ElektrosmogReport 4-2025: Bluetooth schädigt neuronale Stammzellen

Weitere Studien: Hirnentwicklung, Honigbienen, Hodenzellen. Außerdem 4 neue Reviews.
INHALT: 2G-Mobilfunk beeinflusst Hirnentwicklung | Bluetooth beeinflusst menschliche neuronale Stammzellen | WLAN und Alzheimer? | Hochspannung und Kognition | Hochspannungsleitungen und Honigbienen | 900-MHz-Befeldung schädigt Knochenzellen in vitro | Hochfrequenz verändert Stoffwechsel in Hodenzellen | Review über Genotoxizität | WHO-Autoren voreingenommen? | Hochfrequenz hat genetische Auswirkung | Grundlagen der biologischen Effekte von EMF
ElektrosmogReport 4/2025

 

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Seit nunmehr 31 Jahren dokumentiert der ElektrosmogReport Studien, die biologische Auswirkungen elektromagnetischer Felder, speziell der nicht-ionisierenden Strahlung, nachgewiesen haben. Seit 6 Jahren gibt diagnose:funk diesen Fachinformationsdienst heraus. Unsere Datenbank www.emfdata.org enthält aktuell 738 HF-Studien, die biologische Effekte nachweisen, davon sind 557 detailliert von der ElektrosmogReport-Redaktion ausgewertet.

Die Forschungsergebnisse, die in der aktuellen Ausgabe dokumentiert sind, zeigen erneut, wie faktenfrei die Behauptung der Industrie, formuliert von Telefonica Chef Markus Haas, ist:

  • „Uns beunruhigt diese Diskussion sehr, weil sie faktenfrei ist. Es gibt keinerlei wissenschaftlich fundierte Studien, die auch nur irgendeine Gesundheitsgefährdung sehen."

Ebenso fern der Tatsachen ist die Behauptung des Bundesamtes für Strahlenschutz, dass unterhalb der Grenzwerte keine Gesundheitsschäden nachgewiesen seien. Auch in diesem ElektrosmogReport sind die (schädlichen) Auswirkungen, die in den Forschungen aufgezeigt werden, in der Regel im nicht-thermischen Bereich.

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Das Register der von 2019-2025 besprochenen Studien steht aktualisiert auf EMFData.

Einen Gesamtüberblick über die Studienlage gibt unsere Zusammenstellung von 157 Reviews. Zur Orientierung haben wir einen Kompass-Studienlage und eine Mobilfunk-Chronologie mit den wichtigsten Ereignissen aus Forschung und Politik seit dem Jahr 1996 verfasst.

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ElektrosmogReport 4/2025

Bluetooth schädigt neuronale Stammzellen

In der Ausgabe 4/2025 werden 7 biologisch-medizinische und 4 Reviews besprochen. Eine der ersten Studien zu Bluetooth zeigt bei einer WLAN-ähnlichen Frequenz von 2,4 GHz Veränderungen in den Stammzellen mit Charakteristika von Alzheimer (Cakir et al. 2025). Zu ähnlichen Ergebnissen, ebenfalls bei WLAN 2,45 GHz kommen Lavan et al. (2025, Review), die u.a. oxidativen Zellstress als eine Ursache identifizieren.

Bodin et al. (2025) weisen post- und pränatale schädigende Auswirkungen auf Neurotransmitter nach, u.a. auf das für die Gehirnentwicklung wichtige BDNF (Brain Derived Neurothrophic Factor), dem Dünger des Gehirns.

Hochspannungsleitungen - Auswirkungen auf Gehirn und Bienen

Zwei Studien befassen sich mit den Auswirkungen der elektromagnetischen Felder von Hochspannungsleitungen. Sie wirken sich auf den Neurotransmitterstoffwechsel im Gehirn aus (Aliyari et al.2025). Die Feldstudie von Mallison et al. (2025) konnte nachweisen, dass und die Felder von Hochspannungsleitungen die Nahrungssuche von Bienen negativ beeinflussen.

