David Michaels: Wenn wissenschaftliche Erkenntnisse mächtige Interessen bedrohen

Über die Taktiken der Industrie: Zweifeln säen, um Schutzvorschriften zu verhindern
„Handys machen keine Tumoren!“, wer dominiert wie die Berichterstattung in den Medien über Forschungsergebnisse? Man muss die Taktiken der Industrie kennen, um Meldungen über die Risiken oder Nichtrisiken von Produkten einordnen zu können. Bedeutende Analysen dazu hat Prof. David Michaels verfasst. Er war von 2009 bis 2017 stellvertretender Direktor der US-Arbeitsschutzbehörde Occupational Safety and Health Administration (OSHA). Bekannt wurde er durch sein Buch „Doubt is their Business“.
Foto: David Michaels

Wir veröffentlichen die Übersetzung eines „Klassikers“ der industriekritischen Literatur von 2005, den Artikel David Michaels & Celeste Monforton: Erzeugung von Ungewissheit: Umstrittene Wissenschaft und der Schutz von öffentlicher Gesundheit und Umwelt, der nichts an Aktualität verloren hat. Er analysiert die in den USA von der Kommunikationsagentur Hill & Knowlton (H&K) ausgearbeiteten knallharten Strategien der Vertuschung von Gesundheitsrisiken von Industrieprodukten. Es sind dieselben Muster, nach denen heute versucht wird, Forschungsergebnisse in Zweifel zu ziehen mit den Taktiken: anzweifeln, lächerlich machen, Scheinkontroversen inszenieren, Nebenkriegsschauplätze in die Diskussion werfen, Verharmlosungsgutachten publizieren, Entscheidungen verhindern mit der Forderung "Es muss noch weiter geforscht werden".  

>>> Download des Artikels von Michaels & Monforton

Einige Zitate aus dem Artikel vom Michaels & Monforton zu den Haupttaktiken, die im Artikel mit Beispielen belegt werden:

Agenturen geben Kommunikationsstrategien vor: "Anzweifeln!"

Michaels & Monforton (ff. MM) schreiben über die Taktik des Anzweifelns:

  • „Ungewissheit und Zweifel an wissenschaftlichen Beweisen zu produzieren ist allgegenwärtig in der organisierten Opposition gegen die Versuche der Regierung, Gesundheitsrisiken zu regulieren.“(MM, S.3)
  •  „Die Kriterien für die Veröffentlichung von Artikeln in dieser Zeitschrift waren klar und deutlich: "Das wichtigste ist eine Geschichte, die Zweifel an der Ursache-Wirkungs-Theorie von Krankheit und Rauchen aufwirft." Um sicherzustellen, dass die Botschaft klar vermittelt wird, riet die PR-Firma, dass Schlagzeilen "den Punkt deutlich herausstellen sollten-Kontroverse! Widersprüchlichkeit! Andere Faktoren! Unbekanntes!““ (MM, S.3)

In Deutschland hat diese Rolle u.a. derzeit bei der 5G-Werbung der Bundesregierung die Werbeagentur Scholz & Friends. Teil der Kommunikationsstrategie ist ein Basic-Talk nach Trumpschem Muster, einfach eine Behauptung aufstellen. Zu den Grenzwerten behauptet die Bundesregierung:

  • „Bisher konnte keine der behaupteten nichtthermischen Wirkungen nachgewiesen werden. Aus diesem Grund bleibt die thermische Wirkung die einzige nachgewiesene Wirkung des Mobilfunks unterhalb der Grenzwerte. Vor gesundheitsrelevanten Temperaturerhöhungen schützen die geltenden Grenzwerte." [1]

Nicht nur, dass inzwischen hunderte Forschungsergebnisse nicht-thermische Wirkungen nachweisen, selbst das Schweizer Bundesamt für Umwelt (BAFU) bestätigt sie. Sowohl die STOA-Studie, herausgegeben vom Technikfolgenausschuss des EU-Parlaments als auch die Stellungnahme des Europäischen Wirtschafts-und Sozialausschusses (EWSA), veröffentlicht im Amtsblatt der EU, fordern neue Grenzwerte, die nicht-thermische Wirkungen in die Risikoabschätzung einbeziehen. Zur NTP-Studie behauptet  die Bundesregierung:

  • „Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) hat das Ergebnis der US-Mobilfunk-Studie bereits 2019 kommentiert. Die Studie liefert demnach keine aussagekräftigen Belege, dass Mobilfunknutzung unterhalb der Grenzwerte das Krebsrisiko beim Menschen erhöht.“ (s.o)

Alle an der Studie beteiligten Wissenschaftler und die Peer-Reviewer der NTP-Studie weisen diese Fehlinterpretation zurück. Dazu haben wir mehrere Analysen veröffentlicht.

