Vor 10 Jahren: NTP-Studie weist Krebsrisiko von Mobilfunkstrahlung nach

Seit 20 Jahren: Der Industrie-Regulierungs-Komplex bestreitet Risiken
Vor 10 Jahren wurden in den USA die ersten Ergebnisse der NTP-Studie veröffentlicht: Mobilfunkstrahlung kann Krebs auslösen. Die Debatte um Anerkennung dieser Ergebnisse beherrscht bis heute die wissenschaftliche Diskussion. Die Industrie setzt seither alle Hebel in Bewegung, dass dieses Ergebnis marginalisiert wird. Dazu inszenierte sie immer wieder weltweit Pressekampagnen. Denn seine Anerkennung durch Behörden müsste zu der Aufklärung führen, dass von Smartphones, Tablets, Mobilfunkmasten und WLAN ein Gesundheitsrisiko ausgeht.
National Toxicology Program, USAQuelle: ntp.niehs.nih.gov


Ist Mobilfunk Krebs erregend? Seit den Ergebnissen der REFLEX-Studie im Jahr 2004, in der DNA-Strangbrüche nachgewiesen wurden, beherrscht diese Frage die Debatte, in der Wissenschaft und medial.[1] Vor 10 Jahren, im Frühjahr 2016, wurde diese Frage mit der Publikation der Ergebnisse der NTP-Studie beantwortet: Mobilfunkstrahlung kann bei einer Nahfeldbestrahlung Krebs auslösen.[2] Die NTP-Studie, durchgeführt von weltweit führenden Experten des National Toxicology Programms (NTP) in den USA, kostete 25 Millionen Dollars und war die bisher größte Laborstudie. Das Ergebnis für die 2G (GSM)- und 3G (UMTS) -Technologie:

  • Eindeutige Hinweise auf einen Zusammenhang mit Tumoren im Herzen männlicher Ratten. Bei den Tumoren handelte es sich um bösartige Schwannome.
  • Einige Hinweise auf einen Zusammenhang mit Tumoren im Gehirn männlicher Ratten. Bei den Tumoren handelte es sich um bösartige Gliome.
  • Bei einer zusätzlichen Anzahl von Ratten präkanzerogene Zellveränderungen (Hyperplasie von Gliazellen).
  • In der Kontrollgruppe entwickelten sich keine Tumoren.

Damit war die Nullhypothese widerlegt und klargestellt, dass die Eingruppierung der Mobilfunkstrahlung durch die WHO von 2011, auf Grund epidemiologischer Studien in „möglicherweise krebserregend“, nun durch biologische Studien bestätigt und eine Höhergruppierung erforderlich ist.

Telefonieren ohne Abstand ist ein RisikoFoto: Joachim Kirchner, pixelio.de

NTP - Versuche simulierten reale Bestrahlungssituation

Die Laborbedingungen der NTP-Studie waren so konzipiert, dass sie einer realen Dauerbestrahlung entsprachen. Ron Melnick, der die Studie mit konzipierte, erläuterte in einem Vortrag zu den Ergebnissen der NTP-Studie (Video s.u.), warum in der NTP-Studie Feldstärken von 1,5,3 und 6 Watt/kg zur Gesamtkörperbestrahlung eingesetzt wurden. Man kann einer Ratte schließlich kein Handy ans Ohr binden. Es ging um das Ziel, an den einzelnen Organen eine reale Bestrahlungsstärke zu erreichen, wie sie von einem Handy verursacht wird. Die Kritik, die NTP-Studie ließe sich wegen der eingesetzten Feldstärken nicht auf die Realität übertragen, geht also ins Leere.

Im Jahr 2018 wurde in Italien vom führenden Krebsforschungsinstitut Ramazzini (Bologna) die Studie von Falcioni et al. publiziert, die die Ergebnisse der NTP-Studie für die Fernfeldbestrahlung bestätigte.[3] Die NTP-Tierstudie bestätigte auch die Ergebnisse der REFLEX - Studien. In ihnen wurden Vorstufen von Krebs nachgewiesen: Mobilfunkstrahlung in isolierten menschlichen Fibroblasten und in transformierten Granulosazellen von Ratten kann DNA-Strangbrüche auslösen und damit ihre Gene schädigen (Diem et al. 2005, Schwarz et al. 2008).[4] Neben diesen Großstudien, die auch medial Aufsehen erregten, gab es bis 2016 dutzende Einzelstudien in-vivo und in-vitro, die DNA-Strangbrüche nachweisen (u.a. Hardell/Carlberg 2012, 2013, Rüdiger 2009, ATHEM I & II Studie), die Anzahl dieser Nachweise steigt ständig (u.a. STOA 2022Weller 2025).[5]

 

NTP-Peer-Review-Report

NTP-Peer-Review-Panel hält fest: "Klare Beweise für Krebs liegen vor"

Die Industrie lief gegen das Ergebnis der NTP-Studie Sturm, es sei unwissenschaftlich und nicht auf Menschen übertragbar. Eine Anzweifel-Strategie und ein Wording wurden dazu entwickelt, die bis heute eingesetzt werden (s.u. Anhang). Doch alle Einwände widerlegte ein zweites Peer-Review-Panel (2018), zu dem internationale Experten zur Überprüfung der Studienergebnisse eingeladen wurden. Das Panel wurde 3 Tage über Video übertragen, die Ergebnisse in einem Peer-Review-Report publiziert. Die TeilnehmerInnen sind in ihm aufgelistet. [6] Das Panel wurde in zwei Gruppen aufgeteilt. Panel 1 beriet sich zum Versuchaufbau (Nachhallkammertechnologie) und Panel 2 gab Empfehlungen zu den Studienergebnissen und den Entwürfen der Schlussfolgerungen des NTP ab.

Das Panel 1 bestätigte für die Qualität der Versuchsdurchführung:

  • „Panel 1 kam überein, dass die Nachhallkammertechnologie für die Erzeugung der Felder, die zur Bewertung der Auswirkungen der Exposition gegenüber Mobilfunkfrequenzen (RFR) bei Ratten und Mäusen verwendet werden, geeignet ist.“

Das Panel 2 stimmte bei GSM – Modulation folgenden Ergebnissen zu:

  • „Panel 2 stimmte dafür (8 Ja-Stimmen, 3 Nein-Stimmen, 0 Enthaltungen), die Schlussfolgerung zu empfehlen, dass es eindeutige Hinweise auf eine karzinogene Wirkung bei männlichen Hsd:Sprague Dawley SD-Ratten gibt, basierend auf der Häufigkeit von malignen Schwannomen im Herzen.
  • Panel 2 stimmte einstimmig (11 Ja-Stimmen, 0 Nein-Stimmen, 0 Enthaltungen) dafür, die Schlussfolgerung in der vorliegenden Form anzunehmen: Bei männlichen Ratten kam es bei Exposition gegenüber GSM-Mobilfunk- Funkfrequenzen bei 900 MHz zu einer Zunahme nicht-neoplastischer Läsionen in Herz, Gehirn und Prostata.
  • Das Gremium 2 stimmte einstimmig (11 Ja-Stimmen, 0 Nein-Stimmen, 0 Enthaltungen) für die Annahme der Schlussfolgerung in der vorliegenden Form: Bei weiblichen Ratten kam es nach Exposition gegenüber GSM-Mobilfunk-Funkfrequenzen von 900 MHz zu einer Zunahme nicht-neoplastischer Läsionen in Herz, Schilddrüse und Nebenniere.“

