Naila: Mobilfunk ist gesundheitsschädlich

Bamberg, Februar 2005

Pressemitteilung
Beobachtungen eindeutig - Mobilfunk ist gesundheitsschädlich


Enormer internationaler Zulauf bei Mobilfunk-Symposium in Bamberg - Ärzte- Initiative fordert Stopp für Netzausbau und niedrigere Grenzwerte

Dringenden Handlungsbedarf betonten die Veranstalter und Referenten des 1.Bamberger Mobilfunk-Symposiums, das an der Universität Bamberg stattfand.

Der Andrang von Ärzten, Journalisten und teilnehmenden Interessierten hatte alle Erwartungen übertroffen. Über 400 Personen kamen bis aus Norddeutschland und Österreich, aber sogar aus Schweden, Frankreich, Belgien, Luxemburg und der Schweiz in die oberfränkische Universitätsstadt.

Es war die erste große mobilfunkkritische Fachveranstaltung in Deutschland zu der Frage, welche Gesundheitsschäden Mobilfunk verursachen kann. Das Symposium wurde auch vom Hese-Projekt unterstützt. "Die große Resonanz zeigt, wie viele Menschen bereits heute Beschwerden durch Mobilfunk haben, wie dringend sie Hilfe brauchen, wie sehr sich Ärzte und Patienten in dieser Situation allein gelassen sehen", so das Resümee der Mitorganisatorin, der praktischen Ärztin Dr. Cornelia Waldmann-Selsam. Sie hatte zusammen mit 130 Kollegen aus Bamberg und Umgebung im Sommer 2004 den "Bamberger Mobilfunk-Appell" initiiert, der bundesweit durch die Presse ging. Die Ärzte warnen vor den Gefahren der durch Mobilfunk entstehenden elektromagnetischen Felder, fordern einen Ausbaustopp für das Mobilfunknetz und eine Senkung der gesetzlichen Grenzwerte.

Dies waren auch die Hauptforderungen der Redner bei dem ganztägigen Symposium. Dr. med. Gerd Oberfeld, als Referent für Gesundheit und Umweltmedizin bei der Salzburger Landesregierung tätig, zog einen historischen Vergleich: Vor 150 Jahren habe man in London festgestellt, dass sich in der Nähe von bestimmten Brunnen schwere Durchfallerkrankungen mit Todesfolge häuften. Daraufhin habe man die Brunnen gesperrt - und tatsächlich seien die Infektionen sofort zurückgegangen. Erst 30 Jahre später habe Robert Koch den verantwortlichen Choleraerreger entdeckt und danach habe es noch einmal 70 Jahre gedauert, bis man den genauen Wirkmechanismus verstand. "Wir sind heute in der Beobachtungsphase", so Oberfelds Parallele, "wir erkennen, dass es Krankheiten durch Mobilfunk gibt, wenn auch die genauen Kausalzusammenhänge noch nicht klar sind. Aber bisher tun wir nichts, sondern warten nur weiter ab, bis wir alles bis ins letzte Detail erforscht haben und erklären können." Seiner Meinung nach besteht aber sofortiger Handlungsbedarf. Er schätzt, dass bereits heute mehr Menschen durch Mobilfunk geschädigt werden oder gar zu Tode kommen, als durch Verkehrsunfälle oder Luftschadstoffe. Das Vorsorgeprinzip, nach dem Behörden und Politik handeln sollen, sahen auch andere Symposiumsredner völlig außer Acht gelassen. Prof. Dr. med. Karl Hecht, emeritierter Professor der Humboldt-Universität und seit Jahrzehnten mit dem Thema befasst, fragte: " Warum muss jedes Medikament akribisch den Nachweis führen, dass es nicht gesundheitsschädlich ist, aber von einer neuen Technologie wie Mobilfunk wird dies nicht verlangt?"

Die Beobachtungen von Dr. med. Reinhold Jandrisovits aus Müllendorf (Österreich) zeigten, dass unverzüglich Untersuchungen an den Standorten erfolgen müssen, wo die Menschen bereits krank sind. Er praktiziert als einziger Allgemeinarzt in dem Ort mit 1200 Einwohnern und stellte eine drastische Zunahme von Ohrgeräuschen, Hörstürzen, Schlafstörungen und Tumoren fest. Auch der Ingenieur für Baubiologie und Umweltmesstechnik, Dr. Martin H. Virnich, hält die bestehenden gesetzlichen Grenzwerte für unzureichend, weil diese sich nur auf die Wärmewirkung beziehen und andere Auswirkungen auf den menschlichen Körper unbeachtet lassen. Er kritisierte den aufgeputschten sozialen Wert der Mobilfunktechnologie. "Mit Unsummen für Marketing und Werbung suggeriert die Industrie vor allem jungen Leuten, Telefonieren mit Handy oder Schnurlostelefonen bedeute Freiheit und Modernität."

Der Einfluss der Industrie auf Politik, Behörden, aber auch die Ärzteschaft selbst ist nach Ansicht der Experten enorm. Erst vor ein paar Jahren habe Bundeskanzler Schröder selbst - gedrängt von Mobilfunk-Lobbyisten - den Vorstoß des Umweltministeriums gestoppt, die gesetzlichen Grenzwerte zu senken. Seither sei die Politik in Stillstand erstarrt. Auch im "Deutschen Ärzteblatt", dem Organ der Ärzteschaft, werde bisher kaum über das Thema berichtet. "Information und Aufklärung der Ärzte sind nicht ausreichend", stellte der Bamberger Allgemeinarzt und Mitorganisator des Symposiums Dr. Helmut Heyn fest, "in der Ausbildung spielt Mobilfunk noch keine Rolle und eine Kommunikation unter den Ärzten fand bisher noch nicht statt."

Dem hat nach Hoffnung der Veranstalter das 1. Bamberger Mobilfunksymposium nun eine Ende gemacht. "Wir Ärzte vor Ort müssen zusammen mit den Patienten die Politik und die Verantwortlichen aufrütteln", so Dr. med. Cornelia Waldmann-Selsams Ziel. Ein erstes Angebot kam bereits, wenn auch nicht aus Deutschland, so doch von der Universität Bern: Man will zusammen mit Hausärzten eine sogenannte epidemiologische Studie organisieren, d.h. die Reaktion von Menschen auf Mobilfunk wird nicht unter Laborbedingungen untersucht, sondern sie werden in ihrem alltäglichen Umfeld über längere Zeit medizinisch begleitet. Im Auftrag des Schweizerischen Bundesamtes für Gesundheit werden in einer Studie die Erfahrungen der Hausärzte mit Patienten, die unter elektromagnetischen Feldern leiden, erfasst.. "Das fordern wir auch in Deutschland: Wir müssen dort forschen, wo die Menschen tatsächlich krank werden." Möglicherweise sind die Mobilfunkkritiker auch hierzulande bereits einen Schritt weiter gekommen. Dr.. Axel Böttger, im Bundesumweltministerium als Referatsleiter für Strahlenschutz zuständig, besuchte erst vor wenigen Wochen die Bamberger Ärzte-Initiative und einige ihrer Patienten. Er sagte zu, dass die Bamberger Krankheitsdokumentationen Grundlage für eine Expertenrunde sein sollen, die demnächst in Berlin anberaumt wird.