Schuljahresbeginn & Smartphonenutzung: Lehrer und Eltern müssen gemeinsam beraten

Argumentationshilfen: Video von diagnose:funk und medizinischer Artikel
Das Schuljahr 2025/26 beginnt, und ein Thema beherrscht die Diskussion: Wie sollen Kitas und Schulen mit der Smartphone- und Tabletnutzung umgehen? Über 50% der Eltern, so eine Umfrage der Körber-Stiftung, machen sich Sorgen über den digitalen Medienkonsum ihrer Kinder und wollen Regelungen. Auf welcher Grundlage sollen Regelungen beschlossen werden? Wie sollen sie aussehen? Ist es mit einem Verbot getan?

Seit fast 15 Jahren fordert diagnose:funk Regelungen zur Nutzung digitaler Medien an Erziehungseinrichtungen. Wir schlagen vor, dass jetzt auf Lehrerkonferenzen und Elternabenden Optionen diskutiert werden. Als Input für Beratungen eignen sich besonders gut das Video „Aufwach(s)en im Umgang mit digitalen Medien“ (erschienen in 8 Sprachen) und zur Vorbereitung der Artikel der Neurobiologin Prof. Gertraud Teuchert-Noodt „Ein Bauherr beginnt auch nicht mit dem Dach. Die digitale Revolution verbaut unseren Kindern die Zukunft".  

Gutachten Leopoldina 2025

Auf welche Stimmen sollte man hören?

Bundesbildungsministerin Karien Prien spricht sich für altersbedingte Smartphone- und Social-Media-Verbote aus. Die Nationale Akademie der Wissenschaften Deutschlands Leopoldina untermauert dies im August 2025 mit einem Gutachten, mit der klaren Aussage:  

  • "Wir empfehlen, die Nutzung von Smartphones in Kitas und Schulen bis einschließlich Klasse 10 zu untersagen."

Das Bündnis für humane Bildung legte im März 2025 in einem Appell von 75 Experten ein Programm für eine pädagogische Wende vor. Ein Verbot, so das Bündnis, muss von einer altersgerechten Medienerziehung begleitet sein mit dem Ziel, dass Kinder ab 16 Jahren reif für die Nutzung der Medien sind. Bundesländer beschließen nun Regelungen, Elterninitiativen, die Lösungen vorschlagen, entstehen wie z.B. „Smarter Start ab 14“ oder die aktuelle Vereinbarung in Solingen: „In Solingen ist heute mit dem neuen Schuljahr an allen weiterführenden Schulen ein einzigartiges Vorhaben gestartet. Mehr als 1000 Fünftklässler sollen vorerst ohne Soziale Medien auskommen – in der Schule und auch zuhause.“

 

Stuttgarter Rathaus, Wiki MSeses

Vom Diskussionsverbot zum Paradigmenwechsel - Stuttgarter Debattenkultur. Rückblende zu Ereignissen in Stuttgart, die sich sicher so auch deutschlandweit zugetragen haben.

Kritisches Hinterfragen der Nutzung digitaler Medien wurde bis vor kurzem mit Fortschrittsverweigerung gleichgesetzt. Elternbeirats-Sitzung 2018 in einem Stuttgarter Gymnasium. Eine Elternvertreterin möchte darüber reden, ob eine Tablet-Einführung, wie sie im Digital-Pakt Schule der Bundesregierung vorgeschlagen wird, pädagogisch sinnvoll sei. Sie wird aggressiv unterbrochen, das sei ein unverhandelbarer Fortschritt, eine moderne Schule müsse auf digitale Bildung umstellen. Solche Stimmungs-Berichte bekamen wir zuhauf, noch im Frühjahr 2025: Eine KiTa am Bodensee beschließt die Tablet-Einführung. Eine Mutter will das nicht, eine sachliche Diskussion ist nicht möglich. Der KiTa - Platz ihres Kindes wurde gekündigt.