Das Panel 2 stimmte bei CMDA-Modulation (=UMTS) folgenden Ergebnissen zu:

  • „Panel 2 stimmte dafür (8 Ja-Stimmen, 3 Nein-Stimmen, 0 Enthaltungen), die Schlussfolgerung zu empfehlen, dass es eindeutige Hinweise auf eine karzinogene Wirkung bei männlichen Hsd:Sprague Dawley SD-Ratten gibt, basierend auf der Häufigkeit von malignen Schwannomen im Herzen.
  • Das Panel 2 stimmte einstimmig (11 Ja-Stimmen, 0 Nein-Stimmen, 0 Enthaltungen) dafür, die Schlussfolgerung in der vorliegenden Form zu akzeptieren: Bei männlichen Tieren, die einer CDMA-Mobilfunk-Funkfrequenz von 900 MHz ausgesetzt waren, kam es zu einer Zunahme nicht-neoplastischer Läsionen des Herzens, des Gehirns und der Prostata.
  • Panel 2 stimmte einstimmig (11 Ja-Stimmen, 0 Nein-Stimmen, 0 Enthaltungen) für die Annahme der Schlussfolgerung in der vorliegenden Form: Zunahme nicht-neoplastischer Läsionen des Gehirns bei weiblichen Tieren, die CDMA-Mobilfunkstrahlung mit 900 MHz ausgesetzt sind.“ (Zitate aus der Kurzfassung des Peer Review Berichtes)

 

Prof. James C. Lin

2025: Prof. James C. Lin und US-Gesundheitsbehörde bekräftigen demonstrativ das NTP-Ergebnis

Prof. James C. Lin, 2018 Mitglied des Peer-Review Panels, heute emeritierter Professor der Universität von Illinois Chicago, publizierte im IEEE-Magazin zu diesen Ergebnissen den Artikel "Clear Evidence of Cell Phone RF Radiation Cancer Risk".[7] Darin weist Lin die Versuche zurück, die Bedeutung der Studienergebnisse herunterzuspielen. In Richtung der WHO und deren Internationaler Agentur für Krebsforschung (IARC) fordert Prof. Lin als Schlussfolgerung:

  • „Es ist an der Zeit, dass die IARC ihre frühere auf epidemiologischen Ergebnissen beruhende Einstufung zur Exposition hochfrequenter elektromagnetischer Felder im Hinblick auf deren Karzinogenität für den Menschen verschärft.“

Gegen die Dauerversuche, die NTP-Ergebnisse in Zweifel zu ziehen, veröffentlichte das National Institute of Environmental Health Sciences NIH-HHS (USA) im Jahr 2025 demonstrativ nochmals ein Factsheet mit den Ergebnissen.[8]

Schweizer Expertengremium und Deutscher Bundestag positionieren sich

BERENIS, die "Beratende ExpertInnengruppe nicht-ionisierende Strahlung" der Schweizer Regierung, legte im November 2018 eine Analyse beider Studien (NTP und Ramazzini) vor, darin heißt es:

  • Die NTP- und die Ramazzini-Studie entsprechen dem neuesten Stand der Durchführung von Studien an Tieren … “
  • „Beide neuen Tierstudien zeigten trotz methodischer Unterschiede relativ konsistente Ergebnisse bei Schwannomen und Gliomen, und zudem einen dosisabhängigen Trend in Bezug auf eine Zunahme der Karzinogenität dieser Tumoren.“
  • "Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die BERENIS aufgrund der Ergebnisse und deren Bewertung das Vorsorgeprinzip zur Regulierung von HF-EMF unterstützt."[9]

 

Bild: Bundestag, Stepro

Bundestag: „Die zwei wichtigsten Befunde“

Die Ergebnisse beider Studien werden im Bericht zur Technikfolgenabschätzung Mobilfunk (TAB) des Deutschen Bundestages (2023) ausführlich diskutiert:

„Sodann zeigte sich in zwei aktuellen Studien, die mit einer sehr großen Anzahl an Versuchstieren (Ratten und Mäuse) sowie mit hohem wissenschaftlichem Standard durchgeführt wurden, dass Exposition mit HF-EMF Signalen, wie sie von Mobiltelefonen genutzt werden (GSM und UMTS), zu größeren Inzidenzen bestimmter Tumoren bzw. deren Vorstufen führten. Insgesamt gesehen gehören diese Befunde zu den wichtigsten der letzten Jahre. Da es sich um replizierte Hinweise auf Effekte handelt, sollte ihnen intensiv mit weiterer hochqualitativer Forschung nachgegangen werden. Immerhin stellen sie einen nicht unwesentlichen Aspekt in der Risikobeurteilung für den Menschen dar.“ (S. 117)[10]

Selbst die industrienahe ICNIRP (International Commission on Non-Ionizing Radiation Protection) betont in ihrer Stellungnahme die hohe Qualität beider Studien:

  • „Die Studien [...] weisen bemerkenswerte Stärken auf. [...] Dies macht es besonders wichtig, sie im Detail zu betrachten, da die in diesen Studien erzielten Schlussfolgerungen den aktuellen wissenschaftlichen Konsens in Frage stellen.“ [11]

 

Prof. James C. Lin: Kritik am Industrie-Regulierungs-Komplex

Bemerkenswert ist, wie das deutsche Bundesamt für Strahlenschutz im Gegensatz dazu die Ergebnisse beider Studien anzweifelt oder verharmlost. Entgegen dem Votum des TAB des Bundestages bezieht es beide Studien nicht in die Risikobewertung ein. Die BfS-Sachbearbeiter maßen sich vom Schreibtisch aus an, den weltweit führenden Experten des NTP-Programms und des Ramazzini-Institutes zu unterstellen, sie seien nicht in der Lage, aussagekräftige Studien durchzuführen. Dr. Ulrich Warnke bemerkt im Interview mit diagnose:funk:

  • „Ich frage mich, was diejenigen fachlich hervorhebt, die heute so abwertend über ihre wissenschaftlich tätigen Kollegen/innen urteilen, dass sie es wagen, existierende begutachtete Studien derart herabzuwürdigen.“

Die von oben vorgegebene „Meinung des Hauses“ zu reproduzieren, ist in Behörden schon immer karriereförderlich. Prof. James Lin bezeichnet das Zusammenspiel von WHO-EMF-Projekt, ICNIRP und dem Bundesamt für Strahlenschutz bei der Verharmlosung der Studienlage als Industrie-Regulierungs-Komplex.[12]

 

