Werner Thiede: Gesundheitsrisiken durch Mobilfunk?

Zur internationalen Debatte um den 5G-Standard
Der Theologe Prof. Werner Thiede publizierte zu den gesellschaftlichen Veränderungen durch die Mobilfunktechnologie mehrere Bücher und Zeitungsbeiträge aus theologischer und ethischer Sicht, auch mit einem großem Wissen um den Forschungsstand. Er blickt nun zurück auf die ab 2019 geführte heftige Debatte um die Einführung der 5G-Technologie. Dutzende Bürgerinitiativen enstanden in dieser Zeit. Sie kritisierten, dass 5G ohne Technikfolgenabschätzung eingeführt wird. Die Bundesregierung konterte mit einer Medienkampagne „Deutschland spricht 5G“. Auch traten Trittbrettfahrer aus Sekten, scheinmedizinische Experten, Alarmisten und Harmonizer-Verkäufer auf, die den Widerstand für sich instrumentalisieren wollten. Werner Thiede arbeitet diese Auseinandersetzung in einem lesenswerten Artikel auf.
Prof. Werner Thiede, privat

Werner Thiede: Gesundheitsrisiken durch Mobilfunk? Zur internationalen Debatte um den 5G-Standard

 

Einleitung

I. Behördliche Verharmlosungen von 5G-Mobilfunk

  • „ICNIRP“ und „Technikfolgenabschätzung“ – neutrale Einrichtungen?
  • Wissenschaftliche Nachweise für Schädigungen viele Jahre ignoriert

 

II. Wissenschaftliche und medizinische Warnungen vor 5G

  • 5G-Signal mit verstärkten biologischen und gesundheitlichen Effekten
  • 64 Strahlenkeulen pro Sektor-Antenne

III. Verschwörungstheoretische und esoterische Perspektiven auf 5G

  • 5G-Filter nach Hermes Trismegistos
  • Keineswegs alle 5G-Kritik ist „Geschwurbel“

>>> Artikel, 10 Seiten, zum Ausdrucken

Einleitung

Um das strittige Thema „5G“ ist es ruhiger geworden. Diese Mobilfunk-Technologie ist – zu­sammen mit der Digitalisierung im Ganzen [1] – ein immer selbstverständlicherer Teil der gesamtge­sellschaftlichen Infrastruktur geworden, zumal Kritikern der technokratischen Ent­wick­lung an­scheinend etwas die Luft ausgegangen ist. Wer nach wie vor die digitale Trans­formation und insbesondere 5G skeptisch betrachtet und Gesundheitsrisiken mit ihnen ver­bindet, gilt all­zu rasch als Esoteriker oder gar als Verschwörungstheoretiker.

So äußerte sich beispielsweise in Deutschland Kai Funkschmidt herablassend, indem er „die Angst vor Elektrosmog“ unter der Überschrift „Der Glaube an Paranormales geht zu­rück“ etwa dem UFO-Glauben gleich­stellte[2] und mutmaßte, in den relativ hohen Prozent­zahlen hin­sichtlich einer kritischen Ein­stel­lung zur Mobilfunk­strahlung würden sich möglicherweise Verschwörungs­theorien „im Zu­sam­men­hang des G5-Mobilfunkstandards“ auswirken. Allein schon der Um­stand, dass Funkschmidt von „G5“ statt wie üblich von „5G“ spricht, lässt ver­muten, dass er über einen gerin­gen Kennt­nis­stand zum Thema bzw. zum Sprachgebrauch in Deutschland verfügt. Tatsächlich liegen zu dem umstrittenen neuen Mobil­funk­standard im Unterschied etwa zu Wünschelrutengehen oder UFO-Glaube inter­national etliche seriöse Untersuchungen vor, die in gesundheitlicher Hinsicht durchaus zu Be­sorgnis An­lass geben. Die unsichtbare Strahlung ist nichts „Paranormales“, sondern phy­sikalisch messbar und hin­sichtlich ihrer biologischen Auswirkungen zumindest ein Stück weit über­prüf­bar. Allerdings ver­binden sich mit den zum Teil widersprüchlichen wissenschaftlichen Resultaten auf diesem Ge­biet zweifellos unterschiedliche weltanschauliche, ideologische und ökonomische Interes­sen, so dass intensivere Kommunikation darüber politisch dringend erforderlich wäre.

In den meisten Ländern sind bereits größere Teile der Bevölkerung mit ersten 5G-Varianten „versorgt“. Vielfach ist eine nahezu vollständige Abdeckung angepeilt. Deshalb sind Fragen der Ge­sundheits­verträglichkeit dieser noch neuen Technologie von ­größ­tem Ge­­wicht. Und das besonders seit dem 8. Oktober 2021 – denn da wurde ein neues Men­schenrecht von den Ver­einten Nationen anerkannt: Überall auf der Welt, also flächendeckend haben Men­schen das Recht auf ein Leben in einer gesunden Umwelt[3]. Was dieses Menschen­recht ange­sichts des flä­chen­deckend geplanten 5G-Mobilfunk bedeutet, muss noch ausgelotet werden. Die Frage drängt sich seither jedenfalls verstärkt auf: Ist 5G wirklich so harmlos, wie vielfach be­hauptet wird, oder in Wahrheit doch gesundheitlich riskant? Reduktio­nistische Be­hand­lungen dieses wissenschaftlich zu ergrün­denden Prob­lems verbieten sich angesichts des Ernsts der Frage eigentlich von selbst.

Wäh­rend die einen 5G begeistert als „Schlüssel zur Zukunft“[4] begrüßen und den flächen­deckenden Ausbau gar nicht mehr erwarten können, fürchten andere seine bedrohlichen Eigen­­schaften hinsicht­lich Daten­schutz und Gesundheit. Gerade weil die Bevölkerung in die­sen Hinsichten gespalten ist, bedarf es offenbar teurer Reklame-Maß­nahmen. TV-Spots sug­gerieren mit romantischen Bildern wunderbare zwischenmensch­liche Verbundenheit dank der nahezu in Echtzeit funktionierenden Übertra­gungs­­technologie. Größ­te Nähe kann man bei­spiels­weise einem deutschen Youtube-Spot zufolge kaufen: „Seid #DABEI, wenn mit 5G nichts mehr zwi­schen uns steht. Jetzt bei der Telekom bestel­len!“[5] Tatsächlich fruch­tet solche Werbung: Die Bedenken in der deutschen Bevölkerung gegen­über 5G haben sich in den letzten Jahren vermindert[6]. Indes – hätte ein gericht­liches Verbot nicht auch aufgrund ge­sund­heitlicher Besorgnis beziehungsweise politisch angesagter Vorsorge hinsicht­lich möglicher biolo­gischer Effekte der elek­tromagnetischen Felder (EMF)[7] erfolgen können und sollen?

Zu dieser gewichtigen Frage – immerhin geht es hier um das Grundrecht auf körperliche und geistige Unver­sehrtheit, das beispielsweise in der Charta der Grundrechte der Europäischen Union ganz vorne (Art. 3) verankert ist – gibt es im Wesentlichen drei unterschiedliche Arten von Stel­lungnahmen.

  • Die erste ist die behördliche mit ihren Bezügen auf wissenschaft­liche Stu­dien und auf die – allerdings umstrittene – Einrichtung mit dem Na­men Interna­tio­nale Kom­mis­sion für den Schutz vor nichtioni­sieren­der Strah­lung (ICNIRP).
  • Die zweite Art be­trifft 5G-kritische wissenschaftliche und ärztliche Studien, die vor allem auch das Vorsor­ge-Gebot hervorheben.
  • Und die dritte Art besteht in verschwö­rungstheoreti­schem oder esote­rischem Alar­mismus, der sich dadurch auszeichnet, dass er eher „ge­heimwissen­schaft­liche“ Faktoren und wenig seriöse, wissenschaftlich ernst zuneh­mende Belege aufzuweisen hat.

Auf alle drei sorgfältig zu unterscheidenden Thema­tisie­rung von 5G will ich hier ein­gehen.