Kausalität gegen das Vorsorgeprinzip

Zu taktischen Forderung der Industrie, dass erst gehandelt werden kann, wenn ein kausaler Beweis (Ursache-Wirkung) vorliege, schreiben Michaels & Monforton:

  • „Auf den Rat der Experten von Hill & Knowlton hin betonte die Tabakindustrie drei grundlegende Punkte: "Dass Ursache-Wirkung Beziehungen nicht nachgewiesen sind, dass statistische Daten keine Antworten liefern und dass viel mehr Forschung erforderlich ist. " (MM, S.2)
  •  „Die Humandaten sind nicht repräsentativ, die Tierdaten seien nicht relevant, oder die Expositionsdaten seien unvollständig oder nicht zuverlässig. Diese Behauptungen wurden oft begleitet von der Erklärung, dass mehr Forschung erforderlich ist, bevor Schutzmaßnahmen gerechtfertigt sind.“ (MM, S.4)
  • „Sie engagieren Wissenschaftler, die zwar nicht leugnen, dass ein Zusammenhang zwischen der Exposition und der Krankheit besteht, aber so argumentieren, dass "die Beweise nicht schlüssig sind". Infolgedessen ist ein lukratives Geschäft mit Wissenschaft auf Bestellung entstanden.“ (MM, S.6)

Wie das sogenannte „Kausalitätsprinzip“ vorgeschoben wird, um Nichtstun zu begründen, das behandeln wir im Brennpunkt „Der Kausalitätsbetrug“.

Scheinwissenschaftliche Gremien gründen

Studie Michaels & Monforton

Um die Öffentlichkeit zu beruhigen, gründet man scheinneutrale Beratungsorganisationen:

  • „Angesichts einer massiven Epidemie hat die Industrie die Wissenschaft in Frage gestellt und verzerrt. Im Jahr 1967 beauftragte Johns-Manville, der größte nordamerikanische Asbestproduzent, die Hill & Knowlton, die empfahl, die Asbestos Information Association (AIA) zu gründen.“ (MM, S.3)

 

 

 

In Deutschland ist das u.a. das sich neutral gebende IZMF (Informationszentrum Mobilfunk), ein Zusammenschluss der Mobilfunkbetreiber. Aber auch das KEMF (Kompetenzzentrum elektromagnetische Felder des Bundesamtes für Strahlenschutz) nimmt diese Aufgabe war.

Forschungsergebnisse lächerlich machen

Michaels & Monforton beschreiben, wie durch Lächerlichmachung Ergebnisse diskreditiert werden:

  • „Die Junk-Science-Bewegung versucht, Forschung lächerlich zu machen, die mächtige Interessen bedroht (unabhängig von der Qualität dieser Forschung).“ (MM, S.5)

>>> In Deutschland wurden für den Mobilfunk Textbausteine entwickelt, die auch die Bundesregierung in ihrem 5G-Argumentationspapier für Kommunen verwendet, um die Eingruppierung der Strahlung in „möglicherweise krebserregend“  lächerlich zu machen:

  •  „Es ist wirklich sinnvoll, sich einmal mit der Einstufung der Krebsrisiken durch die IARC zu befassen, um nicht in allzu große Sorgen zu verfallen: Demnach fällt auch eingelegtes Gemüse für die IARC in die Kategorie „möglicherweise krebserregend“.“ (s.o.)

Einfach ein Bluffargument: Es ist nicht eingelegtes Gemüse, sondern ein Fermentierungsprozess in asiatischen Ländern, der hier bewertet wurde. Dieses demagogische Argument haben wir in einer Artikelserie bereits vor mehreren Jahren richtiggestellt.