Wang et al. (2025) untersuchten die Auswirkungen einer Befeldung mit 900 MHz unterhalb der Grenzwerte auf Knochen. Die Strahlung schädigte den Prozess der Knochenbildung und führte zur Ferroptose, ein eisenabhängiger, regulierter Zelltod durch Lipidperoxidation, der auftritt, wenn der antioxidative Schutz versagt. Die Bildung freier Radikaler spielt dabei eine Rolle. Erneut weist eine Studie Spermienschädigungen nach (Miao et al. 2025). Die Bestrahlung mit 1950 MHz führte u.a. zu einer Abnahme von Antioxidantien mit weiteren negativen Folgen.

Vier neue Reviews

Eine Übersichtsarbeit (Review) zu Krebs erstellten Weller et al.(2025) mit dem Ergebnis, dass eine Mehrzahl von Studien ein Krebsrisiko nachweist. Dieses Krebsrisiko wird in den Reviews, die aktuell bei der WHO eingereicht wurden, bestritten. Die Arbeitsgruppe Melnick et al. (2025) der ICBE-EMF (International Commission on the Biological Effects of Electromagnetic Fields)  kritisiert die methodischen Mängel dieser Studien, ihre Rosinenpickerei bei der Studienauswahl und fordert, dass sie zurückgezogen werden. Lai und Levitt (2025) legen einen Review  über die Auswirkungen nicht-ionisierender Strahlung auf die Gene vor der nachweist, dass HF-EMF auf sie Auswirkungen hat, u.a. auf den Neurotransmitterstoffwechsel und auf das Krebsgeschehen. Paul Heroux (2025) kritisiert in seinem Artikel „Die Kollision zwischen Drahtlostechnik und Biologie“ die grundlegende Fehlannahme, dass nicht-ionisierende elektromagnetische Felder nur durch Erwärmung biologisch wirken können. Er zeigt, dass sich die gängigen Sicherheitsmodelle (ICNIRP, SAR-Konzepte) allein auf thermische Effekte stützen und auf dem überholten Arrhenius-Prinzip der Aktivierungsenergie beruhen.

 

EMF:Data Stand November 2025

 

Studien im ElektrosmogReport 4/2025 von A-Z

Hochspannung und Kognition

Auswirkungen von Hochspannungsmasten auf das Kleinhirn und kognitive Beeinträchtigungen bei Affen

Aliyari H, Sahraei H, Menhaj MB, Kazemi M, Vahidi B, Hosseinian SH. Environmental Effect of High-voltage Towers on the Cerebellum and Cognitive Impairments in the Monkey. Basic and Clinical Neuroscience. 2024 Mar 1;15(2):185. http://dx.doi.org/10.32598/bcn.2021.1340.5

Hochspannungsleitungen („high voltage“, HV) schaffen eine schädliche Umgebung für Menschen, die in der Nähe dieser Leitungen leben oder arbeiten. Die extrem niederfrequenten (ELF) Felder um Hochspannungsleitungen haben erhebliche schädliche Auswirkungen auf das Gehirn und die kognitiven Funktionen von Tieren und Menschen, wie frühere Forschungen und epidemiologische Studien gezeigt haben.

