Tablet-Computer machen das Spiel von Vorschulkindern weniger kreativ

Pressemitteilung Universität Uppsala / Schwedischer Forschungsrat
Eine Studie von Forschern der Universität Uppsala und dem Institute of Education am University College London im Vereinigten Königreich kommt zu dem Ergebnis, dass Kinder, die mit Tablets spielen, weniger kreativ und fantasievoll sind als Kinder, die mit physischem Spielzeug spielen. Dieses Ergebnis bestätigt die Erkenntnisse der Hirnforschung, die wir in unserer DVD „Aufwach(s)en im Umgang mit digitalen Medien“ darstellen. In KiTas und Grundschulen wirkt sich der Einsatz von digitalen Geräten negativ auf die Gehirnentwicklung und das Lernen aus.

Pressemitteilung Universität Uppsala / Schwedischer Forschungsrat, 21.11.2022. Vorschulkinder, die mit Tablets spielen, sind weniger kreativ und fantasievoll als Kinder, die mit physischem Spielzeug spielen. Dies zeigt eine neue Studie der Universität Uppsala, und der Unterschied ist beträchtlich. Die Ergebnisse widerlegen gelegentliche Behauptungen, dass die neue Technologie Kinder kreativer machen würde.

"Obwohl die Studie recht klein ist, zeigt sie, dass wir vielleicht vorsichtig sein sollten, wenn wir Touchscreens bei Vorschulkindern einsetzen", so Robin Samuelsson von der Abteilung für skandinavische Sprachen der Universität Uppsala.

Im Rahmen einer Zusammenarbeit zwischen Forschern der Universität Uppsala und dem Institute of Education am University College London im Vereinigten Königreich wurden fast einhundert Spielaktivitäten in zwei Gruppen von Vorschulkindern, 2-Jährigen und 4-5-Jährigen, verglichen. 30 Kinder aus zwei Vorschulen nahmen an der Studie teil, und zwar während des Freispiels der Vorschule, d. h. des Spiels ohne große Beteiligung der Lehrer. Das freie Spiel macht etwa 57 Prozent der Zeit aus, die Kinder in der Vorschule verbringen (Åström et al. 2020).

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VIDEO: Film, Vortrag und Diskussion über Kinder und digitale Medien auf der Tagung der Kompetenzinitiative im Oktober 2022 mit Peter Hensinger (diagnose:funk) und André Schmechel (Allianz Eliant) (Text dazu siehe Downloads).

In früheren Studien wurden häufig völlig neue Apps oder Technologien, wie beispielsweise Virtual Reality (VR) und Augmented Reality (AR), in Vorschulen bewertet. In dieser Studie wollten die Forscher jedoch untersuchen, wie die Kinder während des Freispiels mit gängigen, beliebten Apps spielen.

Die Forscher führten eine Multi-Methoden-Studie durch, bei der sie Videoaufnahmen der Kinder beim Spielen in der Vorschule machten. Sie untersuchten sowohl die Spielmuster der Kinder als auch die Art und Weise, wie die Kinder mit Tablets spielten, im Vergleich zu physischen Spielzeugen wie Spielzeugbausteinen und Verkleidungskleidern. Beim Spielen mit Tablets lag der Schwerpunkt auf dem, was die Kinder auf den Bildschirmen und mit Gleichaltrigen taten. Das Spiel der Kinder wurde verglichen, nachdem die Studie einen etablierten Rahmen für die Kategorisierung des kindlichen Spiels angepasst hatte (Bird & Edwards, 2015).

Die Studie zeigte, dass das Spiel mit den Tablets forschender war, aber weniger Elemente der Verstellung und Fantasie enthielt. Die Art des Tablet-Spiels unterschied sich auch von Spielen, die Kinder in diesem Alter normalerweise spielen.

Der Lehrplan für die Vorschule, der auf Schwedisch als Lpfö 2018 bekannt ist, legt in seinen Leitlinien für Betreuung, Entwicklung und Lernen fest, dass die Erzieherinnen und Erzieher die Verantwortung dafür übernehmen müssen, dass jedes Kind digitale Werkzeuge auf eine Weise nutzen kann, die die Entwicklung und das Lernen fördert. Infolgedessen haben sich Tablets in den Vorschulen des Landes etabliert und sind Teil des Alltags vieler Kinder geworden. Sowohl Pädagogen als auch Forscher haben die Möglichkeiten, die die neue Technologie bietet, erkannt.

  • "Unsere Ergebnisse waren eindeutig, aber auch überraschend, wenn man den Lehrplan bedenkt. Wir hoffen, dass unsere Ergebnisse für das Vorschulpersonal, aber auch für Eltern und andere Personen, die im täglichen Leben mit Kindern und Technologie zu tun haben, sinnvoll und hilfreich sind. Es gibt zwar mögliche Lernmechanismen für das Erkundungsspiel mit Tablets, aber man sollte sich bewusst sein, wie sich neue Technologien auf Kinder auswirken", so Samuelsson.

