"Das anatomische Korrelat für jegliches Lernen wird beeinträchtigt"
Die Bestrahlung des Gehirns, so Keren Grafen im Interview, „hat zur Folge, dass die Fähigkeit des Gehirns, sich strukturell und funktionell an Erfahrungen und Umweltfaktoren anzupassen – ein Prozess, der als Neuroplastizität bezeichnet wird – nur noch unzureichend möglich ist. Die Folgen sind weitreichend: Das anatomische Korrelat für jegliches Lernen wird beeinträchtigt":
- „Der Mechanismus der BHS-Dysfunktion (Öffnung der Blut-Hirn-Schranke durch die Strahlung) in Kombination mit den Erkenntnissen von Kim et al. zeigt auf, dass chronische EMF-Exposition zu erheblichen Beeinträchtigungen der Gehirnfunktionen führt. Ich sehe das täglich in meiner Praxis, wie verzweifelte Eltern machtlos zusehen, wie ihre Kinder wie ferngesteuerte Wesen agieren. Es ist höchste Zeit, dass wenigstens Eltern, Lehrer und Erzieher ein Bewusstsein für die immer größer werdende Gefahr der EMF-Exposition auf die Gehirne unserer Kinder und Jugendlichen entwickeln. Es gibt Alternativen, auch in einer zunehmend digitalen Welt. Der Umstieg auf kabelgebundene Geräte, eine drastische Reduktion der Handynutzung, insbesondere bei kleinen Kindern, und vor allem die dringend nötige Aufklärung über die Risiken von EMF sind unabdingbar, um die gesunde Gehirnentwicklung zu schützen. Wir können nicht länger tatenlos zusehen, wie die Gesundheit unserer Kinder aufs Spiel gesetzt wird!“
Die besondere Brisanz besteht also in der Wechselwirkung von psycho-sozialen und strahlungsbedingten Schädigungen. Die Politik muss eine Schlussfolgerung ziehen: Die Smartphone-Verbote sind ein Anfang, WLAN-Verbote müssen folgen. Der Spuk der Digitalen Bildung muss ein Ende haben, nicht nur bei unseren europäischen Nachbarn, sondern auch in Deutschland.
Es braucht eine pädagogische Wende! Wie diese Aussehen kann und welche Kriterien angelegt werden müssen, das wird im Appell "Humane und emanzipierende Bildungspolitik vs. digitale Transformation" entwickelt:
Initiatoren und Erstunterzeichner:innen: https://die-pädagogische-wende.de/wp-content/uploads/2025/02/01-aufruf-bildung_2025.pdf
Hintergründe: https://die-pädagogische-wende.de/wp-content/uploads/2025/02/02-hintergruende-bildung-2025.pdf
Literatur und Quellen: https://die-pädagogische-wende.de/wp-content/uploads/2025/02/03-literatur-bildung-2025.pdf
Internetseiten der Verfasser des Appells: Die pädagogische Wende, Bündnis für humane Bildung
Regelungen und Maßstäbe zum altersbedingten Einsatz digitaler Medien definiert die „Leitlinie zur Prävention dysregulierten Bildschirmmediengebrauchs in Kindheit und Jugend“ der deutschen Fachverbände.
Quellen
[1] https://www.staatsanzeiger.de/nachrichten/politik-und-verwaltung/schopper-will-private-handynutzung-an-schulen-einschraenken/
[2] Zumindest seit 2012, beginnend mit dem Buch „Die digitale Demenz“ von Manfred Spitzer, dann mit „Die Lüge der digitalen Bildung“ (2015) von Lembke/Leipner und „Medienmündig“ (2016) von Paula Bleckmann lagen die Fakten über das Schädigungspotential auf dem Tisch.