Die Studienergebnisse zeigen, dass der exponierte Affe während der Exposition gegenüber Hochspannungsfeldern signifikante kognitive und Verhaltensänderungen aufwies. Nach dem Test wurde der Affe unaufmerksam, lethargisch, inaktiv, lustlos und depressiv und verlor sogar etwa 1 kg an Gewicht. Der exponierte Affe wies nach dem Test einen erhöhten ACTH-Spiegel auf. ACTH ist ein Hormon, das als Regulator von Cortisol wirkt, welches eine wichtige Rolle bei kognitiven Indizes wie Gedächtnis und Lernen im Zentralnervensystem spielt. Ein Anstieg des ACTH-Spiegels reduziert die Ausschüttung von Cortisol, und abnormale Veränderungen der Cortisolsekretion führen zu psychischen Störungen. Cortisol hingegen spielt eine wesentliche Rolle bei der Expression des Glutamat-Rezeptor-Gens (GR). Die GR- und NMDA-Rezeptoren (die eine wichtige Rolle bei Gedächtnis- und Lernprozessen spielen) sind über das gesamte zentrale Nervensystem verteilt. Die höchste Konzentration an GR- und NMDA-Rezeptorgenen im zentralen Nervensystem findet sich im Hippocampus, im präfrontalen Kortex, in der Amygdala und im Kleinhirn. Den Ergebnissen dieser Studie zufolge stellen Hochspannungsmasten eine ernsthafte Gefahr für die kognitiven Fähigkeiten der Anwohner in der Umgebung dar, was weitere Untersuchungen in diesem Zusammenhang erforderlich macht. (Anmerkung: Wir berichten hier über das Ergebnis eines Tierexperimentes, halten solche Experimente aber für ethisch nicht vertretbar). 

 

2G-Mobilfunk beeinflusst Hirnentwicklung

Veränderte Entwicklung von Nagetier-Gehirnzellen nach 900-MHz-Hochfrequenzbefeldung

Bodin R, Godin L, Mougin C, Lecomte A, Larrigaldie V, Feat-Vetel J, et al (2025). Altered development in rodent brain cells after 900 MHz radiofrequency exposure. Neurotoxicology. 2025;111(August). https://doi.org/10.1016/j.neuro.2025.103312

Das Ziel der vorliegenden Studie war es daher, sowohl in vivo als auch in vitro am Rattenmodell die Auswirkungen von 2G-Mobilfunk auf das sich entwickelnde Gehirn zu untersuchen. Dabei wurden die oben genannten ICNIRP-Grenzwerte eingehalten.  Im Kortex, nicht jedoch im Hippocampus, wurden signifikant weniger proliferierende Zellen an PNT 8 und eine signifikante Abnahme des BDNF-Spiegels an PNT 17 festgestellt. In vitro traten signifikant mehr apoptotische Zellen, proliferierende Zellen und DNA-Doppelstrangbrüche auf. Zudem kam es zu einer statistisch signifikanten Veränderung des Differenzierungsmusters der neurologischen Stammzellen. Die Daten der Studie weisen darauf hin, dass selbst Expositionen im Bereich der regulatorischen Grenzwerte für die breite Bevölkerung die Hirnentwicklung negativ beeinflussen können. Zu diesen Veränderungen zählen verminderte Zellproliferation, BDNF-Spiegel und Synapsenbildung in vivo sowie veränderte Differenzierung neuronaler Stammzellen in vitro.

 

Bluetooth beeinflusst menschliche neuronale Stammzellen

Hochfrequenz reguliert BET-vermittelte Signalwege bei der Differenzierung von Radialglia in der Entwicklung der menschlichen Großhirnrinde

Cakir B, Tanaka Y, Choe MS, Kiral FR, Kim J, Micali N, Kang YJ, Dharmadhikari B, Patterson B, Yang WS, Cho Y. Radiofrequency regulates the BET-mediated pathways in radial glia differentiation in human cortical development. Cell Reports. 2025 Sep 24. https://doi.org/10.1016/j.celrep.2025.116238

Die Arbeitsgruppe benutzt kortikale Organoide, aus humanen embryonalen Stammzellen, um die Auswirkungen von 2,4-GHz-Mobilfunk auf die Gehirnentwicklung zu untersuchen. Die vorliegende Studie zeigt, dass Bluetooth-Strahlung schädliche Wirkungen auf kortikale Organoide haben kann. Die schädigenden Wirkungen der Hochfrequenz beinhalten veränderte Differenzierung neuronaler Stammzellen und Charakteristika von ASS-Patienten, welche durch physikalische Barrieren oder pharmakologische Behandlung abgeschwächt werden konnten.

