16. Juni - Tag der Elektrohypersensibilität (I)

Offener Brief zum Thema Mobilfunkausbau und Elektrohypersensibilität
Menschen mit EHS sind vom normalen Leben ausgeschlossen, denn die künstlich erzeugte Strahlung ist überall. Sie fordern Lösungen, die uns alle angehen. Denn wir alle können durch die Dauerbelastung Elektrohypersensibel werden. Elektrohypersensible Menschen, die sich aus Städten in den Schwarzwald zurückziehen mussten, haben einen eindringlichen Brief verfasst.
Grafik: diagnose:funk

Aufkleber zum Tag der Elektrosensibilität hier bestellen:

https://shop.diagnose-funk.org/Aufkleber-Internationale-Woche-EHS

 

Funkfreie Schwarzwaldidylle, Rückzugsort für elektrohypersensible Menschen.Foto: diagnose:funk

Bürgerinitiative „Verantwortungsvoller Mobilfunk südlichster Schwarzwald“ März 2022

Offener Brief zum Thema Mobilfunkausbau und Elektrohypersensibilität

Sehr geehrte Damen und Herren der zuständigen deutschen Behörden und Ämter,

sehr geehrte Politikerinnen und Politiker,

liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

dies ist ein Aufruf zum verantwortungsvollen Handeln angesichts einer wachsenden Anzahl von deutschen Bürgerinnen und Bürgern, die zu „Flüchtlingen im eigenenLand“ geworden sind.

Der Grund ist nicht die Corona-Pandemie, wohl aber wird die Lebenssituation dieser Menschen dadurch noch zusätzlich erschwert. Es sind redliche Mitbürgerinnen und Mitbürger, die seit geraumer Zeit, oft bereits seit vielen Jahren, schon mitten in unserer Gesellschaft ein trauriges Schattendasein führen (müssen). Am öffentlichen Leben können viele von Ihnen nicht mehr oder nur sehr eingeschränkt teilnehmen.

Die Rede ist von elektrohypersensiblen Menschen, welche - teils schon seit vielen Jahren - mit erheblichen Gesundheitsproblemen auf elektromagnetische Felder (EMF)/Strahlung reagieren und nun mit dem unablässigen Fortschreiten der Digitalisierung und dem damit verbundenen Mobilfunkausbau zunehmend in eine immer aussichtslosere Situation gedrängt werden. So haben sich bereits weltweit und auch in unserem Land elektrohypersensible Menschen aus Verzweiflung das Leben genommen.

Einige dieser an Elektrohypersensibilität (EHS) leidenden Menschen haben sich im südlichsten Schwarzwald, auch in noch funkarmen Gebieten des Hotzenwaldes angesiedelt und dort eine neue Existenz aufgebaut. Sie leben zurückgezogen und gehen kaum an die Öffentlichkeit. Nun aber, da viele neue Sender (4G/5G) geplant sind, fühlen wir uns als Bürgerinitiative „Verantwortungsvoller Mobilfunk südlichster Schwarzwald“ verpflichtet, ein Sprachrohr für diese Menschen zu werden. Unser Anliegen wird vom Verein „Lebenswerter Hochrhein e.V.“ unterstützt.

Wie lange sollen sie noch an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden, ihre Heimat, Familie, Freunde, Kinder, Arbeitsstellen verlassen müssen, von Haus zu Haus umziehen und vor allem wohin sollen sie denn ziehen, wenn alle funkarmen Gebiete verstrahlt werden? Wie lange sollen sie mit dieser Erkrankung noch ohne gesellschaftliche Anerkennung leben? Wie lange müssen sie noch dieses menschenunwürdige Schattendasein führen?

Es gibt bereits seit 8 Jahrzehnten wissenschaftliche Erkenntnisse über die Wirkung von Hochfrequenzwellen auf die menschliche Gesundheit. 1932 bereits beschrieb der deutsche Arzt, Prof. Dr. Erwin Schliephake (Gießen) das „Mikrowellensyndrom“. In einem Interview vom 22.3.2016 erklärte der französische Arzt für Onkologie Prof. Dominique Belpomme, einer der führenden unabhängigen Forscher auf diesem Gebiet: „Zunächst muss man wissen, dass alle Lebewesen elektrosensibel sind. Genau wie Vögel und Bienen reagiert auch der Mensch auf elektromagnetische Felder. Problematisch wird erst die Hypersensitivität, also eine Überempfindlichkeit, die durch ein Absinken der Toleranzschwelle gegenüber elektromagnetischen Wellen entsteht.“ Das Bundesamt für Strahlenschutz spricht von ca. 1 Prozent der Bevölkerung, die an Elektrohypersensibilität leiden, Betroffenenverbände gehen von weit höheren Zahlen aus.