Diese Falschmeldung erschien fast lückenlos in deutschen Zeitungen!Stuttgarter Zeitung, 06.09.2024

Mediale Verharmlosungskampagnen

Die Versuche, die Ergebnisse der NTP-Studie zu diskreditieren, setzen sich bis heute fort, medial und in der Wissenschaft. Die Argumente liefert das deutsche Bundesamt für Strahlenschutz (BfS). In einer Presseerklärung zur NTP-Studie titelte das BfS „Ergebnis von US-Mobilfunk-Studie nicht auf Menschen übertragbar“ und schrieb:

  • „Die Präsidentin des BfS, Inge Paulini, betonte: "Die NTP-Studie liefert aus unserer Sicht keinen Beleg für ein erhöhtes Krebsrisiko durch Mobilfunkstrahlung beim Menschen.““ (07.02.2019).[13]

Um dies zu untermauern, wurden scheinwissenschaftliche Sprachregelungen verfasst (s.u.). Auf dieser Grundlage wiederholen sich fast jährlich Pressekampagnen (2020, 20242024), die die Botschaft der Unbedenklichkeit transportieren. Die Medien übernehmen ohne eigene Recherche die Argumente des BfS, so z.B. in der MAITHINK X-Sendung oder aktuell im Spektrum der Wissenschaft Kompakt (7/2026) zu Krebs:

  • „Weder in methodisch sorgfältig durchgeführten Beobachtungsstudien noch in Tierversuchen wurden Hinweise auf eine krebsauslösende Wirkung hochfrequenter Felder von Mobilfunkanlagen gefunden.“ [14]

Das stellt die Studienlage auf den Kopf. Diese vom BfS in die Welt gesetzte Falschinterpretation übernimmt derzeit fast die gesamte Presse. Eine Ausnahme war die investigative Recherche des Berliner Tagesspiegel von 2019. Wir appellieren an Journalisten, ihre Pflicht zur objektiven Darstellung wahrzunehmen.  

2026: Leugnung des Krebsrisikos durch den Industrie-Regulierungs-Komplex geht weiter

In der Wissenschaft nimmt die Auseinandersetzung zur Deutungshoheit über die Studienlage zu Krebs aktuell an Schärfe zu. Der Hintergrund: Das WHO-EMF-Projekt plant eine Neueingruppierung der Mobilfunkstrahlung in die Krebskategorien bis 2029. Dazu forderte es Überblicksstudien an. Von 12 eingereichten Studien (Special-Issue-Seite der Fachzeitschrift Environment International) bestätigte die Studie von Mevissen et al. (2025), dass es „Belege dafür gibt,“ dass Mobilfunkstrahlung „das Auftreten von Krebs bei Versuchstieren erhöht.“ [15] Der „Zusammenhang“ sei „am stärksten für bösartige Herzschwannome und Gliome“ (= Hirntumore, Anm. diagnose:funk; Zitate S. 42, Final conclusions). Mevissen et al. argumentierten auch mit den Ergebnissen der NTP-Studie und deren Bestätigung durch Falcioni et al.  am Ramazzini-Institut (Italien).

Das führte nun zu einer heftigen Reaktion des  Industrie – Regulierungs - Komplexes (WHO-EMF-Projekt, ICNIRP, Bundesamt für Strahlenschutz (BfS)) gegen dieses Ergebnis, wiederum angeführt vom BfS. Den Auftakt machte die Spotlight-Besprechung (Juli 2025) auf der Homepage des BfS, die die Anzweifel-Strategie vorgab:

  • „Die angewandte Vorgehensweise von Mevissen et al. wirft allerdings einige Fragen auf … Als Ergebnis werden die Schlussfolgerungen für alle Krebstypen bzw. Organsysteme hauptsächlich von den Befunden dreier weniger Studien mit Effekten bestimmt: den beiden NTP-Studien an Mäusen und Ratten sowie der Studie von Falcioni et al. Diese Studien wurden von den Autor*innen mit einem definitiv oder wahrscheinlich niedrigem Verzerrungsrisiko in den meisten für diese Bewertung relevanten Bereichen bewertet. Auch die Studiensensitivität wurde gut bewertet. Diese Bewertung ist jedoch angreifbar, da sowohl die NTP-Studien als auch die Falcioni-Studie Einschränkungen im Studiendesign aufweisen.“[16]

Die Formulierung, Mevissen et al. hätten aus "Befunden dreier weniger Studien" ihre Schlussfolgerungen gezogen, ist demagogisch. Aus der Recherche von 4350 Studien identifizierten sie 52 als tauglich für den Review (Studie S.7). Gleichzeitig wird vom BfS mit gezielter Wortwahl von "drei wenigen (!)" Studien versucht, deren Bedeutung zu marginalisieren. Und wieder wird die schon längst von Ron Melnick (s.u), James C. Lin und dem Peer-Review-Panel widerlegte Kritik aufgewärmt, das Studiendesign sei unzulänglich gewesen.

 

WHO

WHO-Kritik: „Sie sagten uns ständig, wie wir unsere Arbeit zu machen hatten“

Die Auseinandersetzung geht nun weiter. Die Toxikologin Professorin Meike Mevissen (Universität Bern) hatte den Auftrag, eine Überblicksstudie zu Krebs für das WHO-EMF-Projekt zu erstellen. Sie kritisierte im Januar 2026 im Interview auf dem Portal infosperber.ch, dass das WHO-EMF-Projekt Analysemethoden fordere, die zu einer Fehlinterpretation der Studienlage führen würden. Dieser Vorgang ist so bedeutend, dass das internationale Portal MicrowaveNews unter dem Titel: „Sie sagten uns ständig, wie wir unsere Arbeit zu machen hatten“ ausführlich berichtete.[17]

Kurz zusammengefasst: Im Kern geht es um die Frage, wie man Einzelergebnisse zusammenfasst. Von Mevissen wurde gefordert, dass sie eine Metastudie erstellt, statt eines narrativen Reviews. Mevissen wies dies zurück mit der Begründung, damit würden Ergebnisse verwässert. Studien mit unterschiedlichen Tierarten, Geschlechtern oder Expositionen können nicht einfach zusammengelegt werden. Wenn heterogene Studien statistisch zusammengelegt werden, entstehen biologisch sinnlose Durchschnittswerte, ein realer Effekt verschwindet.