Ein Schlüsselerlebnis: Im Jahr 2018 war der Medienpädagoge Prof. Ralf Lankau (HS Offenburg, Autor von "Kein Mensch lernt digital") in die Fraktion der GRÜNEN, damals stärkste Fraktion im Stuttgarter Gemeinderat, eingeladen. Lankau referierte über die Risiken der Digitalisierung, ökonomische Hintergründe und die Überwachungsgefahr. Schon während des Vortrages schüttelten viele der Stadträtinnen und Stadträte den Kopf und belehrten dann Lankau, er habe wohl nicht begriffen, dass Smartphones heute Teil der Lebenswelt seien und Kinder sie deshalb so früh wie möglich nutzen sollten, natürlich schon ab dem Kindergarten. Die Oberflächlichkeit der Diskussionsbeiträge der GRÜNEN war so peinlich, dass sich nachher eine Stadträtin bei Lankau für ihre KollegInnen entschuldigte. Nun scheint auch bei den GRÜNEN ein Lernprozess stattzufinden, ihr Spitzenmann Cem Özdemir fordert Verbote:

  • "Wir lassen Jugendliche auch nicht einfach ohne Führerschein hinters Steuer. Es gibt Fahrstunden und ein schrittweises Ranführen. So müssen wir es auch mit den sozialen Medien halten, darum halte ich eine Altersgrenze für TikTok und andere soziale Medien für richtig. Diese sollte bei 16 Jahren liegen." (12.08.2025)

Exemplarisch führte dann das Bündnis für humane Bildung die Auseinandersetzung mit der Stadt Stuttgart. Die Stadt Stuttgart legte 2023 ein Konzept zur Digitalisierung der KiTa-Erziehung vor und führte einen Kongress zu Schuldigitalisierung durch, mit Unterstützung des Gesamtelternbeirates. Das Bündnis wandte sich an die Stadt mit einem Gutachten, das ihre pädagogischen Konzeptionen und Pläne kritisierte und eine Beratung anbot. Die Stadt Stuttgart antwortete schroff ablehnend:„In einem anderen Kontext mögen Ihre wissenschaftlichen Ansätze durchaus ihre Berechtigung finden, allerdings nicht im Zusammenhang mit dem Einsatz von Medien in unseren Einrichtungen.“(14.07.2023)[1]

Auf die Spitze trieb es der Vorstand des Gesamtelternbeirates Stuttgart. Zunächst wurde eine Arbeitsgruppe Digitalisierung eingerichtet, von der der Vorstand offensichtlich erwartete, dass sie die Durchsetzung der Digitalisierung beschleunigen hilft. 25 Eltern beteiligen sich. Nachdem die AG beschloss, über den Umgang mit Smartphones an Stuttgarter Schulen zu beraten und ihn zu problematisieren, enthob der GEB-Vorstand den AG-Leiter seines Postens, die AG war damit gestorben.[2]

Der Gemeinderat beschloss 2025, 39-Millionen Euro für die digitale Ausstattung von Erziehungseinrichtungen, ohne pädagogisches Konzept. Für die Stuttgarter Stadträte schrieb daraufhin Peter Hensinger als SÖS-Newsletter (Stuttgart Ökologisch Sozial) eine Analyse der von Industrieinteressen geprägten Digitalen Bildung und des falschen Konzeptes der empirischen Pädagogik als wesentliche Ursachen der Bildungskatastrophe und skizzierte die Alternativen. [3]

Das Industrie-Narrativ von der digitalen Bildung als alternativloser Fortschritt wirkte jahrelang, Kritiker wurden meist aggressiv abgekanzelt. Doch im Jahr 2023 erschien die Leitlinie Bildschirmmedien von 11 deutschen Fachverbänden mit Forderungen nach restriktiven Regelungen für die Smartphone-Nutzung von Kindern.[4] Die Fachwelt hatte die Problematik der Schädigung von Kindern durch digitale Medien erkannt. Die Politik beachtete die Leitlinie nicht. Heute, drei Jahre später, sind die Forderungen der Leitlinie Topthema. Nun ist der Paradigmenwechsel da. Bundesministerin Prien, Leopoldina, Deutsches Ärzteblatt, Tagesschau, ZDF Heute und nahezu alle Printmedien diskutieren über notwendige Smartphone- und Social Media-Verbote.

