Cindy Sage-Kommentar zum ICNIRP-Bericht
04.08.2009
ICNIRP veröffentlicht zwei neue Literaturübersichten
Die Internationale Kommission zum Schutz vor nicht-ionisierender Strahlung (International Commission on Non-Ionizing Radiation Protection, ICNIRP) hat die zwei Berichte "Exposure to high frequency electromagnetic fields, biological effects and health consequences (100 kHz-300 GHz)" sowie "Epidemiologic Evidence on Mobile Phones and Tumor Risk: A Review" veröffentlicht.
Der Kommentar von Cindy Sage stellt in Frage, warum die ICNIRP ihre Einschätzung zu Risiken von Mobiltelefonen veröffentlichte, bevor der Interphone-Bericht herausgegeben wurde.
Informationen
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Kommentar zur ICNIRP-Veröffentlichung
Von Cindy Sage (Bild), CHE-EMF Working Group
Deutsche Übersetzung: Diagnose-Funk
Die ICNIRP gibt eine Studie über Risiken durch Mobiltelefone heraus, bevor der ganze Interphone-Endbericht veröffentlicht wurde.
Das bestehende Komitee für Epidemiologie der ICNIRP hat ein Dokument in der Fachzeitschrift „Epidemiology“ über Hirntumor-Risiken wegen Mobiltelefonen herausgegeben. Es wurde gerade vor dem erwarteten Publikationsdatum der Final Interphone Study (Interphone-Studien-Endbericht) veröffentlicht. Einige von den ICNIRP-Autoren sind gleichzeitig Mitglieder der Interphone-Studiengruppe, was die Frage aufwirft, ob das Timing dieses Artikels dazu dient, den Ergebnissen des Interphone-Endberichtes zuvorzukommen. Wenn dem so ist, wird diese Publikation die Sicht gut vernebeln.
Der ICNIRP-Artikel weist die Hirntumor-Risiken durch Mobiltelefone von der Hand und gibt einen "Alles-klar-Bescheid". Frühere Andeutungen von den Mitgliedern der Interphone-Studiengruppe zeigen eine tiefe Kluft zwischen den Meinungen darüber, wie die Interphone-Resultate von 13 Ländern zu interpretieren seien. Einige Interphone-Mitglieder haben öffentlich darauf hingewiesen, dass sie tatsächlich ein gestiegenes Risiko für bösartige Hirntumore bei 10 Jahren und länger sehen – und man bei kürzeren Studienperioden nicht erwarten kann, dass das Risiko erkannt werden kann, weil ein Hirntumor längere Zeit braucht, um aufzutreten. Andere, eingeschlossen jene Autoren der Publikation der „Epidemiology“, haben mündlich und schriftlich und in der Presse jeglichen Zusammenhang zurückgewiesen.
Der ICNIRP-Artikel in Epidemiology sagt, dass es keinen „kausalen Beweis“ für ein Risiko gibt. Das ist aber nicht die Frage, die wir beantwortet haben wollen – die Frage ist „Weisen die Daten auf die Möglichkeit eines Risikos hin“, bei Langzeitgebrauch eines Mobiltelefons (10 Jahre und länger). Beantwortet man die Frage erst wenn man bezüglich der Sicherheit des Mobiltelefongebrauchs SICHER ist, heisst, dass man bis zu dem Punkt, an dem es bewiesen ist, kein mögliches Risiko erwähnt – welches zu Vorsorgemassnahmen führen könnte, und so der Öffentlichkeit helfen könnte, etwas zu ändern, während man noch Zeit dafür hat.
Wie könnte dies die Akzeptanz des vollen Interphone-Endberichts beeinträchtigen? Die Art, wie die Weltpresse dieses Thema behandelt? Wie wird die Botschaft die Öffentlichkeit beeinträchtigen? Mehr Verwirrung? Mehr Verzögerung, um vernünftige und leichte Vorsorgemassnahmen zu ergreifen? Die EU hat Millionen von Euros investiert und verzögert auf Jahre hinaus nun jegliche reale Vorsorgemassnahme, indem sie auf Resultate wartet.
Wirklich interessant ist, wie diese Autoren es vermieden die positiven Resultate anzusprechen (Resultate, die ein gestiegenes Risiko für Gliome bei 10 Jahren und längerer Nutzungsdauer angeben).