Diese Auseinandersetzung zwischen Mevissen, der WHO und dem BfS ist in der Datenbank www.emf-portal.de dokumentiert. Sie bedarf einer eigenen Analyse. Hier für Interessierte der Hinweis auf die Dokumente, in denen die Debatte öffentlich geführt wird.[18] Die Studie von Mevissen et al. (2025) wird von der ICNIRP-dominierten Arbeitsgruppe Karipidis et al. (2026) in einem Letter to the Editor als unwissenschaftlich kritisiert. Mevissen et al. (2026) weisen diese Kritik zurück, Karipidis et al. hätten keine Expertise in Toxikologie. Daraufhin schaltet sich das deutsche Bundesamt für Strahlenschutz mit einem Letter to the Editor ein (Belenki et al. 2026) mit der Ankündigung, es würde nun einen eigenen Review erstellen, der mit einer Metastudie nachweise, dass Mevissen falsch liege. Das ist ein Affront. Mevissen et al. (2026) kontern mit einer scharfen Replik und werfen wiederum dem BfS vor, damit gegen wissenschaftliche Prinzipien zu verstoßen. Auch die ICBE-EMF schaltete sich mit einem Kommentar in diese Debatte ein (Frank et al. 2025).[19]

Mit dieser versuchten Abwertung der Arbeitsgruppe um Mevissen stellt sich das BfS gegen den TA-Bericht des Bundestages, die Schweizer BERENIS- und die NTP- und Ramazzini-Experten. Das BfS steht alleine und hält für die Mobilfunkindustrie die Stellung. Wir erleben gerade die Kulmination einer 20-jährigen Debatte. Sie begann 2004 mit der Diskreditierung der Autoren der REFLEX-Studien, die kriminelle Züge hatte. Sie landete vor Gericht und wurde im Jahr 2022 zugunsten der Wissenschaftler bereinigt.[20] Unser Brennpunkt zur Deutungshoheit (s.u. Publikationen) analysiert weitere Fälle, wie durch Behörden die Studienlage immer wieder verfälscht wird.

Der Staat muss seine Schutzfunktion wieder wahrnehmen!

Man kann nicht oft genug den hoch dekorierten deutschen Soziologen Ulrich Beck zitieren, der in seinem Buch „Weltrisikogesellschaft“ (2007) den modernen Staat definiert als „Legitimationsorgan“ von Industrieinteressen, in dem die Gefahren für Gesundheit und Umwelt „im Legitimationszirkel von Verwaltung, Politik, Recht und Management normalisiert werden und ins unkontrollierbar Globale wachsen (S. 172).“ Er bringt diese Politik mit dem Begriff „organisierte Unverantwortlichkeit“ (S. 345) auf den Punkt und schreibt: „Die Formen von Allianzen, die der neoliberale Staat eingegangen ist, instrumentalisieren den Staat … um die Interessen des Kapitals weltweit zu optimieren und zu legitimieren“ (S. 128). Mit einer solchen Allianz zwischen Staat und Industrie werden die Interessen der Mobilfunkindustrie abgesichert. Das Zusammenspiel des Industrie-Regulierungs-Komplexes (Prof. Lin) von WHO-EMF-Projekt / ICNIRP / BfS muss gestoppt werden. 

Diagnose:funk wird am Ball bleiben und kontinuierlich die Ergebnisse von Studien auf unserer Datenbank EMF:data und im ElektrosmogReport dokumentieren. Wir stellen uns damit den Versuchen entgegen, Risiken zu entsorgen und so eine Aufklärung und den Verbraucherschutz zu verhindern. Das ist keine akademische Diskussion. Es geht um unser wertvollstes Gut, die Gesundheit. Um sie zu schützen, fordern wir eine Politik der Strahlenminimierung und haben dafür bei der neuen Bundesregierung ein komplettes Alternativprogramm eingereicht.  

Anhang:

Ron Melnick widerlegt die scheinwissenschaftlichen Anzweiflungen der NTP-Studie

 

Ron Melnick, NTP

Die Argumente, die das BfS und Lobbygruppen der Industrie gegen die NTP-Ergebnisse anführten, widerlegte umgehend Ron Melnick, leitender Mitarbeiter an der NTP-Studie, in einem Video ((Download der Übersetzung des Vortrages) und in seinem Artikel „Kommentar zum Nutzen der National Toxicology Program-Studie über Daten zu Hochfrequenz-Feldern von Mobiltelefonen zur Bewertung von Risiken für die menschliche Gesundheit trotz unbegründeter Kritik, die auf eine Minimierung der Ergebnisse zu schädichen gesundheitlichen Wirkungen abzielten“ (2018).[21] Das hindert die Industrie und das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) nicht, die widerlegten Argumente bis heute zu nutzen. Hier eine kurze Zusammenfassung:

1. Es wird behauptet, die NTP-Studie gebe nur Hinweise, aber keine klare Evidenz für eine karzinogene Wirkung.

Richtig ist: Die externe Peer-Review-Kommission des National Toxicology Program bewertete die Daten als „clear evidence of carcinogenic activity“ für Herz-Schwannome bei männlichen Ratten und als „some evidence“ für Hirntumoren. Damit widerspricht die Bewertung des BfS der Einschätzung der Experten des NTP und der Peer-Reviewer.

2. Es wird behauptet, methodische Schwächen und Inkonsistenzen würden die Aussagekraft der Studie stark einschränken.

Richtig ist: Die Studie wurde über viele Jahre entwickelt und von mehreren wissenschaftlichen Institutionen geprüft. Die Expositionssysteme, Dosimetrie und Tierhaltung wurden zuvor in Pilotstudien validiert, um eine gleichmäßige und kontrollierte Strahlenexposition sicherzustellen. Die NTP-Studie gilt als eine der technisch aufwendigsten Tierstudien zur Wirkung von Hochfrequenzstrahlung.

3. Es wird behauptet, die Ergebnisse seien auf männliche Ratten beschränkt und daher wenig aussagekräftig.

Richtig ist: Geschlechtsspezifische Unterschiede in der Krebsanfälligkeit sind sowohl bei Tierstudien als auch beim Menschen häufig. Zahlreiche Krebsarten treten bei Männern deutlich häufiger auf als bei Frauen. Daher stellt ein solcher Unterschied kein ungewöhnliches Ergebnis dar und kann nicht als ein Hinweis auf Zufälle interpretiert werden. In der NTP-Studie wurden ähnliche Tumoren bei weiblichen Ratten beobachtet, allerdings ohne statistische Signifikanz.

4. Es wird behauptet: Die Tumoren könnten durch längere Lebensdauer entstanden sein

Richtig ist jedoch: Erstens hat es keinen signifikanten Unterschied in der Überlebensrate zwischen den Kontrolltieren und der Gruppe mit der höchsten Tumorhäufigkeit gegeben. Zweitens sind präkanzeröse Veränderungen bereits relativ früh im Verlauf der Studie beobachtet worden. Diese Befunde sprechen gegen die Hypothese, dass die Tumoren lediglich eine Folge längerer Lebensdauer waren.

5. Es wird behauptet, die pathologische Begutachtung sei nicht verblindet gewesen.

Richtig ist: Die pathologischen Auswertungen wurden nach den üblichen NTP-Protokollen durchgeführt. Die beteiligten Pathologen wussten nicht, ob die untersuchten Gewebeproben von exponierten oder von Kontrolltieren stammten. Zusätzlich wurden die Diagnosen durch unabhängige Pathologie-Arbeitsgruppen überprüft.

6. Es wird behauptet, die Expositionen lägen weit über den Grenzwerten und seien daher nicht übertragbar. Die Ganzkörperexposition der Tiere habe die Grenzwerte um ein Vielfaches überschritten.