  

diagnose:funk Kongress 2013

Eine Chronologie des Umdenkens!

Es war ein langer Weg, bis die Denkblockaden gefallen sind. Seit dem Jahr 2012 warnten Wissenschaftler, u.a. Prof. Manfred Spitzer in seinem Buch „Digitale Demenz“ (2012) vor den Folgen der frühen Nutzung digitaler Medien. Er prognostizierte, dass eine ganze Generation geschädigt werden wird. Prof. Paula Bleckmann („Medienmündig“ 2016) legte immer ausgereiftere Konzepte für eine altersgerechte Medienerziehung vor. Bereits 2013 führte diagnose:funk in Stuttgart eine Tagung zu Kindern und digitalen Medien durch zu den psycho-sozialen Auswirkungen und Konzepten einer Erziehung zur Medienmündigkeit, u.a. mit der Medienpädagogin Paula Bleckmann und dem Suchtforscher Thomas Mößle (>Tagungsband).  

Diagnose:funk nahm danach Kontakte mit kritischen Medienpädagogen auf und es gelang uns 2017, als Gegenpart zum gestarteten Digitalpakt Schule das Bündnis für humane Bildung mit zu initiieren. Bei seiner Gründung saßen die Kritiker der ersten Stunde, u.a. Manfred Spitzer, Ralf Lankau, Gertraud Teuchert-Noodt, Edwin Hübner, Paula Bleckmann, Michaela Glöckler, Gerald Lembke, Ingo Leipner und Peter Hensinger, in Stuttgart zusammen. Eine fruchtbare Vernetzung begann, weitere Experten schlossen sich an, Bücher und Artikel wurden verfasst, Vorträge gehalten. Das Bündnis wollte die absehbare Katastrophe verhindern, die 2015 der IT-Professors Alexander Markowetz in seinem Buch „Digitaler Burnout“ prognostizierte:

  • „Die zentrale Herausforderung des 21. Jahrhunderts ist, die menschliche Psyche im Umgang mit digitalen Geräten zu retten.“

 

Prof. Manfred Spitzer, Bild Privat

Verharmlosen, Spitzer diffamieren - und jetzt?

Doch die Medien versuchten noch bis vor wenigen Monaten, Kritiker als „ewiggestrige Alarmisten aus der Kreidezeit“ lächerlich zu machen. Möglichst frühe Smartphonenutzung sei unabdingbar für kluge Kinder in der digitalen Welt. Die IT-Branche baute vermeintlich neutrale Beratungsakteure auf, sogenannte „third-party mobilisation“, quasi ein Netzwerk von Tarnorganisationen, die der eigenen Botschaft vom Segen der „Digitalen Bildung“ Glaubwürdigkeit verleihen sollten (s. Grafik unten). Es ging und geht um den Milliardenmarkt Schule und die Bindung der Kunden der Zukunft. Das wurde pädagogisch verbrämt. Drittmittelgeschwängerte Medienpädagogen lieferten scheinwissenschaftliche Begründungen, bis hin zu Diffamierungen. So verortete das Landesmedienzentrum Baden-Württemberg Prof. Manfred Spitzer, Mitinitiator des Bündnisses, ins „Reich der Demagogie“, versuchte ihn als unwissenschaftlich zu widerlegen und ließ in dem Artikel „Der Spitzer geht um“ Professor Klaus Peter Jantke, Abteilungsleiter Kindermedien am Fraunhofer-Institut für Digitale Medientechnologie (IDMT), Ilmenau, voraussagen:

  • „Was Spitzer vorschlägt, wird eh nicht ernst genommen und wird garantiert nicht stattfinden – also Entwarnung.“ 

Rückblickend schreibt der Bonner Generalanzeiger:

  • „Jedenfalls ist der mediale Spott, der sich noch vor wenigen Jahren über den Neurowissenschaftler und Psychologen Manfred Spitzer und seine Bücher („Digitale Demenz“) ergoss, deutlich leiser geworden. Vor Negativfolgen wie Konzentrationsschwächen, Aufmerksamkeitsdefiziten Augenproblemen, Schlafstörungen, unterentwickelter Motorik, Übergewicht, sozialer Vereinsamung oder sinkender Frustrationstoleranz warnt längst nicht mehr nur Professor Spitzer, sondern inzwischen auch der Kinderarzt von nebenan.“ (22. 08. 2025)