Anti-5G Demo in BernBild: Martin Zahnd

I. Behördliche Verharmlosungen von 5G-Mobilfunk

Dass staatlicherseits mobilfunkkritische Töne kaum zu erwarten sind, versteht sich von dem Umstand her, dass Mobilfunkfrequenzen für stolze Summen vom Staat an die entsprechenden Konzerne versteigert wurden. Am 1. Dezember 2020 startete die deutsche Bundesregierung im Internet per Livestream zum Thema 5G einen Bürgerdialog, in dem „aufgeklärt“ und Fra­gen beantwortet werden sollten. Einträchtig erklärten damals der Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer, die Bundesumweltministerin Svenja Schulze sowie Inge Paulini als Präsi­dentin des Bun­desamtes für Strahlenschutz (BfS), 5G könne in allen Frequenzen bedenkenlos ein­ge­führt werden. Die gesundheitlichen Auswirkungen von Mobilfunk seien in vielen Stu­dien sehr gut erforscht, und un­terhalb der geltenden Grenzwerte seien bislang keine gesund­heitlichen Aus­wirkungen bewiesen worden. Allenfalls zu den höheren Frequenzen über 20 Gigahertz gebe es noch Unsicherhei­ten[8]. Warum aber erfolgten dann bereits im Mai 2021 von der Bundes­netzagentur erste Zuteilungen sogar im hohen 26-GHz-Bereich für lokale und regio­nale 5G-Netze[9]? Ge­rade diese höheren Frequenzen sind tatsächlich noch sehr wenig er­forscht. Gleich­wohl haben zum ge­nannten Zeitpunkt Deutschland und Frankreich einen För­deraufruf zu 5G gestartet. Wird der problematischen Kultur stetigen Wachstums und Fort­schritts[10], in diesem Fall: des immer noch schnelleren Übertragungs­tempos, alles andere unter­geordnet? Die deutsche Bundesregierung jedenfalls gibt in Sachen 5G pauschal Ent­warnung[11]. Es kann offenbar nicht wahr sein, was nicht nicht wahr sein darf[12].

Und in der Tat hören sich auch wissenschaftliche Studien angesichts verbreiteter Ängste vor 5G entwarnend an[13]. So wird etwa Professor Georg Fischer vom Lehrstuhl für Technische Elektronik an der Univer­sität Erlangen-Nürnberg in der Universitätszeitschrift friedrich (Nr. 120/2021) wie folgt zitiert: „Wenn es überhaupt negative Effekte auf die Gesund­heit geben sollte – das ist alles noch nicht wissenschaft­lich bewiesen –, so denke ich, dass diese eher bei den athermischen Effekten zu suchen sind.“ Die hier gemeinten bloßen Wärme-Wirkungen könn­ten seinen Aus­führungen zufolge überhaupt bloß bei den 2G-Sys­temen wie GSM und TETRA auftreten; die Mobilfunkstandards 3G (UMTS), 4G (LTE) und 5G hätten keine entsprechende Pulsierung. Deshalb meint Fischer sagen zu können: „Gemäß heutigem Stand der Wissen­schaft und Tech­nik sind keine negativen Auswirkungen von 5G auf die Ge­sundheit zu er­warten.“ Immerhin räumt er ein, bei der Frage nach dem Gesund­heits­risiko einer neuen Technologie müsse man sich bewusst sein, dass die betreffenden Er­kennt­nisse nicht über den aktuellen Stand der Wis­senschaft hin­ausgreifen könnten.

„ICNIRP“ und „Technikfolgenabschätzung“ – neutrale Einrichtungen?

Für Entwarnung sorgt insbesondere stets die eingangs erwähnte Interna­tio­nale Kom­mis­sion für den Schutz vor nichtioni­sieren­der Strah­lung (ICNIRP). Sie publizierte 2020 ihre über­arbei­teten Sicherheitsrichtlinien für die Exposition gegenüber hochfrequenter Strahlung, die von draht­losen Kommunikationsgeräten und Netzwerken ausgeht[14]: Darin wird auch mit Blick auf die 5G-Strahlung versichert, dass die Gesundheit der Nutzer vollkommen geschützt blei­be. Der ICNIRP-Vorsitzende Rodney Croft, Professor für Psychologie an der Wollon­gong-Uni­versität in Australien, beteuerte in einem Interview im australischen Fernsehen am 16. Juni 2020 ausdrücklich, es gebe keine Schädigung in Verbindung mit 5G[15]. Er räumte zugleich ein, dass die Anzahl der Studien, die sich speziell mit 5G beschäftigen, sehr begrenzt seien – aber das sei aus wissenschaftlicher Sicht „überhaupt nicht relevant.“

Hierzu muss man freilich wissen, dass der ICNIRP seit langem enge Verbindungen zu jenen Industriebran­chen vorge­worfen werden, deren technische Neu­entwicklungen von möglichst hoch angesetzten Grenz­werten in allen EMF-Fre­quenzbereichen profitierten[16]. Bis heute sind zwar die ICNIRP-Richtlinien von der Weltge­sund­heitsorganisation (WHO) förm­lich aner­kannt und auch in der EU in Gel­tung. Doch ihre ver­dächtige Industrienähe ist schon 2019 im Berliner Tagesspiegel dank gründli­cher journalis­tischer Recherchen bestätigt wor­den[17]. Mitte 2020 haben die beiden EU-Abge­ordneten Michèle Rivasi (Europe Écologie) und Klaus Buch­ner (Ökologisch-Demokra­tische Partei) den Report „Die Interna­tionale Kom­mission zum Schutz vor nichtionisierender Strah­lung: Interessenkonflikte, ‚Cor­porate Cap­ture‘ und der Vorstoß zum Ausbau des 5G-Netzes“ in Auftrag gegeben, koordiniert und veröf­fentlicht. Er erschien in englischer, franzö­sischer und deutscher Sprache in Brüssel[18]. Nicht von ungefähr hat in den Niederlanden 2021ein Gericht bekräftigt, dass die von ICNIRP vorgeschlagenen und in vielen europäischen Län­dern gesetz­lich vorge­schrie­benen Grenzwerte den Schutz der Ge­sundheit nicht sicherstel­len. Außerdem hat im selben Jahr ein Ausschuss des Europa­par­lamentes, der sich mit Wissen­schaft und Technikfol­gen­abschätzung befasst, eine brisante Stu­die veröffentlicht unter dem Titel „Gesundheitliche Auswirkungen von 5G. Aktueller Kennt­nisstand über die mit 5G ver­bun­denen karzinogenen und reproduktiven Ent­wick­lungsrisiken, wie sie sich aus epide­mio­logischen Studien und ex­perimentellen In-vivo-Studien ergeben“[19]: Diese Aufarbei­tung des Forschungsstandes kriti­siert ebenfalls ausdrücklich die ICNIRP.

Sofern sich Behörden also direkt oder indirekt auf die ICNIRP berufen, ist das gerade aus seriöser Sicht wenig glaubwürdig. Man wird sich daher bei einer anderen Institution umzu­sehen haben, nämlich bei jenen Büros, die sich offiziell mit der sogenannten Technikfol­gen­abschätzung befassen. Aber ist wenigstens diese „Technikfolgenabschätzung“ neutral? In der Zeitschrift für Technikfolgenabschätzung in Theorie und Praxis (TATuP) erklärten dazu Linda Nier­ling und Helge Torger­sen, zwar habe Neu­tra­lität lange als un­hin­terfragte Grund­lage im Selbst­ver­ständ­nis von Tech­nik­folgenabschätzung gegolten; in­zwi­schen aber sei „Neu­tralität als Mythos der Technik­fol­gen­ab­schät­zung“ entzaubert[20]. War einst der Neutra­litäts­an­spruch „Voraus­setzung, um Tech­nik­fol­gen­abschät­zung im politi­schen Kon­text zu instal­lie­ren“, so versuche man heut­zutage, sich über Wer­te­­grundlagen der Tech­nik­fol­genab­schät­zung erst einmal zu ver­stän­di­gen – und da stehe man noch ganz „am An­fang“. Soll also 5G-Mobil­funk von einer Technik­fol­gen­ab­schät­zung be­trach­tet und bewertet werden, die sich über ihre Wertebe­züge noch gar nicht wirk­lich sel­ber im Kla­ren ist? Solch ein Befund öffnet lob­by‑ge­lenk­ter Will­kür Tür und Tor. Und tat­sächlich endet der zitierte Zeitschriftenbeitrag mit einem Plädo­yer dafür, dass unter­schied­li­che „Interessen und Sicht­weisen bzw. Welt­an­schau­ungen“ zu inte­grieren seien: Es bleibe „zen­trale Her­aus­forderung“ für die mit Technikfol­gen­ab­schät­zung Be­fassten, „ge­wis­se nor­mative Setzungen“ zu ver­handeln und „an­zupassen“[21]. Dabei klingt der Begriff der geforderten Anpassung auch wieder etwas merkwürdig, ja ver­dächtig. Prompt erfährt man noch in derselben Ausgabe der genannten Zeitschrift: „Infolge von Ver­än­de­rungen im Wis­sen­schafts­be­trieb spielen … externe Geldquellen eine zu­nehmen­de Rolle im alltäglichen Projekt­be­trieb und verän­dern zugleich zuse­hends dessen Cha­rak­ter.“[22] Gerade beim Thema 5G fällt auf: Das Büro für Technik­folgen­abschätzung beim Deut­schen Bundestag gab 2021 bei der Schweizer Mobilfunk-Lobby, nämlich bei der Forschungs­stiftung Strom und Mobilfunkkommunikation eine Studie zu Ge­sund­heitsgefahren der Mobil­funkstrahlung in Auftrag[23] – kann man sich hier nicht im Voraus denken, dass Ent­war­nung gegeben wird? Immerhin weiß dieses „Büro für Technik­folgenab­schätzung“: Die jahrelange Erfor­schung der Strahlen-Effekte auf lebende Orga­nismen ist bis heute zu teils nicht ein­deutigen, nicht über­ein­stimmenden Befunden gekom­men, woraus unterschiedliche und „kon­träre Inter­pretationen resul­tieren.“[24] Damit wird indirekt bestätigt, dass in wissen­schaft­licher Hinsicht keine ein­deutigen oder einseitig in Anspruch zu nehmen­den Resultate etwa zu 5G vorliegen.

