt. Die Wissenschaftler betonen jedoch den hypothesegenerierenden Charakter der Studie und fordern weiterführende Studien, die Schlafstörungen, Mobilfunkbelastung und biologische Parameter gezielt erfassen. Der Anstieg sei jedoch in keinem Fall auf eine höhere Meldequote zurückzuführen.

 

Wieviel Niederfrequenz steckt in drahtloser Kommunikation?

Aufzeichnung der extrem niederfrequenten Pulsation elektromagnetischer Felder drahtloser Kommunikation

Panagopoulos DJ, Litovsky R, Chamberlin K (2026). Recording the extremely low frequency pulsations of wireless communication electromagnetic fields. Electromagnetic Biology and Medicine, 00(00):1–10. https://doi.org/10.1080/15368378.2026.2654072

Die Studie belegt, dass alle untersuchten Kommunikationssignale ELF-Pulskomponenten aufweisen, die in Bezug auf Amplitude, Wiederholungsfrequenz, Dauer, Verlauf etc. stark variieren. Laut den Autoren trägt die hohe Variabilität der realen Kommunikationssignale im Niederfrequenzbereich in Kombination mit der Tatsache, dass sie vollständig polarisiert und kohärent sind, entscheidend zu der Bioaktivität der Drahtloskommunikation bei. Lebende Organismen seien nicht in der Lage, sich an stark variable, polarisierte und kohärente Stressoren anzupassen. Als vermittelnden Mechanismus benennen die Wissenschaftler die Ionen-Oszillation an spannungsgesteuerten Ionenkanälen. Dieser sei für die nicht-thermische, biologische Wirksamkeit von Mobilfunk und WLAN verantwortlich und nicht die unmodulierte hochfrequente Trägerwelle.

 

Hochspannung und Gesundheit

Langfristige Exposition gegenüber Magnetfeldern im Wohnbereich und Sterblichkeit aufgrund neurodegenerativer Erkrankungen: Eine 18-jährige landesweite Kohortenstudie in der Schweiz

Sandoval-Diez N, Loizeau N, Huss A, Röösli M, Vienneau D (2026). Long-term residential magnetic field exposure and neurodegenerative disease mortality: An 18-year nationwide cohort study in Switzerland. Environment International, Feb 11:110145. https://doi.org/10.1016/j.envint.2026.110145

Die potenziellen Gesundheitsrisiken der Exposition gegenüber niederfrequenten Magnetfeldern (ELF-MF) sind nach wie vor umstritten. Im Jahr 2001 stufte die Internationale Agentur für Krebsforschung ELF-MF als potenzielles Humankarzinogen (Gruppe 2B) ein, basierend auf „unzureichenden Belegen“ aus Tierversuchen und „begrenzten“ epidemiologischen Hinweisen, die eine Exposition über 0,3-0,4 μT mit Leukämie im Kindesalter in Verbindung bringen. In einer früheren Studie wurde ein erhöhtes Risiko für die Mortalität durch Alzheimer-Krankheit (AD) bei Menschen mit langjähriger Wohngeschichte in der Nähe von Hochspannungsleitungen in der Schweiz beobachtet. In dieser neuen Studie wurde nach Berücksichtigung soziodemografischer und umweltbedingter Co-Expositionen ein Anstieg der Hochspannungs-Exposition um 1 µT mit einem um 54 % höheren Mortalitätsrisiko für AD festgestellt (95 % KI 1,23-1,92). Da eine hohe ELF-MF-Exposition durch Hochspannungsleitungen oder Eisenbahnstrecken selten ist, würde der bevölkerungsbezogene Anteil der Alzheimer-Fälle bei einer Exposition durch Hochspannungsleitungen 1,01 % und bei einer Exposition durch Eisenbahnstrecken 0,43 % betragen, vorausgesetzt, die beobachteten Zusammenhänge wären kausal.