Prof. Manfred Spitzer verfasste einen lesenswerten Rückblick auf die Kampagnen, die die Medien gegen ihn inszenierten. Übrigens, in Dänemark hat sich der Bildungsminister Tesfaye dafür entschuldigt, dass man Kinder zu "Versuchskaninchen in einem digitalen Experiment" gemacht habe.

 

Grafiken: diagnose:funk

Das Ende der Verharmlosung – auch der Verharmloser?

In Deutschland nahm man die Schädigung einer ganzen Generation in Kauf, legitimiert durch sich Professoren nennende scheinwissenschaftliche Medienpädagogen. Nun, spätestens seit dem Buch von Jonathan Haidt „Generation Angst“ (2023) wurde weltweit klar, dass der Absturz der Kindergesundheit und der Lernleistungen seit 2012 auch auf die Nutzung digitaler Medien zurückzuführen ist. Man hatte den Prognosen nicht geglaubt, leider mussten erst die Schäden eintreten. Spät, doch es ist nie zu spät, reagiert nun auch die deutsche Bundesregierung. Bildungsministerin Karin Prien will eine Expertenkommission für Lösungen einsetzen. Es ist zu befürchten, dass die bisherigen Apologeten des Digitalen die Farbe wechseln, um Pfründe zu sichern. Ministerin Prien wäre gut beraten, zu prüfen, mit wem sie sich einlässt. Der Vorwurf, auch gegenüber Ministerin Prien und der Leopoldina, die Kritiker würden nur Verbote ohne Alternativen fordern, der jetzt selbst von Lehrerverbänden kommt, zeigt ein weiteres Mal, dass sie sich nicht mit den Erziehungskonzepten der kritischen Medienpädagogik beschäftigt haben. Die bisherige Anpassung an die Narrative der Industrie und die eigene Konzeptionslosigkeit versteckt sich hinter den Relativierungen.

 

Bilder: privat

Die Initiatoren des Appells der 75 Experten zum Stopp der Digitalisierung: Dr. Uwe Büsching, Dr. Mario Gerwig, Peter Hensinger MA, Prof. Ralf Lankau, Prof. Manfred Spitzer, Prof. Klaus Zierer

Ein Paradigmenwechsel zurück zu einer humanen Bildung ist möglich. Der Appell der 75 Experten enthält ein Konzept für eine pädagogische Wende.[5] Lehrer und Eltern sind nun gefordert zu beraten, wie Kinder geschützt und stark gemacht werden können für die Orientierung in der digitalisierten Welt. "Wir empfehlen, die Nutzung von Smartphones in Kitas und Schulen bis einschließlich Klasse 10 zu untersagen," schreibt die Leopoldina. Smartphonefreie Schulen bis zum 16. Lebensjahr sind ein erster Schritt in einem Gesamtkonzept der Erziehung zur Medienmündigkeit. KiTa- und schulspezifische Medienkonzepte müssen unter Beteiligung der Eltern erarbeitet werden.

Darin muss eine weitere Erkenntnis einfließen: Diese nun anerkannten psycho-sozialen Schädigungen stehen in Wechselwirkung mit der Schädigung des Gehirns durch die Strahlung der mobilen Geräte. Das weisen wir in unserem ÜBERBLICK Nr. 4 „Wirkt Mobilfunk auf das Gehirn?“ und Nr. 6 „Ist WLAN schädlich?“ nach. Es bleibt noch viel zu tun, dass auch das anerkannt wird.