Wissenschaftliche Nachweise für Schädigungen viele Jahre ignoriert

In Österreich hat das dortige Institut für Technik­folgenabschätzung dem Parla­ment eine Stu­die vorge­legt, die ihrerseits unterstreicht: Gesund­heitliche Risiken des etablierten Mobil­funks wer­den demnach trotz großer Forschungs­bemü­hungen weiter­hin kontrovers diskutiert, und zu 5G ste­hen einschlägige Studien noch fast gänz­lich aus. Umso ehrlicher wird hier die wissen­schaftliche Lage zum Thema 5G beschrieben. Das hat auch mit der besseren Aufklärungs­arbeit zum Thema Mobilfunk in Österreich zu tun. So erklärt Professor Thomas Sze­keres als Präsi­dent der Österreichischen Ärztekammer: „Auf Basis der bis­he­rigen In­for­ma­tionen ist durch den Auf­bau von 5G mit einer weiteren, und zwar erheb­li­chen, schon derzeit vieler­orts zu intensi­ven Hoch­frequenzexposition der Bevöl­kerung zu rechnen. Rie­­sige Daten­mengen mit­tels Mikro­wellen­technik im un­mit­telbaren Lebensbe­reich des Men­schen zu über­tra­gen, ist aus ärztlicher Sicht als eine Fehlent­wick­lung zu sehen.“[25] Risiken sind hiernach keineswegs behördlich aus­zu­schließen.

Nicht von ungefähr hat die SWISS RE, einer der weltweit größ­ten Rück­ver­siche­rer, bei der 5G-Techno­logie „Be­denken hin­sicht­lich ge­sund­heit­li­cher, Daten­­schutz- und Sicher­heits­risi­ken“ ge­äußert[26]. Wenn die einstige Digitalministerin Dorothee Bär also „etwas tun will gegen Bedenken­träger“, wie sie im Wahlkampf 2021 sagte[27], dann müsste sie sich auch gegen die Skepsis bei großen Versicherungs­kon­zernen wenden. Behördliche und politische Verharm­losungen von 5G erweisen sich bei nähe­rem Zusehen als höchst einseitig und keineswegs ver­lässlich. In dieses Bild passt eine Äuße­rung des Rats der EU von 2020: In seinen „Schluss­folgerungen zur Gestal­tung der digi­talen Zu­kunft Euro­pas“ stufte er Informa­tio­nen, wo­nach das 5G-Netz eine Gefahr für die Ge­sundheit dar­stelle, aus­drücklich und sehr einseitig als Falsch­behaup­tung ein, gegen deren Ver­breitung vorzu­ge­hen sei[28]. Auch war zuvor von Seiten des bis 2019 amtierenden EU-Gesund­heitskom­missars Vytenis Andriukaitis zu hören, die Anwendung des in den EU-Verträgen fixierten Vorsorge­prinzips auf die Mobilfunk-Technologien sei „eine zu drastische Maßnahme“[29]. Ob zu dras­tisch oder vielmehr höchst fällig – diese Einstufung hängt davon ab, ob man die wis­sen­­schaft­lichen Befunde zur 5G in ihrer ganzen Breite oder nur selektiv wahrnimmt. 2021 hat das US-Bundesgericht die amerikanische Regulierungsbe­hörde Federal Com­mu­ni­cation Commis­sion (FCC) verpflichtet, endlich darzulegen, warum sie wissen­schaftliche Nach­weise für Schäden durch drahtlose Strahlung seit vielen Jahren ignoriert habe – ein inter­national wegweisendes Urteil, das nicht zuletzt die Situation der sogenannten Elek­tro(hy­per)sensiblen[30] und ihre mangelhafte Würdi­gung von behördlicher Seite beleuchtet.

Ärzte demonstrierten in StuttgartBild:diagnose:funk

II. Wissenschaftliche und medizinische Warnungen vor 5G

Der Computerwissenschaftler James Bridle erklärt in seinem Buch „New Dark Age“: „Wis­senschaft hängt von Vertrauen ab – Vertrauen zwischen den Forschenden und Vertrauen der Öffentlichkeit in die Forschung. Geht dieses Vertrauen verloren, fügt das der Zukunft wis­senschaftlicher Forschung enormen Schaden zu…“ Auf dem Gebiet der Forschung zu Mobilfunk und speziell zu 5G ist solches Vertrauen offenbar längst verspielt; die Fronten scheinen verhärtet zu sein. Es gibt sie jedenfalls in so manchen Ländern: wissenschaftliche Studien und ärztliche Verlautbarungen, die „5G“ entgegen dem sogenannten „Mainstream“ der Forschung als riskant einstufen[31]. Hier kann davon nur eine Auswahl mit einem Schwer­punkt auf Europa präsentiert werden; sie soll verdeutlichen, dass verharmlosende Bescheide keineswegs die Rückendeckung „der“ Wissen­schaft haben[32]. Dabei sollte wissen­schafts­theo­retisch klar sein, dass es Wissen­schaft ohnehin nur pluriform, stets im Fluss befindlich und eher selten ohne gegen­sätzliche Meinungen gibt[33]. Das gilt beispielsweise auf dem Gebiet der Physik – und natürlich auch auf dem Gebiet der Mobilfunkforschung, insbesondere zu 5G[34].

Thiede:Mythos Mobilfunk

Werner Thiede: Mythos Mobilfunk. Kritik der strahlenden Vernunft, oekom: München 2012, € 19,95. Der Theologieprofessor und Publizist  Werner Thiede zeigt, dass sich mittlerweile ein gesamtgesellschaftlich wirksamer Mythos Mobilfunk herausgebildet hat, der begeisterte Anwendung zu fördern und Kritik kleinzureden oder zu verschweigen bemüht ist. Die Theologische Literaturzeitung bemerkt: „Mit den zivitlisations- und kulturkritischen Deutungen wirft die Schrift umfassende Fragen auf, die gewiss noch genauer zu verfolgen sind.“

Über den Autor: Prof. Dr. Werner Thiede ist Pfarrer i.R. der Evangelisch-Luth. Landeskirche in Bayern, außerplanmäßiger Professor für Systematische Theologie an der Universität Erlangen-Nürnberg und Publizist (www.werner-thiede.de). Zuletzt hat er nach zahlreichen Sach- und Fachbüchern eine Gesamtausgabe seiner Lieder herausgebracht: „In Ängsten – und siehe, wir singen! Glaubenslieder“ (München 2023).

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5G-Signal mit verstärkten biologischen und gesundheitlichen Effekten

Schon seit 2017 unterzeichneten viele Wissenschaftler und Ärzte aus über 30 Ländern einen 5G-Appell, in dem sie davor warnen, „Mil­lionen von Men­schen einem Experiment mit unkla­ren Auswirkungen auf die Gesundheit aus­zusetzen.“[35] 2018 bekräftigte die International Society of Doctors for Environ­ment in einer Er­klärung zu 5G unter Berufung aufs ethi­sche Vorsor­geprinzip die For­derung nach einem Still­stand beim Ausbau in Europa. In Deutschland plädierte etwa zeitgleich der Stuttgarter Ärzte­arbeits­kreis Digi­tale Medien in einem Offenen Brief an den Bun­des­minister für Ver­kehr und digitale Infrastruktur für einen Stopp des Aus­baus der 5G-Mobil­funk­struk­tur[36]. In den USA forder­ten wegen der zell­toxi­schen Effek­te von 5G dasselbe 2018 zwei For­scher­grup­pen um Noa Betzalel und Cindy L. Russell in der Fach­zeitschrift Envi­ron­mental Research[37].

Die Forderungen nach einem 5G-Moratorium gingen international weiter. So haben es die Verant­wortlichen der europäi­schen Städte bzw. Regie­rungsbezirke Brüssel, Genf, Grenoble und Florenz ausdrück­lich ab­gelehnt, dass ihre Be­völ­kerung zu „Ver­suchs­kanin­chen“ für den wis­sen­schaft­lich umstrit­tenen und unge­klärten Mobil­funk-Stan­dard 5G werden solle[38]. Dasselbe in Mill Valley, einer Stadt des Silicon Valley, sowie im US-Bun­­desstaat Hawai[39]. Auch im US-Bundesstaat New Hampshire hat das Par­lament mit seinen beiden Kammern ein Memorandum zu 5G und Mobilfunk­strahlung verab­schiedet: Es forderte eine konsequente Schutz­politik von der erwähnten US-Strahlen­schutz­behörde FCC – mit Erfolg, wie sich vor wenigen Monaten zeigte[40].

