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Expertenverhalten zeigt reale Gefahr

18.06.2008

Experten lassen die Debatte
über Mobiltelefone und Krebs wieder aufleben
New York Times, Tara Parker-Pope, 03.06.2008
Deutsche Übersetzung: Evi Gaigg, Diagnose-Funk

Was wissen Hirnchirurgen über die Sicherheit von Mobiltelefonen, was die meisten von uns nicht wissen?

Letzte Woche haben drei prominente Neurochirurgen dem CNN Interviewer Larry King gesagt, dass sie ihre Handys nicht direkt an ihr Ohr halten. „Ich denke, die sichere Methode“, sagte Dr. Keith Black, ein Chirurg des Cedars-Sinai Medical Centers in Los Angeles, „ist es, einen Ohrhörer zu benutzen, um die Mikrowellenantenne vom Hirn fernzuhalten.“

Dr. Vini Khurana, ein Dozent für Neurochirurgie an der Australian National University, der ein ausgesprochener Kritiker von Handys ist, sagte: „Ich benutze es mit der Freisprecheinrichtung. Ich halte es nicht an mein Ohr.“ Und der medizinische Chef-Korrespondent, Dr. Sanja Gupta, ein Neurochirurg am Emory Universitiy Hospital, sagte, dass er, wie Dr. Black, einen Ohrhörer benutzt.

Einhergehend mit der kürzlichen Diagnose eines Glioms bei Senator Edward M. Kennedy, eines Tumortyps , den Kritiker lange Zeit mit Handygebrauch verbunden haben, haben die Bemerkungen der Ärzte eine langschwelende Debatte über Mobiltelefone und Krebs wieder angefacht.

Der vermutete Zusammenhang wurde lange Zeit von vielen Experten, einschliesslich der American Cancer Society, abgetan. Die Theorie, dass Mobiltelefone Hirntumore verursachen könnten, „stellt ein Herausforderung an die Gutgläubigkeit dar“, sagte Dr. Eugene Flamm, der Vorsitzende der Hirnchirurgie am Montefiore Medical Center.

Gemäss der Food und Drug Administration, haben drei umfangreiche epidemiologische Studien seit 2000 keine schädlichen Effekte gezeigt. CTIA – die Wireless Association , die führende Interessenvertretungsgruppe der Industrie, sagte in einem Statement, „die überwiegende Mehrheit von Studien, die in wissenschaftlichen Zeitschriften weltweit veröffentlicht wurden, zeigen, dass drahtlose Telefone keine Gesundheitsrisiken in sich bergen.“

Die F.D.A. hält jedoch fest, dass die durchschnittliche Periode der Telefonbenutzung die in den Studien zitiert wird, ungefähr drei Jahre beträgt, so dass die Forschung keine Antworten auf die Fragen über Langzeitexpositionen gibt. Kritiker sagten, dass viele Studien aus diesem Grund fehlerhaft waren, auch deswegen, weil sie nicht zwischen gelegentlichem und starkem Gebrauch diffenzieren.

Mobiltelefone emittieren nichtionisierende Strahlung, Energiewellen, die zu schwach sind, um chemische Verbindungen oder die DNA zu brechen, was man als Ursache für die Entstehung von Krebs kennt. Es gibt keinen bekannten biologischen Mechanismus, der erklären könnte, wie nichtionisierende Strahlung zur Krebsentstehung führen könnte.

Aber Forscher, die Besorgnis anmeldeten, sagen, dass gerade darum, weil die Wissenschaft den Mechanismus nicht erklären kann, dies nicht heisst, dass er deswegen nicht existiert. Die Besorgnisse haben sich auf die Wärme fokusiert, die durch die Mobiltelefone erzeugt werden und die Tatsache dass die Hochfrequenzstrahlungen hautpsächlich vom Kopf und vom Hals absorbiert werden. In neueren Studien, die ein Risiko vermuten, haben die Tumore die Tendenz, an der gleichen Seite des Kopfes zu erscheinen, an der der Patient typischweise das Telefon hält.

Wie die meiste Forschung in diesem Gebiet, sind diese Studien nur Beobachtungsstudien, die nur einen Zusammenhang zwischen dem Handygebrauch und Krebs zeigen und nicht eine kausale Verbindung. Die wichtigste dieser Studien, bekannt als Interphone, ist eine sehr grosse und aufwendige Forschung von 13 Ländern, einschliesslich Kanada, Israel und verschiedenen europäischen Ländern.

Einiges der Forschung lässt einen Zusammenhang mit Mobiltelefongebrauch und drei Typen von Tumoren vermuten: Gliome, Krebse der Ohrspeicheldrüse und Speicheldrüsen nahe dem Ohr; und Hörnervtumor, ein Tumor, der hauptsächlich dort erscheint, wo das Ohr auf das Hirn trifft. All diese Krebsarten sind selten, sogar dann, wenn Handygebrauch tatsächlich das Risiko erhöht, das Risiko ist immer noch sehr niedrig.

Letztes Jahr hat das American Journal of Epidemiology Daten von einem israelischen Forschungsergebnis veröffentlicht, das ein 58 Prozent höheres Risiko von Speicheldrüsentumor bei intensiven Handybenutzern gefunden hat. Ebenfalls letztes Jahr hat eine schwedische Analyse von 16 Studien im Journal Occupational and Environmental Medicine eine Verdoppelung von Risiken für Hörnervtumoren und Gliome nach zehnjährigem intensiven Handygebrauch gezeigt.

„Was wir sehen, sind Hinweise in epidemiologischen Studien, die sich mit Menschen beschäftigten, die Handys 10 Jahre und länger benutzten“, sagte Lous Slesin, der Herausgeber der Microwave News, einer Fachzeitschrift, die die Forschung verfolgt. „ Es gibt einige beunruhigende Ergebnisse, die ein Problem vermuten lassen, obwohl es noch viel zu früh ist, zu einem abschliessenden Bild zu kommen.

Einige Ärzte sagen, die eigentliche Besorgnis sind nicht die älteren Handynutzer, die mit dem Handytelefonieren als Erwachsene begonnen haben, sondern die Kinder, die heute beginnen, Handys zu benutzen und vor einer lebenslangen Benutzung stehen.

„Immer mehr Kinder benutzen Mobiltelefone“ sagte Dr. Paul J. Rosch, der Klinikprofessor für Medizin und Psychiatrie am New York Medial College. „Sie werden wahrscheinlich stärker betroffen sein. Ihr Hirn wächst schnell und ihre Schädelknochen sind dünner.“

Für Menschen, die sich wegen der möglichen Risiken sorgen, ist es eine einfache Lösung, ein Headset zu benutzen. Natürlich ist diese Option nicht immer geeignet und einige Kritiker haben ihre Sorge über die drahtlosen Apparate und Techniken wie Bluetooth ausgedrückt, das hauptsächlich den Transmitter im Ohr platziert.

Die Angst ist die, dass sogar dann, wenn das individuelle Risiko durch die Benutzung eines Handys gering ist, mit weltweit drei Milliarden Nutzern sogar ein unbedeutendes Risiko in grössere öffentliche Gesundheitsbesorgnisse münden wird.

„Wir können nicht mit Sicherheit sagen, dass Mobiltelefone sicher oder unsicher sind“, sagte Dr. Black zu CNN. „Meine Sorge ist die, dass mit der weitverbreiteten Benutzung von Mobiltelefonen, das schlimmste Szenario jenes sein wird , dass wir in 10 Jahren den Beweis finden, dass es einen Zusammenhang gibt.“


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