Diese neue Studie, die in dem Artikel How young children's play is shaped through common iPad applications: A study of 2 and 4-5-year-olds" vorgestellt wird, baut auf einer früheren Studie auf, in der Interaktionsmuster zwischen Lehrern und Kindern bei der Nutzung von Tablets untersucht wurden.

  • In dieser Studie wurde das Lesen von Büchern mit der Verwendung von Tablets verglichen, und es zeigte sich, dass Kinder in Situationen, in denen Tablets zum Einsatz kommen, weniger sprechen. Die frühere Studie zeigte auch die neuen nonverbalen Methoden, die Kinder bei der Kommunikation mit Touchscreens einsetzen.

Die Studien wurden in Zusammenarbeit mit dem Institute of Education am University College London im Vereinigten Königreich durchgeführt und waren Teil des ERC-Projekts "In-Touch" (https://in-touch-digital.com/).

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Video zur Kindern, Spielen, Gehirnentwicklung und digitalen Medien, Kurzfassung der DVD "Aufwach(s)en im Umgang mit digitalen Medien"

Publikation zum Thema

Format: DVDSeitenanzahl: 40 Min. Hauptfilm, 75 Min. Bonustracks Veröffentlicht am: 23.02.2021 Bestellnr.: 954, Preis 17,90 EuroSprache: DeutschHerausgeber: diagnose:funk

Aufwach(s)en im Umgang mit digitalen Medien

Was Eltern und Erzieher wissen sollten: Wie der Gebrauch digitaler Medien die Gehirnentwicklung beeinflusst
Inhalt:
Regie: Klaus Scheidsteger / Drehbuch: Gertraud Teuchert-Noodt, Peter Hensinger, Klaus Scheidsteger / Musik: Markus Stockhausen / Länge: 40 Minuten. Bonustracks: Vortrag Prof. G. Teuchert-Noodt zum Stand der Forschung (30 min) / Video über die Bedeutung des Stirnhirns (15 min) / Vortrag Peter Hensinger zum Forschungsstand WLAN (30 min). Diagnose:funk will Eltern und ErzieherInnen mit diesem Film darin unterstützen, die Entwicklung ihrer Kinder unter dem Einfluss digi­taler Medien bestmöglich zu verstehen. Ihr Kind soll zu einem gesunden, selbstsicheren und intelligenten Menschen he­ranwachsen, um später mit den komplexen Anforderungen des Lebens gut zu­rechtkommen zu können. Wie kann das gelingen, wenn Kinder heutzutage im Alltag unzähligen digitalen Medien ausgesetzt sind, die ihren Bewegungsdrang einschränken und ihre sinnli­chen Erfahrungen verkümmern lassen? Hier müssen Eltern und Erzieher die rich­tigen Entscheidungen treffen. Dieser Film vermittelt Wissen von berufener Seite, der Hirnforschung. Prof. Gertraud Teuchert-Noodt forschte an ihrem Institut über 25 Jahre über das Ler­nen und die Gehirnentwicklung. Ihre Erkenntnisse über die Wirkungen digitaler Medien auf die Gehirnentwicklung werden im Film verständlich dargestellt.
Format: DIN B5Seitenanzahl: 156 Veröffentlicht am: 30.10.2018 Bestellnr.: 111Sprache: DeutschHerausgeber: diagnose:media

Gesund aufwachsen in der digitalen Medienwelt

Orientierungshilfe für Eltern und alle, die Kinder und Jugendliche begleiten.
Autor:
Autorenteam diagnose:media
Inhalt:
Viele Beobachtungen und Studien von Experten zeigen, dass der zu frühe Kontakt von Kindern und Jugendlichen mit den neuen Medien mit erheblichen Risiken für ihre Entwicklung und ihre Gesundheit verbunden ist. Wir wissen heute: Erst wenn das Kind seine biologisch notwendigen Entwicklungsschritte in den verschiedenen Lebensabschnitten gut bewältigt hat, kann es die Fähigkeit zu einem kompetenten und selbstbestimmten Medienumgang entwickeln. Das Buch nimmt die übergeordnete Fragestellung auf, was Kinder bzw. Jugendliche für ihre gesunde Entwicklung in verschiedenen Entwicklungsphasen brauchen. Der pädagogische Standpunkt der Autoren versucht eine Balance aufzuzeigen zwischen den Wünschen der Kinder und Jugendlichen und den Einschränkungen, die als Vorsorgemaßnahmen zur Abwendung von Gefahren erforderlich sind.
Artikel veröffentlicht:
21.11.2022
Autor:
Pressemitteilung Universität Uppsala / Schwedischer Forschungsrat