Paralyse durch Analyse

Studie gegen Studie, so blockiert man den Erkenntnisprozess:

  • „Gegner von Regulierung beauftragen oft wissenschaftliche Beratungsfirmen, die auf "Produktverteidigung" spezialisiert sind, um Daten aus Studien, die zur Unterstützung öffentlicher Gesundheits- und Umwelt-Schutzmaßnahmen verwendet wurden, neu zu analysieren. Dies führt manchmal dazu, dass die Existenz von scheinbar gleichwertigen oder gegensätzlichen Studien die politischen Entscheidungsträger dazu ermutigen, nichts zu tun angesichts scheinbar widersprüchlicher Ergebnisse.“ (MM, S.8)
  • "Berater in den Bereichen Epidemiologie, Biostatistik und Toxikologie werden häufig von Industriezweigen beauftragt, um Daten anzufechten, die von Regulierungsbehörden bei der Entwicklung von Gesundheits- und Sicherheitsstandards verwendet werden. Diese Berater analysieren oft Studien, die positive Ergebnisse berichtet hatten, neu, wobei die erhöhten Krankheitsrisiken in der Neuanalyse verschwinden." (MM, S. 6)

>>> in Deutschland konnte man 2022 diese Taktik verfolgen: Die Daten der MOBI-Kids-Studie und der UK MIllion Women Studie wurden verharmlosend in der Presse als Entwarnung vor Risiken dargestellt. Wie im Zusammenspiel zwischen Industrie und Wissenschaft die Entwarnung lanciert wird, zeigt beispielhaft der Artikel des IZMF zur UK Million Women Studie.

Die politischen Ziele und das neoliberale Roll-Back

Es ist also keine Wissenschaftsdebatte, die die Regierungen und die Industrie führen, sondern es wird Verwirrung für politische und wirtschaftliche Ziele gestiftet, so schreiben Michaels & Monforton::

  • „In unserem derzeitigen Regulierungssystem ist die Debatte über Wissenschaft zu einem Ersatz für die Debatte über Politik geworden.“ (MM, S.8)

Es ist offensichtlich: um den Ausbau der Mobilfunkinfrastruktur und den Konsum digitaler Produkte reibungslos zu beschleunigen, die Bürgerinitiativen zu widerlegen, werden  scheinwissenschaftliche Entwarnungsmeldungen lanciert.

Dieser Artikel von Michaels & Monforton schärft den Blick für die Einordnung der gegenwärtigen Mobilfunkpolitik. Ähnliche Analysen hat bereits 2001 die EUA (Europäische Umweltagentur) in den Bänden „Späte Lehren aus frühen Warnungen“ publiziert, in denen ein 10 Phasenschema dieser Taktik herauskristallisiert wird.

Alle Analysen, auch die von Michaels & Monforton zeigen: in den 70er bis Anfang der 2000er Jahren, vor dem neoloberalen Roll-Back, gab es noch ein kritisches Potential von Wissenschaftlern in den Behörden, was z.B. in der EUA-Veröffentlichung und in den 2005 formulierten "Leitlinien Strahlenschutz" des Bundesamtes für Strahlenschutz zum Mobilfunk zum Ausdruck kam, die das Risikpotential der Strahlung formulierten und staatliche Regulierung einforderten. Die Leitlinien wurden auf Druck des Unternehmerverbandes Bitkom zurückgezogen. diagnose:funk hat sie für die Nachwelt "gerettet". Im Jahr 2017 übergaben wir die Leitlinien bei einem Termin im Bundesamt für Strahlenschutz in Oberschleißheim der damals neuen Präsidentin Dr. Inge Paulini mit der Empfehlung und Bitte, das Bundesamt anhand dieser Leitlinien wieder auf eine Schutzpolitik auszurichten. "Where have all the flowers gone?"

Quellen:

[1] Bundesregierung (ohne Datum): Fragen und Antworten –Deutschland spricht über 5G;

https://www.deutschland-spricht-ueber-5g.de/faqs/

https://www.braunschweig.de/digitalisierung-online-services/breitbandausbau/medien/RS_T-7116_Broschuere_Deutschland_spricht_ueber_5G_Anlage.pdf

Veröffentlichung der Übersetzung des Artikels von Michaels & Monforton mit freundlicher Genehmigung von Prof. David Michaels

Schriften David Michaels

Weiterführende Literatur:

David Michaels: Triumph of Doubt: Dark Money and the Science of Deception, 2020

David Michaels: Doubt Is Their Product: How Industry's Assault on Science Threatens Your Health, 2002

Reed et al.: The disinformation playbook: how industry manipulates the science‑policy process—and how to restore scientific Integrity, 2021, https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/34811464/

Diagnose:funk Brennpunkte zum Thema Industrie, Wissenschaft, Lobby s.u.

