"Blinde Kühe" ist kein Spiel

Ein Bericht zum Vortrags- und Diskussionsabend am 05. Oktober 2010 in Nussdorf/Inn
zu Erkenntnissen der Landwirte Hans Sturzenegger und Josef Hopper

Großer Andrang herrschte am 05.10.2010 beim Vortrag von Hans Sturzenegger aus Winterthur/Schweiz. In dem voll besetzten Saal des Gasthofs Schneiderwirt in Nussdorf/ Inn im Landkreis Rosenheim berichtete der Landwirt den rund 200 interessierten Besuchern von seinem jahrelangen Kampf um den Abbau eines Mobilfunkmastes, den er 2006 gewann.

Es sei ihm lediglich um eine zusätzliche Einnahmequelle gegangen und von möglichen gesundheitlichen Risiken des Mobilfunks habe er damals nichts gewusst, begann Hans Sturzenegger seinen Bericht, als er 1999 seine Einwilligung zur Errichtung des Sendemastens auf seinem Anwesen gab. Heute wisse er, dass das ein fataler Fehler gewesen sei.

Bereits Anfang Juni 2000 sei das erste Kalb mit weißer Pupille zur Welt gekommen. Mitte Juni das Zweite, dann das Dritte. Nachdem im September 2001 7 Kälber und 3 Kühe geschädigt gewesen seien, habe er sich in seiner Not an die Universität Zürich gewandt. Diagnose: Grauer Star (Nukleärer Katarakt). Auch weitere gesundheitliche Schäden an Mensch und Tier seien in dieser Zeit festgestellt und durch die UNI Zürich dokumentiert worden, berichtete der Landwirt. Der gesamte Hof sei untersucht worden. Die UNI Zürich hätte herausgefunden, dass als einzig mögliche Ursache für die Erkrankungen der Tiere die Strahlung des nahegelegenen Senders in Frage käme.

Auszug aus der Dokumentation


Sturzenegger machte den Besuchern das Angebot, dass sich alle Landwirte, die ähnliche Probleme hätten, bei ihm melden könnten. Er sammle die Daten und werte sie statistisch aus.

Dann appellierte er an die vielen anwesenden Kollegen, keinen Standort für Funkanlagen zur Verfügung zu stellen und sich nicht vom Geld beeindrucken zu lassen. Der Schaden wäre viel höher.

Missbildungen in einer Schweinezucht

Im Anschluss an den Vortrag von Hans Sturzenegger berichtete der Landwirt und Schweinezüchter Josef Hopper über seine Erfahrungen mit einem Sendemast. Hopper kommt aus Ruhstorf, Landkreis Passau und ist dort 3. Bürgermeister. Lange habe er überlegt, ob er seine Problematik öffentlich vorstellt, so der Landwirt. Letztendlich sähe er darin aber eine Chance, weitere betroffene Kollegen zu ermutigen, an die Öffentlichkeit zu gehen und so zu erreichen, dass die Politik endlich reagiert.

Josef Hopper wurde beim Bau des 40,5 m hohen Mobilfunksendemastes in ca. 300 m Entfernung zu seinem Betrieb nicht gefragt. Die Auswirkungen der Strahlungen stelle er jetzt bei seinen Tieren fest, so der Landwirt. Bereits im ersten Jahr ab Errichtung des Sendemastens im Mai 2009 seien 15 missgebildete Tiere geboren worden. Ab Mai 2010 bereits 14, wobei das Jahr noch nicht zu Ende sei. So etwas kenne er nicht, sagte Hopper. Vor Inbetriebnahme des Sendemastes habe er maximal 2 Missgeburten pro Jahr oder keine gehabt. Sein Hoftierarzt überwache regelmäßig den Gesundheitsstatus der Tiere, die auftretenden Anomalien würden dokumentiert. Die Besucher zeigten sich bestürzt, als der Landwirt die Bilder dieser Dokumentation über die missgebildeten Nachzuchten zeigte.

Missbildungen


Für die notwendigen wissenschaftlichen Untersuchungen, so Josef Hopper weiter, fehle ihm jedoch das Geld und bei der Politik habe er bisher kein Gehör gefunden. Er wisse auch, dass es anderen Landwirten ebenso gehe.

Beide Landwirte riefen abschließend dazu auf, sich zusammenzuschließen. Nur gemeinsam könne man sich bei der Politik und in der Öffentlichkeit Gehör verschaffen. Dabei verwies Hans Sturzenegger auf den Kampf „David gegen Goliath“, um dann das Publikum zu fragen: Und wer hat bei diesem Kampf gewonnen?



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