In Deutschland haben sich 2020 diverse Gemein­den in Bayern aus­drücklich gegen den für sie überraschend durch­ge­führten 5G-Ausbau durch die Deutsche Tele­kom und andere Be­treiber gewehrt; 22 Bür­germeister verab­schiedeten eine Re­solution, in der sie „Un­mut bezüg­lich der Kom­munikation zwischen der Deut­schen Telekom AG und den Kom­munen im Hin­blick auf die aktuelle Inbetrieb­nahme des 5G-Net­zes“ äußerten[41].

In Frankreich untergruben Mitarbeiter der größten franzö­si­schen Tele­­fongesellschaft im selben Jahr den auch dort er­folgten 5G-Push mit dem Argu­ment:

  • Die enor­me Antennen-Infrastruktur für 5G und die Milliarden drahtlo­ser mobiler Geräte, die so miteinander verbun­den werden sol­len, würden den Energiever­brauch für Mobilfunk exponentiell er­höhen und er­heblich zum ökolo­gischen Fußabdruck die­ser Technologie bei­tra­gen[42].

Auch ver­langten 11 Bürger­meister großer Städte Frankreichs ein Mora­torium für 5G[43]. So hat der Gemeinderat von Lille einen Auf­schub für die Instal­lation von 5G-Antennen beschlossen, bis die Nationale Agentur für Ge­sund­heitssi­cherheit, Er­näh­rung, Umwelt und Arbeit ihren Bericht zum Thema ver­öffent­licht hat. In Ita­lien leh­nten meh­rere hun­dert Kommu­nen 5G ab[44]. Auch Slo­wenien sagte Nein[45]. Und in der Schweiz, wo der Bundesrat unter Vorbehalt demnächst die Lizenzen für höhere 5G-Frequenzen in den Bereichen 6 GHz, 26 GHz und 40 GHz vergeben will, also für die in Deutschland bislang noch nicht eingesetzten „Millimeterwellen“, hat der Schweizer Verband Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz (AefU) eine kritische Stellungnahme abgegeben. All solch bedachtsame Ver­wei­gerung dürf­te nicht nur öko­logisch, son­dern auch öko­no­misch sinn­voll sein – denn ein Irr­weg wäre teuer zu be­zahlen!

Worauf aber stützen sich die vielen Forderungen rund um den Erdball, den Ausbau von 5G-Mobilfunk auszusetzen, bis eindeutige wissenschaftliche Warnungen auf dem Tisch liegen? Eine Studien-Übersicht zu 5G aus den USA von Ronald Kostoff und anderen Forschern be­tonte 2020:

  • „Fügt man 5G zu den schon vor­handenen schäd­lichen Strahlungsverhältnissen hinzu, verschlimmern sich die ohne­hin schon vorhande­nen Gesundheitsschädigungen.“[46]

Im selben Jahr wies der Wis­sen­schaftliche Dienst des Europäi­schen Parlaments in einem Abge­ord­neten-Brie­fing ausdrück­lich auf 5G-Risiken hin:

  • „Zusam­men mit der Art und Dauer der Ex­position scheinen Eigenschaften des 5G-Signals wie das Pulsieren die biolo­gi­schen und gesund­heitlichen Auswirkungen der Exposition zu verstärken, ein­schließlich der DNA-Schä­den, die als Ursache für Krebs angesehen wer­den.“[47]

Demnach verhält es sich mit dem doch etwas anderen Pulsieren bei 5G doch nicht so schlicht, wie etwa der oben zitierte Pro­fes­sor Fischer gemeint hatte. Zu denken gibt in dieser Hinsicht namentlich Martin L. Pall in sei­ner Broschüre „5G als ernste globale Heraus­for­derung. Beweise für acht große Gesund­heits­gefahren durch elektromagne­tische Felder (EMF) und ihre Wirkme­chanismen“ (2019). Seiner Argumention wurde zwar von anderen Wissen­schaftlern durchaus widersprochen; unklar bleibt jedoch etwa, ob der US-ameri­kanische Biochemiker nicht doch recht hat mit der An­nahme, dass höherfrequente 5G-Strahlung keineswegs an der menschlichen Hautober­fläche ende, sondern auch invasive Effekte habe, insofern die magneti­schen Anteile der elektro­mag­netischer Felder noch tiefer als die elektrischen in den Körper ein­wirken könnten. Ins­gesamt recht­fertigt die Debatten­lage jeden­falls keine pauschale Entwarnung – insbeson­dere nicht im Blick auf die im zweistelligen Bereich liegenden Frequenz­bereiche von 5G, die vor allem in der Industrie, aber auch in der Gesellschaft insgesamt im Kommen sind.

64 Strahlenkeulen pro Sektor-Antenne

Darüber hinaus gehört es zur wissenschaftlichen Ernsthaftigkeit, auch die indirekten Gesund­heits­risiken durch Mobilfunk in den Blick zu nehmen, die infolge der Klimakrise sehr real sind[48]. Dass zwi­schen Mobilfunk und Klima durchaus ein Zusammenhang bestehen dürfte, sollte intensiver diskutiert werden[49]. Miguel Coma warnt: Die Behauptung, 5G werde die CO2-E­emis­sionen reduzieren, sei ein Mythos, der im völligen Widerspruch stehe zu den bei­spiello­sen Prognosen für den Energieverbrauch im Vergleich zu früheren Gene­rationen. Denn eine „höhere Effizienz erhöht tatsächlich den Energieverbrauch.“[50] Aufgrund von 5G erwartet die Mobilfunkbranche eine Explosion des mobilen Datenverkehrs und der Produktion neuer Geräte samt Infrastrukturen „in einem Ausmaß, das weit über die Ver­bes­serungen hinausgeht, die die Energieeffizienz zu bieten hat. Die eindeutigen Verbesserungen der Energieeffizienz durch 5G werden daher nicht zu einer Verringerung des globalen Ge­samtenergieverbrauchs führen. 5G wird den weltweiten Energieverbrauch erhöhen.“ Auch die Beschleunigung des Datenverkehrs dank 5G zählt zu jenen Arten des Wachstums, die unserem Planeten und all seinen Bewohnern nicht gut tun.

Hinzu kommt, dass bei 5G neben einem ständigen „Pilot-Signal“ eine neue Form „intel­ligen­ter“ Antennen Platz greifen: Beim sogenannten Beam-Forming teilen Sen­de­antennen dyna­misch die Sende­leistung im Raum auf und strahlen mit hoher Richt­wir­kung diejenigen Raumbereiche an, die jeweils gerade aufgrund von Kapazi­tätsnachfrage und Strecken­dämp­fung die höchste Leis­tung benötigen. Experten sprechen von adaptiven Antennen und von „Pencilstrahlen“ – mit dem Begriff Pencil (deutsch: Bleistift) wird bildhaft auf die Präzision dieser Strahlen angespielt. Doch diese Strahlen bleiben nicht so schlank, wie es das Bild suggeriert: „Ganz schön fette Bleistifte“, spottet der Schweizer Hans-Ulrich Jakob als Prä­sident der dortigen Organisation Giga­herz.[51] Das Netz ist laut Jakob mit 5G nicht mehr fast über­all, sondern wegen seiner 64 Strah­len­keulen pro Sektorantenne „unausweichlich, lücken­los über­all. Auch in der hintersten Rit­ze.“ Bei einer 5G-Antenne gibt es in einem 120°-Sektor nicht nur einen dieser Pencil-Strahlen, sondern 64: je 8 nebeneinander und je 8 übereinander. Jeder dieser an­geblich bleistift-dünnen Strahlen hat Jakob zufolge einen Öffnungswinkel von 15° und somit nach einer Dis­tanz von 100 m bereits eine Breite von 25 Meter, ja nach 200 Metern bereits eine Breite von 50 Metern. Ob das außerhalb der Schweiz genauso oder ähn­lich aussieht? Und werden damit womöglich in manchen Be­reichen und zu manchen Zeiten hohe Stei­gerungsraten der bisherigen Exposition in den Woh­nungen und an be­stimmten Plätzen zu erwarten sein? Wer viel­leicht sein Haus im Richt­strahl zu einem „be­dürftigen“ Nachbar liegen hat, der hat eben Pech gehabt, wenn die wegen ihrer räumlichen und zeitli­chen Inkonsistenz dann kaum mehr klar messbare bzw. überprüf­bare Strah­lung gerade noch knapp unterhalb der hohen Grenz­werte liegt oder sie mitunter doch auch über­schreitet. Ande­re können hingegen von Glück reden, wenn solche Pencil-Strahlen sie selten oder gar nicht treffen. 5G ist für Überraschungen gut.

