Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben!
Vorwort von Peter Hensinger, Vorstand von diagnose.funk
… zu spät reagieren die Politiker auf die Warnungen aus der Wissenschaft über die katastrophalen Auswirkungen der Nutzung digitaler Medien auf Kinder. Für dieses Versagen werden allerdings nicht die Politiker, sondern eine ganze Generation Kinder bestraft.
Mit dem Digitalpakt Bildung von 2017 und der Werbung, Kindern möglichst früh Smartphones zu geben, weil das unabdingbar für kluge Kinder in der digitalen Welt sei, sind Politiker quer durch alle Parteien dafür verantwortlich, was sie jetzt beklagen: die massiven psycho-sozialen Schädigungen. Vor ihnen warnte bereits 2015 Professor Alexander Markowetz in seinem Buch „Digitaler Burnout“: „Die zentrale Herausforderung des 21. Jahrhunderts ist, die menschliche Psyche im Umgang mit digitalen Geräten zu retten.“ Jonathan Haidt schreibt in seinem Buch „Generation Angst“: „Um das Jahr 2012 stürzte die geistige Gesundheit junger Menschen eine Klippe hinunter“. Dies war kein Naturereignis. diagnose:funk und die Experten des Bündnisses für humane Bildung prognostizierten seit 2012, was diese Medien anrichten werden und forderten Regulierungen und eine Erziehung zur Medienmündigkeit. Die Politik ignorierte dies jahrelang. Aktuell findet ein Paradigmenwechsel statt, Smartphone- und Social Media-Verbote und die Alternativen sind endlich Gegenstand der öffentlichen Debatte. Gut so.
Diesem ersten Paradigmenwechsel muss ein zweiter folgen: Die Anerkennung der Risiken der Strahlenbelastung. Kinder und Jugendliche sind durch die Smartphone-Nutzung und die Umgebungsstrahlung 24/7 massiver Strahlenbelastung ausgesetzt. Sie wirkt sich auf ihre Entwicklung aus. Eine neue indische Studie hat dies jetzt sogar für Säuglinge nachgewiesen. Schon eine geringe Umgebungsstrahlung korrelierte mit Entwicklungsverzögerungen. In unserem ÜBERBLICK Nr. 4 „Wirkt Mobilfunk auf das Gehirn?“ weisen wir fundiert nach, wie die Strahlung den Gehirnstoffwechsel negativ beeinflusst.
Diese wissenschaftlichen Erkenntnisse werden vom Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) bestritten. Doch gegen seine Verharmlosungspolitik protestieren in ungewöhnlich scharfem Ton immer mehr Wissenschaftler. Der „Papst“ der Bioelektromagnetik, Prof. James C. Lin, griff jetzt mit einer scharfen Kritik ein. In seinem Artikel fordert er die Abkehr vom thermischen Verharmlosungs-Dogma, mit dem die falsche Lehre, nach der es nur schädliche Wärmewirkungen gäbe, legitimiert wird. Die Leugnung der nicht-thermischen Wirkungen der Strahlung müsse aufhören, der Glaubenssatz vom thermischen Dogma müsse fallen, neue Grenzwerte und eine Schutzpolitik seien notwendig.
Lins Artikel könnte bei Entscheidungsträgern, die sich der Wahrheit und dem Gesundheitsschutz verpflichtet fühlen, zu einem Erkenntnissprung führen. Wir haben den Artikel von Prof. Lin übersetzt und als Brennpunkt publiziert.
Wie eine konstruktive Aufklärungsarbeit zum Schutz von Kindern aussehen könnte, das dokumentiert unser Interview mit Dr. Stella Canna-Michaelidou aus Zypern. Es zeigt, wie durch eine Zusammenarbeit von Medizinern, NGOs und Behörden eine Strahlenschutzpolitik und Verbraucheraufklärung möglich ist.
