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EMF-Monitor zur Bionitiative

Aus Ausgabe Nr. 5 - Oktober 2007

Gesundheitsrisiken durch hoch- und
niederfrequente elektromagnetische Felder
Bericht und Empfehlungen der BioIniative Working Group
H.-Peter Neitzke
Mit freundlicher Genehmigung von EMF-Monitor

Eine internationale wissenschaftliche Arbeitsgruppe, die BioIniative Working Group (s. Kasten 1), hat einen Bericht zu den Gesundheitsrisiken durch nieder- und hochfrequente elektromagnetische Felder vorgelegt. In dem Bericht wird der aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisstand zu Wirkungen elektromagnetischer Felder unterhalb der von der Internationalen Kommission zum Schutz vor nicht-ionisierender Strahlung (ICNIRP) empfohlenen und in vielen Ländern geltenden Grenzwerte dargestellt. Auf der Basis dieser Zusammenstellung werden neue Vorsorgewerte gefordert, die weit unterhalb der in vielen Ländern geltenden Grenzwerte liegen.

Perspektive der BioIniative Working Group

Sowohl zu den möglichen Risiken durch niederfrequente als auch zu denen durch hochfrequente Felder liegen bereits zahlreiche Bewertungen des wissenschaftlichen Erkenntnisstandes durch selbst ernannte oder von Regierungen bzw. Behörden eingesetzte Kommissionen vor (s. z.B. EMF-Monitor 1/2005), die fast durchweg zu anderen Bewertungen und Maßnahmenempfehlungen kommen als die BioIniative Working Group. Eine gewisse Ausnahme bildet die im Auftrag des damaligen Bundesamtes für Umwelt, Wald und Landschaft der Schweiz 1998 durchgeführte Auswertung. Die BioIniative Working Group kritisiert, dass andere Gremien so unverhältnismäßig hohe Standards für die Evidenz wissenschaftlicher Ergebnisse angewandt hätten, dass damit jegliche Schlussfolgerungen, die zu neuen Grenzwerten führen könnten, ausgeschlossen wurden. Einige Gremien würden sogar eine Lockerung existierender Grenzwerte empfehlen. Einen Grund dafür sieht die BioIniative Working Group darin, dass die Grenzwerte von Wissenschaftlern und Ingenieuren entwickelt wurden, die professionellen Gesellschaften angehören, die traditionell Empfehlungen abgeben, die dann von den Behörden übernommen wurden. Vertreter anderer Gruppen, die keine technischen Entwicklungs- oder Wirtschaftsinteressen hätten, seien an der Setzung der Standards nicht beteiligt. Oft dominiere die industrielle Sicht, was als Risiko zulässig und wie ein Schaden nachzuweisen sei, und nicht das, was Experten für die öffentliche Gesundheitsvorsorge für richtig hielten. In der von Cindy Sage geschriebenen Zusammenfassung des Berichts der BioIniative Working Group für die Öffentlichkeit benennt sie die aus ihrer Sicht wesentlichen Gründe für die Uneinigkeit der Experten. Sie werden im Folgenden in wörtlicher Übersetzung wiedergegebenen, weil an ihnen die Kritik der Initiative an der Arbeit anderer Gremien, deren Schlussfolgerungen und die Position der BioIniative Working Group deutlich werden.

