40 tote Kühe - Zwangsabschaltung in Frankreich

Gericht ordnet 2 Monate Abschaltung einer Sendeanlage nach 40 toten Kühen und stark reduzierter Milchleistung an
Ein französischer Landwirt hat seinen Kampf um die vorübergehende Abschaltung einer 4G-Antenne gewonnen, nachdem er behauptet hat, dass diese die Gesundheit seiner Kuhherde schädigt.
Funkturm ländlicher Raum, SymbolbildKarsten v. Bruch

In dem Bericht des Magazins "The scottisch Farmer" wird in dem Artikel von John Sleigh berichtet, dass ein französischer Landwirt seinen Kampf um die vorübergehende Abschaltung einer 4G-Antenne gewonnen hat, nachdem er behauptet hat, dass diese die Gesundheit seiner Kuhherde schädigt. Hier sein Bericht:

Zweimonatige Abschaltung

"Das Verwaltungsgericht in Clermont-Ferrand ordnete die zweimonatige Abschaltung an, nachdem Frédéric Salgues, ein Landwirt in Haute-Loire, den Verdacht geäußert hatte, dass die Antenne der Gesundheit seiner Kuhherde schade.

Das Gericht erklärte:

  • "Es ist angemessen, die vorübergehende Einstellung des Betriebs dieser Antenne für einen Zeitraum von zwei Monaten anzuordnen, unter Berücksichtigung ihrer allgemeinen Auswirkungen und unter Überwachung des Verhaltens der Herde, insbesondere der Milchkühe, durch einen gerichtlichen Sachverständigen während dieses Zeitraums."

Antennen vorrübergehend abschalten - telefonieren soll aber möglich bleiben

Der Mobilfunkbetreiber Orange hat nun drei Monate Zeit, um dem Urteil Folge zu leisten und den Betrieb der Antenne einzustellen, muss aber sicherstellen, dass seine Kunden in dem betroffenen Gebiet weiterhin telefonieren können.

Nach der Entscheidung erklärte Herr Salgues gegenüber der französischen Presse, er hoffe, dass sich seine Kühe "so schnell wie möglich erholen" würden und bezeichnete das Urteil als "eine große Erleichterung und einen Sieg".

40 Kühe gestorben - Milchleistung stark zurückgegangen

Herr Salgues sagte, dass seit der Installation der Antenne im Juli 2021 - 200 Meter von seinem Betrieb in Mazeyrat-d'Allier (Haute-Loire) entfernt - etwa 40 seiner normalerweise 200-köpfigen Herde gestorben seien und die Milchproduktion innerhalb weniger Tage nach dem Einschalten der Antenne um 15 bis 20 % zurückgegangen sei.

Er behauptete:

  • "Es gibt keine medizinischen Gründe, die diesen brutalen Rückgang der Milchproduktion erklären könnten".

Philippe Molhérat, der Bürgermeister von Mazeyrat-d'Allier, der die Installation der Antenne zuvor genehmigt hatte, sagte zu Gunsten des Landwirts aus. Er sagte, dass er eine "menschliche Katastrophe" befürchte und dass seine "Sorgen" um die 1.500 Einwohner seines Dorfes zunähmen.

Der vom Gericht bestellte Rechtsexperte erklärte:

  • "Diese Herde gehört zu den besten 10 bis 20 % des Departments" und "ich habe keine medizinische Erklärung, die den abrupten Rückgang der Milchproduktion um 15 bis 20 % in den Tagen nach der Inbetriebnahme der Antenne erklären könnte".

Die Anwälte der von dem Urteil betroffenen Mobilfunkbetreiber, zu denen neben Orange auch Free und Bouygues Telecom gehören, erklärten jedoch, es gebe "keine wissenschaftlichen Beweise" für einen Zusammenhang zwischen Gesundheitsproblemen bei Tieren und elektromagnetischen Feldern im Umfeld von Mobilfunkantennen."

Hinweis d:f: Bereits 2003 wurde durch die sog. Rinder-Studie von Prof. Löscher am Institut für Pharmakologie, Toxikologie und Pharmazie der Tierärztlichen Hochschule Hannover nachgewiesen, dass elektromagnetischen Felder von Mobilfunksendeanlagen einen Einfluss auf Leistung, Gesundheit und Verhalten landwirtschaftlicher Nutztiere haben.
Die Studie ist hier im Download eingestellt >>>.
 

__ Ergänzung d:f 17.06.2022 ________________________________________________

 

Der Antennenstandort ist bei Google >>> als "Geschlossen" gekennzeichnet. Der betroffene Hof dürfte der in ca. 250 m südlicher Entfernung auf 170-180° sein.

Auf der französischen Standortdatenbank Cartoradio ist der Standort hier eingetragen: https://www.cartoradio.fr/#/cartographie/lonlat/3.52320/45.12910

Auf dem 30 m Masten sind die vier französischen Betreiber mit jeweils 3G und 4G genehmigt. Die relevanten Senderichtungen aller Betreiber sind mit 140° und 220° angegeben. Desweiteren sind acht Richtfunkstrecken angeführt. Was davon bereits alles in Betrieb ist/war, ist nicht bekannt. Der nächstgelegene Sender steht westlich 4,2 km entfernt, zwei weitere im Osten und Süden mehr als 5 km entfernt. Wie das mit der ´Aufrechterhaltung der Telefonie` umgesetzt werden wird, könnte eine entscheidende Frage sein.

