Physikerin Sabine Hossenfelder kritisiert: 5G könnte die Wettervorhersage verfälschen und wird ohne Technikfolgenabschätzung für die Gesundheit eingeführt.

Video: The trouble with 5G!
In einem 17 Minuten-Video analysiert die Physikerin Sabine Hossenfelder die Auswirkungen von 5G auf die Wettervorhersage und nimmt zum Stand der Forschung zu Gesundheitsrisiken Stellung.
Sabine Hossenfelder, Bild: Wikipedia

Die Physikerin Sabine Hossenfelder warnt in einem sehenswerten Video (Englisch mit deutschen Untertiteln) davor, dass 5G die Genauigkeit der Wettervorhersage auf den Stand von 1980 zurückkatapultieren könnte. Sie kritisiert, dass wieder eine Technologie eingeführt wird, ohne vorherige Konsultation der Wissenschaft. Ab Minute 6:20 erläutert sie das Problem. Da die Konzentration von Wasserdampf in der Atmosphäre von Satelliten bei 23.80 GHz ermittelt wird, sei dies "bedenklich nah" am 5G -Band (24.25 - 27.50 GHz). Obwohl es einige hundert MHz entfernt ist, könne sich das auf die Messungen auswirken, weil die Frequenzbänder nicht scharf begrenzt ("Leakage") seien. Hossenfelder belegt, dass sich internationale Organisationen erhebliche Sorgen machen, da die Entwicklung der Genauigkeit der Wettervorhersagen um Jahrzehnte zurückgeworfen werden könnte. Das hätte natürlich besonders angesichts der Klimakatastrophe und den Starkwetterereignissen katastrophale Folgen (Dokumentation dieser Debatte auf Wikipedia 5G, Kapitel: Electromagnetic interference). Wir meinen: Hier müsste auch dringend untersucht werden, welche Rolle dabei die geplanten nahezu 40 000 5G-Satelliten des StarLink Projekts spielen könnten (1). Umfassende aktuelle Informationen zu Starlink bei SWR2 - Wissen: Artikel 1, Artikel 2 und im Deutschlandfunk zur Rolle im Ukraine-Krieg.

Keine Gesundheitsrisiken durch 5G?

Hossenfelder geht auch auf mögliche Gesundheitsrisiken von 5G ein (ab Minute 4:20). Dazu lägen keine Beweise vor. Der Grund: die Risiken wurden bisher nicht erforscht. Auch hier kritisiert sie die fehlende Technikfolgenabschätzung. Sie stützt sich auf den Review von Karipidis et al. (2021): „5G mobile networks and health - a state-of-the-science review of the research into low-level RF fields above 6 GHz“(2). In diesem Review wird festgestellt, (i) von 107 untersuchten Studien erreichte nur eine einzige die maximale Qualitätsbewertung, (ii) die meisten Studien waren minderer Qualität, (iii) die Feldstärken entsprachen nicht denen, die bei 5G im Mobilfunkbetrieb genutzt werden.

Karipidis et al. schreiben zum Stand der Forschung zu 5G im Frequenzbereich über 6 GHz:

  • „Die Überprüfung umfasste 107 experimentelle Studien, in denen verschiedene Bioeffekte untersucht wurden, darunter Genotoxizität, Zellproliferation, Genexpression, Zellsignalisierung, Membranfunktion und andere Wirkungen. Die berichteten Bioeffekte wurden im Allgemeinen nicht unabhängig reproduziert, und die Mehrheit der Studien verwendete Methoden zur Expositionsbewertung und -kontrolle von geringer Qualität.“ (S.1)
  • „Unsere Metaanalyse ergab, dass der Großteil der Studien eine Qualitätsbewertung von weniger als 2 von 5 möglichen Punkten aufwies, wobei nur eine Studie eine maximale Qualitätsbewertung von 5 erreichte.“ (S. 16)  
  • „In Anbetracht der minderwertigen Methoden der meisten experimentellen Studien schließen wir daraus, dass eine systematische Überprüfung der verschiedenen Bioeffekte derzeit nicht möglich ist. Unsere Übersicht enthält Empfehlungen für zukünftige experimentelle Forschung.“ (S.16)

Als Resümee kritisiert Hossenfelder, dass wiederum eine Technologie eingeführt wird, ohne ihre Folgen mit Hilfe der Wissenschaft vorher gründlich zu untersuchen (min. 16:00). Dies bestätigt auch die Feststellung von Simko/Mattson (2019) in ihrem 5G Review für die Telekom:

  • "Die verfügbaren Studien liefern keine angemessenen und ausreichenden Informationen für eine aussagekräftige Sicherheitsbewertung oder für die Frage nach nichtthermischen Wirkungen." (3)

Das schlussfolgert auch der Bericht zur Technikfolgenabschätzung (TAB) "5G-Mobilfunk und Gesundheit" für das österreichische Parlament (2020). Der angekündigte TAB für den deutschen Bundestag wurde abgesagt.

