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Das Gequatsche über den Wolken

12.10.2007

Über das Handy im Flugzeug und das Gequatsche über den Wolken
Von Peter Hahne
Gedanken am Sonntag
aus BamS vom 07.09.2007

N
irgends ist man vor ihnen sicher. Weder im Kino noch im Konzert, weder im Restaurant noch beim Einkaufen. Ja, selbst in der Kirche rauben sie einem die Nerven. Will man ihnen entgehen, muss man schon ins Krankenhaus kommen oder ins Flugzeug steigen. Dort sind die Handys nämlich verboten, die uns zu Zwangszuhörern fremder Gespräche degradieren oder mit ihren Klingeltönen nerven.

Doch eine dieser handyfreien Ruhezone wird jetzt geknackt: Ab Februar dürfen die Passagiere von Emirates, der Fluggesellschaft von Dubai, ihr Handy auch an Bord benutzen. Moderne Technik macht möglich, dass die himmlischen Gespräche über eine Außenantenne via Satellit in die irdischen Telefonnetze gelangen, ohne die Elektronik der Maschine zu stören.

Gestört werden allerdings die Passagiere, die sich das Geplapper und Gebimmel in der Kabine anhören müssen. Vorbei die schönen Zeiten, als man sich bequem im Sessel zum Nickerchen oder Lesen zurücklehnen konnte, sobald man aufgefordert wurde, aus Sicherheitsgründen die Mobiltelefone auszuschalten.

Es ist ein Zeichen von Unkultur, dauernd und überall erreichbar zu sein. Hat man ein Handy, gehört man dem Handy, es hat einen sozusagen in der Hand.

„Ohne Handy sind Sie nackt“, wirbt ein Hersteller. Das stimmt höchstens insofern, als auch diese Mode Stil und Etikette erfordert. Es ist eine Frage der Höflichkeit, wo und wie man telefoniert. Die direkte Kommunikation leidet darunter, wenn man bei einer Essens-Einladung oder einer Verabredung gleich sein Handy auf den Tisch knallt. Man widmet sich nur halbherzig und mit halbem Ohr den Menschen, mit denen man gerade zusammen ist, weil man ständig an und abrufbar ist. Die persönliche Begegnung wird gestört, Gespräche jäh abgebrochen. Man entwürdigt den momentanen Gesprächspartner zum passiven Zuhörer.

Das einstige Statussymbol der Wichtigtuer ist längst allgemeiner Gebrauchsgegenstand, Interessanter sind die Leute, die ohne das Gerät auskommen.

Karl Lagerfeld und Oskar Lafontaine, Harald Schmidt und Helmut Kohl sind bekennende Handymuffel und erledigen dennoch ihre Arbeit. Natürlich braucht man das Rad des Fortschritts nicht zurückzudrehen, Handys können lebensrettend sein und sind für Arzte und Feuerwehrleute unersetzlich. Aber wenn ich einen jungen Mann mit seiner Freundin am Strand spazieren sehe, den Arm lässig um ihre Schultern und das Handy am Ohr? Das soll wohl cool aussehen, ist aber in Wahrheit eine Demonstration kalter Gefühle. Souverän ist jemand, der seinen Wert nicht vom Handy am Ohr abhängig macht und seinen Knigge im Kopf, besser: im Herzen hat und weiß, wo das Telefon ausgeschaltet gehört, ohne dass man dazu aufgefordert werden muss.

Ein Handy zu besitzen, gibt niemandem das Recht, es allerorts und allezeit zu benützen. Und es ist schon bemerkenswert, wenn eine Gesellschaft, die auf Kinderlärm gereizt reagiert, sich das Gebimmel und Gequasselt, ohne Widerspruch gefallen lässt.


Mit freundlicher Erlaubnis von Peter Hahne


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