Am 27. April 2026, 19:30 Uhr lädt das Forum 3 Stuttgart zu einer hochaktuellen Veranstaltung ein: „Smart City Stuttgart – auf dem Weg zur dehumanisierten Stadt?“ mit Peter Hensinger und Hannes Rockenbauch. Diese digitale Transformation vollziehen gerade fast alle größeren Kommunen, ohne dass die Einwohner über die Folgen informiert sind. Deshalb trifft die Analyse, die auf der Veranstaltung vorgetragen wird, für hunderte Kommunen zu.
Bild: diagnose:funkVeranstalter Ulrich Morgenthaler (Forum 3), Referenten SÖS-Stadtrat Hannes Rockenbauch, Peter Hensinger (diagnose.funk)
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Die Digitalisierung verändert auch Stuttgart. So hat die Stadt Stuttgart für das neue Amt für Digitalisierung mit 350 Beschäftigten im Haushalt 2026/27 über 50 Millionen Euros eingestellt und einen „Smart City Masterplan“ mit 100 Seiten publiziert. Stuttgart investiert Millionen in die digitale Infrastruktur und eine KI- und datenbasierte Steuerung aller Vorgänge der Stadt. Der offizielle Anspruch: mehr Nachhaltigkeit, Effizienz, Bürgerbeteiligung und Lebensqualität, von der Mobilität über die Verwaltung bis hin zur Bildung. Dieser Umbau läuft geräuschlos, der Masterplan wird nicht hinterfragt, denn Digitalisierung ist halt alternativloser Fortschritt, eine Technikfolgenabschätzung findet nicht statt. Doch zu den Smart City Konzepten gibt es heftige Kritiken:
Der Masterplan Smart City ist Teil eines Bundesprojektes. Ausgangspunkt war die „Smart City Charta“ der Bundesregierung von 2017, an der Stuttgart mitarbeitete. In der Smart City Charta werden ausführlich die Worst-Case-Szenarien Überwachung, fehlender Datenschutz und negative Umweltauswirkungen behandelt und angemahnt, dass sie vermieden werden müssen. Diese kritischen Aspekte fallen jedoch im Stuttgarter Masterplan unter den Tisch. Er enthält nur noch positive Versprechungen: Nachhaltigkeit, Bürgernähe, Transparenz. Die Fraktionen glauben blind diesen Versprechungen.
Bild: Smart City Masterplan StuttgartFür die Smart City: Datenerfassung bis ins Wohnzimmer! (Grafik Stadt Stuttgart)
Der gläserne Bürger als Planungs - Voraussetzung
Der Vortrag analysiert die Pläne der Stadt und stellt entscheidende Gegenfragen, die jeden betreffen.
Erstens: Wird die Stadt dadurch wirklich lebenswerter – oder entsteht eine überwachte Stadt? Jedes Smart City Konzept beruht auf den Daten der Einwohner. Ihre lückenlose Erfassung in einer Bürger-ID wurde im Koalitionsvertrag der Bundesregierung festgelegt. Dort ist der digitale Umbau als Priorität vereinbart. „Digitalpolitik ist Machtpolitik“ (S.66) steht im Koalitionsvertrag. Die Macht soll durch eine „rein digitale (digital only)“ (S. 56) – Gesellschaft ausgeübt werden, basierend auf den Daten des gläsernen Bürgers. „Jeder Bürger und jede Bürgerin erhält verpflichtend ein Bürgerkonto und eine digitale Identität“ (S.56), so der Koalitionsvertrag. Seine Daten speichern zu lassen, wird zur Pflicht! Die Daten, die man so zwangsweise liefert, sind eine Grundlage der geplanten Bürger-ID, dem digitalen Zwilling. Deshalb soll auch schon jeder Schüler, so der Koalitionsvertrag, ein eigenes Tablet besitzen, als Grundlage für die Schüler-ID, die in BaWü bereits eingeführt wird. Das ist Überwachung pur. 39 Millionen Euros hat der Gemeinderat für diese Tablets bereits bewilligt. Der Kommentar des Chaos Computer Clubs bringt die aktuelle Brisanz des Maßnahmenbündels zur Digitalisierung im Koalitionsvertrag der Bundesregierung auf den Nenner:
- „In der Folge liefert das Papier ein Diktaturbesteck, schlüsselfertig und maßgeschneidert. Die Folgeregierung leckt sich schon die repressionsfreudigen Klauen.“
Grafik: Greenpeace 2025, KI-StudieKI gesteuerte Städte tragen zur Explosion des Stromverbrauchs bei (Grafik: Greenepeace)
Die Klimaziele werden konterkariert
Zweitens: Führen mehr Daten und Wissen zu besserem Klimaschutz? Im Vortrag wird anhand von Fakten nachgewiesen, dass die Klimaneutralitätspläne der Stadt Stuttgart, die bis 2035 umgesetzt sein sollen, angesichts der Folgen der geplanten digitalen Vernetzung konterkariert werden. Das dadurch explodierende Datenvolumen, natürlich nicht nur nicht nur in Stuttgart, sondern summiert in hunderten Kommunen, beschleunigt den Energieverbrauch und CO2 Ausstoß. Die Faktenlage ist eindeutig, zuletzt nachgewiesen im Greenpeace-Gutachten.
Der Abend richtet sich an alle Bürgerinnen und Bürger, die wissen wollen, was vor ihrer Haustür passiert. Im Mittelpunkt stehen Fragen wie:
- Wie verändert die Digitalisierung unseren Alltag in Stuttgart konkret?