 

Grundlagen der biologischen Effekte von EMF

Die Kollision zwischen Drahtlostechnik und Biologie

Héroux P. The collision between wireless and biology. Heliyon. 2025 May 1;11(10). https://doi.org/10.1016/j.heliyon.2025.e42267

Paul Héroux untersucht in The Collision between Wireless and Biology die grundlegende Fehlannahme, dass nicht-ionisierende elektromagnetische Felder (EMF) nur durch Erwärmung biologisch wirken können. Er zeigt, dass sich die gängigen Sicherheitsmodelle (IEEE/ICNIRP, SAR-Konzepte) allein auf thermische Effekte stützen und auf dem überholten Arrhenius-Prinzip der Aktivierungsenergie beruhen. Héroux kritisiert die auf Wärmewirkung beschränkte Sicht der EMF-Risikobewertung und zeigt, dass nicht-thermische elektromagnetische Felder über Störungen der mitochondrialen Elektronen- und Protonenströme biologische Schäden verursachen können. Er entwickelt ein erweitertes thermodynamisches Modell, das diese Prozesse erklärt, und plädiert für strengere Schutzkonzepte und technische Alternativen zur Verringerung der Exposition.

 

Hochfrequenz hat genetische Auswirkung

Hochfrequenzstrahlung induziert Genexpression

Lai H, Levitt BB. Radiofrequency radiation-induced gene expression. Reviews on Environmental Health. 2025 Oct 29(0). https://doi.org/10.1515/reveh-2025-0104

Die Autoren werteten für ihre narrative Übersichtsarbeit mehr als 500 Primärstudien aus, die genetische Wirkungen von Hochfrequenz beschreiben.  Auch wurden Veränderungen von Genen festgestellt, die mit DNA-Schäden bzw. der Reparatur dieser assoziiert sind. Dazu zählen u. a. Neurotransmitter-Gene, NMDA-Rezeptor-Gene und krebsassoziierte miRNA. Bei einem SAR von weniger als 0,4 W/kg wurden vierzig verschiedene Genexpressionswirkungen der hochfrequenten Strahlung festgestellt. Veränderungen der Genexpression liefern laut den Autoren ein starkes Argument dafür, dass Hochfrequenz die Zellfunktionen beeinflusst.

 

WLAN und Alzheimer?

Überprüfung der Erkenntnisse zum Einfluss von WLAN-Strahlung im 2,4-GHz-Bereich auf oxidativen Stress und dessen möglichen Zusammenhang mit der Alzheimer-Krankheit

Laván D, Lluncor A, Moyano J, Ubillus J, Peña M, Paredes M, De La Cruz J, Cruz V. Review of the Evidence on the Influence of Wi-Fi 2.4 GHz Radiation on Oxidative Stress and its Possible Relationship with Alzheimer's Disease. Frontiers in Neurology. 2025 Oct 3;16:1616435. https://doi.org/10.3389/fneur.2025.1616435

Eine neue Studie einer peruanischen Forschungsgruppe untersucht die Auswirkungen von 2,4-GHz-WLAN-Strahlung, insbesondere ihre Rolle bei oxidativem Stress und den möglichen Zusammenhang mit der Alzheimer-Krankheit (AD). Zusammengenommen deuten diese Ergebnisse darauf hin, dass WLAN-Exposition die genomische Stabilität, den Stoffwechsel und die zelluläre Regulation erheblich verändern kann.  Mehrere Studien deuten darauf hin, dass WLAN-Exposition die Expression von Genen verändern kann, die an DNA-Replikations- und Reparaturprozessen beteiligt sind, was darauf hindeutet, dass die Exposition gegenüber dieser Strahlungsfrequenz die genomische Stabilität und die Mitochondrienfunktion beeinträchtigen könnte. Obwohl die Autoren keine direkten Beweise für einen Zusammenhang zwischen WLAN-Exposition und AD finden konnten, ist der indirekte Zusammenhang über oxidativen Stress besorgniserregend und sollte weiter untersucht werden. 