Sekten lenken mit Dämonisierung vom Kapitalismus abBild: Wikipedia

III. Verschwörungstheoretische und esoterische Perspektiven auf 5G

Kampagnen zu Gunsten von 5G zeichnen gern ein Zerr­bild von einer wider­ständigen, irra­tio­nal verängstigten Bürger­bewegung, als bestünde die vor allem aus Esoterikern oder gar ge­waltbereiten Protestlern: „Dazu werden Einzelereignisse und absurde Theorien hochgespielt – obwohl sie nichts mit der Bürgerbewegung und ihren Organisa­tionen zu tun haben.“[52] Solche Verzerrungen begegnen leider auch in seriösen Medien. Auf tagesschau.de etwa war zu lesen: „Über den neuen Mobilfunkstandard 5G gibt es zahlreiche Verschwörungsmythen: So soll er ‚Gedankenkontrolle‘ ermöglichen, Massen­sterben bei Tierarten oder Krebs bei Menschen auslösen. Auch für die Corona-Pandemie soll er verantwortlich sein – entweder durch eine Schwächung des Immunsystems oder sogar als Auslöser von Covid-19“[53]. Hier werden in gro­ber Weise abstruse Behauptungen und vernünftige Bedenken vermischt. Das aber ist eigent­lich eher typisch für Verschwörungstheorien als für die öffentlichen Medien. Solche Fake News machen es seriösen Analysen, die 5G wissenschaftlich-kritisch in den Blick nehmen, zunehmend schwer, in die öffentlichen Medien überhaupt Eingang zu finden. Insofern sind Verschwö­rungstheorien zu 5G und esoterische Kritik durchaus kontrapro­duk­tiv, wenn es um hilfreiche Aufklärung entgegen den ver­breiteten Verharmlosungen geht.

5G-Filter nach Hermes Trismegistos

Namentlich im Zuge der Corona-Pandemie haben Verschwörungs­theo­rien gesellschaftspoli­tisch an Gewicht gewonnen, so dass mitt­ler­weile eine Flut von Veröffentli­chungen dazu vor­liegt[54]. Zurecht werden Ver­schwö­rungs­theorien gern als moderne „Mythen“ beschrieben, was ihre weltan­schau­liche Relevanz charakterisiert. Bekannte Probleme werden angeblich wis­send und doch so einfach erklärt, dass dabei meistenteils auf seriös zitierbare, insbeson­dere wis­senschaftliche Belege verzichtet wird und Dif­ferenzierungen in oft geradezu ärgerlicher Wei­se unterbleiben. Dafür beruft man sich in der Regel auf „geheime“ Informationen – und schon befindet man sich im weitesten Sinne auf dem Gebiet des unüberprüfbaren Behauptens. Ver­trauen in scheinbare Plausibilitäten und Misstrauen gegenüber staatlich angesagten, tat­säch­lich immer mehr das Privatleben von Bür­gerinnen und Bürgern betreffenden Maß­nah­men[55] bedingen einander da­bei meist. Im Zeitalter von ChatGPT wird es zudem immer schwerer, Wahrheit und Täuschung auseinanderzuhalten.

Dass das auch gerade den umstrittenen 5G-Mobilfunk betrifft, ist wenig verwunderlich. Zu dieser invasiven Technologie bemerkt Christopher Schrader, dass „in Bezug auf die mögli­chen Ge­sundheits­risiken diesmal tat­sächlich einiges anders ist als sonst. 5G ist nicht nur eine Weiterent­wicklung des Mobil­funks, der durch die Gene­rationenfolge analoges Netz, GSM, UMTS und LTE gegangen ist. Stattdessen stößt der neue Standard neue Türen auf.“[56] Als 2021 von der deutschen Bundesnetzagentur – wie bereits erwähnt – erste Zuteilungen sogar schon im 26-GHz-Bereich für lokale und regionale 5G-Netze erfolgten, blieb bezeich­nen­der­weise zunächst geheim, wer die neuen Netzbetreiber seien: „Informationen über Frequenzzu­teilungen werden von der Bundesnetzagentur als Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse behan­delt.“ Welch ver­führerischer Tummelplatz für Verschwö­rungsmythen!

Sodann gibt es esoterisch motivierten Kampf gegen 5G. Hier seien nur zwei Beispiele aus Europa genannt. Die sek­tiererische Gruppe Organische Christusgene­ration um den Schweizer Ivo Sasek hat nicht nur die unbiblische Seelenwanderungstheorie[57], sondern auch 5G-War­nungen in ihrem Pro­gramm, welches durch eine eigene Medienplatt­form namens Kla.TV be­achtliche Verbreitung findet[58]. Esoterisch argumentiert auch der Österreicher Jahn J. Kassl: In seinem Buch „Entscheidende Jahre der Menschheit“ (2020) warnt er ausdrücklich und wiederholt vor 5G. So will er, der sich als spiritueller „Kanal“ versteht, von Jesus Christus erfahren haben: „Die flächen­de­cken­de Einführung von Frequenzen, die man euch als fort­schrittlichen und unverzichtbaren 5G-Standard schmackhaft macht, trägt den Kern großer Zer­störung in sich“ (S.154). Die 5G-Tech­nologie werde drastische Folgen für die Natur, die Tierwelt und die Menschen mit sich brin­gen, und jene Kräfte, die diese Technologie zum Schaden aller und zum Nutzen von Wenigen vorantreiben, würden ihre Daseinsberechtigung auf diesem Planeten verlieren. Der Endkampf um die Menschheit habe begonnen. In diesem Sinne soll Jesus Christus mitgeteilt haben, in den Jahren 2026 bis 2029 würden bessere Zeiten anbrechen: Da „werden die Menschen in großer Mehrheit das Bewusstsein er­langen, an der lichtvollen Zukunft aktiv mitzugestalten“ (S. 144). Auf dem Weg dorthin sei Hilfe angeboten, wie Kassl in einem Gespräch mit mit THOT (= Hermes Trismegistos) erfahren haben will und unter der Kapitelüberschrift „Installation des kristallinen 5G-Schutz­gitters im morphischen Feld“ (S. 43) darlegt. Nach einer esoterisch angesagten „Innen­schau“ wird eingeladen zur Installation der 5G-Filter als „Kugeln“ im „morpho­genetischen Feld des Planeten“: Die sollen „jede für das Leben auf Erden schädliche Strahlung“ absor­bie­ren, ja neutralisieren. Um die gesamte Beeinflussung von negativer Strah­lung abzu­wehren, sei allerdings der Vorgang der Installation des Öfteren zu wiederholen: „Je mehr Menschen dies tun, umso größer und mächtiger wird dieser Schutz.“ Kraft ihres „göttlichen Bewusst­seins“ (51) sollen die hiervon Überzeugten formelhaft unter Nennung des eigenen Namens ausspre­chen: Ich veranlasse, „dass jede schädliche Strahlung, insbesondere die von 5G, von diesen kristallinen Kugeln ab­sorbiert und neutralisiert wird.“ Eine angstredu­zierende Wirkung mag vielleicht die Folge solcher Rituale sein – schwerlich aber eine Reduktion des Schä­digungs­potenzials von 5G, vor dem ja keineswegs nur Verschwörungsmythen, sondern – wie unter II. dargelegt – auch seriöse Ärzte, Wissenschaftler, Politiker und Verbände war­nen[59]. Tatsächlich sollte sach­lich gut begründete Besorgnis angesichts der 5G-Technologie nicht diskreditiert werden durch populistische „Mythen“ und mit ihnen vermengte sektiere­ri­sche oder esote­rische Pro­gramme. Hier sind entschieden jene Differen­zie­rungen und seriösen Bezugnahmen ein­zufordern, denen es Esoterikern und Verschwörungs­theore­tikern zu er­mangeln pflegt.