Richtig ist: Bei der Nutzung eines Mobiltelefons erhält das Gewebe in unmittelbarer Nähe der Antenne – insbesondere das Gehirn – deutlich höhere lokale Expositionen als der Rest des Körpers. Entscheidend für die Risikobewertung ist daher die lokale Gewebeexposition, nicht die durchschnittliche Ganzkörperexposition. Die Expositionen der Versuchtiere lagen im Bereich möglicher lokaler menschlicher Expositionen beim Telefonieren.

7. Es wird behauptet, thermischer Stress könne die Ergebnisse erklären.

Richtig ist: Pilotstudien zeigten, dass die gewählten Expositionsstärken die Körpertemperatur der Tiere um weniger als ein Grad Celsius erhöhten. Damit lagen sie unterhalb der Schwelle für bekannte thermische Effekte. Die Ergebnisse können daher nicht plausibel durch Überhitzung erklärt werden.

8. Es wird behauptet, Tierstudien seien nicht auf den Menschen übertragbar

Richtig ist: Tierstudien sind seit Jahrzehnten ein grundlegendes Instrument der Krebsforschung. Viele bekannte Karzinogene – von chemischen Stoffen bis zu physikalischen Einflüssen – sind zunächst in Tierversuchen identifiziert worden. Darüber hinaus argumentiert Melnick, dass die beobachteten Tumorarten – insbesondere Gliome und Schwannome – auch in epidemiologischen Studien bei Menschen nachgewiesen wurden (Carlberg, Hardell 2017).[22] Die Übereinstimmung der betroffenen Zelltypen zwischen Tierstudien und epidemiologischen Studien stärke daher die biologische Plausibilität der Ergebnisse.

Fazit aus der Perspektive der NTP-Wissenschaftler

Aus Sicht von Ronald Melnick ergibt sich ein konsistentes Bild: Die NTP-Studie liefert robuste experimentelle Hinweise darauf, dass die langfristige Exposition gegenüber Mobilfunk-Hochfrequenzstrahlung bei Tieren Krebs auslösen kann. Er betont, dass Tierstudien traditionell eine zentrale Grundlage der Krebsrisikobewertung darstellen. Wenn solche Studien positive Ergebnisse liefern, müssen sie ernst genommen werden – insbesondere, wenn die beobachteten Tumorarten mit epidemiologischen Hinweisen beim Menschen übereinstimmen.

 

>>> Weitere Informationen auf unseren Internetseiten:

               

                   Artikelserie:   www.diagnose-funk.org/krebsdebatte

 

              Studien zur Genotoxizität auf unserer Datenbank EMF:data

 

Mobilfunkstrahlung: Die Historie der Krebsdebatte. Brisante Ergebnisse, manipulierte Widerlegungen! 29.05.2025

Studie von Mevissen im Auftrag der WHO findet Krebsrisiko bei Tieren, die Mobilfunk-Strahlung ausgesetzt sind. Das Ergebnis steht im Widerspruch zur industrienahen ICNIRP und den meisten Gesundheitsbehörden, 28.04.2025

Bundesamt für Strahlenschutz korrigiert eigene Falschmeldung zu Handy, Krebs und WHO! Halbherzig wird ein Fehler zugegeben: Wo bleibt die öffentliche Korrektur? 30.04.2024

ICNIRP-Studie behauptet, Handynutzung erhöhe Krebsrisiko nicht. Ist das so? Wir analysieren die weltweite Kampagne zur Risikoleugnung! 14.09.2024

Im SPIEGEL vom 20.07.2019: Bundesamt für Strahlenschutz im Entwarnungsmodus. Wie das BfS versucht, wichtige Studien zu disqualifizieren, mit einem Vortrag von Fiorella Belpoggi zur Ramazzini-Studie, 27.09.2019 

>>> Weitere Veröffentlichungen von diagnose:funk zur NTP-Studie und der Krebsdebatte siehe am Ende des Artikels unter Publikationen

 

QUELLEN

[1] Diem E et al.: Non-thermal DNA breakage by mobile-phone radiation (1800 MHz) in human fibroblasts and in transformed gFSH-R17 rat granulosa cells in vitro. Erschienen in: Mutat Res 2005; 583 (2): 178-183, https://www.emfdata.org/de/studien/detail?id=59

Schwarz C et al.: Radiofrequency electromagnetic fields (UMTS, 1,950 MHz) induce genotoxic effects in vitro in human fibroblasts but not in lymphocytes. Int Arch Occup Environ Health 2008; 81 (6): 755-767, https://www.emf-portal.org/de/article/15682

[2] National Toxicology Program (2018): Toxicology and Carcinogenesis Studies in Hsd:Sprague Dawley SD Rats Exposed to Whole-Body Radio Frequency Radiation at a Frequency (900 MHz) and Modulations (GSM and CDMA) Used by Cell Phones. US. https://ntp.niehs.nih.gov/ntp/htdocs/lt_rpts/tr595_508.pdf

https://www.emfdata.org/de/studien/detail?id=440

[3] Falcioni et al. (2018): Report of final results regarding brain and heart tumors in Sprague-Dawley rats exposed from prenatal life until natural death to mobile phone radiofrequency field representative of a 1.8 GHz GSM base station environmental emission, Environ Res 2018; 165: 496-503; https://www.emfdata.org/de/studien/detail?id=441

[4] s. Anm. 1

[5] Studie bis 2016 zu DNA-Schäden / Krebs:

Ruediger HW: genotoxic effects of radiofrequency electromagnetic fields. Pathophysiology (2009),doi:10.1016/j.pathophys. 2008.11.004, https://www.emf-portal.org/de/article/16865

Hardell L, Carlberg M: „Das Hirntumorrisiko im Zusammenhang mit der Nutzung von Mobil- und Schnurlostelefonen“ in: Langzeitrisiken des Mobil- und Kommunikationsfunks, Hrsg. Kompetenzinitiative e.V., 2012

Hardell L et al: Mobile Phone use and brain tumor risk: early warnings, early actions, in: European Environment Agency: Late lessons from early warnings: science, precaution, innovation, EUA-Report 1/2013

Hardell L et al.: Case-control study of the association between malignant brain tumours diagnosed between 2007 and 2009 and mobile and cordless phone use. Int J Oncol 2013; 43 (6): 1833-1845, https://www.emf-portal.org/en/article/23576

Überblicksstudien die seit 2016 zu ähnlichen Ergebnissen kommen:

