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Mobilfunksender gehören aus der Stadt raus

ntz.de | 19.04.2006

"Mobilfunksender gehören aus der Stadt raus"

Neue Messungen von Mobilfunksender in der Stadtmitte gehen von einer deutlichen Reduzierung der Strahlungsdichte aus


WENDLINGEN. Einen ersten Erfolg kann sich die Bürgerinitiative Mobilfunk Wendlingen auf die Fahnen schreiben. Auf ihr Drängen hin hatte E-Plus freiwillig seine Mobilfunkanlage auf dem Dach des Hotels Erbschenk umgebaut, so dass sich die Strahlungswerte für die Anwohner verringern (wir berichteten). Jetzt haben neue Messungen ergeben, dass sich die Strahlung tatsächlich um rund 90 Prozent reduziert hat. Damit ist der Grenzwert nach der 26. Bundesimmissionsschutzverordnung zwar noch weiter unterschritten worden, doch dieser Wert ist umstritten, wenn man nach der Salzburger Resolution namhafter Wissenschaftler oder der Bundesärztekammer geht, die angesichts befürchteter Krankheiten niedrigere Richtwerte für sinnvoll erachten. Besorgt zeigt sich die Bürgerinitiative auch darüber, dass die Firma T-Mobile einen neuen Standort für eine UMTS-Anlage im Wendlinger Stadtgebiet sucht.

GABY KIEDAISCH

Allein in Deutschland sind 85 Millionen Handys in Gebrauch. Je nach Größe des Haushalts verfügt mittlerweile fast jeder in vielen Familie über sein eigenes Mobilfunktelefon. Ein Ende der Fahnenstange ist aber längst nicht in Sicht. Um den Kunden bis in den letzten Winkel eine optimale Verbindung garantieren zu können, werden immer neue Standorte für Mobilfunkantennen gesucht. So sucht die Firma T-Mobile laut Bürgerinitiative einen geeigneten Ort für einen UMTS-Sendemasten im Bereich um die Pfauhauser Straße, den Wendlinger Friedhof und die Kirchheimer Straße. Die Bürgerinitiative Mobilfunk Wendlingen sieht dies jedoch mit Besorgnis. Zum einen angesichts der Standort-Dichte solcher Anlagen – mittlerweile stehen mindestens zwölf GSM-Mobilfunk-Basisstationen an verschiedenen Stellen im Stadtgebiet, einige davon wurden bereits mit UMTS aufgerüstet. Zum anderen sind nach einer Studie, die im Auftrag des Bundesamts für Strahlenschutz erstellt worden ist, auch Immobilienbesitzer, die auf ihrem Dach ihres Hauses eine Mobilfunk-Antenne installieren ließen, von der Strahlung betroffen und liegen nicht – wie bisher immer angenommen – im Funkschatten.

Auch die Stadt Wendlingen hat sich zu den Standorten solcher Anlagen klar positioniert und dazu bekundet, dass sie solche Sender möglichst nicht in Wohngebieten haben möchte.

Die meisten, die sich in der Wendlinger Bürgerinitiative engagieren, wohnen in unmittelbarer Nähe von solchen Anlagen, einige GSM-Basisstationen wurden mit UMTS aufgerüstet, wie auf dem Dach des Hotels Erbschenk. Bei Messungen vor drei Jahren hatte sich gezeigt, dass in der rund 26 Meter entfernt liegenden Wohnung von Alexandra Wirth die maximale Strahlungsdichte bei 29 000 Mikrowatt pro Quadratmeter liegt – der höchste Wert, der in Wendlingen je gemessen wurde. Nach der Bundesimmissionsschutzverordnung liegt allerdings auch dieser unter den erlaubten Grenzwerten, doch nachdem sich bei Alexandra Wirth gesundheitliche Beschwerden wie Tinnitus eingestellt haben, sieht sie die Ursache dafür in der Sendeanlage. Über weitere Krankheitsbilder wie Kopfschmerzen und Schlaflosigkeit klagen andere Mitstreiter in der Bürgerinitiative. Natürlich wissen auch sie, dass der wissenschaftliche Nachweis einer Kausalität zwischen solchen Sendeanlagen und diesen Erkrankungen bislang fehlt.

Omega es gibt genügend wissenschaftliche Nachweise einer Kausalität zwischen Sendeanlagen und Erkrankungen siehe „Gesundheitsrisiko Mobilfunk„ unter:
http://omega.twoday.net/stories/1223449/

Wenn die Betreiber der Mobilfunkantennen die Grenzwerte und Abstände einhalten, sind auch Behörden die Hände gebunden, hier einzuschreiten.

Nach der letzten Messung also lief die Bürgerinitiative bei der Stadt Sturm. Daraufhin baute E-Plus die Anlage auf dem Hotel Erbschenk Ende 2004 freiwillig um mit dem Ziel, die Strahlenstärke zu reduzieren.
Vergangene Woche wurde nun abermals gemessen, ob sich tatsächlich etwas verändert hat. Diplom-Ingenieur Norbert Honisch, der in St. Johann ein Büro für Umweltstress-Analytik betreibt, führte diese Messungen wieder durch. Insgesamt fünf, bei zwei Familien in der Blumenstraße und zweien in der Hauptstraße und eben bei Alexandra Wirth in einem der Hochhäuser.
Während die exakten Werte noch berechnet werden müssen, konnte Norbert Honisch ein vorläufiges Messergebnis ziehen: Danach ist die GSM-Strahlungsdichte in der Wohnung von Alexandra Wirth deutlich zurückgegangen und zwar um zirka 90 Prozent – von 29 000 auf schätzungsweise rund 2700 Mikrowatt pro Quadratmeter. Darin noch nicht eingerechnet ist die UMTS-Strahlung, die ebenfalls noch ausgerechnet werden muss.

Alexandra Wirth und die anderen Mitstreiter in der Bürgerinitiative sehen zwar den guten Willen beim Umbau, sind – in Anbetracht von Empfehlungen der Salzburger Resolution, die von einer Strahlungsdichte von 1000 Mikrowatt ausgeht, oder von Baubiologen, die einen Vorsorgewert von 10 Mikrowatt pro Quadratmeter empfehlen (bei sensiblen Menschen und Kranken sogar 1 Mikrowatt) – mit dem jetzigen Ergebnis immer noch nicht zufrieden. "Wir sind nicht gegen die Handy-Technik. Doch wir halten nach wie vor Antennenstandorte inmitten einer Wohnbebauung für nicht angebracht. Sendeanlagen gehören raus aus der Stadt", so die Mitglieder Bürgerinitiative unisono.

Norbert Honisch bei der Messung vergangene Woche in der Wohnung von Alexandra Wirth. Der kritischste Punkt in der Wohnung ist der Essplatz. Er ist der Sendeanlage auf dem Nebengebäude zugewandt.