Das Netzwerk der Digitalisierungslobby / Mit Klick vergrößern!Grafik: Förschler 2018

Grafik: Planmäßig wurde das Narrativ "Digitalisierung ist Fortschritt - Raus aus der Kreidezeit“ inszeniert, das beweist detailliert die >>> Studie von Fröschler (2018). Seit 20 Jahren verhindert die Bitkom-IT-Lobby mit ihren Speerspitzen Bertelsmann, Microsoft, Google, Telekom, dass die Politik auf die pädagogische Wissenschaft hört und hat dafür ein dichtes Lobbynetzwerk aufgebaut, wie die Grafik von Förschler zeigt.  

diagnose:funk Artikelserie: Studien weisen nach: Die Digitalisierung ist ein wesentlicher Faktor der Krise im Bildungswesen. Eine Chronologie der pädagogischen Debatte in dito 60 Artikeln. 

 

Anmerkungen

[1] Dokumentation der Auseinandersetzung des Bündnisses für humane Bildung mit der Stadt Stuttgart: https://www.diagnose-funk.org/2018

[2] Homepage des Gesamtelternbeirates Stuttgart (GEB)

Wichtige Mitteilung zur AG Digitalisierung und Sanierung

Liebe Eltern, liebe AG-Mitglieder,

der GEB Stuttgart hat am 21.11.2024 nach einstimmigem internen Vorstandsbeschluss den Teilbereich „Digitalisierung“ der AG „Digitalisierung und Sanierung“ dem bisherigen AG-Organisator Matthias von Herrmann entzogen. Bei dieser Gelegenheit weisen wir Sie dringend darauf hin, dass Sie aufgrund der DSGVO einer weiteren Verwendung Ihrer E-Mailadresse und weiterer Daten durch Matthias von Herrmann jederzeit widersprechen können. Hierzu wenden Sie sich bitte direkt an die Ihnen bekannte E-Mailadresse von Matthias von Herrmann.

Wir bedanken uns für Ihr bisheriges Engagement! Der nächste AG-Termin am 05.12.2024 findet unter den Ihnen bekannten Einwahldaten statt, um eine mögliche Neuausrichtung zu besprechen.

Stuttgart, 21.11.2024, GEB Stuttgart -Vorstand-“

https://www.geb-stuttgart.de/wichtige-mitteilung-zur-ag-digitalisierung-und-sanierung/  (letzter Aufruf 29.08.2025)

[3] Die empirische Pädagogik wird von Vertretern einer humanen Pädagogik kritisiert. Die zentralen Kritikpunkte lassen sich so zusammenfassen:

Reduktion des Menschen auf Messbares

  • Vertreter der humanen Pädagogik werfen der empirischen Pädagogik vor, den Menschen auf statistisch erfassbare, beobachtbare Verhaltensweisen zu reduzieren.
  • Dadurch werde das eigentliche Wesen von Bildung, Erziehung und Mündigkeit – also die personale und geistige Dimension – ausgeblendet.

Technokratische Verkürzung von Erziehung

  • Erziehung werde durch empirische Methoden leicht zu einem Planungs- und Steuerungsproblem.
  • Der Mensch drohe so zu einem Objekt der Optimierung zu werden, während humane Pädagogik das Subjektsein und die Freiheit des Kindes betont.

Gefahr einer entmenschlichten Pädagogik

  • Wenn Erziehung nur noch durch Messbarkeit, Tests und Effizienz bestimmt wird, gerät die humanistische Idee von Persönlichkeitsbildung, Emanzipation und Selbstbestimmung ins Hintertreffen.

Ausdruck der empirischen Pädagogik ist das autonome, von einer Schulcloud gesteuerte Lernen. Der digitale Zwilling (Avatar), bzw. die Schüler-ID, berechnet die Lernfortschritte und steuert das Lernen. Der Schüler wird zum Datensatz. Die Verwirklichung dieses Konzeptes der Dehumanisierung nach behavoristischem Muster ist im >>> Koalitionsvertrag 2025 der Bundesregierung festgelegt.

Die humane Pädagogik kritisiert an der empirischen Pädagogik die Einseitigkeit, Reduktion und Normativitätsferne – während sie selbst die Ganzheitlichkeit des Menschen, Werte, Sinnfragen und den pädagogischen Bezug ins Zentrum stellt.

