Die Initiatoren des Appells der 75 Experten zum Stopp der Digitalisierung: Dr. Uwe Büsching, Dr. Mario Gerwig, Peter Hensinger MA, Prof. Ralf Lankau, Prof. Manfred Spitzer, Prof. Klaus Zierer
Die Abwärtsspirale stoppen
Die pädagogischen Konsequenzen für eine Erziehung zur Medienmündigkeit sind in diesen beiden Artikeln nicht detailliert ausgeführt. Doch sie verdeutlichen anhand wissenschaftlicher Ergebnisse, wie richtig Smartphone- und Social-Media-Verbote bis mindestens zum 16. Lebensjahr sind, wie notwendig aber auch eine begleitende, altersgerechte Medienerziehung mit dem Ziel einer Medienmündigkeit ist. Pädagogische Konsequenzen für Familie, KiTa und Schule sind u.a. in der „Leitlinie zur Prävention dysregulierten Bildschirmmediengebrauchs in Kindheit und Jugend“, in unserem Überblick Nr. 7 und Nr. 9 (s. unten) und im Appell der 75 Experten formuliert. Die Abwärtsspirale in der Bildungskatastrophe kann und muss gestoppt werden:
- „Ich sehe nicht, wo es gut läuft. Das Schulsystem ist gescheitert. Was die Schulleiterin umkrempeln würde - und warum sie bei der Politik anfängt“, so ist ein Interview in der Süddeutschen Zeitung mit der ehem. Schulleiterin Silke Müller getitelt (24.01.26).
Gegen die Pläne im Koalitionsvertrag zum Digitalpakt 2.0 für eine KI-gesteuerte Digital-Only-Schule, für die die IT-Lobbyisten von Bertelsmann schon ein Umsetzungspapier vorgelegt haben, fordert der Ordinarius für Schulpädagogik Prof. Klaus Zierer einen sofortigen Stopp der Digitalisierung:
- „Der Augsburger Bildungsforscher Klaus Zierer tritt für strengere Regeln im Klassenzimmer ein. Smartphones sollten an allen Schulen verschwinden. Die bisherige Digitalisierung sei schädlich,“ so eine dpa-Meldung vom 30.01.2026.
Und der SPIEGEL, der bisher den digitalen Hype anheizte, fordert, dass die Reissleine gezogen wird. Im Editorial in der Ausgabe 4/2026 schreibt er:
- "Digitales Heroin. Soziale Medien wirken in vielerlei Hinsicht wie Drogen auf das menschliche Gehirn. Es ist deshalb richtig, den Gebrauch für Kinder und Jugendliche radikal einzuschränken ... Wenn die sozialen Medien das menschliche Gehirn künftig auch noch KI-optimiert ansteuern, werden viele Kinder die Realität womöglich nur noch als öde Alternative zu einer ungleich aufregenderen virtuellen Welt begreifen. Soziale Medien sind in mancher Hinsicht Drogen wie Alkohol, Haschisch oder Heroin. Wir sollten anfangen, sie genauso zu behandeln."
Das fordern die Wissenschaftler des Bündnisses für humane Bildung schon lange, sie wurden als "Ewiggestrige aus der Kreidezeit" diffamiert. Gut, dass ihre Erkenntnisse sich langsam durchsetzen. Man muss es klar sagen: Die Medienpädagogen, die den digitalen Hype mit drittmittelgeschwängerten Gefälligkeits-Gutachten beförderten, sind mit verantwortlich für die Schädigung einer ganzen Generation, wie es Prof. Manfred Spitzer prognostizierte und Jonathan Haidt in seinem Buch "Generation Angst" nachweist.
Die Kommission, die Bundesbildungsministerin Karin Prien eingesetzt hat, darf sich nicht dem Druck der IT-Lobby beugen. Prof. Ralf Lankau geht im Interview „Schüler-ID, Bildungs-TÜV und das falsche Menschenbild. Auf dem Weg zur Konditionierungsanstalt in einer Schule ohne Lehrer“ ausführlich auf die Hintergründe der Bildungskatastrophe und den Weg aus ihr heraus ein. Diese Debatte führen Pädagogen auf der Homepage des Bündnisses für humane Bildung "Die pädagogische Wende".
Doch v.a. Eltern können nicht warten, bis die Politik reagiert. Für sie haben wir den Ratgeber „Kinder und Jugendliche in digitalen Zeiten - stark und selbstbestimmt. So fördern Sie die gesunde Entwicklung ihres Kindes“ und das Buch „Gesund aufwachsen in der digitalen Medienwelt“ herausgegeben (Bestellung s.u.).
Weitere Informationen >>> Diagnose:funk Artikelserie zu "Digitalen Bildung"
Bericht: 23. Umweltmedizinische Jahrestagung der Europäischen Gesellschaft für klinische Umweltmedizin e.V. (EGKU, November 2025)
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