  1. Wang & Guo (2016). Meta-analysis of association between mobile phone use and glioma risk. J Cancer Research Therapy
  2. Bortkiewicz et al. (2017). Mobile phone use and risk of intracranial tumors and salivary gland tumors - A meta-analysis. Int J Occ Med Envir Health. Besprechung: emfdata.org/de/studien/detail?id=503
  3. Carlberg & Hardell (2017). Evaluation of mobile phone and cordless phone use and glioma risk using the Bradford Hill viewpoints from 1965 on association or causation. Biomed Res Int. Besprechung: emfdata.org/de/studien/detail?id=584
  4. Prasad et al. (2017). Mobile phone use and risk of brain tumours: a systematic review of association between study quality, source of funding, and research outcomes. Neurol Sci.
  5. Yang et al. (2017). Mobile phone use and glioma risk: A systematic review and meta-analysis. PLOS One.
  6. Choi et al. (2020). Cellular phone use and risk of tumors: Systematic review and meta-analysis. Int J Envir Res Public Health.
  7. STOA (2022): Gesundheitliche Auswirkungen von 5G, Review zu Krebs und Fertilität, Hrsg. Technikfolgenausschuss des EU-Parlaments, Artikelserie zur STOA-Studie: diagnose-funk.org/1899
  8. Weller SG, McCredden JE, Leach VA, Chu C, Lam AK (2025). A scoping review and evidence map of radiofrequency field exposure and genotoxicity: assessing in vivo, in vitro, and epidemiological data. Frontiers in Public Health.;13:1613353. https://doi.org/10.3389/fpubh.2025.1613353; Besprechung auf >>> EMF:data

[6] NTP: Actions from Peer Review of the Draft NTP Technical Reports on Cell Phone Radiofrequency Radiation, March 26-28, 2018, Kurzfassung der Ergebnisse. 

>>> Langfassung des Peer Review Reports

[7] Lin JC (2018): Clear evidence of cell‑phone RF radiation cancer risk. IEEE Microwave Magazine, 19(5), 55‑66. https://ieeexplore.ieee.org/document/8425056

Lin JC (2025): Health and safety practices and policies concerning human exposure to RF/microwave radiation. Front Public Health, 13, 1-15. Deutsche Übersetzung erschienen als diagnose:funk Brennpunkt, diagnose-funk.org/2265

Lin JC (2025): World Health Organization's EMF Project's Systemic Reviews on the Association Between RF Exposure and Health Effects Encounter Challenges, IEEE Microwave Magazine, Januar 2025; kurzlinks.de/f3l7

Lin JC (2023): RF Health Safety Limits and Recommendations, IEEE Microwave Magazine, Juni 2023; ieeexplore.ieee.org/document/10121536

Lin JC (2023): lncongruities in recently revised radiofrequency exposure guidelines and standards, Environ Res 2023, 222:115369; emf-portal.org/en/article/49785

Lin JC (2022): Carcinogenesis from chronic exposure to radio-frequency radiation, Frontiers in Public Health, frontiersin.org/journals/public-health/articles/10.3389/fpubh.2022.1042478/full bzw. kurzlinks.de/ymsb

Lin JC (2019): The Significance of Primary Tumors in the NTP Study of Chronic Rat Exposure to Cell Phone Radiation, IEEE Microwave Magazine, November 2019; ieeexplore.ieee.org/abstract/document/8866792

[8] NTP - Factsheet (2025): Cell Phone Radio Frequency Radiation Studies

[9]  Newsletter BERENIS - Sonderausgabe November 2018: Evaluierung der NTP-Studie und der Ramazzini-Studie:

Die NTP- und die Ramazzini-Studie entsprechen dem neuesten Stand der Durchführung von Studien an Tieren, da sie während des gesamten experimentellen Verfahrens sowohl strenge Richtlinien in „Guter Laborpraxis“ (GLP) als auch fortschrittliche Verfahrensweisen der Pathologie und Statistik anwandten. Darüber hinaus wurden in beiden Studien verschiedene Dosisgruppen (SAR oder Feldstärke) verwendet, was eine Bewertung von Dosis-Wirkungs-Trends ermöglicht.“

„Die Resultate dieser zwei Tierexperimente sind von grosser wissenschaftlicher Relevanz und gesundheitspolitischer Bedeutung, weil gemäss der Einstufung der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) positive Ergebnisse aus Tierversuchen mit lebenslanger Exposition bei der Einstufung des Krebsrisikos eines Wirkstoffes bzw. einer Umweltnoxe ein sehr grosses Gewicht haben [...] Beide neuen Tierstudien zeigten trotz methodischer Unterschiede relativ konsistente Ergebnisse bei Schwannomen und Gliomen, und zudem einen dosisabhängigen Trend in Bezug auf eine Zunahme der Karzinogenität dieser Tumoren.“

"Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die BERENIS aufgrund der Ergebnisse und deren Bewertung das Vorsorgeprinzip zur Regulierung von HF-EMF unterstützt.“

[10]  Bundestag (2023): Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung (TAB): Mögliche gesundheitliche Auswirkungen verschiedener Frequenzbereiche elektromagnetischer Felder (HF‑EMF). Bundestagsdrucksache 20/5646, Deutscher Bundestag, 14. Februar 2023. Siehe auch diagnose:funk Artikelserie zum TAB unter diagnose-funk.org/1954

diagnose:funk (2023): TAB II: Technikfolgenbericht bewertet Studien zu Krebs und Mobilfunk. Analyse der Interpretation der Studienlage, https://www.diagnose-funk.org/aktuelles/artikel-archiv/detail&newsid=1947

[11]  ICNIRP Note (2020): Critical evaluation of two radiofrequency electromagnetic fields animal carcinogenicity studies published in 2018, HEALTH PHYS. 118(5):525–532; 2020 https://www.icnirp.org/cms/upload/publications/ICNIRPnote20192020.pdf

[12] Lin JC (2025): Health and safety practices and policies concerning human exposure to RF/microwave radiation. Front Public Health, 13, 1-15. Deutsche Übersetzung erschienen als diagnose:funk Brennpunkt, diagnose-funk.org/2265

[13] https://idw-online.de/de/news710243, https://www.aerzteblatt.de/news/bundesamt-fuer-strahlenschutz-haelt-mobilfunkstrahlen-weiter-fuer-unbedenklich-76d18b4d-8f0d-433b-b6f5-c776bce5c6c5

https://www.bfs.de/SharedDocs/Kurzmeldungen/BfS/DE/2020/0924-ntp.html

[14] Marisa Kurz: Verursacht Handystrahlung Krebs?, Spektrum der Wissenschaft Kompakt "Krebs verstehen", 7/ 2026, S. 39-42

[15] Mevissen, M, Ducray, A, Ward, JM, Kopp-Schneider, A, McNamee, JP, Wood, AW, Rivero, TM, Straif, K. (2025): Effects of radiofrequency electromagnetic field exposure on cancer in laboratory animal studies: A systematic review. Environment International. 2025; 199:109482. DOI: https://doi.org/10.1016/j.envint.2025.109482, https://www.emf-portal.org/de/article/59609

Artikel zu dieser Studie bei diagnose:funk: https://www.diagnose-funk.org/2220 , https://www.diagnose-funk.org/2229, https://www.diagnose-funk.org/2235