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Kommentar

Der Bericht der BioIniative Working Group könnte, wie erste Reaktionen zeigen, einen neuen Impuls für eine Debatte über Grenzwerte für elektromagnetische Felder geben, die dem Anliegen der Gesundheitsvorsorge tatsächlich gerecht werden. In der BioIniative Working Group sind Personen vertreten, die über unterschiedliche und umfangreiche Erfahrung in der Forschung verfügen und selbst wichtige Beiträge zur Erforschung der Wirkungen elektromagnetischer Felder geleistet haben. Sie haben sich fachliches Renommee erworben, auch wenn sie nicht immer im wissenschaftlichen Mainstream geschwommen
sind. Ihr Bericht ist auch ein Bekenntnis zur gesellschaftlichen Verantwortung von Wissenschaftlern. Anderen gilt solches schon fast als 'anrüchig', sie meinen, es reiche, wenn sie sich an die von ihrer 'Community' vorgegeben Standards halten, ohne zu reflektieren, wie diese Standards zustande gekommen sind und welchen Interessen sie dienen. Der Bericht basiert auf Übersichten zum wissenschaftlichen Erkenntnisstand zu verschiedenen Wirkungen elektromagnetischer Felder, die von einzelnen Autoren oder Autorengruppen verfasst wurden. Diese Übersichten weisen sehr unterschiedliche Strukturen auf und unterscheiden sich auch deutlich hinsichtlich ihrer Qualität. Eine abgestimmte Vorgehensweise und klare Vorgaben zur differenzierten Bewertung der wissenschaftlichen Evidenz hat es in der Arbeitsgruppe offensichtlich nicht gegeben. So erschließt sich nur im Niederfrequenzbereich, auf welchen konkreten wissenschaftlichen Befunden die Grenzwertempfehlungen beruhen. Im Hochfrequenzbereich fehlt eine Begründung des vorgeschlagenen Grenzwerts.Es wird zwar deutlich, dass es mittlerweile zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten gibt, die gesundheitsrelevante Effekte unterhalb der geltenden Grenzwerte belegen, es gibt aber keine Aussage dazu, welcher wissenschaftlich belegte Wirkungs- oder Schwellenwert und welcher Sicherheitsfaktor dem vorgeschlagenen Grenzwert zugrunde liegen. Dies ist insofern verständlich als auf einzelne wissenschaftliche Untersuchungen und (wissenschaftlich nicht abgesicherte) Einzelfallberichte hingewiesen wird, in denen über Effekte auch unterhalb des von der BioIniative Working Group empfohlenen Grenzwerts berichtet wird, dürfte der Akzeptanz des Grenzwertvorschlags aber sicher abträglich sein. Das ECOLOG-Institut hat in der Vergangenheit Auswertungen des wissenschaftlichen Erkenntnisstandes vorgenommen und auf dieser Basis Vorsorgewerte vorgeschlagen (s. z.B. EMF-Monitor 2/2000, 2/2003). Grundlage war jeweils die Identifizierung der niedrigsten Werte, bei denen gesundheitsrelevante Effekte festgestellt wurden. Berücksichtigt wurden dabei in begutachteten wissenschaftlichen Fachzeitschriften veröffentlichte Untersuchungen, die die Qualitätskriterien in Bezug auf methodische Vorgehensweise, Auswertung und Dokumentation erfüllten. Grundlage für die Empfehlungen im Niederfrequenzbereich waren wie bei der BioIniative Working Group die Befunde aus den epidemiologischen Studien. Der vorgeschlagene Vorsorgewert von 0,1 μT war wie bei der BioIniative Working Group ein Kompromiss: Normalerweise würde mindestens ein Sicherheitsfaktor von 10 angesetzt (s. EMF-Monitor 3/2003), was unter der Annahme, dass das Risiko für ELF-exponierte Kinder, an Leukämie zu erkranken, ab 0,2 μT zunimmt, zu einem Vorsorgewert von 0,02 μT führen würde. Ein solcher Wert ist heutzutage in Wohngebieten mit einer Vielzahl von Quellen für ELF-Felder in der Regel nicht einzuhalten. Deshalb wurden 0,1 μT als praktikabler Vorsorgewert gewählt. Dieser Wert entspricht der Empfehlung der BioIniative Working Group. Im Hochfrequenzbereich ergab die Auswertung der wissenschaftlichen Literatur, dass ab einem Wert von 0,1 W/m2; mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen zu rechnen ist. Die Einrechnung eines Vorsorgefaktors von 10 führte zu der ECOLOG-Empfehlung für einen Vorsorgewert von 0,01 W/m⊃2; (= 10 mW/m⊃2;) für die gesamte HFExposition. Empfohlen wurde darüber hinaus, die Immissionen durch einzelne Verursacher deutlich unterhalb des Vorsorgewerts zu halten. Den ECOLOG-Empfehlungen für Vorsorgewerte übergeordnet war die Empfehlung, bei der Errichtung emittierender Anlagen grundsätzlich eine Minimierung der Expositionen anzustreben. Der Bericht der BioIniative Working Group bestätigt einmal mehr, wie wichtig die Beachtung des Minimierungsgebots ist. Es wird auch künftig die Leitlinie für die praktische Arbeit des ECOLOG-Instituts darstellen. Da es sich gezeigt hat, dass unterschiedliche Vorschläge für Vorsorgewerte, zumal wenn für sie der Anspruch erhoben wird, wissenschaftlich begründet zu sein, zu Verwirrung führen und ein strategisches Vorgehen im Sinne der Vorsorge eher behindern, wird das ECOLOG-Institut zwar weiterhin die Forschung zu möglichen Risiken durch elektromagnetische Felder beobachten, auswerten und kommentieren, aber vorerst auf eigene Vorschläge für Vorsorgewerte verzichten.


Literatur
BioIniative Working Group 2007: BioInitiative Report: A Rationale for a Biologically-based Public Exposure Standard for Electromagnetic Fields (ELF and RF).
www.bioinitiative.org/report/index.htm


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