[3] Bereits 2007 wies Jochen Krautz in seinem Buch „Ware Bildung“ nach, dass die Digitale Bildung ein Geschäftsmodell der Industrie ist. Der Soziologe Richard Münch legte dazu detaillierte Analysen vor, „Globale Eliten, lokale Autoritäten. Bildung und Wissenschaft unter dem Regime von PISA, McKinsey&Co“ (2009), „Der bildungsindustrielle Komplex“ ( 2018), "Effektive Schulsteuerung. Bilanz einer globalen Reformagenda“ (2025). Jeder verantwortliche Pädagoge und Bildungspolitiker konnte wissen, dass ein neoliberaler Umbau der Schulen durchgesetzt werden soll. Tim Engartner (Raus aus der Bildungsfalle, 2024) beschreibt den Irrweg und Ausweg:
- "So dominiert in Bildungspolitik und Administration derzeit ein Verständnis von Bildung, das auf ökonomische Verwertbarkeit ausgerichtet ist und damit einen warenförmigen Charakter annimmt. Bildungseinrichtungen sollen das liefern, was der Arbeitmarkt verlangt: Employability statt Mündigkeit und Reflexion lautet das Credo." (S.34). Dem setzt Engartner die Aufgabe von Schule entgegen:
- "Aber herrscht nicht Einigkeit, dass Bildung es Lernenden ermöglichen soll herauszufinden, was in ihnen steckt, und zwar alles, - sprich eine ganze Welt, nicht nur die Berufswelt? Dieser bewährte Gedanke steht im Widerspruch zu den jüngeren Entwicklungen unseres Bildungssystems." (S.35)
[4] Markowetz, A. (2015): Digitaler Burnout, München
[5] Die Leitlinie zum Mediengebrauch weist auf diesen nicht beachteten Widerspruch hin. In Betrieben gelten strenge Regeln für die ergonomische Arbeitsplatzgestaltung der Büroarbeit, die bei der Einführung von Tablets an Schulen ignoriert werden: „Es gibt gute Gründe anzunehmen, dass digitaler Unterricht dieselben Beschwerdebilder mit sich bringt, wie die klassische Büroarbeit bzw. Bildschirmtätigkeit: Kopfschmerzen, Nervosität, Reizbarkeit, muskeloskelettale Erkrankungen und Erkrankungen der Augen. Ein großer Teil der Kinder verfügt über keinen Zugang zu umfassend ausgestatteten PC-Arbeitsplätzen und folgt somit dem digitalen Unterricht auf mobilen Endgeräten. Nicht zuletzt, weil viele Schulen zur Sicherstellung des digitalen Unterrichts dazu übergegangen sind, Tablets in großen Mengen zu kaufen oder von der Industrie als Geschenk entgegen zu nehmen, und als Leihgeräte an Schüler auszugeben. Diese Entwicklung ist bedenklich, da die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin aufgrund der erhöhte Risiken physischer Beanspruchung dazu rät, Tablets und Smartphones nur kurzzeitig zu nutzen .“ (LL S.17)
Allein aus Grund der Ergonomie der Arbeitsplatzgestaltung müssten Tablets und Smartphones verboten sein. Siehe dazu den Artikel: VBE-Kampagne für Tablets an Schulen: Die Brillenbranche freut sich über kurzsichtige Kinder! Gelten BG-Schutzvorschriften für Erwachsene nicht für Kinder!?
Prof. Manfred Spitzer hat in einem Review dramatische Folgen dokumentiert, u.a. dass die frühe Kurzsichtigkeit, die stark ansteigt, zu früher Erblindung führen kann.
[6] Korte, M. (2023): Frisch im Kopf. Wie wir uns aus der digitalen Reizüberflutung befreien, DVA, S.70, 145
[7] https://newsroom.vodafone.de/unternehmen/go-real-life-leb-im-jetzt-statt-im-netz
https://www.smartweb.de/vodafone-werbung-go-real-life
https://youtu.be/ivLtuOCkIUk
Der SPIEGEL-Leitartikel von Malte Müller-Michaelis "Vermittlung von Medienkompetenz. Lasst den Schülern ihre Smartphones" (21.03.2025), flankiert und legitimiert die Industrieargumente.