Übrigens: Der 5G-Review von Karpidis et al. über nicht bekannte Gesundheitsrisiken wird derzeit von deutschen Landesbehörden als Beweis dafür zitiert, dass es keine 5G-Risiken gäbe. Wieder bluffen die Behörden mit der Methode, wie sie Vertreter der ICNIRP exemplarisch vorgeben: Nicht Wissen wird als Wissen ausgegeben!(4)

diagnose:funk

Hossenfelders Schlussfolgerungen bekräftigen indirekt die Forderungen, die in der STOA-Studie, publiziert vom Technikfolgenausschus des EU-Parlaments, und vom Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss (EWSA) formuliert werden: 5G dürfte angesichts dieser Wissenslücken und dem Stand der Forschung zu den bisherigen Frequenzen, auch zu den nachgewiesenen Auswirkungen auf die Umwelt und das Klima, nicht eingeführt werden. So warnt der EWSA:

  • "Was allerdings die komplexen Auswirkungen der nicht-ionisierenden elektromagnetischen Strahlung auf Flora und Fauna angeht, so ist sehr wenig über die nichtthermischen Auswirkungen bekannt, und noch viel weniger wird über dieses Thema überhaupt gesprochen. Die bekanntesten Studien beziehen sich auf die erheblichen und unmittelbaren Auswirkungen auf Bestäuberinsekten und Vögel, doch gibt es in der Wissenschaft zahlreiche Bedenken, was die Langzeitauswirkungen elektromagnetischer Emissionen auf Biosysteme angeht." (4.19)

Im Amtsblatt der EU vom 04.03.2022, S. 34 ff fordert der EWSA u.a.:

  • den Schutz vor elektromagnetischer "Verschmutzung" (!), vor allem durch 5G,
  • Anerkennung der Kritik der Bürgerinitiativen und der Ergebnisse der unabhängigen Forschung,
  • Anerkennung der Elektrohypersensibilität als Krankheit,
  • Überprüfung und Ersetzung der ICNIRP-Richtlinien für Grenzwerte durch ein unabhängiges Gremium,
  • die Einhaltung des Vorsorgeprinzips,
  • die Anerkennung der ökologischen Umweltrisiken und der Risiken für die Datensicherheit.

Quellen

(1) Martin Virnich: Mobilfunk und Internet per Satellit – Der Strahlungsgrill von oben? https://baubiologie-magazin.de/downloads/5g_satellit.pdf

>>> Umfassende Informationen zu Starlink bei SWR2 - Wissen: Artikel 1, Artikel 2

(2) Karipidis K, Mate R, Urban D, Tinker R, Wood A (2021): 5G mobile networks and health—a state-of-the-science review of the research into low-level RF fields above 6 GHz , Review J Expo Sci Environ Epidemiol 2021; 31 (4): 585-605

(3) Simkó M, Mattsson MO (2019): 5G Wireless Communication and Health Effects-A Pragmatic Review Based on Available Studies Regarding 6 to 100 GHz. Int J Environ Res Public Health 2019; 16 (18): E3406

(4) diagnose:funk: Eine Auseinandersetzung mit Prof. M. Rööslis Darstellung der Studienlage zu nicht-ionisierender Strahlung und 5G, https://www.diagnose-funk.org/1798

>>> David Michaels: Wenn wissenschaftliche Erkenntnisse mächtige Interessen bedrohen. Über die Taktiken der Industrie: Zweifeln säen, um Schutzvorschriften zu verhindern.

>>> ARTE-Doku: Forschung, Fake und faule Tricks.

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Informieren Sie sich über die Studienlage

 

Stand der Forschung, Zusammenfassung für Bürgerinitiativen >>> Aktueller Impulsvortrag 2022

diagnose:funk Zusammenstellung >>> Liste mit 113 Reviews

Publikation zum Thema

Klima-FlyerGrafik: diagnose:funk
August 2022Format: A5Seitenanzahl: 4 Veröffentlicht am: 12.08.2022 Bestellnr.: 318Sprache: deutschHerausgeber: diagnose:funk

Digitalisierung = Klimakiller?

Digital First, Planet Second? Ein Faltblatt für Umwelt- und Klima-Aktionen
Autor:
diagnose:funk
Inhalt:
diagnose:funk stellt den Initiativen ein Faltblatt zur Verfügung über ein Überlebensthema der Menschheit: die fortschreitende Klimakatastrophe. Die Digitalisierung ist ein Brandbeschleuniger dieser Katastrophe, warnt der Wissenschaftliche Beirat globale Umweltveränderungen der Bundesregierung (WBGU). Warum das so ist, weist der Flyer anhand vieler Fakten nach und zeigt Alternativen auf.
Artikel veröffentlicht:
04.09.2022
Autor:
diagnose:funk