SAR-Wert für Handys bietet keine Sicherheit
16.12.2011, BRENNPUNKT
Diagnose-Funk legt Übersetzung vor
US-Studie: SAR-Wert für Handys bietet keine Sicherheit, Kinder besonders gefährdet
Die Umwelt- und Verbraucherorganisation Diagnose-Funk veröffentlicht die Übersetzung der neuen US-Studie von Gandhi et al.: „Die Unterschätzung der aufgenommenen Handystrahlung, insbesondere bei Kindern“ (2011) die nachweist, dass Handynutzer einer viel höheren Strahlungsbelastung ausgesetzt sind als der SAR-Wert ihres Handys angibt.
Der SAR-Wert wird nach einem von der Mobilfunk-Industrie konzipierten Zulassungsverfahren ermittelt, bei dem die Körpermaße von 10% der Rekruten der US-Armee im Jahr 1989 als Maße für eine Modellpuppe verwendet wurden. Diese Rekruten waren durchschnittlich 1,88 m groß und wogen 100 kg. Dieses SAM-Zulassungsverfahren ("Specific Anthropomorphic Mannequin" (SAM) = "spezifische menschenähnliche Puppe") unterschätzt die tatsächliche Aufnahme von Handystrahlung so stark, dass jeder Handynutzer, der ein Handy in seiner Hosentasche trägt, eine weit über dem SAR- Richtwert liegende Strahlendosis aufnimmt. Auch wer sein Handy nicht in der Hosentasche trägt, sondern es zum Telefonieren an den Kopf hält, ist nicht besser dran.
FIGUR 4 aus der Studie
Tiefe der Strahlungsabsorption bei einem 5jährigen Kind, einem 10jährigeKind und einem Erwachsenen von einem GSM-Handy mit einer Frequenz von 900 MHz. Die Farbskala rechts zeigt den SAR-Wert in Watt pro Kilogramm (Gandhi et al., 1996).
Die Studie weist nach, dass bei 97% der Bevölkerung die zugelassene Strahlendosis überschritten wird. Die Strahlenbelastung kann bei Kindern am Kopf bis zum Dreifachen höher sein, ihre Augen und Knochen um bis zu 10mal mehr als bei Erwachsenen belastet werden. Dadurch ist eine akute Gesundheitsgefährdung gegeben.
Der SAR-Wert täuscht eine Sicherheit vor und trägt damit zur sorglosen Handynutzung und zur Schädigung der Verbraucher bei. Als Konsequenz fordern die Forscher die Einführung eines computergestützten Zulassungsverfahrens, das sofort zur Verfügung stünde. Als Testpersonen schlagen sie die „virtuelle Familie“ vor, die aus Erwachsenen, Kindern und Schwangeren besteht.
Die Arbeit von Gandhi et al. beschreibt auch die Geschichte des Zulassungsverfahren für Handys durch die Federal Communications Commission (FCC = Amerikanische Bundesbehörde für Telekommunikation) und gibt einen Studienüberblick über die Gesundheitsgefährdung durch die Handystrahlung, die von der WHO als potentiell krebserregend eingestuft wurde.
Mobilfunkindustrie nimmt Schädigung der Kinder in Kauf
Stellt man den Erkenntnissen dieser Studie über die Strahlenbelastung besonders für Kinder die Aussagen der Industrie gegenüber, so wird deutlich, wie skrupellos deren Werbestrategen argumentieren, um ihre Produkte zu verkaufen. Das Informationszentrum Mobilfunk (IZMF), die Lobbyzentrale der deutschen Mobilfunkbetreiber, schreibt:
( http://www.izmf.de/node/34084, Stand Dezember 2011)
Die ICNIRP-Richtlinien beziehen sich nicht speziell auf Kinder, Kranke und Schwangere, haben keine Langzeitkomponente und berücksichtigen nur thermische, nicht aber athermische Wirkungen:
Diagnose-Funk Brennpunkt (2 Seiten) mit einer Zusammenfassung der Studienergebnisse:
Deutsche Übersetzung der Studie, 20 Seiten. Verlinkung auf www.mobilfunkstudien.org
Die Übersetzung der Studie ist auch als Druck bestellbar: www.info.diagnose-funk.org/bestellung/index.php
Links
Weiteres zu den Grenzwerten finden Sie unter
http://www.mobilfunkstudien.org/grenzwerte/index.php