 

Hochspannungsleitungen und Honigbienen

Schwache anthropogene elektrische Felder beeinträchtigen die Nahrungssuche von Honigbienen

Mallinson VJ, Woodburn FA, O’Reilly LJ. Weak anthropogenic electric fields affect honeybee foraging. iScience. 2025 May 19. https://doi.org/10.1016/j.isci.2025.112550

Die folgende Studie untersuchte, wie der Besuch von Honigbienen an Blumen durch kleine elektrische Felder beeinflusst wird, die künstlich vor Ort erzeugt wurden, was diese Studie zu einer Semi-Feldstudie macht. Um die Auswirkungen schwacher anthropogener E-Felder auf das Verhalten von Bestäubern zu untersuchen, wurden Feldversuche in Bristol, Großbritannien, durchgeführt. Die Forscher manipulierten die elektrische Umgebung von Blumen mit anthropogenen E-Feldern (die Wechsel- und Gleichspannung von Stromleitungen nachahmten) und beobachteten das Landeverhalten von Honigbienen. Die Befeldung entsprach 100 Meter Entfernung von einer 275-kV-Hochspannungsleitung. Diese Studie zeigt, dass schwache, lokal begrenzte anthropogene E-Felder, deren Stärke mit denen vergleichbar ist, die in einer Entfernung von etwa 50 bis 150 Meter von Hochspannungsleitungen gemessen werden, das Sammelverhalten von Honigbienen verändern.

 

Autoren voreingenommen?

Die von der WHO in Auftrag gegebenen systematischen Übersichtsarbeiten zu den gesundheitlichen Auswirkungen von Hochfrequenzstrahlung bieten keine Gewähr für Sicherheit

Melnick RL, Moskowitz JM, Héroux P, Mallery-Blythe E, McCredden JE, Herbert M, Hardell L, Philips A, Belpoggi F, Frank JW, Scarato T. The WHO-commissioned systematic reviews on health effects of radiofrequency radiation provide no assurance of safety. Environmental Health. 2025 Oct 2;24(1):70. https://doi.org/10.1186/s12940-025-01220-4

Die Weltgesundheitsorganisation WHO gab im Rahmen ihres „Electromagnetic Field“ (EMF)-Projektes insgesamt 12 systematische Übersichtsarbeiten und Meta-Analysen in Auftrag, Inhaltlich beschäftigten sich die Übersichtsarbeiten u. a. mit Krebsrisiken an Mensch und Versuchstieren, Einschränkungen der Fruchtbarkeit, kognitiven Defiziten, elektromagnetischer Hypersensibilität (EHS) und oxidativem Stress.

Publiziert wurden die Übersichtsarbeiten im Zeitraum zwischen 2023 und 2025. Die hier vorgestellte Arbeit von Melnick et al. bewertet kritisch die methodische Qualität, Auswahlkriterien, Risiko- und Evidenzbewertung sowie die Interpretation der Ergebnisse durch die WHO-beauftragten Autorenteams. Melnick et al. finden in nahezu allen WHO-Reviews wiederkehrende und systematische methodische Mängel. Aufgrund der schwerwiegenden Mängel seien die meisten Übersichtsarbeiten und Meta-Analysen, die von der WHO in Auftrag gegeben wurden, nicht geeignet, um als Nachweis für die Sicherheit von Mobiltelefonen und anderen drahtlosen Kommunikationsgeräten herangezogen zu werden.