Im Gegensatz zu Schweden ist in Deutschland diese gesundheitliche Einschränkung nicht anerkannt. Betroffene haben Schwierigkeiten, einen Arzt zu finden, der ihre Beschwerden ernst nimmt. Ein Krankenhausaufenthalt ohne funkabgeschirmte Zimmer macht eine Genesung zunichte, die Möglichkeit einer Kur entfällt auf Grund der überall strahlenden WLan-Router, Dect-Telefone und Smartphone-nutzenden Mitpatienten.

In Schweden gilt die Elektrohypersensibiltät (EHS) seit 2002 als „körperliche Beeinträchtigung“ und ist als „funktionelle Behinderung“ anerkannt. Vom schwedischen Staat werden Personen mit dieser Beeinträchtigung Schutzmaßnahmen bezahlt, Elektrohypersensible erhalten einen maximalen Rechtsschutz, und es werden ihnen strahlungsfreie Behandlungszimmer in Krankenhäusern zur Verfügung gestellt. Sie haben nicht nur ein Recht auf Unterstützung, sondern auch ein Recht auf einen elektrosmogfreien Arbeitsplatz und Kommunen stellen Wohnungen in unbelasteten Gegenden zur Verfügung.

In vielen europäischen Ländern wurden Vorsichtsmaßnahmen gegen Strahlenbelastung zum Schutz von Kindern erlassen (z.B. Frankreich, Belgien, Österreich, Malta). Das Europaparlament forderte 2009 „die Mitgliedsstaaten auf, dem Beispiel Schwedens zu folgen und Menschen, die an Elektrohypersensibilität leiden, als behindert anzuerkennen, um ihnen einen angemessenen Schutz und Chancengleichheit zu bieten.“ Der Europarat forderte 2011 in der Resolution 1815besondere Aufmerksamkeit elektrohypersensiblen Personen zu widmen, die an einem Syndrom aus Intoleranz gegenüber elektromagnetischen Feldern leiden, um diese Personen zu schützen, einschließlich der Errichtung strahlungsfreier Gebiete, die nicht durch drahtlose Netzwerke abgedeckt sind“ (>>> Download s.u.).

Des Weiteren wurde die Elektrohypersensibilität im Ausland mehrfach gerichtlich anerkannt, so erkannte z.B. ein Gericht in Frankreich diese Krankheit als schwere Behinderung an und sprach der Klägerin finanzielle Hilfen zu.

In Deutschland jedoch sind die Elektrohypersensiblen weiterhin rechtlos und schutzlos. Ihre Symptome reichen unter Strahlenbelastung von unter anderem Kopfschmerzen, Denkstörungen, Übelkeit, Schwindel, Ganzkörperschmerzen, Tinnitus, Blutdruckkrisen, Herzrhythmusstörungen, Durchfällen, Schlaflosigkeit, Sehstörungen, innere Unruhe bis hin zu epileptischen Anfällen u.v.m..

Die Auswirkungen auf das soziale Leben der Menschen mit dieser unverschuldeten Überempfindlichkeit sind gravierend: Ganze Lebenspläne und Beziehungen werden zerstört und zerbrechen, Freunde und Verwandte wenden sich ab, die Arbeit kann oft nicht mehr ausgeübt werden, Einkäufe und Arztbesuche, die Teilhabe am sozialen Leben im Allgemeinen, sind Schwerbetroffenen nicht mehr möglich, die Wohnung muss im schlimmsten Falle verlassen werden. Manche Betroffene schlafen unter widrigsten Umständen im Wald, in Wohn- oder Bauwägen, in PKWs, in Kellern, bei Freunden in strahlenärmerer Umgebung, im Hausflur, in oder neben der Badewanne. In manchen Fällen haben elektrosensible Menschen gar keine Wohnung mehr, haben Hausschlüssel von verschiedenen Domizilen und finden dennoch nirgends Ruhe vor EMF-Strahlung und den damit verbundenen Symptomen. Die betroffenen Personen müssen im schlimmsten Fall ihr Leben nur noch nach ihren Gesundheitsbeschwerden ausrichten. Wo sollen sie hin in einem Land, wo sie mit dieser Beeinträchtigung keinerlei Schutzstatus haben, ja sogar oft noch milde belächelt oder verlacht werden? Haben sie nach langer Suche schließlich eine neue Bleibe gefunden und es wird auch dort der Mobilfunk ausgebaut oder es zieht ein Nachbar ein, der keine Rücksicht nehmen kann oder will, müssen sich die Betroffenen erneut auf die Suche nach einer Bleibe umsehen. Aber wo können sie noch einen Platz finden in einem Land, das eine hundertprozentige Netzabdeckung anvisiert?