Literaturempfehlung:

Raupach T, Fuchs F (2025): Bildungsautomaten? Beiträge zur Digitalisierung von Bildung und Lehre, Springer Vieweg

[4] "Leitlinie zur Prävention dysregulierten Bildschirmmediengebrauchs in Kindheit und Jugend“: www.diagnose-funk.org/2005 

Peter Hensinger (2023): Paradigmenwechsel ante portas: „Leitlinie zur Prävention dysregulierten Bildschirmmediengebrauchs in Kindheit und Jugend“ erschienen – Eine Einordnung, umwelt · medizin · gesellschaft | 36 | 4/2023

[5]  Der Appell der 75 Experten auf www.diagnose-funk.org/2191

Publikation zum Thema

Format: DIN B5Seitenanzahl: 156 Veröffentlicht am: 20.05.2025 Bestellnr.: 111, Preis 16,90ISBN-10: 978-3-9820585-5-9Sprache: DeutschHerausgeber: diagnose:media

Gesund aufwachsen in der digitalen Medienwelt

Orientierungshilfe für Eltern und alle, die Kinder und Jugendliche begleiten.
Autor:
Hrsg. Michaela Glöckler
Inhalt:
Viele Beobachtungen und Studien von Experten zeigen, dass der zu frühe Kontakt von Kindern und Jugendlichen mit den neuen Medien mit erheblichen Risiken für ihre Entwicklung und ihre Gesundheit verbunden ist. Wir wissen heute: Erst wenn das Kind seine biologisch notwendigen Entwicklungsschritte in den verschiedenen Lebensabschnitten gut bewältigt hat, kann es die Fähigkeit zu einem kompetenten und selbstbestimmten Medienumgang entwickeln. Das Buch nimmt die übergeordnete Fragestellung auf, was Kinder bzw. Jugendliche für ihre gesunde Entwicklung in verschiedenen Entwicklungsphasen brauchen. Der pädagogische Standpunkt der Autoren versucht eine Balance aufzuzeigen zwischen den Wünschen der Kinder und Jugendlichen und den Einschränkungen, die als Vorsorgemaßnahmen zur Abwendung von Gefahren erforderlich sind.
Format: DVDSeitenanzahl: 40 Min. Hauptfilm, 75 Min. Bonustracks Veröffentlicht am: 23.02.2021 Bestellnr.: 954, Preis 17,90 EuroSprache: DeutschHerausgeber: diagnose:funk

Aufwach(s)en im Umgang mit digitalen Medien

Was Eltern und Erzieher wissen sollten: Wie der Gebrauch digitaler Medien die Gehirnentwicklung beeinflusst
Inhalt:
Regie: Klaus Scheidsteger / Drehbuch: Gertraud Teuchert-Noodt, Peter Hensinger, Klaus Scheidsteger / Musik: Markus Stockhausen / Länge: 40 Minuten. Bonustracks: Vortrag Prof. G. Teuchert-Noodt zum Stand der Forschung (30 min) / Video über die Bedeutung des Stirnhirns (15 min) / Vortrag Peter Hensinger zum Forschungsstand WLAN (30 min). Diagnose:funk will Eltern und ErzieherInnen mit diesem Film darin unterstützen, die Entwicklung ihrer Kinder unter dem Einfluss digi­taler Medien bestmöglich zu verstehen. Ihr Kind soll zu einem gesunden, selbstsicheren und intelligenten Menschen he­ranwachsen, um später mit den komplexen Anforderungen des Lebens gut zu­rechtkommen zu können. Wie kann das gelingen, wenn Kinder heutzutage im Alltag unzähligen digitalen Medien ausgesetzt sind, die ihren Bewegungsdrang einschränken und ihre sinnli­chen Erfahrungen verkümmern lassen? Hier müssen Eltern und Erzieher die rich­tigen Entscheidungen treffen. Dieser Film vermittelt Wissen von berufener Seite, der Hirnforschung. Prof. Gertraud Teuchert-Noodt forschte an ihrem Institut über 25 Jahre über das Ler­nen und die Gehirnentwicklung. Ihre Erkenntnisse über die Wirkungen digitaler Medien auf die Gehirnentwicklung werden im Film verständlich dargestellt.
diagnose:funk
Stand: 08.10.2024Format: DIN A4Seitenanzahl: 37 Veröffentlicht am: 29.08.2024 Sprache: deutschHerausgeber: diagnose:funk

Überblick Nr. 7: Kinder und digitale Medien – Eine pädagogische Herausforderung!