Einige Beispiele:
„Die meisten Studien über Gliome zeigen einen geringen Risikoanstieg oder ein Sinken unter Nutzern, obwohl eine Unterauswahl von Studien eine merkbare Risikoerhöhung zeigt.“ „Wir zogen methodische Probleme in Betracht, die die abweichenden Ergebnisse erklären könnten, aber wir fanden keine einleuchtende Erklärung.“
Dies bestätigt, dass eine Untergruppe von Studien merkbar gestiegene Risiken zeigen. Dann, unverständlich, werden diese merkbar gestiegenen Risiken als abweichende Resultate abgelehnt. Wenn man untersucht, ob Mobiltelefonbenutzung mit einem gestiegenen Gliom-Risiko zusammenhängt und dies findet, warum will man dann die Resultate als „abweichend“ ablehnen?
„Die verfügbaren Daten lassen keinen kausalen Zusammenhang zwischen Mobiltelefonbenutzung und schnellwachsenden Tumoren, wie bösartigen Gliomen bei Erwachsenen vermuten (wenigstens für Tumore mit kurzen Induktionsperioden)“
Warum erwartet irgendjemand irgendetwas mit ohnehin kurzen Induktionsperioden zu sehen? Und warum wird der Balken so hoch gesetzt –um einen kausalen Beweis zu finden oder überhaupt nichts? Warum wird nicht über den Beweis berichtet, der das offenlegt? Die Autoren scheinen die Daten der kürzeren Latenzzeiten als Trick zu benutzen, um davon abzulenken, auf Langzeitdaten zu schauen, da könnte man die Gesundheitsrisiken zeigen. Um die mit nach Hause genommene Botschaft zu verschleiern und sagen zu können: „Seht, kein Effekt.“
„Wegen der begrenzten Daten über lange Latenzzeiten und Langzeitgebrauch.... vermuten Sie nicht einen kausalen Zusammenhang zwischen Mobiltelefonbenutzung und schnellwachsenden Tumoren, wie ein bösartiges Gliom bei Erwachsenen (zumindestens für Tumore mit kurzen Induktionsperioden)“
Hier wieder die Vortäuschung: Keine Effekte bei kurzer Latenzzeit.
„Für langsam wachsende Tumore, wie Meningiome und Hörnervtumore, und für Gliome bei Langzeitnutzern ist die bisher berichtete fehlende Beziehung wenig schlüssig, weil die Beobachtungsperiode zu kurz war.“
Von Gliomen wurde berichtet, dass sie in jedem Fall zugenommen haben (jede einzelne individuelle Interphonestudie hat Daten herausgegeben, wo die Latenzzeit 10 Jahre oder länger ist und in anderen veröffentlichten Studien über Gliome und Mobiltelefonnutzung, eingeschlossen Kan et. al. und Hardell et al.)
So war die Beobachtungperiode NICHT zu kurz für die mehrfachen Studien, die über erhöhte Risiken berichteten.
„Gesamthaft zeigen die veröffentlichten Studien bis jetzt kein erhöhtes Risiko für irgendeinen Tumor am Gehirn oder einen anderen Tumor am Kopf innerhalb während ca. 10 Jahren des Gebrauchs von Mobiltelefonen.“
Die Vermutung funktioniert nur, wenn man die Studien ignoriert, die tatsächlich eine 10 Jahre und längere Latenzzeit haben. Diese berichten alle über ein erhöhtes Risiko für ein Gliom. Die Metaanalysen Kan et al. (2007) und Hardell et al. (2009) haben eine 10 Jahre und länger andauernde Latenzzeit herangezogen, um eine statistisch signifikante Zunahme für ein erhöhtes Risiko für Gliome aufzuzeigen.
Ahlbom, Anders; Feychting, Maria; Green, Adele; Kheifets, Leeka; Savitz, David A; Swerdlow, Anthony J.; ICNIRP (International Commission für Non-Ionizing Radiation Protection) Standing Committee on Epidemiology, Epidemiologic Evidence on Mobile Phones and Tumor Risk: A Review, Epidemiology Volume 20, Number 5
September 2009
Die Internationale Kommission für Nichtionisierende Strahlung (ICNIRP) ist das Gremium, das öffentliche Sicherheitsstandards für die Exposition durch elektromagnetische Felder (EMF), eingeschlossen Hochfrequenz und Mikrowellenstrahlung durch drahtlose Technologien und Anlagen ausarbeitet.
Kommentiert von Cindy Sage, MA
22. Juli 2009
CHE-EMF-Arbeitsgruppe