Publikation zum Thema

Januar 2022Format: A4Seitenanzahl: 12 Veröffentlicht am: 18.01.2022 Bestellnr.: 247Sprache: deutschHerausgeber: diagnose:funk

Wie die Telekommunikationsindustrie die Politik im Griff hat


Autor:
diagnose:funk
Inhalt:
diagnose:funk legt in diesem Brennpunkt eine Recherche zur Lobbyarbeit der Mobilfunkindustrie und BITKOM-Branche zur Digitalisierung vor, basierend auf der Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Fraktion DIE LINKE „Beziehungen von Telekommunikationsunternehmen zur Bundesregierung“ (Bundestagsdrucksache 18/9620, 13.09.2016). Sechs Grafiken verbildlichen die Verflechtungen. Politisch eingeordnet wird diese Analyse auf Grund eigener Erfahrungen mit Besuchen bei Bundestagsabgeordneten und dem neuen Buch „Lobbyland. Wie die Wirtschaft unsere Demokratie kauft“ (2021) des ehemaligen Dortmunder SPD-Abgeordneten Marco Bülow über seine 18-jährigen Erfahrungen im Bundestag und weiteren Literaturrecherchen.
April 2020Format: 10 Seiten / A4Veröffentlicht am: 03.04.2020 Bestellnr.: 240Sprache: DeutschHerausgeber: diagnose:funk

Der Kausalitäts-Betrug

Was die Mobilfunkdiskussion mit Alkohol, einem Affen und Kater zu tun hat- eine Auseinandersetzung mit Positionen des Bundesamtes für Strahlenschutz.
Autor:
Jörn Gutbier/Peter Hensinger
Inhalt:
Warum vertritt das Bundesamt für Strahlenschutz trotz der Studienlage, dass es keine Beweise für die Gesundheitsschädlichkeit der Mobilfunkstrahlung gibt? Dieser Artikel beschäftigt sich mit dem Kernargument des Bundesamtes für Strahlenschutz, der Kausalität als Kriterium für eine Schutzpolitik. Ausnahmslos alle vorliegenden Studien, so begründet es das Bundesamt für Strahlenschutz, hätten bisher keinen kausalen Zusammenhang zwischen Strahlungseinwirkung und Zellschädigungen nachweisen können. Deshalb brauche es auch keine Schutzpolitik. Korrelationen oder Indizien reichten dafür nicht aus. Warum diese Kausalitätstheorie, die wissenschaftlich logisch erscheint, unwissenschaftlich ist, dem Vorsorgeprinzip widerspricht und in der Konsequenz Geschäftsmodelle der Industrie rechtfertigt, damit setzt sich der Brennpunkt auseinander.
Titelblatt brennpunkt Salford Bild: diagnose:funk
März 2022Format: A4Seitenanzahl: 12 Veröffentlicht am: 15.03.2022 Bestellnr.: 248Sprache: deutschHerausgeber: diagnose:funk

Die Öffnung der Blut-Hirn-Schranke durch Mobilfunkstrahlung: Ergebnisse der Salford-Studien


Autor:
Louis Slesin / Microwave News / diagnose:funk
Inhalt:
Die Diskussion über die Ergebnisse der Salford-Studien zur Öffnung der Blut-Hirn-Schranke durch Mobilfunkstrahlung stand Anfang der 2000er Jahre in der Wissenschaft und bei den Mobilfunkkritikern im Focus. Kann eine Technologie eingeführt werden, die das Gehirn schädigt? Heftige Debatten fanden statt. Die Mobilfunkindustrie erkannte die Brisanz dieser Studie und befürchtete, dass der Staat regulierend eingreift. Sie startete eine weltweite Kampagne zur Verharmlosung von Salfords Ergebnissen. Louis Slesin hat anlässlich des 80. Geburtstags von Leif Salford die Geschichte seiner Forschung und die politischen Intrigen gegen ihn aufgearbeitet. Die Ergebnisse von Salford haben gerade aktuell, wo Smartphones und WLAN als Lernmittel an Schulen eingeführt werden, eine zentrale Bedeutung. Denn sie beweisen: Das Gehirn wird durch Mikrowellenstrahlung geschädigt.
April 2021Format: DIN A4Seitenanzahl: 16 Veröffentlicht am: 22.04.2021 Bestellnr.: 244Sprache: DeutschHerausgeber: diagnose:funk