[16]   Bundesamt für Strahlenschutz, Spotlight – Besprechung zu Mevissen et al. (2025), https://doris.bfs.de/jspui/handle/urn:nbn:de:0221-2025070953051:  „Unter Berücksichtigung aller eingeschlossenen Studien, unabhängig davon, ob sie schädliche Effekte zeigen oder nicht, und unter Einbeziehung der genannten zusätzlichen Bedenken sind die Schlussfolgerungen von Mevissen et al. hinsichtlich des Vertrauens in die Evidenz nicht vollständig schlüssig. Aus Sicht dels BfS liefert die Studienlage keine ausreichende Grundlage, um eine hohe Evidenz für ein erhöhtes Risiko von Herzschwannomen und Gliomen, oder eine mäßige Evidenz für ein erhöhtes Risiko der anderen analysierten Krebsarten bei Tieren durch Exposition gegenüber HF-EMF zu rechtfertigen. Es gibt jedoch vereinzelt Hinweise auf potenziell schädliche Effekte in Ratten, die sehr hohen Ganzkörperexpositionen ausgesetzt sind. Diese Hinweise basieren hauptsächlich auf den Ergebnissen der NTP-Studie. Diese Ergebnisse müssen noch durch eine derzeit in Japan und Korea durchgeführte Replikationsstudie bestätigt oder widerlegt werden.“

[17] Microwave News (2026): “They Kept Telling Us What To Do”. A Rare Look Behind the RF Curtain at WHO Review of Animal Studies Takes Center Stage, https://www.microwavenews.com/news-center/they-kept-telling-us-what-do

Deutsch auf: diagnose-funk.org/2325

[18] Korrespondenzen, dokumentiert auf dem EMF-Portal::

Karipidis et al. (2026): Evidence on RF-EMF and cancer in animals misjudged: methodological and analytical flaws in the Mevissen et al. systematic review, https://www.emf-portal.org/de/article/61661

Mevissen et al. (2026): Methodologically solid and analytically rigorous: the evaluations of our systematic review on RF-EMF and animal cancer are reliable, https://www.emf-portal.org/de/article/61662

Belenki et al. (2026): Commentary on the systematic review of radiofrequency field exposure and animal cancer by Mevissen et al. (2025) – Revisiting the evidence and a quantitative perspective, https://www.emf-portal.org/de/article/62696

Mevissen et al.(2026): Rationale for a narrative approach in assessing RF-EMF in animal cancer studies, https://www.emf-portal.org/de/article/62699

[19]  Frank et al. (2025): The Systematic Review on RF-EMF Exposure and Cancer by Karipidis et al. (2024) has Serious Flaws that Undermine the Validity of the Study's Conclusions, https://www.emf-portal.org/de/article/57879

[20]  Dokumentationen zur Debatte um die REFLEX-Studien:

Ingo Leipner / Joachim Stall (2021): Chronik eines Rufmords, Kapitel aus dem Buch „Moderne Rattenfänger“, Redline Verlag, Download: www.diagnose funk.org/1934 , Anhang II

Das Hanseatische Oberlandesgericht Bremen verurteilt Professor Alexander Lerchl zur Rücknahme seiner Fälschungsbehauptung gegenüber der REFLEX-Studie. Text des Urteils und Bericht von Prof. Adlkofer, 28.01.2021

[21]  Ron Melnick (2019): Commentary on the utility of the National Toxicology Program study on cell phone radiofrequency radiation data for assessing human health risks despite unfounded criticisms aimed at minimizing the findings of adverse health effects, Environmental Research, Volume 168, January 2019, Pages 1-6, https://www.emf-portal.org/de/article/36101

diagnose-funk (2029): Video mit Dr. Ron Melnick zur NTP-Studie, Adverse Health Effects. NTP findings and Cancer, https://www.diagnose-funk.org/1358;

[22]  Carlberg M, Hardell L (2017): Evaluation of Mobile Phone and Cordless Phone Use and Glioma Risk Using the Bradford Hill Viewpoints from 1965 on Association or Causation, Review Article BioMed Research International, Volume 2017, Article ID 9218486, doi.org/10.1155/2017/9218486. In deutscher Übersetzung als diagnose:funk-Brennpunkt erschienen.

Publikation zum Thema

Format: A4, 8 SeitenVeröffentlicht am: 17.01.2020 Bestellnr.: 238Sprache: DeutschHerausgeber: diagnose:funk

Professor James C. Lin: Die NTP-Studie weist das Krebspotential der Mobilfunkstrahlung nach.

diagnose:funk Brennpunkt
Autor:
Prof. James C. Lin / diagnose:funk
Inhalt:
Prof. James C. Lin (University of Illinois) nimmt in dem Artikel "Die Bedeutung von Primärtumoren in der NTP-Studie zur Langzeitexposition von Ratten gegenüber Mobilfunkstrahlung" (2019) zu den Ergebnissen der NTP-Studie (USA) und der Ramazzini-Studie (Italien) Stellung. Beide Studien untersuchten, ob Mobilfunkstrahlung Krebs auslösen kann. Prof. James C. Lin war lange führendes Mitglied der ICNIRP und ist ein weltweit angesehener Experte. Er gehörte dem Peer-Review-Panel der NTP-Studie an. Die NTP- und die Ramazzini-Studie haben eine Krebs auslösende Wirkung der nicht-ionisierenden Strahlung des Mobilfunks nachgewiesen. Lin weist mit diesem Artikel ausdrücklich die Versuche zurück, die Bedeutung dieser Studienergebnisse herunterzuspielen.
diagnose:funk
Format: A4Seitenanzahl: 16 Veröffentlicht am: 12.01.2023 Bestellnr.: 250Sprache: DeutschHerausgeber: diagnose:funk

Die Auseinandersetzung um die Deutungshoheit zu Risiken der Mobilfunkstrahlung

Über Kampagnen eines Kartells von Industrie, Bundesamt für Strahlenschutz und ICNIRP
Autor:
diagnose:funk
Inhalt:
Ob Mobilfunkstrahlung gesundheitsschädlich ist oder nicht, darüber wird nicht nur eine Wissenschaftsdebatte über Ergebnisse der Forschung geführt. Bei dieser Debatte geht es auch und vor allem um Produktvermarktung, in diesem Fall um das Milliardengeschäft einer Schlüsselindustrie. Dieser brennpunkt dokumentiert die Auseinandersetzung. Im Jahr 2022 gab es vier Entwarnungskampagnen, basierend auf vier Studien mit der Botschaft: Mobilfunkstrahlung ist unbedenklich für die Gesundheit, ein Krebsrisiko besteht nicht. Das beweise die MOBI-Kids-Studie, die bisher weltweit größte Studie zu Hirntumoren und Kinder. Mit der UK-Million Women Studie liege auch der Beweis für Erwachsene vor. In einem von ICNIRP-Mitglied Prof. M. Röösli verfassten Artikel zu 5G in der Zeitschrift Aktuelle Kardiologie bekamen gezielt Mediziner diese Botschaft übermittelt. Abgeordneten des deutschen Bundestages wird vom deutschen Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) und dem Umweltministerium mitgeteilt, die STOA-Studie, die Schädigungen zu Krebs und Fertilität auswertet, sei unwissenschaftlich. Diagnose:funk nahm zu allen diesen Meldungen Stellung.
Titelbild:diagnose:funk
Stand: 8.9.2025Format: A4Seitenanzahl: 28 Veröffentlicht am: 01.09.2025 Bestellnr.: 252Sprache: deutschHerausgeber: diagnose:funk