 

Hochfrequenz verändert Stoffwechsel in Hodenzellen

Unterschiedliche Stoffwechselreaktionen von Leydig- und Spermatogonienzellen der Maus auf Hochfrequenzbefeldung

Miao X, Lin Y, Guo J, Lin J, Gao P, Zhang W, Zeng L, Guo G, Li J. Differential metabolic responses of mouse Leydig and spermatogonia cells to radiofrequency electromagnetic field exposure. Frontiers in Public Health. 2025 Sep 19;13:1623701. https://doi.org/10.3389/fpubh.2025.1623701

Die vorliegende Studie untersucht die Auswirkungen von Hochfrequenz auf den Stoffwechsel von Maus Leydig-Zellen (TM3-Zelllinie) und Maus Spermatogonien (GC-1-Zelllinie) durch eine metabolomische Analyse. Die Studie zeigt signifikante Stoffwechseländerungen in der Leydig-Zelllinie TM3 nach Befeldung mit 1950 MHz. Die Veränderung der GSH Stoffwechselkomponenten bei der kontinuierlichen Befeldung wird durch signifikant gesenkte GSH-Spiegel bestätigt.

 

Review über Genotoxizität

Eine Übersichtsarbeit und Evidenzkarte zu Hochfrequenzfeldbelastung und Genotoxizität: Bewertung von In-vivo-, In-vitro- und epidemiologischen Daten

Weller SG, McCredden JE, Leach VA, Chu C, Lam AK. A scoping review and evidence map of radiofrequency field exposure and genotoxicity: assessing in vivo, in vitro, and epidemiological data. Frontiers in Public Health.;13:1613353. https://doi.org/10.3389/fpubh.2025.1613353

Die hier vorgestellte Übersichtsarbeit hatte zum Ziel, festzustellen, ob die Exposition gegenüber HF-EMF die DNA schädigen und damit möglicherweise zum weltweit steigenden Auftreten von Krebs beitragen kann. Die Gesamtevidenz deutet darauf hin, dass HF-EMF-Expositionen potenziell genotoxisch sind und ein Krebsrisiko darstellen könnten. Aufgrund der U-förmigen Dosis-Wirkungs-Kurven und der Bedeutung realer Expositionsbedingungen empfiehlt die Studie, nicht-thermische Effekte stärker zu berücksichtigen und Vorsorgemaßnahmen zusätzlich zu bestehenden Grenzwerten einzuführen.

 

900-MHz-Befeldung schädigt Knochenzellen in vitro

Regulation des Aktivierenden Transkriptionsfaktor 4 bei hochfrequenzinduzierter Ferroptose in Osteoblasten

Wang H, Zou W, Ding C, Cao Y. Activating Transcription Factor 4 regulation of radiofrequency radiation-induced ferroptosis in osteoblasts. Electromagnetic Biology and Medicine. 2025 Aug 21:1-5. https://doi.org/10.1080/15368378.2025.2547799

Immer mehr Studien weisen auf einen Zusammenhang zwischen Mobilfunk und biologischen Reaktionen, darunter oxidativem Stress, DNA-Schäden und Apoptose, hin. Osteoblasten, die für die Knochenbildung von entscheidender Bedeutung sind, scheinen anfällig für Schädigungen durch Mobilfunk zu sein. Es wurde eine signifikant gesteigerte Lipidperoxidation, intrazellulärer Eisengehalt sowie mitochondriale Schäden, einhergehend mit einem gestörten antioxidativen Schutzmechanismus (verringertes GSH und Glutathionperoxidase 4), beobachtet. Zusammengefasst weist dies auf eine Ferroptose-Induktion durch die HF-Befeldung hin. Die Wissenschaftler kommen zu dem Schluss, dass die 900-MHz-Befeldung ohne Pulsmodulation in vitro selbst unterhalb von ICNIRP-Empfehlungen programmierten Zelltod in knochenbildenden Zellen hervorrufen kann.

 

 

 

 

Artikel veröffentlicht:
01.12.2025
Autor:
diagnose:funk / EMF:Data
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