Zuboff:Überwachungskapitalismus

Keineswegs alle 5G-Kritik ist „Geschwurbel“

Nüchtern betrachtet sind aber auch umgekehrt Propagandisten von 5G in Politik, Industrie und Wirt­schaft kei­neswegs frei von „Mythen“-Bildungen. Das gilt für die erwähnten TV-Werbespots, aber auch für den argumentativ allzu gern bemühten Mythos von „der“ Wis­sen­schaft, die es – wie bereits vermerkt – so einhellig und neutral gerade auch im Blick auf Mobilfunk gar nicht gibt. Selbst der Verweis auf einen „wissenschaftlichen Mainstream“ ver­fängt insofern nicht, als dieser sich sehr wohl politischen oder finanziellen Einflussnahmen verdanken kann, die infolge ihrer Interessengebundenheit und Macht mit wissenschaftlicher Wahrheit[60] nicht eben sorgfältig umgehen. Insofern sind pauschale Behauptungen wie die, niemand müsse Angst vor Mobil­funk­strahlung und namentlich vor 5G haben[61], kaum über­zeu­gend: Auch wenn es keine Beweise für krankmachende 5G-Effekte geben mag, so existie­ren doch auch umgekehrt keine Beweise für die Harmlosigkeit dieser Strahlungsart. Auf die­ses Desiderat bleibt aus Vorsorgegründen nach wie vor hinzuweisen[62]. Züge einer Ver­schwö­rungstheorie der umgekehrten Art, die sich misstrauisch ungefähr gegen alle Be­denken­träger richtet[63], verraten eher fragwürdige Interessen. Die deutsche Verbraucherorganisation Dia­gnose:Funk erklärt:

  • „Die Politik baut derzeit einen Schutzmechanismus auf. Wer kriti­siert, ist ein Ver­schwörungstheoretiker. Absurde Fake-News aus dem Internet, wo man ja alles finden kann, werden herangezogen.“[64]

Ob 5G zurecht Angst macht oder nicht[65], lässt sich beim heu­tigen Forschungsstand aber keineswegs abschließend beurteilen. Folglich ist es zu billig, ja ab­we­gig, pauschal sämtliche 5G-Besorgnis als ver­schwörungs­theo­retisches Gequatsche von „Aluhut-Trägern“ abzutun. Vielmehr ist es mit Blick auf das in den EU-Ver­trägen ver­ankerte Vorsorgegebot durchaus klug, sich auf die verän­derte 5G-Strahlungsart und die damit verstärkt eröffneten Überwa­chungs­mög­lich­keiten durchaus nicht vorbehaltlos einzu­lassen. So unterstreicht Shoshanna Zuboff, die international bekannte Autorin des Buches „Das Zeitalter des Überwachungskapitalismus“, in einem Inter­view:

  • „Es ist ver­nünftig, sich über 5G im All­gemeinen Sorgen zu machen. Denn 5G wurde von den Technologie­unter­neh­men auch unab­hängig von China vorangetrieben. Es würde Tür und Tor für jene Form der Datenextraktion und des Datenflusses öffnen, die wir in einem ex­tremen Überwachungs­kapi­talismus finden würden und die noch um einiges unge­schützter wäre als heute, mit deutlich weniger Kontrolle über das, was extrahiert wird. Ich möchte also ausdrücklich vor 5G war­nen.“[66]

Hinzuweisen bleibt noch auf den Umstand, dass die offenen Fragen zum Thema Mobilfunk weitere Brisanz erhalten haben durch die Veröffentlichung einer großangelegten Über­blicksstudie für die Schweizer Regierung mit überraschend klaren, und zwar kritischen Re­sultaten. Demnach dürften biologische Effekte der umstrittenen Strahlung als wis­senschaftlich erwiesen gelten: Im International Journal of Molecular Science legten David Schuermann und Meike Mevissen dar, dass Strahlen-Exposition sogar schon im niedrigen Dosisbereich zu biologi­schen und ge­sundheitlich bedenklichen Effekten führen kann[67]. Dank diesem vom Umwelt­bundesamt der Schweiz finanzierten Review lässt sich nicht länger red­lich be­streiten, dass die nun bald flächen­deckend installierte, invasive Mobilfunk­strahlung Ur­sa­che so man­cher körper­licher und nervöser – und in der Folge vielleicht auch psychischer – Be­schwerden durch die Auslösung von oxida­tivem Zellstress sein dürfte. Die umfas­sende Auf­arbeitung von 223 Arbeiten lässt er­kennen:

  • „Die Pro­duktion von reak­tiven Sauer­stoff­spezies (ROS), die mögli­cherweise zu zel­lulärem oder systemischem oxi­dativem Stress füh­ren kann, wurde häu­fig durch EMF-Ex­position in Tieren und Zellen beeinflusst.“

Deutlich zeichnet sich im Gesamt­überblick un­ge­achtet der einen oder anderen schwächeren Studie als klarer Trend ab, dass die umstrittene Strahlung tatsächlich weit unterhalb der geltenden Grenzwerte „zu Ver­änderungen im zellulä­ren oxidativen Gleich­gewicht führen kann.“ Wie die Autoren erklä­ren, sind nament­lich Per­sonen mit Vorerkran­kungen anfällig für gesund­heit­liche Auswirkun­gen.

Die Zeit völlig einseitiger, die Bevölkerung spaltender Verlautbarungen zum Thema Mobil­funk und speziell zu 5G sollte inzwischen vorbei sein. Die internationale Mobilfunk-Politik muss sich ändern[68]. Aller­dings stehen die Zeichen für eine Erfüllung dieser legitimen Erwartung nach wie vor nicht gut. Denn die immer rasanter fortschreitende „digitale Trans­for­mation“ verlangt ungeachtet aller Kritik an ihr und ihren realutopischen Möglich­kei­ten[69] eben nach flächendeckendem 5G- und bald sogar 6G-Mobilfunk. Umso mehr bleibt die ethi­sche Her­aus­for­derung bestehen, Funktechnologie unter grundrechtlichen, wahrheitsgemäßen, humanen und wissenschaftlich fairen Gesichtspunkten aus- und umzugestalten. Es geht um das Menschenrecht auf eine gesunde Umwelt. Wirtschaftliche, weltan­schau­liche oder ver­schwörungstheoretische Interessen sind dabei ebenso wie lob­byistische Ein­fluss­nahmen in die Schranken zu weisen. Die mutige Forderung unserer Tage sollte sachbegründet lau­ten: „5G stop­pen“[70] – oder zumindest: 5G-Ausbau stoppen! Kritisch agiert in dieser Richtrung in­zwi­schen ein Projekt namens Europeans for Safe Connections (ESC): Das ist ein Zusammen­schluss nationaler und internationaler Organisationen, die mit den Gefahren und den negativen Auswirkungen der drahtlosen Kommunikationstechnologien vertraut sind (https://esc-info.eu/en/).

Schluss

Gerade wissenschafts­theoretische Differenzierung[71] kann und muss dazu beitragen, dass inhu­mane und von einseitigen, meist kapitalistisch[72] verankerten Interessen getra­gene Wissen­schaftsansprüche hinterfragt und relativiert werden. Die 5G-Debatte darf nicht im Rahmen einer falsch ver­standenen Political Correctness verzerrt oder überhaupt zum Schweigen ge­bracht werden. Vielmehr bleibt eine offene politische Kommunikation über das Thema welt­weit dringend geboten.

März 2024

Quellen

[1] Kritisch dazu in Deutschland beispielsweise: Christian Hoffmeister: Google Unser, Hamburg 2019; Marie-Luise Wolff: Die Anbetung. Über eine Superideologie namens Digitalisierung, Frankfurt a.M. 2020; Johannes Hoff: Verteidigung des Heiligen. Anthropologie der digitalen Transformation, Frei­burg i.Br. 2021; Werner Thiede: Digitaler Turmbau zu Babel. Der Technikwahn und seine Folgen, 2. erweiterte Aufl. München 2021; ders.: Im Namen des sogenannten Fortschritts. Zur zunehmenden Einschränkung bürgerli­cher Schutz- und Freiheitsrechte, Bergkamen 2023.

[2] In: Zeitschrift für Religion und Weltanschauung 5/2021, 360-362, hier 361.

[3] https://www.zeit.de/politik/ausland/2021-10/vereinte-nationen-saubere-umwelt-menschenrecht-umweltschutz-klimawandel-un-menschenrechtsrat-resolution (Abruf 9.10.2023).

[4] So Ex-Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (https://www.bmvi.de/SharedDocs/DE/Artikel/DG/Scheuer-Staedte-und-Regionen-machen-5G-erlebbar.html - Abruf 7.10.2021), der 5G allein schon deswegen begrü­ßen musste, weil die angestrebten selbstlenkenden Autos (dazu Werner Thiede: Autonome Autos ohne Technikfolgenabschätzung?, in: Zeitschrift für Evangelische Ethik 60 [2016], 131-138) ja ohne „Echtzeit“-Funk kaum denkbar sind.

[5] Siehe insgesamt https://www.horizont.net/marketing/nachrichten/markenchef-ulrich-klenke-zur-neuen-telekom-kampagne-wir-werben-jetzt-fuer-5g--und-zwar-massiv-194143 (Abrufe 7.10.2023).

[6] Vgl. z.B. https://www.telefonica.de/news/corporate/2024/02/5g-mobilfunkstudie-zum-mobile-world-congress-2024-die-bedeutung-von-5g-fuer-menschen-und-wirtschaft-ist-verstanden.html (Abruf 8.3.2024).