Der offizielle Messwert im Außenbereich des Stalls wird in der Entfernung von 262 m zum Senderstandort (Antennenhöhe 19,8 m) mit 0,79 V/m (= 1.650 µW/m²) angegeben.

__ Ergänzung d:f 20.06.2022 ________________________________________________

 

Supergau mit Ansage? - Die Betreiber wollen das Urteil kippen

Die vier französischen Mobilfunkbetreiber haben laut LeFigaro >>> Einspruch beim Conseil d'état (Staatsrat - Oberste Verwaltungsgericht und Beratergremium der Regierung in Rechtsfragen) gegen das Urteil eingelegt. Als Argument wird angeführt, dass die ca. 450 Haushalte, die diese Antenne abdecken würde, dann nicht mehr versorgt werden könnten und kein Zugang zu Notrufnummern mehr bestehen würde. Laut LeFigaro erklärte ein Sprecher von Orange, die Antenne sei im Rahmen der Operation "New Deal" installiert worden, einer 2018 zwischen dem Staat und den Betreibern unterzeichneten Vereinbarung, um eine flächendeckende Mobilfunkversorgung für alle Franzosen zu erreichen.

 

Ein Kommentar: Überall das Gleiche

diagnose:funk wertet das vorliegende Urteil als einen möglichen Supergau mit Ansage für die Mobilfunkbetreiber. Sollte die Abschaltung tatsächlich erfolgen und der Nachweis geführt werden, dass sich die Kühe wieder erholen und die übliche Turbo-Milchleistung liefern, stehen nicht nur die Betreiber, sondern auch die staatlichen Verteidiger der Ungefährlichkeit des Mobilfunks ganz schön dumm da.

Von daher gehen wir davon aus, dass alle Akteure des "New Deal" gemeinsam ´Himmel und Hölle` bewegen werden, diesen Nachweis zu verhindern - wie die o.g. Intervention bereits andeutet.

Der "New Deal" in Frankreich ist ziemlich derselbe, welcher in Deutschland unter dem Schlagwort Mobilfunkvereinbarung verabredet wurde - Politiker, Mobilfunkbetreiber und staatlich Stellen, alle in einem Bett ...

Publikation zum Thema

Format: A4Seitenanzahl: 12 Veröffentlicht am: 23.07.2015 Bestellnr.: 722Sprache: DeutschHerausgeber: Kompetenzinitiative e.V.

Die Auswirkungen elektromagnetischer Felder auf Tiere

Ein Forschungsbericht
Autor:
Dr. rer. nat. Ulrich Warnke
Inhalt:
Aus dem Vorwort: "Der hier vorgelegte Forschungsbericht zur Schädigung der Tiere wurde ursprünglich für die Positionsbestimmung des BUND Für zukunftsfähige Funktechnologien. Begründungen und Forderungen zur Begrenzung der Gefahren und Risiken durch hochfrequente elektromagnetische Felder (2008) geschrieben. Die Ergebnisse der ausgedehnten wissenschaftlichen Recherchen konnten darin naturgemäß nur stark verkürzt aufgenommen werden. Dass wir den Forschungsbericht nun auch in einer umfänglicheren Gestalt zugänglich machen, versteht sich aber auch als Antwort auf ein verharmlosendes Papier des Bundesamtes für Strahlenschutz vom 15. 10. 2008: Stellungnahme zur Frage möglicher Wirkungen hochfrequenter und niederfrequenter elektromagnetischer Felder auf Tiere und Pflanzen. (...)"
Brennpunkt März 2020Format: DIN A4Seitenanzahl: 13 Veröffentlicht am: 02.03.2020 Bestellnr.: 239Sprache: DeutschHerausgeber: diagnose:funk

EU-Briefing: „Studien deuten darauf hin, dass 5G die Gesundheit von Menschen, Pflanzen, Tieren, Insekten und Mikroben beeinträchtigen könnte!“

Handreichung für Abgeordnete des des Europäischen Parlaments
Autor:
Wissenschaftlicher Dienst der EU
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Dieser Brennpunkt enthält die Übersetzung einer Analyse des wissenschaftlichen Dienstes der Europäischen Union zur 5G Technologie mit dem Titel: "Briefing: Auswirkungen der drahtlosen 5G-Kommunikation auf die menschliche Gesundheit". Die Kernaussage: "Studien deuten darauf hin, dass 5G die Gesundheit von Menschen, Pflanzen, Tieren, Insekten und Mikroben beeinträchtigen könnte!" Das Papier warnt aus drei Gründen vor der Einführung von 5G: Erstens: Die bestehenden Grenzwerte sind auf 5 G nicht anwendbar. Zweitens: Die Studienlage zu den bisherigen Frequenzen, also GSM, UMTS und LTE weist eindeutig nach, dass sie die Gesundheit schädigen können. Drittens: 5G kann diese Risiken erhöhen. Diese Risiken werden im Briefing mit Hinweisen auf zahlreiche Forschungsergebnisse untermauert. Dieses Briefing ist eine Entscheidungsgrundlage für EU-Abgeordnete, also noch nicht unter dem Druck der Mobilfunkindustrie geglättet oder verwässert.
Artikel veröffentlicht:
15.06.2022
Artikel aktualisiert:
20.06.2022
Autor:
John Sleigh
Quelle:
The Scottisch Farmer

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