Mit jeder neuen Sendeanlage werden die Lebensumstände dieser Notleidenden untragbarer! Zudem finden sie kein Gehör. Dabei muss gemäß langjähriger Erfahrung von betreuenden Umweltmedizinern deutlich betont werden: Die EHS kann jeden treffen, auch die Menschen, die momentan noch meinen: “Das macht mir nichts“.

Als Bürgerinitiative „Verantwortungsvoller Mobilfunk südlichster Schwarzwald“ mit Unterstützung des Vereins „Lebenswerter Hochrhein e.V.“ fühlen wir uns verpflichtet, diesen größtenteils verzweifelten Betroffenen endlich Gehör zu verschaffen. Es ist uns ein großes Bedürfnis, für diese leidgeprüften Menschen unter uns ein Bewusstsein in der Bevölkerung und bei allen politisch Verantwortlichen zu wecken!

Wir fordern von den zuständigen Ämtern, Behörden und PolitikerInnen: schnellstmögliche Anerkennung der Elektrohypersensibilität als „funktionelle Behinderung“, verbunden mit:

  • Schaffung von dauerhaft funkfreien Zonen, in welchen funkfreies Wohnen mit verbriefter Planungssicherheit möglich ist
  • Angebot von funkfreien Krankenhauszimmern und Arztpraxen
  • Bereitstellung von funkfreien Arbeitsplätzen
  • Gewährung finanzieller Unterstützung
  • Angebot von funkfreien Rehamaßnahmen für Betroffene
  • Weiterführende medizinische Forschung auf diesem Gebiet von unabhängigen Wissenschaftlern

Für zukünftige Mobilfunkkonzepte fordern wir die grundsätzliche Einbeziehung von unabhängigen Gutachtern zur Ausweisung funkarmer Gegenden, in welchen Betroffene und Nichtbetroffene beschwerdefrei leben können. Die Kommunen sollten hierfür finanzielle Unterstützung bekommen.

Wir fordern eine ausschließliche „Outdoorversorgung“, damit der häusliche Lebensraum der Anwohner von hochfrequenter Strahlung verschont bleibt. Wir regen „EIN Netz für alle“ (Roaming) an, auch so könnte die Mobilfunkstrahlung minimiert werden. Die Indoor-Versorgung ist mit dem Glasfaserausbau in den meisten Gebieten bereits gegeben.

Angesichts dieser aufgezeigten unhaltbaren Zustände appellieren wir mit großem Nachdruck an Sie: Schauen Sie nicht weiter weg! Haben Sie Mut zu handeln und sich einzusetzen für die Betroffenen mit EHS, für alle Menschen, die nicht dauerbestrahlt werden wollen, besonders für Kranke, Kinder, alte Menschen, für sich selbst!

Die elektrohypersensiblen Mitbürgerinnen und Mitbürger benötigen sowohl das Verständnis ihrer Mitmenschen, als auch insbesondere endlich die staatliche Anerkennung ihrer gesundheitlichen Belastungen.

Nicht irgendwann, beginnen Sie jetzt! Die Not der elektrohypersensiblen MitbürgerInnen ist immens groß!

Auf Sie kommt es jetzt mit an, diese Notlage zu beenden!

Mit sehr besorgten Grüßen,

BI „Verantwortungsvoller Mobilfunk südlichster Schwarzwald“ unterstützt durch den

Verein „Lebenswerter Hochrhein e.V.“

____________________________________________________________________

Die Homepage, die über Elektrohypersensibilität aufklärt: www.diagnose-ehs.org

Quelle: diagnose-ehs.org / diagnose:funk

Publikation zum Thema

Format: A4Seitenanzahl: 120 Veröffentlicht am: 30.08.2018 Bestellnr.: 711ISBN-13: 978-3-9812598-9-6Sprache: DeutschHerausgeber: Kompetenzinitiative e.V.

Elektrohypersensibilität

Risiko für Individuum und Gesellschaft
Autor:
Franz Adlkofer, Christine Aschermann, Frank Berner, Bernd Irmfrid Budzinski, EUROPAEM Arbeitsgruppe EMF, Karl Hecht, Lebrecht von Klitzing, Wilfried Kühling, Peter Ludwig, Werner Thiede.
Inhalt:
Mit dieser Broschüre hofft die Kompetenzinitiative, die Öffentlichkeit aktuell aufzuklären und elektro(hyper)sensiblen Mitbürgerinnen und Mitbürgern eine nützliche Handreichung zu übergeben für ihre Argumentation gegenüber unaufgeklärten bzw. allzu einseitig „aufgeklärten“ Ärzten, Politikern, Verwaltungsbeamten, Technologen, Firmen, Nachbarn.
Format: A 4Seitenanzahl: 20 Veröffentlicht am: 01.02.2012 Bestellnr.: 215Sprache: Deutsch

Elektrohypersensibilität - Tatsache oder Einbildung?