[7] Vgl. Joseph Mercola: EMF*D. 5G, Wi-Fi and Cell-Phones: Hidden Harms and How to Protect Yourself, Carlsbad/California 2020 (deutsch: EMF - Elektromagnetische Felder: Schützen Sie sich jetzt vor den heimlichen Gefahren, die von 5G, WLAN und Mobiltelefonen ausgehen! Rottenburg 2020).

[8] https://www.diagnose-funk.org/aktuelles/artikel-archiv/detail&newsid=1638 (Abruf 5.10.2021). Tatsächlich sind die höheren Frequenzen umstritten (dazu mein Aufsatz: 5G-Funk geht unter die Haut. Die Zukunft des Mobilfunks begeistert – und weckt international tiefe Besorgnis, in: raum & zeit 37, Nr. 216/2018, 30-35).

[9] https://www.golem.de/news/vergabe-erste-deutsche-5g-betreiber-bei-26-ghz-erreichen-2-gbit-s-2105-156626.html?utm_source=nl.2021-05-20.html&utm_medium=e-mail&utm_campaign=golem.de-newsletter (Abruf 20.5.2023).

[10] Vgl. Paul Erbrich: Grenzen des Wachstums im Widerstreit der Meinungen, Stuttgart 2007.

[11] https://www.deutschland-spricht-ueber-5g.de/informieren/mobilfunkstrahlung-und-gesundheit/ (Abruf 6.4.2024).

[12] Werner Thiede: Kann wahr sein, was nicht sein darf? Über mögliche negative gesundheitliche Auswir­kun­gen von Mobilfunkstrahlung, in: Die Tagespost, Nr. 27 vom 7.7.2022, 25.

[13] https://ueber5g.be/thema/literatur%C3%BCbersicht (Abruf 6.3.2024).

[14] https://www.icnirp.org/en/publications/article/rf-guidelines-2020.html (Abruf 6.1.2024).

[15] https://stiftung-pandora.eu/2021/04/28/5g-strapaziert-die-grenzen-unseres-vertrauens/ (Abruf 1.10.2021).

[16] So der Abgeordnete Jean Huss in seiner Begründung der Resolution des Europarats vom 27.5.2011, Punkt 29 (https://www.diagnose-funk.org/aktuelles/artikel-archiv/detail?newsid=352 - Abruf 11.1.2024).

[17] https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/elektrosmog-europa-ignoriert-moegliches-krebsrisiko-von-5g/23855700.html (Abruf 14.1.2024).

[18] Seit 2021 ist er auch als Broschüre auf deutsch erhältlich: Heft 14 der Reihe „Wirkungen des Mobil- und Kommunikationsfunks“ der Kompetenzinitiative zum Schutz von Mensch, Umwelt und Demokratie e.V., Saarbrücken 2021.

[19] Siehe https://www.diagnose-funk.org/aktuelles/artikel-archiv/detail?newsid=1740 (Abruf 19.8.2023).

[20] Linda Nierling/Helge Torgersen: Normativität in der Technikfolgenabschätzung, in: TATuP 28, 1/2019, 10-14, hier 10.

[21] Ebd. 14. Vgl. auch Julia Valeska Schröder: Das Politische in der Technikfolgenabschätzung, in: TATuP 3/2019, 62-67.

[22] Karen Kastenhofer u.a.: „Wes Brot ich ess, des Lied ich sing“? Technikfolgenabschätzung und ihre Auf­trag­geber, in: TATuP 28 (2019), 33-38, hier 37.

[23] Laut Pressemitteilung von diagnose:funk vom 17.6.2021. „Das ist ein echter Lobby-Skandal, was sich das Büro für Technikfolgenabschätzung des Bundestags da leistet!“, so Jörn Gutbier, Vorsitzender von diagnose:funk. „Wer ehrlich Auskunft über die Gesundheitsgefahren durch Mobilfunkstrahlung haben will, beauftragt doch nicht die Mobilfunk-Lobby. Das Büro für Technikfolgenabschätzung des Bundestags muss dafür auf unabhängige Wissenschaftler und deren Studien zurückgreifen: Es liegen mittlerweile fast 100 Review-Studien vor, die den Stand der Wissenschaft zusammenfassen und ausführlich bewerten. Und dabei kommt die Mobilfunk- und WLAN-Strahlung nicht gut weg: Diese Strahlung erzeugt oxidativen Zellstress, was wiederum zu entzündlichen Erkrankungen, verminderter Fruchtbarkeit und Krebs führen kann. Das muss der Bundestag wissen, wenn es um Technikfolgenabschätzung von Mobilfunk geht.“

[24] https://www.tab-beim-bundestag.de/de/untersuchungen/u30300.html (Abruf 21.2.2024).

[25] Statement von Prof. Thomas Szekeres im Österreichischer Infrastrukturreport 2020: „Zukunftsinfrastruktur 5G: Vom digitalen Traum zur Wirklichkeit“ (Novomatic Forum 4.11.2019). Siehe ferner https://www.oeaw.ac.at/ita/projekte/5g-und-gesundheit (Abruf 5.3.2024).

[26] Siehe https://www.diagnose-funk.org/aktuelles/artikel-archiv/detail?newsid=1412 (Abruf 29.5.2019).

[27] Vgl. https://www.zdf.de/nachrichten/politik/laschet-zukunftsteam-wahlkampf-bundestagswahl-100.html (Abruf 3.9.2021).

[28] https://data.consilium.europa.eu/doc/document/ST-8711-2020-INIT/de/pdf (Abruf 11.2.2024), Punkt 36. Solch eine undialogische Positio­nierung trägt indirekt zur Förderung von 5G-Verschwö­rungs­theorien bei.

[29] https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/elektrosmog-europa-ignoriert-moegliches-krebsrisiko-von-5g/23855700.html (Abruf 18.10.2023).

[30] Vgl. Christine Aschermann/Cornelia Waldmann-Selsam: Elektrosensibel. Strahlenflüchtlinge in der funk­ver­netzten Gesellschaft, Aachen 2018; Thiede: Mythos Mobilfunk, Kapitel 11; ferner auch Giovanni Maio: Ethik der Verletzlichkeit, Freiburg i.Br. 2024.

[31] Beispiele: https://radiationprotection.se/5g/seven-case-studies-show-that-5g-is-a-health-danger/; https://www.diagnose-funk.org/forschung/mobilfunk-risikobewertungen/risikobewertung-von-5g-und-5g/aerzte-und-aerztekammern; https://kompetenzinitiative.com/5g-ein-experiment/ (Abrufe 8.3.2024).

[32] Vgl. Wilfried Kühling: Bewertungsdilemma Mobilfunk: Wie wir das Unvermögen staatlicher Risikobewertung endlich überwinden, Marburg 2023.

[33] Vgl. Michael Esfeld: Wissenschaft und Freiheit, Frankfurt a.M. 2019.

[34] Vgl. Werner Thiede: Mythos Mobilfunk. Kritik der strahlenden Vernunft, München 2012; Joachim Mutter: 5G: Die geheime Gefahr. Wie uns der neue Mobilfunk krank macht und wie wir uns schützen können, Mün­chen 2020.

[35] Der internationale Appell zu 5G „Potentiell ernste gesundheitliche Auswirkungen“ ist zu finden unter https://kompetenzinitiative.com/internationale-wissenschaftler-zu-5g-potentiell-ernste-gesundheitliche-auswirkungen/ (Abruf 8.3.2024).

[36] Siehe https://www.diagnose-funk.org/aktuelles/artikel-archiv/detail&newsid=1305 (Abruf 18.10.2021).

[37]  Noa Betzalel u.a.: The human skin as a sub-THz receiver. Does 5G pose a danger to it or not? in: Environ-mental Research 163 (2018), 208-216; Cindy L. Russell: 5G wireless telecommunications expansion. Pub-lic health and environmental implications, ebd.: https://doi.org/10.1016/j.envres.2018.01.016 (Abrufe 29.2.2024).

[38] Zum Beispiel: https://www.t-online.de/digital/aktuelles/id_85555326/5g-netz-versuche-in-genf-und-bruessel-wegen-strahlung-gestoppt.html (Abruf 7.3.2024).

[39] Siehe https://www.autonomes-fahren.de/mill-valley-schaltet-5g-ab/ (Abruf 2.2.2024; demnach ist es in Mill Valley künftig verboten, 5G-Anwendungen in der Stadt zu aktivieren) sowie https://www.hawaiitribune-herald.com/2020/07/23/hawaii-news/council-exercises-caution-in-regard-to-5g-development/ (Abruf 1.3.2024).

[40] https://www.diagnose-funk.org/aktuelles/artikel-archiv/detail&newsid=2049 (Abruf 11.3.2024).

[41] Vgl. https://www.golem.de/sonstiges/zustimmung/auswahl.html?from=https%3A%2F%2Fwww.golem.de%2Fnews%2Ffunkstrahlung-buergermeister-in-oberbayern-greifen-5g-der-telekom-an-2008-150026.html&referer=https%3A%2F%2Fwww.qwant.com%2Fmail&utm_campaign=golem.de-newsletter (Abruf 4.3.2024).