 

EMF und Pflanzen

Studie zur Bewertung der Auswirkungen elektromagnetischer Strahlung auf die Lebensfähigkeit von Pollen bei einigen häufig vorkommenden Pflanzenarten unter Anwendung verschiedener Färbemethoden

Sharma A, Bala N, Sharma M, Katnoria JK, Bahel S. Study on evaluation of effects of electromagnetic radiation on pollen viability in some commonly occurring plant species following different staining methods. Protoplasma, Jan; 263(1):231-46. https://doi.org/10.1007/s00709-025-02093-7

Die Lebensfähigkeit von Pollen ist einer der entscheidenden Faktoren für den Fortpflanzungserfolg, da nicht lebensfähige Pollen häufig zu einem Scheitern der Fortpflanzung sowie der Gemüseproduktion führen können. Bislang wurde jedoch keine Studie durchgeführt, um die Auswirkungen von elektromagnetischer Strahlung (EMF) bei unterschiedlichen Leistungsdichten auf die Pollenlebensfähigkeit in Pflanzen zu untersuchen, und keine frühere Studie hat dies unter Feldbedingungen unter Verwendung tatsächlicher Basisstationen getan. Die Pollenlebensfähigkeit unter Bestrahlung reichte von 91 % bis hinunter zu 68 %. Bei bestimmten Stämmen wurde bei allen Arten und allen Stämmen eine Tendenz zu geringerer Lebensfähigkeit bei steigender Leistungsdichte beobachtet. Den Autoren zufolge deutet dies darauf hin, dass die EMF von Basisstationen den Stoffwechsel der Pollenkörner stört, durch negative Auswirkungen auf die Zellatmung und die enzymatische Aktivität.

 

EMF, Mikrotubuli und Krebstherapie

Niedrigenergetische, amplitudenmodulierte hochfrequente elektromagnetische Felder als systemische Therapie bei Krebs: Überblick und vorgeschlagene Wirkmechanismen

Tuszynski JA, Costa F. Low-energy amplitude-modulated radiofrequency electromagnetic fields as a systemic treatment for cancer: review and proposed mechanisms of action. Frontiers in Medical Technology, Sep 8; 4:869155. https://doi.org/10.3389/fmedt.2022.869155

Bis heute ist Leberkrebs die vierthäufigste krebsbedingte Todesursache und gemessen an der 5-Jahres-Überlebensrate die zweithäufigste tödliche Krebsart. Die hier vorgestellte Übersicht konzentriert sich auf medizinische Geräte, die elektromagnetische Felder (EMF) mit geringer Leistung und einer Trägerfrequenz von 27,12 MHz abgeben, die im Bereich von 10 Hz bis 150 kHz amplitudenmoduliert sind. Die Studie berichtet über zwei medizinische LEAM-RF-EMF-Geräte mit 27,12 MHz: das P1 (TheraBionic GmbH, Ettlingen, Deutschland) und das AutEMdev (Autem Therapeutics, Hanover, NH, USA). Die Leistung der Geräte (100 mW) ist etwa 1.000-mal geringer als die eines Mobiltelefons und 100.000-mal geringer als die von Geräten zur thermischen Tumorablation; die spezifische Absorptionsrate (SAR) liegt bei 1.77 mW/kg. Die Autoren stellen die Hypothese auf, dass elektromagnetische Wellen bei diesen Frequenzen mit Schwingungen geladener makromolekularer Strukturen und Ionenströme innerhalb der Zellen in Resonanz treten, ähnlich wie eine Glocke in Resonanz schwingt, wenn sie Schallwellen der richtigen Frequenz ausgesetzt ist. Das bedeutet, dass, obwohl die Antenne des Geräts im Mund des Patienten platziert ist, der gesamte menschliche Körper ebenfalls zu einer Antenne wird. Mit Ausnahme der Knochen verteilen sich die Auswirkungen der Exposition daher über den gesamten Körper. Die resonante Kopplung von EMF mit Mikrotubuli (wobei Mikrotubuli als zelluläre Bioantennen wirken) könnte die Hauptgrundlage für die medizinischen Anwendungen von EMF bilden. Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass die Exposition mit LEAM-RF-EMF ein potenzieller Weg ist, um das Verhalten von Krebszellen bei Patienten mit fortgeschrittener Erkrankung zu verändern.

Artikel veröffentlicht:
10.06.2026
Autor:
diagnose:funk
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