Effiziente Strategien gegen Elektrosmog

25.09.2007

Effiziente Strategien gegen Elektrosmog im Haus
Veröffentlicht: Tagesanzeiger am 24.09.2007
Autor: Stefan Hartmann

Elektromagnetische Strahlung kann sich auf das Wohlbefinden auswirken - vor allem wenn man elektrosensibel ist. Schutz im Haus ist aber möglich.

Feinmaschiges Kupfernetz an der Gebäudehülle.

Das Zuger Paar R.B. und H. S.* lässt derzeit in einer Gemeinde im Kanton Zug ein Haus so umbauen, dass es gegen hochfrequente Strahlenquellen (E-Smog genannt) geschützt ist. Die Gebäudehülle wird mit einem feinmaschigem Kupfergewebe gegen elektromagnetische Strahlung abgeschirmt, die über Erdungsdrähte abgeführt wird. Zwar ist der neue Wohnort wenig E-Smog-belastet, doch im Nachbarhaus sind mehrere Funktelefone nach DECT-Standard in Betrieb, die bis ins Haus von R. B. und H. S. strahlen. Um die ganze Gebäudehülle zu schützen, wurden die Fenster mit einer Spezialfolie versehen; Holzrahmen und Aussentüren erhielten eine Spezialfarbe mit Kohlefaser-/Silberpartikel, die den E-Smog abhält. «Entscheidend ist, dass ein Fachmann das Abschirmkonzept erstellt», betont Baubiologe Guido Huwiler, der den Umbau begleitet. Für die Massnahmen hat das Paar Mehrkosten von rund 10 Prozent in Kauf genommen.


Aus heiterem Himmel?

Das sportliche Paar ist im besten Alter, um die 40 Jahre. Sie bekleiden Managerposten und stehen mit beiden Füssen auf dem Boden. «Wir hätten nie geglaubt, dass uns der Elektrosmog eines Tages Probleme bereiten würde.» Sie sind keineswegs Handygegner, sondern beruflich darauf angewiesen. Das Paar hat mehrere Wohnungswechsel hinter sich. Begonnen hatte es in ihrer früheren Mietwohnung in Baar. «Wir litten von einem Tag auf den anderen unter starken Schlafstörungen und wussten nicht, was los ist.» Sie liessen durch einen Fachmann die Umgebung auf hochfrequente Strahlenquellen prüfen. Tatsächlich stellte sich heraus, dass in 50 Meter Entfernung eine Mobilfunkantenne in einem Einfamilienhaus versteckt war, die der Besitzer dort schon sechs Jahre zuvor installiert hatte. Das Paar zog sofort aus und kam vom Regen in die Traufe: Auch die neue Wohnung im Nachbarort verliessen sie fluchtartig nach wenigen Wochen. Grund waren zahlreiche DECT-Telefone in den benachbarten Wohnungen. Nun hatten die beiden genug: Bis zum Einzug ins neue Haus Anfang Oktober logiert das Paar in einem Hotel ohne DECT-Telefonie oder WLAN-Internet. Solche Hotels gebe es leider immer seltener, stellen die beiden fest, die geschäftlich viel unterwegs sind und oft schlecht schlafen. Auf Reisen fehlt daher das Schutznetz zur Abschirmung vor elektromagnetischen Feldern nie. Es wird über dem Bett wie ein Mückennetz aufgespannt.


Kombination von Umweltfaktoren

«Elektrosensiblität», sagt Baubiologe Guido Huwiler, «stellt sich nicht von einem Tag auf den anderen ein.» E-Smog reize die Nervenbahnen, bis eines Tages der berühmte Tropfen das Fass zum überlaufen bringe und der Körper reagiere. Huwiler spricht von einer «Inkubationszeit» von mehreren Jahren; beim Zuger Paar dauerte sie zum Beispiel rund fünf Jahre. Oft sei die Reaktion des Körpers eine Kombination von verschiedenen Umweltfaktoren: So könnten sich zum E-Smog durch WLAN, Mobilfunkantennen oder DECT-Telefonen auch Wohngifte hinzugesellen. Im Fall des Zuger Paares war es zum Beispiel die Ausdünstung des geölten Eichenparketts in einer der Mietwohnungen.

*Name der Redaktion bekannt

Tipps fürs Telefon

DECT-Telefon:
Leute, die elektrosensibel sind, sollten vor allem den Schlafbereich schützen. Mit Vorteil verzichten sie auf das DECT-Telefon (digitale, gepulste Mikrowellen) und W-LAN (Computer-Funkverbindungen) im Haus. Gute Alternativen dazu sind Schnur- oder strahlungsarme Funktelefone. Elektroleitungen und -apparate, die niederfrequente Strahlung verursachen, können mit Bio-Switchgeräten in der Nacht stillgelegt werden. Für weiter gehende Massnahmen sollte man sich an Fachleute wenden.

Handy:
Die Gesprächsdauer beim Handy beschränken, längere Gespräche nur mit Schnurtelefon führen. Vieles kann auch während der Arbeitszeit per E-Mail am Computer erledigt werden. 70 Prozent aller Handygespräche werden in Gebäuden geführt - wo es Festanschlüsse gibt. Handy nicht am Hosengürtel, in der Manteltasche oder in der Brusttasche tragen, sondern beispielsweise in der Aktentasche, und während der Nacht ausschalten. (sth.)


www.diagnose-funk.ch
www.gesund-wohnen.ch
www.cuprotect.de
www.stoag.ch
www.swiss-shield.ch
www.bossart-funk.ch

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