Ein Forschungsüberblick von Genuis/Lipp
Inhalt:
Ein Forschungsüberblick der kanadischen Umweltmediziner Genuis/Lipp über die Ursachen von Elektrohypersensibilität. Als Download finden Sie den Brennpunkt mit einem Vorwort zur Studie. Der komplette Brennpunkt mit der dt. Übersetzung des Forschungsüberblicks ist beim diagnose:funk - Versand bestellbar.
Format: A4Seitenanzahl: 12 Veröffentlicht am: 27.05.2011 Bestellnr.: 208Sprache: Deutsch

Europarat fordert Kurswechsel

Die potentiellen Gefahren durch elektromagnetische Felder und ihre Auswirkung auf die Umwelt
Autor:
diagnose:funk
Inhalt:
Der zuständige Ausschuss des Europarates hat ein Zeichen gesetzt. In einer einstimmig verabschiedeten Resolution und dem dazugehörigen Report fordert der Ausschuss für Umwelt, Landwirtschaft und regionale Angelegenheiten am 06.05.2011 ein grundsätzliches Umsteuern in der Mobilfunkpolitik. Am 27.05.2011 wurde die Resolution vom Ständigen Ausschuss des Europarates modifiziert übernommen und angenommen. Detailliert wird in dem Report der Stand der Forschung wiedergegeben, werden Schutz- und Vorsorgemaßnahmen gefordert, eine Forschungsförderung für neue Technologien und besonders eine Aufklärung unter Kinder- und Jugendlichen angemahnt.
Auflage Januar 2017Format: A4Seitenanzahl: 84 Veröffentlicht am: 28.09.2016 Bestellnr.: 591Sprache: DeutschHerausgeber: Europäische Akademie für Umweltmedizin (EUROPAEM) – Arbeitsgruppe EMF

EUROPAEM EMF‐Leitlinie 2016 zur Prävention, Diagnostik und Therapie EMF‐bedingter Beschwerden und Krankheiten

Europäische Akademie für Umweltmedizin (EUROPAEM) – Arbeitsgruppe EMF
Autor:
Igor Belyaev, Amy Dean, Horst Eger, Gerhard Hubmann, Reinhold Jandrisovits, Markus Kern, Michael Kundi, Hanns Moshammer, Piero Lercher, Kurt Müller, Gerd Oberfeld*, Peter Ohnsorge, Peter Pelzmann, Claus Scheingraber und Roby Thill
Inhalt:
Ärzte werden immer häufiger mit Beschwerden unbekannter Ursache konfrontiert. Studien, empirische Beobachtungen und Berichte von Patienten weisen ganz eindeutig auf Wechselwirkungen zwischen Beschwerden und der Exposition gegenüber elektromagnetischen Feldern (EMF) hin. Die individuelle Empfindlichkeit gegenüber Umwelteinflüssen wird jedoch meist außer Acht gelassen.
5. Auflage November 2020Format: A5Seitenanzahl: 60 Veröffentlicht am: 01.11.2020 Bestellnr.: 101Sprache: DeutschHerausgeber: diagnose:funk | Titelfoto: Drobot Dean stock.adobe.com

Elektrostress im Alltag

Anregungen zur Minimierung - Was jeder selbst tun kann
Autor:
Dr. G. Oberfeld (Land Salzburg), Dipl.-Ing. J. Gutbier (diagnose:funk)
Inhalt:
Seit September 2018 ist der vollständig überarbeitete Ratgeber "Elektrosmog im Alltag" mit dem veränderten Titel "Elektrostress im Alltag" erhältlich. Die nun vorliegende 5. Auflage wurde von 56 auf 60 Seiten erweitert. Wieder mit dabei ist die Landessanitätsdirektion Salzburg, auf deren „Informationsmappe Elektrosmog“ von 2008 diese Broschüre aufbaut. Mit einfacher Sprache, kurzen Texten, über 150 Bildern, Grafiken und Tabellen sowie einfache Icons für jede Empfehlung wird versucht, das komplexe Thema der Elektromagnetischen Felder (EMF) für Laien verständlich zu erläutern. Hilfestellung zur Selbsthilfe durch Prävention ist das Anliegen der Autoren. Wir danken Dr. Martin Virnich, Dr. Dietrich Moldan, Dirk Herberg und Dipl. Ing. Dietrich Ruoff für ihre Unterstützung bei der Erstellung.
Artikel veröffentlicht:
28.05.2022
Autor:
diagnose:funk / BI „Verantwortungsvoller Mobilfunk südlichster Schwarzwald“

Downloads

Schlagwörter dieses Artikels