Grenzwerte, die von der Lobbyorganisation ICNIRP mit Sitz im Bundesamt für Strahlenschutz empfohlen werden, schützen nicht

Analyse zur Lobbypolitik der Mobilfunkindustrie in der Schweiz und international
Autor:
Lennart Hardell / Michael Carlberg
Inhalt:
Hardell/Carlberg analysieren, warum die Gesundheitsrisiken der Hochfrequenzstrahlung des Mobilfunks und der 5G-Technologie in einem Bericht einer Expertengruppe der Schweizer Regierung und in einer kürzlich erschienenen Veröffentlichung der Internationalen Kommission zum Schutz vor nicht-ionisierender Strahlung (ICNIRP) ignoriert werden. Es sind Interessenkonflikte und Verbindungen zur Industrie, die zu den voreingenommenen Berichten beigetragen haben. Hardell / Carlberg analysieren dieses Kartell von Einzelpersonen, die die Bewertungsausschüsse monopolisieren, industriefreundliche Grenzwerte festlegen und das Null-Risiko-Paradigma stärken.
Format: A4Seitenanzahl: 46 Veröffentlicht am: 26.03.2021 Bestellnr.: 243Sprache: DeutschHerausgeber: diagnose:funk

Die Butler-Recherchen enthüllen den Einfluss der Mobilfunkindustrie auf die weltweite Strahlenschutzpolitik

Lobbysystem ICNIRP und Bundesamt für Strahlenschutz - Teil I
Autor:
Tom Butler
Inhalt:
Die Strahlenschutzpolitik national und international wird dominiert von den Richtlinien und Forschungsinterpretationen der ICNIRP (International Commission on Non​-Ionizing Radiation Protection), die ihren Sitz im Bundesamt für Strahlenschutz hat. Prof. Tom Butler (Irland) analysiert ihre Geburt und Geschichte als verlängerter Arm der Industrie.
Format: DIN A4Seitenanzahl: 12 Veröffentlicht am: 27.11.2020 Bestellnr.: 242Sprache: DeutschHerausgeber: diagnose:funk

Heftige Debatte um die Insektenstudie

Klarstellung zum Review "Biologische Wirkungen elektromagnetischer Felder auf Insekten"
Autor:
diagnose:funk
Inhalt:
Dieser Brennpunkt nimmt Stellung zu den vielen Reaktionen zu dem Review „Biologische Wirkungen elektromagnetischer Felder auf Insekten“ (2020) von Alain Thill vor. Darin wird die weltweite Studienlage zur Wirkung elektromagnetischer Felder (EMF) auf Insekten dargestellt. Der Review kommt zu dem Ergebnis, „dass elektromagnetische Felder einen ernstzunehmenden Einfluss auf die Vitalität von Insektenpopulationen haben könnten“. Der Review wurde von der Luxemburger Umweltorganisation AKUT herausgegeben und in der Zeitschrift umwelt-medizin-gesellschaft veröffentlicht. Über die Studie wurde nicht nur deutschlandweit, sondern auch darüber hinaus berichtet. Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) sowie die österreichischen und deutschen Mobilfunkbetreiber kritisierten in Stellungnahmen den Review als unwissenschaftlich, seine Schlussfolgerungen seien nicht durch die Studienlage gedeckt. Dass von politisch hoher Stelle, also dem Bundesamt für Strahlenschutz, Stellung bezogen wird, bestätigt die Bedeutung dieses Reviews. Auch einige Journalisten kritisierten den Review. Doch sind die Kritiken berechtigt? Auf all diese Reaktionen gehen wir ausführlich in diesem Brennpunkt ein.