[42] Siehe http://www.elektro-sensibel.de/artikel.php?ID=179 (Abruf 30.1.2024). Vgl. auch Vincent Ialenti: Deep time reckoning. How future thinking can help earth now, Cambridge/MA 2020.

[43] https://www.diagnose-funk.org/aktuelles/artikel-archiv/detail?newsid=1613 (Abruf 5.3.2024).

[44] https://www.diagnose-funk.org/aktuelles/artikel-archiv/detail?newsid=1604 (Abruf 2.3.2024).

[45] https://www.kurir.rs/region/3422363/slovenija-zaustavila-uvodjenje-5g-tehnologije-nisu-sigurni-da-li-je-opasna-po-ljude (Abruf 8.3.2024). .

[46] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/31991167/; Übersetzung: https://www.emfdata.org/de/studien/detail&id=557 (Abrufe 24.22024).

[47] https://www.europarl.europa.eu/RegData/etudes/BRIE/2020/646172/EPRS_BRI(2020)646172_DE.pdf (Abruf 16.2.2024). Bereits 2011 hatte die Weltgesundheitsorganisation Mobilfunk als „möglicher­weise krebserregend“ eingestuft. Und die große NTP-Studie in den USA deutete 2018 ihrerseits auf Tumor-Risiken hin.

[48] Allgemein informiert zu den ökologischen Aspekten der Mobilfunk-Problematik Wilhelm Krahn-Zembol: (Um‑)Weltmedizin – oder: Was heilt die Welt? Plädoyer für ein grundsätzlich neues Verständnis in Wissenschaft, Medizin und Recht, in: Umwelt – Medizin – Gesellschaft 4/2015, 301-312.

[49] Vgl. Werner Thiede: Cloud frisst Erde. Die Illusion einer umweltverträglichen Digitalisierung, in: Salzkorn 4/2020, 34-36.

[50] Miguel Coma: Energiepolitik im Zeitalter der Hypervernetzung. Das Umweltparadoxon von 5G, in: Wall Street International Magazine vom 29.9.2021, hier zit. nach der deutschen Fassung: https://www.diagnose-funk.org/aktuelles/artikel-archiv/detail?newsid=1751 (Abruf 18.10.2021).

[51] https://www.gigaherz.ch/5g-achtung-jetzt-kommt-santina-russo/ (Abruf 28.10.2023).

[52] https://www.diagnose-funk.org/aktuelles/artikel-archiv/detail?newsid=1602 (Abruf 30.8.2023).

[53] https://www.tagesschau.de/faktenfinder/5g-corona-mobilfunk-101.html (Abruf 8.10.2021).

[54] Vgl. z.B. Karl Hepfer: Verschwörungstheorien. Eine philosophische Kritik der Unvernunft, 20213; Mat­thias Pöhlmann (Hg.): Verborgene Wahrheit? Verschwörungsdenken und Weltanschauungsex­tremis­mus (EZW-Texte 269), Berlin 2020; Sarah Pohl/Isabella Dichtel: Alles Spinner oder was? Wie Sie mit Ver­schwö­rungsgläubigen gelassener umgehen, Gütersloh 2021.

[55] Hier sei exemplarisch das Problem des Datenschutzes genannt, das etwa auf dem Gebiet digitaler Strom- und Wasserzähler immer virulenter wird (dazu die Broschüre der Juristin Margit Krug: Lausch­angriff durch smarte Zähler, Bergkamen 2020), oder die sich ankündigende Pflicht zu umstrittener, gesundheitlich frag­wür­diger Photo­voltaik auf neue bzw. zu erneuernde Dächer (vgl. Werner Thiede: Photovoltaik-Anlagen: Staat­lich verordnete Gesundheits-Gefährder? in: Deutsche Wirtschaftsnachrichten Nr. 97/August 2021, 17f).

[56] Christopher Schrader: Krebs durch 5G? in: https://www.spektrum.de/news/schadet-der-neue-mobilfunkstandard-5g-der-gesundheit/1638246 (Abruf 16.2.2024).

[57] Vgl. Werner Thiede: Contra Seelenwanderung – pro Seelenunsterblichkeit, in: Informationsbrief der Be­kenntnisbewegung „Kein anderes Evangelium“ Nr. 329 (September 2021), 13-18.

[58] https://www.kla.tv/5G-Mobilfunk (Abruf 8.10.2021).

[59] Vgl. Werner Thiede: Digitalisierung als Weltanschauung. Wie die rigorose Vernetzungspolitik mit 5G-Mobilfunk ideologische Züge offenbart, Bergkamen 2019.

[60] Vgl. Werner Thiede: Die Wahrheit ist exklusiv, Dresden 2022 (siehe www.werner-thiede.de).

[61] So äußerte sich der Gesundheitsminister von Baden-Württemberg, Manfred Lu­cha zum Stand der For­schung: „Rund um das Thema 5G- und den Mobil­funk-Aus­bau gibt es immer wieder Ängste und Sorgen, was gesund­heit­liche Risiken an­geht. For­schung und Wissen­schaft konnten jedoch bis heute keine ne­ga­tiven ge­sund­heit­lichen Effekte durch elektromagnetische Felder unterhalb der geltenden Grenzwerte nachweisen“ (Pres­se­mit­teilung Nr. 77 vom 1.4.2021).

[62] Vgl. Werner Thiede: Die digitale Fortschrittsfalle. Warum der Gigabit-Gesellschaft mit 5G-Mobilfunk freiheitliche und gesundheitliche Rückschritte drohen, Bergkamen 20192.

[63] So gibt es seit 2019 in Baden-Württemberg eine Task­force Mobilfunk, um die sich häufenden Widerstände gegen die invasive Strahlung zu bekämpfen (https://www.baden-wuerttemberg.de/de/service/presse/pressemitteilung/pid/taskforce-mobilfunk-nimmt-arbeit-auf-1/ (Abruf 2.2.2021).

[64] https://www.diagnose-funk.org/aktuelles/artikel-archiv/detail?newsid=1645 (Abruf 21.1.2024). Siehe auch Jörn Gutbier/Peter Hensinger: Smart City, Smart Country, Breitband und 5G – die Folgen für Demokratie, Mensch und Umwelt, Bergkamen 2020.

[65] Siehe z.B. Felix Huesmann: Wie Mobilfunkgegner Angst vor 5G verbreiten (https://medwatch.de/2019/12/30/wie-mobilfunkgegner-angst-vor-5g-verbreiten/?utm_source=pocket-newtab – Abruf 22.2.2024). Anders Werner Thiede: Desinformationen über 5G – Richtigstellungen zu Ge­sundheitsrisiken beim neuen Mobilfunk-Standard, in: Die Naturheilkunde 3/2019, 13-17.

[66] Shoshanna Zuboff in dem Interview „Das Worst-Case-Szenario ist bereits da“, in: Welt am Sonntag Nr. 46 vom 17.11.2019, 9ff.

[67] https://www.mdpi.com/1422-0067/22/7/3772 (Abruf 8.3.2024). Vgl. auch Klaus Scheler: Polarisation: Ein wesentlicher Faktor für das Verständnis biologischer Effekte von gepulsten elektromagnetischen Wellen niedriger Intensität, in: Umwelt – Medizin – Gesellschaft 3/2016, 2-11.

[68] Vgl. Werner Thiede: Mobilfunk muss anders, in: Paracelsus Magazin 5/2021, 8-10 (auch online: https://www.paracelsus.de/magazin/ausgabe/202105/mobilfunk-muss-anders).

[69] Vgl. Werner Thiede: Digita­lisierungsrisiken und Fortschrittsglaube. Literaturumschau innerhalb wie außer­halb von Theo­logie und Kirche, in: Theologische Rundschau 84 (2019), 260-316; ders.: Riskante digitale Transformation. Fortsetzung der Literaturumschau innerhalb wie außerhalb von Theologie und Kirche, in: Theologische Rundschau 87 (2022), 141-226..

[70] Klaus Buchner/Monika Krout: 5G-Wahn(sinn), Murnau 2021, 191.

[71] Paul Feyerabend gibt als namhafter Wissenschafts­theoretiker zu bedenken: „Beobachtungsbefunde können neu gedeutet und sogar so zurecht­geschnitten werden, daß sie einem Standpunkt eine Stütze verleihen, der ur­sprünglich unvereinbar mit ihnen war“ (Probleme des Empirismus I, Stuttgart 2002, 118).

[72] Zu den monetären Aspekten der Mobilfunk-Technologie vgl. Thiede: Mythos Mobilfunk, a.a.O. 70ff; Peter Hensinger u.a.: Smart City- und 5G-Hype, Bergkamen 2019.

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Artikel veröffentlicht:
12.03.2024
Autor:
Prof. Werner Thiede
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