Geltende Mobilfunkgrenzwerte sind ungeeignet, die Bevölkerung umfassend zu schützen


Autor:
James C. Lin / diagnose:funk
Inhalt:
Mit diesem neuen Brennpunkt veröffentlicht diagnose:funk den Artikel „Gesundheits- und Sicherheitspraktiken und -richtlinien in Bezug auf die Exposition des Menschen gegenüber HF-/Mikrowellenstrahlung“ von Prof. James C. Lin. James C. Lin, einer der führenden Strahlungsexperten, kritisiert die Grenzwertempfehlungen der ICNIRP, die in Deutschland übernommen wurden, scharf: Sie „sind umstritten“ und „wissenschaftlich nicht begründet“, „versäumen eine wirksame Risikovorsorge und missachten zentrale Prinzipien des Strahlenschutzes.“ Die Grenzwerte ignorierten die „chronische Toxizität und Karzinogenität“ der Strahlung und seien somit „ungeeignet“, die Bevölkerung zuverlässig zu schützen. Auch aktuelle, von der WHO beauftragte Studien zu den biologischen Wirkungen der Mobilfunkstrahlung bewertet Lin negativ: Er spricht von einer „mangelnden wissenschaftlichen Qualität und der unausgewogenen Darstellung“, er kritisiert „eine erkennbare Voreingenommenheit“ der Studienautoren. Sie würden folglich die Gesundheitsrisiken verharmlosen.
diagnose:funk
Format: A4Seitenanzahl: 24 Veröffentlicht am: 14.09.2018 Bestellnr.: 236Sprache: DeutschHerausgeber: diagnose:funk

Die Ergebnisse der NTP-Studie und die Gesamtstudienlage

Mobilfunkstrahlung und Krebs
Autor:
L. Hardell, M. Carlberg und L. Hedendahl
Inhalt:
Im Frühjahr 2018 wurden die Gesamtergebnisse der NTP-Studie veröf-fentlicht. Sie weist nach, dass die nicht-ionisierende Strahlung des Mobilfunks Krebs erzeugen kann. Die Studie wurde im National Toxicology Program des National Institute of Environmental Health Sciences (NIEHS) der Regierung der USA durchgeführt, mit einem Etat von 25 Millionen Dollar. Ihr wird uneingeschränkt bescheinigt, dass sie höchste wissenschaftliche Standards erfüllt. Die Arbeitsgruppe des Onkologen Prof. Lennart Hardell (Schweden) hat eine umfassende Interpretation der NTP-Studie vorgelegt, in der die Ergebnisse in Zusammenhang mit epidemiologischen und medizinischen-biologischen Studien gestellt werden (Hardell et al. 2018). diagnose:Funk legt mit diesem Brennpunkt eine Übersetzung dieser Arbeit vor.
diagnose:funk
Stand: 04.12.2024Format: A4Seitenanzahl: 14 Veröffentlicht am: 14.06.2024 Sprache: DeutschHerausgeber: diagnose:funk

Überblick Nr. 2: Ist Mobilfunk krebserregend?


Autor:
diagnose:funk
Inhalt:
In Überblick Nr. 2 dokumentiert diagnose:funk die Studienlage zum Risiko einer Krebserkrankung durch Mobilfunkstrahlung. Dazu gibt es seit ca. 25 Jahren eine heftige Debatte zwischen Wissenschaft, Behörden, Mobilfunkbetreibern und Bürgerinitiativen. In den Jahren 2016 bis 2020 wurden groß angelegte, qualitativ hochwertige Studien durchgeführt, die bestätigen, dass die 2011 von der WHO beschlossene Eingruppierung der nicht-ionisierenden Strahlung in ‚möglicherweise krebserregend (2B)‘ nicht nur gerechtfertigt war, sondern diese neuen Erkenntnisse eine Eingruppierung in ‚wahrscheinlich krebserregend (2A)‘ oder gar ‚krebserregend (1)‘ erfordern. Auch die Debatte um die Krebsstatistik wird analysiert.
Januar 2022Format: A4Seitenanzahl: 12 Veröffentlicht am: 18.01.2022 Bestellnr.: 247Sprache: deutschHerausgeber: diagnose:funk

Wie die Telekommunikationsindustrie die Politik im Griff hat


Autor:
diagnose:funk
Inhalt:
diagnose:funk legt in diesem Brennpunkt eine Recherche zur Lobbyarbeit der Mobilfunkindustrie und BITKOM-Branche zur Digitalisierung vor, basierend auf der Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Fraktion DIE LINKE „Beziehungen von Telekommunikationsunternehmen zur Bundesregierung“ (Bundestagsdrucksache 18/9620, 13.09.2016). Sechs Grafiken verbildlichen die Verflechtungen. Politisch eingeordnet wird diese Analyse auf Grund eigener Erfahrungen mit Besuchen bei Bundestagsabgeordneten und dem neuen Buch „Lobbyland. Wie die Wirtschaft unsere Demokratie kauft“ (2021) des ehemaligen Dortmunder SPD-Abgeordneten Marco Bülow über seine 18-jährigen Erfahrungen im Bundestag und weiteren Literaturrecherchen.
April 2020Format: 10 Seiten / A4Veröffentlicht am: 03.04.2020 Bestellnr.: 240Sprache: DeutschHerausgeber: diagnose:funk

Der Kausalitäts-Betrug

Was die Mobilfunkdiskussion mit Alkohol, einem Affen und Kater zu tun hat- eine Auseinandersetzung mit Positionen des Bundesamtes für Strahlenschutz.
Autor:
Jörn Gutbier/Peter Hensinger
Inhalt:
Warum vertritt das Bundesamt für Strahlenschutz trotz der Studienlage, dass es keine Beweise für die Gesundheitsschädlichkeit der Mobilfunkstrahlung gibt? Dieser Artikel beschäftigt sich mit dem Kernargument des Bundesamtes für Strahlenschutz, der Kausalität als Kriterium für eine Schutzpolitik. Ausnahmslos alle vorliegenden Studien, so begründet es das Bundesamt für Strahlenschutz, hätten bisher keinen kausalen Zusammenhang zwischen Strahlungseinwirkung und Zellschädigungen nachweisen können. Deshalb brauche es auch keine Schutzpolitik. Korrelationen oder Indizien reichten dafür nicht aus. Warum diese Kausalitätstheorie, die wissenschaftlich logisch erscheint, unwissenschaftlich ist, dem Vorsorgeprinzip widerspricht und in der Konsequenz Geschäftsmodelle der Industrie rechtfertigt, damit setzt sich der Brennpunkt auseinander.
Artikel veröffentlicht:
14.03.2026
Autor:
diagnose:funk
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