- Wer kontrolliert die Daten – und wer profitiert davon?
- Wird der „gläserne Bürger“ Realität? Welche Rolle spielen digitale Identität und Datensammlung? Was bedeutet „Digital Only“ für persönliche Freiheit und demokratische Mitbestimmung?
- Kann Digitalisierung wirklich die großen Probleme lösen? Oder bleiben Themen wie Wohnungsnot, Staus, Bildungskatastrophe und Personalmangel ungelöst?
- Wie verändert sich dadurch die Strahlungsbelastung in der Stadt?
- Welche Auswirkungen hat die Smart City auf Klima und Umwelt? Ist sie Teil der Lösung – oder selbst Teil des Problems?
Bild: Smart City Masterplan StuttgartStuttgart steht an einem Wendepunkt
Die Diskussion um die Zukunft Stuttgarts wird oft technisch geführt – diese Veranstaltung bringt die gesellschaftlichen, politischen und menschlichen Dimensionen ins Zentrum:
- kritische Einordnung statt reiner Technik-Euphorie
- Hintergrundwissen zum Smart-City-Konzept
- Denkanstöße für die eigene Haltung
- Raum für Diskussion und Austausch
Die Digitalisierung der Stadt ist längst kein Zukunftsthema mehr – sie passiert jetzt. Gerade deshalb ist es wichtig, sich zu informieren und mitzudiskutieren. Wie smart soll Stuttgart werden – und zu welchem Preis?
Peter Hensinger hat zur Smart City die Fachliteratur ausgewertet und zwei Broschüren verfasst, die auf der Veranstaltung gekauft werden können.
Bisherige Artikel zu diesem Thema auf der SÖS - Homepage
Digitalisierung: Neue militärische Infrastruktur
Artikelserie Digitale Bildung: Der Stuttgarter 39 Millionen Euro Skandal
2023: Fragen zur Smart City von Stuttgarter Umweltverbänden an den Gemeinderat
Publikation zum Thema

Format: A5Seitenanzahl: 88 Veröffentlicht am: 03.05.2019 Sprache: DeutschHerausgeber: Pad Verlag
Smart City- und 5G-Hype
Kommunalpolitik zwischen Konzerninteressen, Technologiegläubigkeit und ökologischer Verantwortung
Autor:
Peter Hensinger / Jürgen Merks / Werner Meixner
Inhalt:
Mit "innovativen Technologien" sollen unsere Städte nachhaltiger, effizienter und liebenswerter gemacht werden und der 5G-Mobilfunkstandard soll auch "an jeder Milchkanne" verfügbar werden. Die Beiträge der vorliegenden Broschüre entlarven, wie Technik zum neuen Heilsbringer verklärt und gesundheitliche und entdemokratisierende Folgen dieser totalen Digitalisierung nur Konzerninteressen dienen und den Weg in eine digitale Leibeigenschaft ebnen. Die Folgen analysieren Peter Hensinger (diagnose:funk) und Werner Meixner (Informatikdozent). Jürgen Merks (BUND Stuttgart) weist nach, dass der Ressourcen- und Energieverbrauch für ihren Betrieb die Klimakatastrophe beschleunigen wird. Millionen neue 5G-Sendeanlagen werden jeden Winkel mit Elektrosmog belasten. INHALT:
Der Smart City und 5 G-Hype. Kommunalpolitik zwischen Konzerninteressen, Technologiegläubigkeit und ökologischer Verantwortung (Peter Hensinger) / Digital first – Klima Second. Energieschleuder Smart City (Jürgen Merks) / Die Ideologie der Digitalisierung. Auf dem Weg ins Digital: der Hype der digitalen Selbstentmündigung und einige Auswirkungen auf die Psyche (Peter Hensinger) / Wollt Ihr die totale Digitalisierung? (Interview mit Werner Meixner)

Format: A5 Seitenanzahl: 92, Preis 6,00 Euro Veröffentlicht am: 19.10.2020 Bestellnr.: 788ISBN-10: 978-3-88515-321-4Sprache: DeutschHerausgeber: pad-Verlag 59192 Bergkamen, Am Schlehdorn 6
Fortschritt 5G? Mythen für den Profit.
Smart City, Smart Country, Breitband und 5G – die Folgen für Demokratie, Mensch und Umwelt
Autor:
Jörn Gutbier / Peter Hensinger
Inhalt:
Artikel: Fortschritt 5G? Über 5 Mythen! / Mit Akzeptanz-Managern gegen 5G-Proteste / Zellen im Strahlenstress. Zum Stand der Forschung über Sendemasten, Smartphones, Tablets & Co. Diese Broschüre analysiert im Hauptartikel anhand neuestem Material die Ziele des 5G-Ausbaus und seine Folgen, v.a. auch für die Umwelt. Ein zweiter Artikel beschreibt die Taktiken der Bundesregierung, den Widerstand, der sich trotz der Corona-Krise landesweit entwickelt, in den Griff zu bekommen. Und schließlich stellen die Autoren den aktuellen Stand der Forschung zu den gesundheitlichen Risiken der Mobilfunkstrahlung und 5G dar. Mit 175 Fußnoten sind alle Darstellungen ausführlich dokumentiert. Für alle, die die gegenwärtige gesellschaftliche Entwicklung hinterfragen und v.a. für die Aktivisten der Bürgerinitiativen ist diese neue Broschüre eine Hilfe, sich zu orientieren und ein Nachschlagewerk für neue Argumente in Diskussionen.