Ärzte auf Abwegen?
Die Publikation des BfS fußt auf einer Studie der LMU München von Forster et al. (2025) „Risks of electromagnetic fields from the perspective of general practitioners and pediatricians“, die jetzt als Fachartikel publiziert wurde. Die Studie von Forster et al. liefert aufschlussreiche Daten, aber noch mehr, sie dokumentiert eine tiefsitzende Voreingenommenheit. Obwohl die Autoren keine Experten für nicht-ionisierende Strahlung sind, gehen sie von einer scheinbar klaren Prämisse aus: Mobilfunkstrahlung sei unschädlich. Mit der Studie soll herausgefunden werden, wie viele Ärztinnen und Ärzte diese Meinung nicht haben, wie sie dazu kommen, und wie man sie deshalb von der Meinung, Mobilfunkstrahlung sei gesundheitsschädlich, abbringen kann. So lautet der erste Satz der Studie:
- „Obwohl es nur wenige Belege für gesundheitsschädliche Wirkungen durch die Exposition gegenüber elektromagnetischen Feldern (EMF) unterhalb der gesetzlichen Grenzwerte gibt, ist die Besorgnis über diese Wirkungen in der Allgemeinbevölkerung relativ häufig. Für viele Menschen sind Allgemeinmediziner und Kinderärzte der erste Kontakt mit dem Gesundheitssystem. Daher ist es wichtig, ihre EMF-Risikowahrnehmung zu verstehen.“
- „Ein erheblicher Teil der Haus- und Kinderärzte mit hoher Risikowahrnehmung sind Ärzte mit geringem subjektivem Wissen über EMF, die EMF unterhalb der gesetzlichen Grenzwerte als Ursache für unspezifische, unklare Symptome nicht vollständig ausschließen können und daher offen sind für Vorschläge von Patienten zu EMF als mögliche Ursache.“
Damit ist das manipulative Studienziel vorgegeben. Der Untersuchung liegt die Überzeugung zugrunde, es gäbe keine Risiken durch EMF und schon gar keine Elektrohypersensibilität. Die Mediziner, 28,2% der Befragten, die „EMF als mögliche Ursache“ für Beschwerden sehen, verfügten über ein „geringes subjektives Wissen“. Vom angeblichen Irrglauben an Risiken müssten diese Mediziner abgebracht werden. Diesem Framing wird die Dateninterpretation angepasst. Wer an Risiken auf Grund mangelnden Wissens glaube, sei ein Esoteriker oder Verschwörungstheoretiker. Besorgt zeigt sich die Studie, dass in älteren Studien in Österreich 77%, in der Schweiz 61 %, in den Niederlanden 62% und in Deutschland zwischen 32 und 58% der Hausärzte EMF als Ursache sahen. Heute, so die Untersuchung, würden rationale Mediziner, ca. 47, 9% der Befragten, dagegen begreifen, dass EHS eine Einbildung und „psychosomatischer Natur“ sei und deshalb auch als psychische Erkrankung behandelt werden müsse.
Wes Brot ich ess, ….
Das BfS sieht seine Aufgabe darin, die Bevölkerung von der Ungefährlichkeit der Mobilfunkstrahlung zu überzeugen und lässt dafür Strategien zur Risikokommunikation erarbeiten. Die Studie von Forster et al. fußt auf dieser Erwartung des Auftraggebers BfS. Ein typischer, allerdings bewusster Confirmation Bias (Bestätigungsfehler), um bestehende Vorgaben, Überzeugungen oder Annahmen zu bestätigen, sicher bei guter Entlohnung. Eine wissenschaftliche Studie hätte die Ärzte nach ihrem Risiko- oder Nicht-Risikobewusstsein befragt, ihre Begründungen ernst genommen und dargelegt.
Angesichts der Studienlage über nachgewiesene Risiken, z.B. der Aussagen im TAB des Deutschen Bundestages, im STOA-Bericht für die EU, im Bericht des EWSA (Europäischer Wirtschafts- und Soziaalausschuss), vieler peer-reviewed erschienener Einzelstudien und 139 Überblicksstudien, betreiben Forster et al. im Auftrag des BfS objektiv Wissenschaftsleugnung im Dienste der Industrie. Der Aufwand des BfS zur Vertuschung der Studienlage ist groß, wir setzen uns damit permanent auseinander, u.a. in den Brennpunkten "Die Auseinandersetzung um die Deutungshoheit zu Risiken der Mobilfunkstrahlung", zum "Kausalitätsbetrug", zum Lobbyismus, im Überblick Nr.5 zur Elektrohypersensibilität, in unserem Online-Kompass zur Studienlage und zuletzt zu den manipulativen BfS/ICNRP Reviews, die in einer Pressekampagne als WHO-Studien ausgegeben wurden (Publikationen s.u.). Die Methoden zur Sicherung der manipulativen Deutungshoheit wurden bereits von David Michaels und in den EU Dokumentationen „Späte Lehren aus frühen Warnungen“ als Handlungsmuster der Industrie und serviler, drittmittelgeschwängerter Wissenschaftler analysiert.
___________________________________________________________________________