[8] Armin Käfer: Die Wucht des Wandels, Stuttgarter Zeitung, 22.03.2025
[9] Münchner Merkur, Ausgabe Isa-Loisachbote, 4.7.2024
[10] Edwin Hübner (2025): Smarter Weltverlust, in Gesundheit & Pädagogik, Nr. 110, Frühjahr 2025
[11] Kuroczik J (2023): Die Gefahr der sozialen Medien für Kinder, FAZ 15.12.2023
[12] Lankau R (2024): Algorithmus und Avatar im Klassenzimmer, Monatsschrift Kinderheilkunde, Springer, Online 11.07.2024, https://www.springermedizin.de/algorithmus-und-avatar-im-klassenzimmer/27334686
[13] Möller, Ch., Fischer, FM. (2023): Internet- und Computersucht. Ein Paxishandbuch für Therapeuten, Pädagogen und Eltern, 3. Auflage, Kohlhammer Stuttgart
[14] DAK-Studie (2023): https://www.dak.de/dak/bundesthemen/dak-studie-in-pandemie-hat-sich-mediensucht-verdoppelt-2612364.html#/
DAK-Studie (2025): https://www.dak.de/presse/bundesthemen/kinder-jugendgesundheit/dak-suchtstudie-millionen-kinder-haben-probleme-durch-medienkonsum-_91832
[15] https://www.dhs.de/suechte/alkohol/zahlen-daten-fakten
[16] Bamdad K, Adel Z, Esmaeili M (2019): Complications of nonionizing radiofrequency on divided Attention. Journal of Cellular Biochemistry 120 (6), https://www.emfdata.org/de/studien/detail?id=555
Chaturvedi CM et al. (2011): 2.45 GHz (CW) microwave irradiation alters circadian organization, spatial memory, DNA structure in the brain cells and blood cell counts of male mice, mus musculus. Progr Electromagn Res B 29, 23–42, https://www.emfdata.org/de/studien/detail?id=238
Foerster M, Thielens A, Joseph W, Eeftens M and Röösli M (2018): A Prospective Cohort Study of Adolescents’ Memory Performance and Individual Brain Dose of Microwave Radiation from Wireless Communication. Environmental Health Perspectives, Vol. 126, No. 7, ResearchOpen Access,
https://www.emf-portal.org/de/article/35641 ; Video mit Prof. Michael Kundi (Med. Uni Wien) zur Bedeutung der Studie: www.youtube.com/watch?v=07G65fE0xEM, https://kurzlinks.de/xmtd
Gupta SK, Mesharam MK, Krishnamurthy (2018): Electromagnetic radiation 2450 MHz exposure causes cognition deficit with mitochondrial dysfunction and activation of intrinsic pathway of apoptosis in rats, J Biosci 43, 263–276 (2018), https://www.emfdata.org/de/studien/detail?id=679
Karimi N, Bayat M, Haghani M, Saadi H F, Ghazipour G R. (2018): 2.45 GHz microwave radiation impairs learning, memory, and hippocampal synaptic plasticity in the rat. Erschienen in: Toxicology and Industrial Health 2018; 34(12), 873–883, https://www.emfdata.org/de/studien/detail?id=507
Kim Ju Hwan, Kyung Hwun Chung, Yeong Ran Hwang, Hye Ran Park, Hee Jung Kim, Hyung-Gun Kim and Hak Rim Kim (2021): Exposure to RF-EMF Alters Postsynaptic Structure and Hinders Neurite Outgrowth in Developing Hippocampal Neurons of Early Postnatal Mice, Int. J. Mol. Sci. 2021, 22, 5340, https://www.emfdata.org/en/studies/detail?id=606
Kim JH, Seok JY, Kim YH, Kim HJ, Lee JK, Kim HR (2024): Exposure to Radiofrequency Induces Synaptic Dysfunction in Cortical Neurons Causing Learning and Memory Alteration in Early Postnatal Mice. International Journal of Molecular Sciences, 25(16). https://www.emfdata.org/en/studies/detail?id=860
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Shahin S, Banerjee S, Singh SP, Chaturvedi CM (2015): 2.45 GHz Microwave Radiation Impairs Learning and Spatial Memory via Oxidative/Nitrosative Stress Induced p53-Dependent / Independent Hippocampal Apoptosis: Molecular Basis and Underlying Mechanism. Toxicological Sciences 148 (2), 380–399, https://www.emfdata.org/de/studien/detail?id=198
Shahin S et al. (2018): 2.45-GHz Microwave Radiation Impairs Hippocampal Learning and Spatial Memory: Involvement of Local Stress Mechanism-Induced Suppression of iGluR/ERK/CREB Signaling. Toxicological Sciences 161 (2), 349–374, https://www.emfdata.org/de/studien/detail?id=734
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Zhu, R., Wang, H., Xu, X., Zhao, L., Zhang, J., Dong, J., Yao, B., Wang, H., Zhou, H., Gao, Y., & Peng, R. (2021). Effects of 1.5 and 4.3 GHz microwave radiation on cognitive function and hippocampal tissue structure in Wistar rats. Scientific Reports, 11(1), 1–12, https://www.emfdata.org/de/studien/detail?id=761