Autor:
diagnose:funk
Inhalt:
Überblick Nr. 7 dokumentiert, warum eine zu frühe und unregulierte Nutzung des Smartphones und anderer digitaler Medien zu negativen Auswirkungen führen kann. Schwerpunktmäßig werden Erkenntnisse der Entwicklungspsychologie und Neurobiologie behandelt. Es werden Lösungsmöglichkeiten für Eltern, Erziehende und die Politik aufgezeigt, um Kinder und Jugendliche vor einer Smartphonesucht zu bewahren.
diagnose:funk
Stand: 03.12.2024Format: A4Seitenanzahl: 27 Veröffentlicht am: 14.06.2024 Sprache: deutschHerausgeber: diagnose:funk

Überblick Nr. 6: Ist WLAN schädlich?


Autor:
diagnose:funk
Inhalt:
Überblick Nr. 6 dokumentiert die Studienlage zu WLAN und die Alternativen. Da WLAN eine lizenz- und oft kostenlose Frequenz ist, die deshalb Jugendliche besonders oft nutzen, hat die Studienlage zu den WLAN-Frequenzen eine besondere Bedeutung. Die WLAN-Frequenz ist besonders gut untersucht. Es liegen Erkenntnisse über Auswirkungen auf das Gehirn und in der Folge auf den Schlaf, das Gedächtnis, räumliches Denken, das Erbgut, die Blut-Hirn-Schranke, vor, aber auch auf die Fertilität, das Auge, das EEG und auf die Auslösung entzündlicher Erkrankungen durch oxidativen Zellstress.
Cover:diagnose:funk
Stand: 06.08.2025Format: A4Seitenanzahl: 44 Veröffentlicht am: 01.08.2025 Sprache: DeutschHerausgeber: diagnose:funk

Überblick Nr. 4: Wirkt Mobilfunk auf das Gehirn?


Autor:
diagnose:funk
Inhalt:
Der Überblick Nr. 4 gibt einen wissenschaftlich fundierten Überblick über die Auswirkungen hochfrequenter elektromagnetischer Felder (HF-EMF), wie sie durch Mobilfunkgeräte und WLAN erzeugt werden, auf das sich entwickelnde kindliche Gehirn. Auf Basis von über 50 internationalen, peer-reviewten Studien werden molekularbiologische Mechanismen beschrieben, durch die Mobilfunkstrahlung in zentrale neurophysiologische Prozesse eingreift. Besonders betroffen ist der Hippocampus, der für Gedächtnis, Lernen und Raum-Zeit-Orientierung verantwortlich ist. Die Strahlung führt nachweislich zu einer Reduktion synaptischer Plastizität, einer verminderten Expression von Glutamatrezeptoren (insbesondere NMDA) sowie einer signifikanten Abnahme des Wachstumsfaktors BDNF. Diese Veränderungen beeinträchtigen die Reifung neuronaler Netzwerke und stören die Hirnaktivität durch eine Desynchronisation endogener Oszillationen. Weitere dokumentierte Effekte umfassen die Öffnung der Blut-Hirn-Schranke, oxidativen Stress, mitochondriale Schäden und kognitive Entwicklungsdefizite. Epidemiologische Studien weisen zusätzlich auf Zusammenhänge mit Verhaltensauffälligkeiten, Aufmerksamkeitsstörungen und emotionalen Dysregulationen hin. Angesichts der besonderen Vulnerabilität des kindlichen Gehirns fordert der Artikel die Anwendung des Vorsorgeprinzips in pädagogischen Einrichtungen und eine strahlenminimierte Gestaltung von Bildungsumgebungen. Die vorgelegten Ergebnisse belegen, dass die HF-EMF-Exposition als eigenständiger Risikofaktor in der Frühentwicklung ernst genommen werden muss.
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